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Rundreise Mexiko

Fr., 17.Feb.17, Mexiko/Isla Mujeres, Tag 993, 9.937 sm von HH

Wir liegen noch immer in der Marina.
Zur Marina gehört ein Hotel, dessen Einrichtungen, Swimming-Pool, Tischtennis und Billard wir mit benutzen dürfen. Das Beste ist eine Eiswürfel-Maschine am Pool. :-)
Die Hotelwäscherei (mit der trickreichen Amiga) und gute Duschen gehören ebenfalls dazu.

Am Steg liegt ein Anschluss für Satelliten-Fernsehen, es mangelt allerdings am Fernseher.
Nur das WiFi ist überraschend schlecht bei dem ganzen Luxus. Der Rest passt.

Leider ist soviel Luxus sau teuer.
Wir haben trotzdem einen Monat gebucht, das gibt einen guten Preisnachlass.
Es bleibt mit 30,00 EUR am Tag ordentlich. Wir haben keine andere Wahl.

Die Karibik-Küste von Mexiko ist nicht so gut fürs Ankern konzipiert.
Die ungebremste Dünung sorgt für heftigen Schwell und der Wind ist meistens auflandig.
Nicht schön für Tages-Ankerei und gänzlich ungeeignet, um das Schiff länger zu verlassen.

Genau das ist unser Plan.
Wir wollen eine 14tägige Rundreise durch Mexikos unternehmen.
Das Land ist riesig, fünfeinhalb Mal so groß wie Deutschland. Unmöglich alles zu bereisen. Zumal gilt der Norden und Westen als gefährlich. Drogenkriege und Auseinandersetzungen zwischen den Kartellen und Behörden geben dem ‚Auswärtigen Amt‘ genug Futter, um von einer Reise in diese Regionen dringend abzuraten.
Über Acapulco schreibt die Mexikanische Presse: „Die Perle ist mit Blut beschmiert.“

Deshalb konzentrieren wir uns auf den als sicher geltenden Süden und Osten.
Sicher im Sinne von: „wahrscheinlich werden wir nicht in eine Schießerei geraten“. :lol:
Überall wird jedoch von trickreichen Taschendieben, kleinen Gaunern und faulem Zauber bei Rechnungen berichtet.

Selten, sehr selten kommt es zu Überfällen auf Busse. Dann meistens nachts. Die Banditen sitzen bereits mit im Bus und auf freier Strecke werden Waffen gezogen, man wird seines Hab- und Guts beraubt und die Gauner verschwinden in wartenden Autos in der Nacht.
Daher gibt es vielfach in den Bussen Sicherheitskontrollen wie beim Fliegen.

Da die Entfernungen im Land so enorm sind, fliegen wir von Cancún nach Mexiko City.
Und am gleichen Tag noch weiter nach Oaxaca.
Mexiko City, als eine der größten Städte der Welt, ist sicher einen Besuch wert. Aber geschätzte 25 Millionen Einwohner sind uns ein paar zu viel.

Von Oaxaca werden wir langsam wieder zurück nach Cancún tingeln.
Jetzt mit den besagten Bussen.
Damit liegen 2.000 km Bus-Strecke vor uns. :shock:

Das erste Hotel ist vorgebucht, den Rest entscheiden wir unterwegs. Wo es uns gefällt, bleiben wir, sonst geht es weiter. Als Backpacker. Eine Art Urlaub. ;-)
Wie sagte Achim gestern: „Ich bin noch nie so wenig verreist gewesen, wie in den letzten drei Jahren.“

Der trickreiche Mexikaner

Di., 14.Feb.17, Mexiko/Isla Mujeres, Tag 990, 9.937 sm von HH

Wie alle Touristen sind auch wir nur auf der Ringstraße mit dem Rad unterwegs gewesen. Einmal um die Insel rum, fertig.
Auf unserer Suche nach einem Fahrradschlauch, kommen wir ins Insel-Innere. Es scheint als ob ein Schalter umgelegt wird: Von Touristen weit und breit keine Spur. Hier gibt es kleine Schlachter, Miniläden, Tischlereien, Schlosser und Tortilla „Fabriken“.

 

Es ist sauberer als im Osten der Karibik. Müll liegt wenig herum. Trotzdem wirkt alles etwas rummelig, unordentlich. Die Fußwege sind in schlechtem Zustand, hier und da Bauschutt, alles etwas bruchig. Das wird durch aufwendige Bemalung wett gemacht.

Was in Mexiko mit T wie Tourist anfängt, ist auch t wie teuer.
Es ist unglaublich, wie die Preis-Schere in Mexiko auseinander klappt.
Taxifahren, organisiert vom Marina-Hotel sind doppelt so teuer, wie ein angehaltenes Taxi auf der Straße. Die Fahrt mit der Fähre kosten für Touristen das vierfache als für Einheimische.

Der Mexikaner ist ein Schlitzohr.
Er versteht es, dem US-Dollar hörigen Amerikaner das Geld aus der Tasche zu ziehen.
Der Eintritt an einer winzigen Maya Ruine kostet 30 Pesos oder 3 USD. Ein sportlicher Umrechnungskurs, richtig wären 1,50 USD. :mrgreen:

In einem kleinen Restaurant kostet eine Cola 30 Pesos. Laut Aushang.
Auf der Rechnung tauchen dann plötzlich zusätzlich 15% Trinkgeld auf.
Okay, wir Deutschen sind das nicht gewohnt. Jetzt wissen wir Bescheid.

Der eigentliche Trick wendet sich nun an die Amis, die es ja gewöhnt sind, dass Tipp grundsätzlich auf den Preis aufgeschlagen wird: Die 15% Trinkgeld auf der Rechnung sind mit ‚propina‘, dem spanischem Wort für Trinkgeld gekennzeichnet.
Darunter steht frech auf Englisch: ‚Tipp not included‘ :lol:
Für den rechenbequemen Amerikaner, der gewünschte Betrag gleich daneben.
Dieser Betrag berechnet 15% Aufschlag auch auf das bereits enthaltene Trinkgeld.
Listiger Mexikaner. Ich wette, dass 90% aller Amerikaner so zweimal Tipp geben.

Die Wäscherei nimmt 1 USD pro Kilo Wäsche. Laut Aussage der Amiga.
Die Bezahlung erfolgt in Pesos. Zu einem drolligen Umrechnungskurs.
Zack, hat die Amiga die ersten 10% plus im Sack.
Wechselgeld ist dann auch grad keins da ;-) , so dass das Kilo noch mal 10% teurer wird.

In unserem Reiseführer steht groß und breit die Warnung, dass der Mexikaner gerne bei der Bezahlung trickst. Jetzt wissen wir, wie das gemeint ist. :-)

Unerwartete Schlepphilfe

So., 12.Feb.17, Mexiko/Isla Mujeres, Tag 988, 9.937 sm von HH

Isla Mujeres kann man gut mit dem Golf Cart (ähem, hüstel, 50 USD/Tag ist uns dann etwas viel) oder per Rad erkunden.
Also packen wir nach langer Zeit mal wieder die Räder aus.
Allerdings erweist sich die Insel ähnlich tückisch wie Dänemark. Von weitem sieht alles platt aus, aber beim Strampeln stellt man fest, dass es üble Hügel dazwischen gibt.

Schnell begreifen wir, warum der Strand im Norden so überbevölkert ist. Auf dem Weg Richtung Süden kostet es überall Eintritt, um ans Wasser zu kommen. :shock:
Der felsige Osten der Insel ist dann kostenlos. Aber auch nahezu Strandlos.

Grad als wir am weitesten entfernt von der Marina sind, meldet Achim einen Plattfuß. Mist. Eine Pumpe haben wir dabei, die hilft nicht, sofort ist die Luft wieder raus.

Wir wissen nicht genau, ob es Wege quer über die Insel gibt, die unseren Fußmarsch erheblich abkürzen würden. Ich fahre mit dem Rad vorweg, erkunde kleine Wege, um zu hören: Nein, hier kein Ausgang.

Achim schiebt. :mrgreen:

An einem kleinen Souvenirstand erkundige ich mich erneut, als eine Familie mit ihrem Golf Cart stoppt. Ich habe Glück.
Die Mutter kommt aus Argentinien und spricht besser Englisch als ich Spanisch.
Von der Souvenir-Frau erfahren wir, dass es ein Stück weiter eine Querverbindung über die Insel gibt.

Achim ist in der Zwischenzeit ebenfalls eingetroffen.
Da mischt sich der französische (mit kleinen Englisch-Kenntnissen) Vater ein: Wo wir hinwollen, kein Problem, sie nehmen uns mit.
Die Hilfsbereitschaft führt so weit, dass der Teenager-Sohn gezwungen werden soll, dass er mein Fahrrad fährt und ich im Golf Cart mitfahren darf.

Das lehne ich ab. Zur großen Erleichterung des Jungen. :lol:
Ich strampel also hinter dem Cart her, während Achim sich gemütlich über die Insel kutschieren lässt. Das Fahrrad quer auf den rückwärtigen Sitzen, die entgegengesetzt zur Fahrrichtung eingebaut sind.
So viel Glück muss man erst mal haben. :-)

Seltsame Fishing-Power-Boote

Fr., 10.Feb.17, Mexiko/Isla Mujeres, Tag 986, 9.937 sm von HH

Auf Isla Mujeres findet gerade ein Fishing-Wettbewerb statt.
Nicht angeln, sondern Hochsee-Fischen.
Somit erleben wir seit Tagen den absoluten Overkill. In jeder Beziehung.

Es fing ganz harmlos an. Als wir ankamen, standen ein paar Tiefkühlboxen auf dem Steg und es herrschte gemütliche Geschäftigkeit.
Mittlerweile sieht der Steg aus wie eine Caravan- und Campingmesse in Kombination mit einer Tiefkühltruhen-Ausstellung. Durchkommen nur noch im Slalom.

In unserer  Naivität nahmen wir an, dass die Kühltruhen für den gefangenen Fisch gedacht sind. So ein Blödsinn! :lol: Die sind nur für die Köderfische…

Die Powerboote fahren alle unter US-Amerikanischer Flagge. Bis zu sechs Hiwis (junge Amerikaner, ein paar Mexikaner dazwischen) kümmern sich um die Boote, Ausrüstung und Köder.
In den letzten Tagen sind nach und nach auch die Eigner der Millionen-USD-Yachten eingetroffen. Genächtigt wird allerdings im Hotel.

Der Haupt-Wettbewerb dieser Veranstaltung ist jedoch nicht das Fischen, sondern das Putzen der Boote.
Männer, die zu Hause für Klo und Küche den gleichen Lappen benutzen, wienern sich auf fremden Eigentum in Rage.
Jede freie Minute wird geschrubbt, abgespritzt, poliert, gefeudelt und gewischt. Bereits beim Festmachen läuft schon einer der Jungs mit einem Schlauch über Deck.

 

Ich bin mir sicher, dass diese Boote mit einer extra dicken Schicht Gelshield ausgeliefert werden. Soviel Geschrubbe hält kein normales Boot aus.
Die Buchhaltung so eines Kahns wird zeigen, dass die Aufwendungen für Putz-Zubehör die vom Treibstoff übersteigen dürfte.

In der Marina-Dusche hängt ein Schild: „Wasser ist Leben“.
Wasser sparen ist also durchaus ein Thema auf der Insel. Das gilt nicht für die Powerboote.
Zum Teil haben sie Filteranlagen am Steg installiert, um das Trinkwasser noch einmal zu filtern. Nicht zum Überleben, sondern dafür, dass sich zu keiner Zeit ein einziger Salzkristall auf dem Kahn befindet. Hektoliter weise wird Wasser versprüht.

Armdicke Stromkabel sorgen für den nötigen Strom. Wir haben schnell unseren Stecker wieder aus dem Landanschluss gezogen als wir hörten, dass Strom pauschal 10 USD pro Tag kostet. :cool:

Nachts sind die Boote beleuchtet wie Weihnachtsbäume.
Es laufen Fernseher so groß wie Tischtennisplatten. Auch wenn keiner hinguckt. Im klimatisierten Salon.
Der Wahnsinn.
Wenn Geld keine Rolle mehr spielt, ist es dann Pflicht, dass Ressourcen einfach nur verschwendet werden?

Das nächste Phänomen ist der Hype um die Köderfische.
Die Köder werden gefroren und einzeln (!) eingeschweißt geliefert. Meistens handelt es sich um Hornhechte oder ähnlichen Fisch mit einem schnabelartigen, länglichen Maul. Diesen Fischen wird von der Crew der Schnabel gekürzt. :lol:
Im Ernst, ich schreibe die Wahrheit.
Hoffentlich weiß der Segeltisch das auch zu schätzen. Fängt er sich doch sonst seinen Fisch mit komplettem Schnabel.
Eine Boot-Crew habe ich sogar beim Saubermachen der Köderfische beobachtet.

Wenn die Hornhechte fertig präpariert sind, werden sie in einer Kühlbox auf Eis gelegt.
Je nach Geldbeutet auf Alufolie oder angefertigten Einsätzen aus Metall. Sorgfältig in Reih und Glied, wie rohe Eier werden die Fische in der Box gestapelt. Das macht auf einem schwankenden Schiff besonders viel Sinn. Bei der ersten Welle dürften die Köder durcheinander liegen. :mrgreen:

Der Neben-Wettbewerb, das eigentliche Angeln, findet im Umkreis von 50 sm um die Insel statt. Es geht im Prinzip nur um Segelfische.
Die werden nicht getötet, sondern wieder frei gelassen. Der Fisch wird bis ans Boot heran gekurbelt und sobald man das Stahlvorfach greifen kann, wird die Schnur durchgeschnitten. :shock:
Der Haken verbleibt im Maul des Fisches und soll sich nach wenigen Tagen ‚herauslösen‘. So lange hat der Fisch den Haken zu ertragen.

Beim Wettbewerb zählt, wer die meisten Marline auf diese Art gefangen hat. Es gibt noch die Kategorie dickster Thun, MahiMahi, Wahoo und so weiter. Von diesen Fischen sehen wir allerdings keine am Steg. Ob keine gefangen werden oder sie bereits vorher an der ‚Meß-Station‘ abgeliefert werden, wissen wir nicht.

Die Angler sind nicht sehr kommunikativ. Sie bleiben unter sich. Selbst wenn man an ihren Booten interessiert schaut, wird man nach einem „Hi, how are you“ ignoriert.
Kaum ein Blick oder Lächeln fällt für uns ab, obwohl wir Seite an Seite liegen. Weder Crew noch Eigner zeigen Interesse, was die ärmlichen Segler so treiben.

Auch untereinander ist keine große Gemeinschaft zu erkennen. Ist der Konkurrenzkampf so groß? Sind alle so satt an Kommunikation, weil sie grade in Florida beim letzten Contest neben einander gelegen haben? Alles arrogante Millionärs-Schnösel?
Aus der Ferne betrachtet eine traurige Veranstaltung.

Verhießen die kofferraumgroßen Grills doch einen großartigen Grill-Wettbewerb, so werden wir auch hier enttäuscht. Die meisten der uncoolen Gas-Grills bleiben unbenutzt.
Ab und an liegt ein Stück Fleisch (!) auf dem Rost.

Einmal kommt Achim mit einem der Angler ins Gespräch. Er sei nur Gast auf einem der Powerboote. Er betont mehrfach, dass er kein Millionär sei und nur zufällig dabei sein darf.
Er berichtet von der Marlin-Praxis und wir bekommen ein paar Red Snapper Filets geschenkt. Das ist nett, aber mehr Kontakt findet nicht statt.

Cancún

Mi., 08.Feb.17, Mexiko/Isla Mujeres, Tag 984, 9.937 sm von HH

Cancún ist eine künstliche Stadt, die man sich in den 70er Jahren ausgedacht hat.
In Acapulco, auf der Pazifik-Seite, fand schon längst der amerikanische Luxus-Urlaub statt, während die Karibik-Küste noch nichts vom großen Geld-Verdienen ahnte.
Da erfand man Cancún am Reißbrett. Mittlerweile zählt die Stadt mehr als eine halbe Million Menschen, die alle direkt oder indirekt vom Tourismus leben.
Eine gesichtslose Stadt ohne Geschichte, ohne Charme, so steht es geschrieben.

Nach dem Import von Atanga sind wir ja nun schon mal am Festland und wollen uns selber überzeugen. Ein Typ, den wir nach einer Bushaltestelle fragen, entpuppt sich als Taxifahrer.
„Ich bring Euch ins Zentrum. Kostet 60 Pesos.“
In Mexiko ist es üblich zu handeln. Das vergessen wir angesichts der günstigen 2,85 EUR für die Fahrt.

Er soll uns am Markt absetzten, so unsere Idee. Sehenswürdigkeiten gibt es nicht, also ist man mit dem Markt ja immer gut bedient. Wir haben keinen Stadtplan und keine Idee wo unser Amigo uns absetzt.
Aber es ist am Markt.

Der Markt ist nicht besonders schön, aber es gibt alles, was das Herz begehrt. Eine riesen Auswahl an Obst und Gemüse, endlich wieder frische Kräuter und nicht nur Bananen.
Und Fress-Stände, jede Menge Fress-Stände mit lockenden Köstlichkeiten.
Alle ‚boil it, peel it or forget it-Regeln‘ ignorierend, futtern wir uns durch.
Dass der Teller in Plastik eingeschlagen ist, damit er nicht abgewaschen werden muss, ist allerdings ätzend.

Wir bekommen einen ersten Eindruck einer total schrägen Preisgestaltung in Mexiko.
Beim Einklarieren werden wir so richtig gemolken (der Stachel mit den 275 USD für nichts, steckt noch tief), dagegen ist auf dem Markt alles preiswert: Wir bezahlen 4,50 EUR für unseren Snack, inklusive einem halben Liter frisch gepressten Orangensaft.
Das teuerste Fleisch kostet 5,00 EUR das Kilo und Tomaten sind für 20 Cent das Kilo zu haben. :shock:

Dann der Gegensatz im benachbarten Einkaufszentrum. Pipi machen kostet 0,25 Cent.
Das ist mehr als ein Kilo Tomaten kostet. Kopfschüttel. Das passt irgendwie nicht.
Das beste am Toilettenbesuch ist das abgezählte Klopapier. Auf einem Tisch liegen kleine Häufchen sauber abgewickeltes Papier von denen man sich einen Stapel nehmen darf. ;-)

Wir lassen uns durch die Stadt treiben, die in der Tat nichts besonderes bietet. Im Schachbrettmuster angelegt, ist es aber leicht sich zu orientieren. Wir finden tatsächlich unseren Weg hinaus. Plötzlich tauchen Schilder Richtung Puerto Juarez auf von wo wir mit der Fähre zurück zur Insel fahren.