Archiv des Monats: Juli 2016

Der Skulpturenpark in Moliniere Bay

Mo., 04.Jul.16, Grenada/Dragon Bay, Tag 765, 6.586 sm von HH

Am nächsten Morgen kommen die Ranger zum Kassieren der 10 USD für die Mooring (wir befinden uns wieder in einem Marine-Park).
Auf die übliche Frage wie es uns geht, berichten wir von der lauten Musik am Abend. Die Antwort ist ein Lachen: „Hey man, Carneval is’nt far away…“

:shock: …hallo, bis Karneval sind es noch vier Wochen!
Jawohl, richtig gelesen. Auf Grenada findet Karneval Anfang August statt. Jeder Insel-Staat in der Karibik feiert Karneval wann er will. Diktiert werden diese unüblichen Termine durch Trinidad. Der Karneval auf Trinidad gilt als der bester der Welt und ist so mächtig, dass die anderen Inseln es sich nicht leisten können zur gleichen Zeit so ein Spektakel auszurichten. Es würde sich keiner für sie interessieren.

Also hält man es wie die Queen, passt mir der Tag meines Geburtstages nicht, wird er verschoben.

Wir machen unser Dinghy klar und fahren ein kurzes Stück um die Ecke in die Moliniere Bucht. Neben klarem Wasser und Fischreichtum gibt es hier einen Skulpturen-Park des Künstlers Jason deClaires Taylor.
Auf 800 qm sind verschiedene Figuren-Gruppen verteilt.
Ohne Kreuze auf dem Wasser, wo die Gruppen zu finden sind, muss man sich das Auffinden schnorchelnd erarbeiten.

Die Skulpturen sind aus Beton und unterliegen durch Bewuchs einem ständigen Wandel.
Fische und Krustentiere bewohnen Löcher in den Figuren.
Muscheln, Schwämme und Korallen wachsen aus den Ohren der rätselhaften Gruppe, die verschwörerisch im Kreis steht.

Es macht Spaß immer neue Skulpturen zu finden. Dazwischen stoßen wir auf Barrakudas und einen großen Schwarm winziger Sepien. Ein tolles Freiluft-Öko-Museum.

Die Erfahrung der letzten Nacht führt zur Entscheidung, nicht noch einmal in der Dragon Bay übernachten.
Ein kurzer Ankerstopp vor Grande Mal überzeugt uns ebenso wenig, so dass wir direkt nach St. Georges durchfahren und vor der hübschen Hauptstadt Grenadas vor Anker gehen.

Die Idylle der Dragon Bay auf Grenada

So., 03.Jul.16, Grenada/Dragon Bay, Tag 764, 6.586 sm von HH

Nach einer schicken, schnellen Überfahrt (ich wiederhole mich: das Segeln in der Karibik ist eine Klasse für sich), erreichen wir die Dragon Bay auf Grenada.
In einer mikro-kleinen Bucht machen wir an einer Mooring fest. Wir sind das einzige Schiff.

Die Bucht lässt das Herz aufgehen: Hufeisenförmig mit Sandstrand gesäumt, an den Enden Felsenküste, alles ist wie gelackt grün bewachsen.
Zwei händevoll Häuser schmiegen sich an die sanften Hänge. Wir liegen vor saftigem Urwald keine 50 Meter entfernt. Wir ankern quasi im Wald.
Dass die Bucht arg schwellig ist, nehmen wir für Grillen-Gesang und das erwartete Laubfrosch (tree-frogs) Gequakte billigend in Kauf.

Der perfekte Frieden.

Die schläfrige Nachmittags-Idylle trügt, mit Sonnenuntergang geht es los.
Es kommen nicht etwa Moskitos, nein, Soca, kommt.
Diese allgegenwärtige, angesagte Musik dröhnt volles Pfund über die Bucht.

Entsetzt stürzen wir an Deck und erwarten einen Aufzug in der Größe der Love-Parade zu ihren besten Zeiten. Jedoch, zwischen den Büschen und Palmen können wir nur zwei, drei Menschen ausmachen.

Wir beide sind nicht empfindlich und wenn andere Crews von durchwachten Nächten und Oropax-Arien berichten, haben wir nur ein Fragezeichen übrig: „Wir haben nix gehört.“ Schließlich haben wir auch Lissabon überlebt.

Das, was sich uns heute bietet, ist brutal.
Wir können uns an Deck praktisch nicht unterhalten.

Was sagen bloß die Nachbarn vom Störenfried zu dem Lärm?
Das schöne deutsche Wort „Anwohner-Beschwerde“ scheint es hier nicht zu geben. :mrgreen:

In einem Dorf in der Nordheide wird schon für 50 Dezibel weniger von vertrockneten Nachbars-Hexen die Polizei gerufen. :shock:
Das ist ätzend, kleinlich und verbittert. Aber ätzend ist unser Dragon Bay Rowdy auch.

Die Vermutung liegt nahe, dass zum Ort hin eine Schall-Schutzmauer errichtet wurde, damit das Dorfleben normal weiter gehen kann.
Nur die Dragon Bay und der freie See-Raum bis Venezuela werden beschallt.

Da liegen wir in einer so schönen Bucht und dann das. :cry:
Als wir ins Bett gehen, dröhnt es noch immer aus allen Rohren. Wir lassen uns vom Soca-Sprechgesang in den Schlaf wiegen.

Segel-Film auf Sandy Island

So., 03.Jul.16, Carriacou/Sandy Island, Tag 764, 6.556 sm von HH

Und weil es so schön war auf Sandy Island, haben wir einen Film gedreht. :-)

I proudly present my ersten richtigen Segel-Film… äh… Ankerfilm.

So, und jetzt will der Käpt’n die W-Lan-Antenne einpacken, es soll los gehen.

Flug-Show auf Sandy Island

Landung

Landung

 

Sa., 02. Jul.16, Carriacou/Sandy Island, Tag 763, 6.556 sm von HH

Aus geplanten zwei Nächten, sind vier geworden. Zu schön ist es am Anker vor Sandy Island. Die kleine Sandbank liegt schräg gegenüber von Hillsborough und wird nur von Vögeln bewohnt.
Und die liefern uns eine Flug-Show vom Feinsten:

Braune Pelikane, elegante Seeschwalben und Tölpel ( :shock: ) stürzen sich ununterbrochen in die Fluten.
Die Möwen sind doof und können das nicht. Dafür sind sie frech und nutzen die Geschicklichkeit der Pelikane aus.
Sobald ein Peli kopfüber unter Wasser steckt, kommt sofort eine Möwe herbei geschossen.
Die kleinen Biester sind so dreist, dass sie dem Pelikan auf dem Kopf herum tanzen. Oder auf seinem Schnabel balancieren.
Immer in der Hoffnung, dem Fangsack des Pelikans könnte ein Fisch entkommen.

Der Nebensaison sei Dank, liegen wir in zwei Nächte alleine vor Sandy Island, erobern die Insel und spielen Freitag.
Die anderen Nächte ist es mit vier Yachten auch grad nicht überfüllt.

Sandy Island gehört zum Marine-Park und Fischen ist verboten.
Ob die Fischer, die morgens früh ihre Netze auswerfen, das nicht wissen? Köderfische zu angeln ist erlaubt, aber sie holen überwiegend Hornhechte aus dem seichten Wasser.
Es scheint keinen zu interessieren.

Ebenso wenig hat jemand Interesse die 10 USD Gebühren für die Nutzung einer Mooring zu kassieren. Ankern ist vor Sandy Island zwar erlaubt, aber eine Mooring wird empfohlen, um die Seegraswiesen im Marine-Park nicht zu zerstören. Da sind wir dabei.
Allerdings besuchen uns die Ranger an nur einem einzigen Tag.

Es ist schade, wir müssen weiter. Morgen brechen wir endgültig nach Grenada auf.
Nach den kurzen Strecken der letzten Wochen ist es mal wieder „richtig“ weit: 30 sm!
Die Strecke sollte bei normalem Wind gut abzusegeln sein.

Auf halber Strecke liegt jedoch ein unsichtbares Hindernis im Weg: Genannt Kick-‚em-Jenny. Jenny ist ein unterseeischer Vulkan, der regelmäßig aktiv wird. So auch im Augenblick.
Das Teil kommt aus 1.300 Metern Tiefe bis auf 180 Meter hoch und blubbert dort vor sich hin.

Jenny stößt dabei heiße und kalte Gasblasen aus.
Sollten wir mit Atanga in so eine Blase von Jenny fahren, würde es uns Bermuda-Dreieck-gleich von der Wasseroberfläche radieren.

Richtige Ausbrüche von Jenny sind selten; aber wenn, dann heftig.
Eine bis dreihundert Meter hohe Dampf-Wolke steigt in den Himmel und sorgt für Tsunamis an den nahegelegenen Inselküsten. 1939 war die anrollende Welle zwei Meter hoch. Der empfohlene Abstand bei Aktivität von Jenny sind 5 km.
Dieser Empfehlung folgen wir gerne. :-)

Happy Sandy Island mit perfekter Flug-Show.

Sunny Sandy Island mit einem Himmel zum nicht-satt-sehen-können…