Fr., 05. Jun. 26; Vanuatu, Efate, Port Vila; Tag 4.394; 29.832 sm total
Schon bei unserer Einfahrt in die Bucht kommt uns Deutschland entgegen. Dicht gefolgt von Doppel-Brasilien. Fast alle Wassertaxis und andere Arbeitsboote sind mit überdimensionalen Flaggen geschmückt. Fußball-Fans?
Jawohl! Und was für welche. Jeden Tag sind Boote und Autos doller geschmückt, werden die Fahnen imposanter. Die Marktfrauen haben plötzlich Tischflaggen ins Haar gesteckt und schwenken Girlanden.
Und dann lädt die Stadt zur Parade ein. Man möchte meinen, soeben sei der Weltmeister gekürt worden. Nein, es ist ein reiner „Wir-machen-uns-schon-mal-warm-vor-dem-Eröffnungsspiel-Autokorso“. Eine Woche vor Beginn. Total verrückt!
Die halbe Stadt ist auf den Beinen. Tausende Leute. Es gibt einen Wettbewerb: Wer hat den schönsten Truck? Der Umzug ist nach Länderflaggen getrennt. Die größte Fangemeinde stellen die Brasilianer, dicht gefolgt von Frankreich und Argentinien. Auch Deutschland ist stark vertreten. Jubelnd und lachend werden die Fahnen-Schwenker von Schaulustigen begrüßt. Heute Nachmittag arbeitet hier keiner mehr. Ein riesiges Volksfest. Wer eine Flagge, ein buntes T-Shirt oder einfach nur gute Laune hat, reiht sich spontan in die Menge ein.

Frankreich ist das letzte Land beim Umzug. Auch stark vertreten.
Vanuatu wurde erst 1980 unabhängig. Bis dahin hatte das Land noch Französische und Englische „Kolonial-Herren“.
Der Treffpunkt des Umzugs liegt nur zehn Minuten vom Mooringfeld entfernt. Wir schließen uns dem Tross an. Auf einer Wiese mit einer kleinen Bühne sammeln sich alle Fans.
Vanuatu braucht kein eigenes Team im Turnier, um die krasseste WM-Party des Planeten zu feiern. Und das, bevor auch nur eine einzige Mannschaft 2026 in Nordamerika aufgelaufen ist.

Brasilien außer Rand und Band. Wir sind die einzigen Langnasen weit und breit. Unbehelligt können wir uns einfach unters Volk mischen.
Die Begeisterung ist ansteckend. Die Menschen freuen sich einfach. Ja, worüber eigentlich? Nur darüber, dass eine Weltmeisterschaft stattfinden wird. Egal, wer gewinnt. Dabei ist alles. So unverfälscht sollte Fußball immer sein. Das wäre schön.
Vanuatu hat auch eine eigene Nationalmannschaft. Die spielt im internationalen Fifa-Geschehen keine Rolle. Bester Erfolg: Vizemeister 2024 im OFC-Bund (Oceania Football Confederation).
Für eine Sensation sorgte die Nationalmannschaft Vanuatus bei der Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland, als man Neuseeland mit 4:2 besiegte. Das führte zur Nicht-Qualifikation der hoffnungsvollen Neuseeländer. ![]()
Wer selber bei einer WM nicht dabei sein darf, muss sich etwas einfallen lassen. Für uns wirkt es komplett willkürlich, wer für Argentinien singt oder England trommelt. Traditionell haben die Südamerikaner die meisten Fans. Als erst spät in den 90er-Jahren Fernsehen nach Vanuatu kam, liefen hier vor allem die Spiele der erfolgreichen Teams. Maradona und Ronaldo wurden zu unsterblichen Helden.
Die Fanzugehörigkeit wird im Viertel vom Opa auf den Enkel übertragen. Das bleibt meistens ein Leben lang bestehen. Es sei denn, die gehypte Mannschaft scheidet vorzeitig aus. Da kann es sein, dass der Brasilien-Fan plötzlich deutsche Flaggen zeigt. Besonders das legendäre Spiel 2014, als Deutschland Brasilien mit 7:1 besiegte, hat in Vanuatu viele Deutschlandfans hervorgebracht.





