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Ambrym – alles voll Schwarzer Magie

13.07. – 15.07.2026; Vanuatu, Ambrym, Ranon; Tag 4.427 – 29; 29.976 sm total


Unsere nächste Insel ist das Epi-Zentrum schwarzer Magie in Vanuatu. Die zugeschriebene Magie hat zwei Seiten: Heilung und Wetterbeeinflussung für gute Ernten, aber auch Flüche und Krankheiten.
Zum magischen Ruf von Ambrym haben die zwei gewaltigen aktiven Vulkane im Inselinneren beigetragen. Ein System aus Geheimbünden und Kasten hat sich gebildet. Der spirituelle Rom-Dance mit aufwendigen Masken wurde zum Kult. Noch heute sollen die Einwohner anderer Inseln den Bewohnern von Ambrym mit einer gewissen Vorsicht begegnen. Wir sind nicht bange und machen uns auf den kurzen Weg von 23 Meilen.

Der erste Zauber macht sich bemerkbar, als wir die Westspitze von Ambrym erreichen. Erwartungsgemäß bricht der Südost-Passat zusammen, als wir in die Abdeckung der Insel gelangen. So weit, so wenig mystisch. Wir werfen den Motor an. Nach zwei, drei Meilen kommt der Wind zurück. Aus Nord-Westen! Wir bekommen runde Augen. Das muss schwarze Magie sein.
Weniger abergläubische Menschen finden die Lösung in Thermik. Durch die riesigen schwarzen Lavafelder, die Ambrym bedecken, heizt sich dort die Luft extrem auf. Steigt nach oben und sorgt für einen Unterdruck und saugt die Luft von allen Seiten an. Seewind entsteht.

Der nördliche Wind ist schwach, vielleicht zehn Knoten. Nach fünf Meilen erkennen wir eine scharf abgegrenzte Windkante auf dem Wasser. Von jetzt auf eben dreht der Wind auf Nord-Ost. 30 Knoten in der Spitze. Wir haben den Wind genau auf die Nase, müssen kreuzen. Verhext!

Von Malekula nach Ambrym, 23 Meilen

Die letzten drei Meilen geben wir das Segeln auf und motoren gegen den Wind. Hoffentlich ist es in Landabdeckung besser. Von wegen. Fallböen rauschen den Hang vor dem Ankerplatz hinunter. Immerhin liegen wir stabil. Der Anker hält super im schwarzen Sand. Windwelle baut sich keine auf. Mit uns ist ein einziger Katamaran in der Bucht.

Die Nacht ist schrecklich. Morgens um vier sitzen wir im Cockpit und beschließen, dass wir mit dem ersten Tageslicht wieder abhauen. 35 plus Knoten zerren an der Kette, am Bimini und unseren Nerven. Bislang ist der Wind nachts noch an jedem Ankerplatz in Vanuatu eingeschlafen. Nicht auf Ambrym.
Morgens lässt der Wind zum Glück deutlich nach. Wir bleiben.

Über Nacht haben wir neue Nachbarn bekommen: das zweitlängste Segelschiff der Welt mit unglaublichen 127 Metern. Die Koru. Etwas abseits ankert das Begleitschiff. Eine 75 Meter lange Motoryacht. Die Abeona ist eine schwimmende XXL-Garage. Weil die Koru keinen Platz dafür hat, parken hier ein Hubschrauber, Jetskis, mehrere Autos, Luxusspielzeuge und Extra-Crew. Ein mitgeführtes Motorboot dient als Edel-Shuttle für Gäste, da beide Yachten zu groß für viele Häfen sind.
Eigner: Jeff Bezos. Es heißt, dass er und seine Frau Lauren sich häufig wochenlang auf der Koru aufhalten. Ohne Eigner an Bord fährt das Gespann Koru und Abeona keine Lustreisen in der Gegend umher (wohl zu teuer :mrgreen: ). Die Wahrscheinlichkeit ist extrem hoch, dass sich beide tatsächlich an Bord befinden.

Schnittiger Kahn. 500 Millionen Dollar. Peanuts.

Das Begleitschiff. Frau Lauren Sánches Bezos kann Hubschrauber fliegen (womit ich nicht behaupten will, dass kein anderer Pilot anwesend ist ;-) ). Mehrere Rundflüge zu den Vulkanen werden übernommen.

Und Ambrym zeigt uns, dass die Gerüchte um magischen Zauber keine Märchen sind: Wer erinnert sich noch an Jamie und Adam. Die MythBusters, die Wissensjäger? Die verrückten Kerle, die geprüft haben, ob man unbeschadet eine Hand in flüssiges Blei tauchen oder ein Auto mit Mentos und Cola antreiben kann? Beide Mythen wurden bestätigt.
Wir können jetzt ebenfalls mit einem ewigen Mythos aufräumen: Am Ende eines Regenbogens liegt ein Pott Gold vergraben. Confirmed!

Morgens endet der Regenbogen genau auf Jeff Bezos Boot – wenn das kein Zeichen ist.

 

An Land treffen wir auf Lori und Tim vom Katamaran. Sie zeigen uns die Hütte von Sam, einem Trommel- und Maskenschnitzer. Der Besuch ist nichts Besonderes, wohl aber sein Abendessen. Zwei Flughunde. Von ihren Flügeln befreit und über dem Feuer verkohlt, um das Fell zu versengen. Uns gruselt es. Schwarze Magie und Fledermäuse im Kochtopf, hat je etwas besser zusammengepasst?

Flughunde zum Abendessen. :shock: Oder zum Zaubertank brauen?