04.07. – 08.07.2026; Vanuatu, Epi, Foreland und Lamen Bay; Tag 4.417 – 21; 29.931 sm total
Bis zur nächsten Insel sind es gute fünfzig Meilen. Sollte uns unterwegs der Wind einschlafen, kommen wir im Dunkeln an. Die Tage sind noch kurz – nicht mal zwölf Stunden Licht. Wir gehen also Anker auf um 6:00 Uhr morgens. Es dämmert noch. Eine unnötige Aktion, sich so früh aus dem Bett zu schälen. Wir sind sensationell schnell, schaffen einen Schnitt von sechs Knoten und erreichen Epi bereits am Nachmittag. Wir legen einen Übernachtungs-Stopp in Foreland ein, motoren dann aber die sechs Meilen in den größeren Ort im Norden von Epi. Diese Bucht erscheint uns geschützter. So kann man sich irren.

Hinter uns tauchen diese Segel auf. 3.500 qm auf einem 81 Meter langen Alu-Segler. Die 2020 gebaute Sea Eagle ist uns auf den Fersen.

Als wir zum Ankerplatz fahren, läuft die Sea Eagle hinter uns durch. Man kann das Schiff chartern: 600.000 Euro die Woche (!). Allerdings nur für zwölf Personen. Also, wer gerade seinen runden Geburtstag plant, diesmal im kleinen Kreis, hier mal die etwas andere Idee.
Lamen Bay ist ein aufgeräumter, sympathischer Ort. Geschäftig fahren Boote in die Buchten weiter im Süden oder auf die vorgelagerte Insel. Es mögen tausend Leute hier wohnen.
Ein junges Mädchen, vielleicht zehn Jahre alt, kommt auf uns zugerannt. Im Arm zwei riesige Pampelmusen. Sie strahlt uns an. Ich habe aus der stummen Verhandlung vom letzten Mal dazu gelernt. Ich frage sie gar nicht erst, wie viel sie dafür haben möchte, sondern biete ihr ein T-Shirt an, was ich für solche Situationen im Rucksack habe. Gebrauchte Kleidung ist neben Lesebrillen und Angelhaken ein begehrtes Tauschmittel.
Das Shirt ist mädchenhaft mit kleinen Blümchen bedruckt und dürfte ihr gut passen. Sie schaut glücklich zu mir hoch und nickt. Der Deal ist perfekt.
Wir schlendern weiter. Eine einzige Frau sitzt unter einer Überdachung und verkauft Gurken. Es muss unser Glückstag sein. Nicht nur wegen der Gurken, auch der Handel verläuft einfach. Geradezu europäisch. „Was kosten die Gurken?“ „100 Vatu das Stück.“ Wir nehmen zwei, die Dinger sind riesig.

Marktfrau auf Epi. Dass ich ein Foto möchte, ist ihr scheinbar noch nicht passiert. Sie kichert wie ein junges Fräulein und zieht das Kleid zurecht.
In der Dorfmitte treffen wir auf die anderen drei Crews, die in der Bucht vor Anker liegen. Alle samt Neuseeländer. „Wollt ihr mit auf einen Kaffee und Kuchen in Sadas Café?“ Es ist nicht weit zu laufen. Das hübsche Haus mit geflochtenen Wänden war uns schon aufgefallen. Es gibt Schokoladenkuchen und einen ausgezeichneten Cappuccino. Sensationell günstig. Eine nette Runde. Die Eudora hat sogar eine ähnliche Strecke für die nächste Zeit geplant wie wir.
Zusammen spazieren wir zum anderen Ende des Dorfes. Hier betreibt eine ältere Dame, Benny, ein mini-kleines Restaurant. Essen gibt es nur auf Vorbestellung. „Ich mache das, was es bei mir immer gibt: Gemüse und Chicken. Dazu Bananen-Pie und Früchte zum Nachtisch“. Das Huhn könnte zäh sein, warnt sie vorsorglich.
Zwei Crews melden sich trotzdem zum Abendessen an. Wir verzichten, aber Benny ist geschäftstüchtig. Achim und mir verspricht sie Tomaten, wenn wir am nächsten Tag wiederkommen.
Die zweite Nacht in der Lamen Bay ist arg. Plötzlich läuft Schwell in die Bucht. Wir schaukeln mit den anderen Booten um die Wette. Die hauen alle genervt am nächsten Morgen ab. Wir harren aus. Die Tomaten sind verlockend. Und das kleine Geschäft soll heute Eier haben.

Im einzigen Geschäft des Ortes gibt es ein paar Kosmetikartikel, Cracker und Konserven. War allerdings das Versorgungsschiff da, haben sie auch Eier und Zwiebel.

Nur ein kleines Stück Straße ist betoniert. Es gibt keine zentrale Stromversorgung in Lamen. Wasser kommt aus zentralen Brunnen oder Fässern, die von den Häuserdächern gefüllt werden.
Wir paddeln noch einmal an Land. Bekommen von Benny die Tomaten, zwei Pampelmusen und eine Papaya. Als Geschäftsfrau kann man sie fragen, was sie dafür möchte, und bekommt eine klare europäische Antwort. Sehr schön.
Nur ein paar Minuten später werden wir erneut vom Vanuatu-Stil überrumpelt.
Ein Auto hält neben uns an. Eine Hand streckt uns eine Kokosnuss entgegen. Das Grüne ist bereits ab. Mühsam ist die harte Nuss entmantelt worden. Wir zögern. Eigentlich möchten wir keine Nuss. Die Hand wird ungeduldig. Wackelt mit der Nuss vor unserer Nase. „Die ist für euch. Willkommen in Vanuatu.“ Sprach‘s und gibt Gas.
Man muss dieses Land und seine Verhandlungen einfach mögen.
Den Schwell, der in die Bucht läuft, allerdings nicht. Wir sind recht hartgesotten, was Wackelei am Anker betrifft. Zwei Monate Osterinsel sind eine harte Schule. Aber das ist lange her und wir sind wahrscheinlich weich im Alter geworden. Die dritte Nacht ist nicht auszuhalten. Es ist die Frequenz der nur 30 Zentimeter hohen Wellen. Alle 1,5 Sekunden kippt der Kahn zur Seite, schaukelt sich auf, tanzt wie ein Rodeo-Bulle und beruhigt sich wieder. Nur, um eine neue Attacke zu starten.
Wir haben nach drei Nächten ebenfalls die Nase voll. Dabei wären wir noch gerne in der Lamen Bay geblieben.






