Schlagwort-Archiv: #handelnistnichtsoeinfach

Stummes Feilschen

30.06. – 03.07.2026; Vanuatu, Moso, Embas Beach; Tag 4.413 – 16; 29.872 sm total

Wir bleiben noch ein paar Tage vor dem schönen Embas Beach. Das klare Wasser bietet sich zum Rumpfputzen an. Propeller und Welle sind schon ordentlich bewachsen. Der Rumpf hat einen Rasenüberzug plus „Korallen“-Bäumchen. Nur wenig Pocken und anderes hartes Zeug. Nach zwei Tagen ist Achim zufrieden.

Mit dem Kajak unterwegs.

Das Wasser ist toll zum Schnorcheln, allerdings nur vertikal glasklar.

Der Strand besteht nur aus Korallenbruch und zermahlenen Korallen. Was für hübsche Muster dabei entstehen.

Fertig zum Tauchgang. Mit dem Tauchkompressor macht man sich Freunde am Ankerplatz. ;-)  Der ist bei uns an Bord nur zu ertragen mit Ohrschützern. Zwanzig Minuten dauert eine Flaschenfüllung.

Ich widme mich dem Edelstahl. Der Yasur hatte durch seine sauren Auspuffabgase hässliche Flecken hinterlassen. Und dann ist da der Schandfleck am Heck: der Geräteträger. Mit dem verhält es sich so wie mit Giersch in der hintersten Gartenecke. Das will man auch immer bei der nächsten Gartenrunde abarbeiten und dann kommt (leider, leider :mrgreen: ) wieder was dazwischen.

Vorher. Seit vielen Putzrunden geflissentlich ausgelassen. Ich bin zu klein und komme schlecht ran, die Kabel sind im Weg. Noch mehr Ausreden …

Geht doch!

Wir gehen noch einmal zur anderen Inselseite. Diesmal ins große Dorf hinter dem Hotel. Freundliche Menschen grüßen uns. Hier und da müssen wir ein Schnäckchen halten. „Heute Abend hat die Kava-Bar geöffnet. Kommt gerne vorbei.“

Von weitem sehen wir noch einmal die Blue Gold. Die Segel machen einen Höllenrabatz.

Schon vorbei am Hotel. Der Weg zum Dorf.

Mama Laundry zeigt uns den Weg ins Dorf. Sie kommt vom Fluss und Wäschewaschen. Mit Blume hinterm Ohr.
Wann immer wir fragen, die Leute lassen sich furchtbar gerne fotografieren.

Ein älterer Mann winkt schon von weitem: „Wollt ihr Papaya?“ Gerne. „Und Kochbananen?“ Ich zögere kurz. Die habe ich noch nicht selbst zubereitet, aber schon gegessen. Ich stimme zu, wird schon was draus werden.
Unser Kumpel verschwindet hinter seinem Haus. Er kommt mit einer großen Tüte wieder. Ungefragt hat er noch zwei Süßkartoffeln dazu gelegt.

Die Ware

„Was möchtest du dafür haben?“, frage ich ihn. Er zuckt mit den Schultern. „Möchtest du Geld oder etwas mit uns tauschen?“ „Money“, kommt wie aus der Pistole geschossen. „Wie viel möchtest du?“ Wieder zuckt er die Schultern.
Oh, ich stöhne innerlich auf. Wie viel ist genug? Was ist eine Beleidigung? Als gute Mitteleuropäerin habe ich es am liebsten, wenn Preise ausgezeichnet sind. Auf dem Markt in Port Vila stehen die Preise mit Edding geschrieben auf den Bananenschalen. Das gefällt mir. Klare Ansage. Man kauft oder geht weiter. Handeln ist in Vanuatu traditionell nicht üblich. Ja, es soll sogar beleidigend sein.

Ich habe nur 500 Vatu, ungefähr vier Euro, Kleingeld in der Hosentasche. Die gebe ich ihm. Auf Grund der Erfahrung in Port Vila erscheint mir das angemessen, vielleicht etwas zu wenig. Wenn das reicht, umso besser.
„Ist das okay?“ Er sagt nichts, kein einziges Wort. Nicht mal ein Kopfschütteln bekomme ich als Reaktion. Aber sein Blick ist traurig. Achim sieht ebenfalls das Unglück in seinem Gesicht und kramt nach Kleingeld. Weitere 200 Vatu wechseln den Besitzer. Unser Freund strahlt und nickt zufrieden. Weitere 100 Vatu, die Achim noch in der Hand hält, möchte er nicht.

Eine echte Südsee-Falle, in die wir da getappt sind. Wir versuchen, das stumme Handeln zu entschlüsseln. Seinem Nachbarn gegenüber würde unser Freund seine Enttäuschung nicht zeigen, weil diese Situation untereinander nicht entstehen würde. Wenn er seinem Nachbarn die Tüte bringt, sagt der Nachbar einfach „Danke“ und nimmt das Geschenk. Es gibt keine „500 Vatu“, die zu wenig sein könnten. Er weiß, dass der Nachbar ihm dafür irgendwann beim Dachdecken aushelfen wird.

Bei uns fehlt das soziale Gefüge. Da wir weitersegeln, bricht das System zusammen. Unser Freund „muss“ einen Preis verlangen, um den Wert auszugleichen. Und weil er den Preis nicht aussprechen darf (das verbietet die Höflichkeit), muss die Mimik herhalten.

Eine Vanuatu-Lernkurve für uns. Absolutes Neuland. Französisch Polynesien und Fiji ticken da anders. Unser Freund ist jedenfalls zufrieden abgezogen und wir stehen vor einem Berg Früchte. Jetzt müssen nur noch die Kochbananen einen Weg in die Pfanne finden.

Zweimal frittierte Kochbananen: Patacones.
Bananen in Scheiben schneiden und in Öl anbraten, bis sie leicht gelb werden. Dann aus dem Öl nehmen und mit einem Becher platt drücken. Im gleichen Öl noch einmal braten, bis sie gold-braun werden. Noch Salz drauf wie bei Pommes Frites.

Sie schmecken wie etwas süßliche Kartoffeln. Außen sensationell knusprig, wie gute Pommes, innen noch weich. Sehr lecker für mich, Achim vergibt eine 4+.