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Nambawan!

Mi.–Fr., 13.–15.Mai 26; Vanuatu, Tanna, Port Resolution; Tag 4.365–7; 29.683 sm total

‚Nambawan‘ ist Bislama (Pidgin English), leitet sich von ‚Number One‘ ab und bedeutet so viel wie ‚großartig‘ und ‚das Beste‘. Selbst ein Bier heißt so in Vanuatu.
„Wenn die Offiziellen bei euch an Bord sind, dann solltet ihr das Wort benutzen“, gibt uns unsere Segelfreundin Carina als Tipp auf den Weg. Bereits zweimal war sie in Vanuatu. „Das öffnet Herzen und freut die Menschen sehr.“

Vorgeschichte: Port Resolution ist kein offizieller Einklarierungshafen. Die Ankersituation auf der anderen Seite der Insel, in Lenakel, soll katastrophal sein. Daher haben wir per Mail einen Antrag gestellt, in Port Resolution einklarieren zu dürfen. Die Genehmigung kommt prompt. Die Behördenmitglieder fahren in diesem Fall mit dem Auto eineinhalb Stunden aus Lenakel rüber. Das kostet Extragebühren – die sind wir bereit zu zahlen.

Mittwoch: Um 10:00 Uhr fällt der Anker. Achim informiert die Behörden, dass wir angekommen sind. Um 10:30 Uhr die Antwort: „Der Zoll kommt um 12:00 Uhr. Habt euer Dinghy bereit, wir rufen über Funk, sobald wir da sind.“
Hui, die sind ja flott hier! Hektische Betriebsamkeit bricht aus. Dinghy ins Wasser lassen und schnell noch duschen, nach zwei Tagen auf See.

Niemand kommt. Um 15:00 Uhr fragt Achim nach per Mail. Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten: „Entschuldigung für unsere Verspätung. Wir kommen heute nicht mehr. Die Regierung braucht das Auto.“ Ob es sich bei der ‚Regierung‘ um echte Regierungs-Mitglieder handelt oder ob die Ehefrau vom Schreiber gemeint ist, bleibt ungeklärt.
Wir geben unsere freudige Bereitschaft kund, zu warten. Dann die Ernüchterung: „Wenn es für Sie wegen der Überstundengebühren machbar ist, würden wir die Einklarierung gerne morgen durchführen. Morgen ist ein Feiertag.“
Hui, die sind ja frech hier!

Donnerstag, Himmelfahrt: Um 13:00 Uhr hören wir dauerhaftes schrilles Pfeifen von Land. Zusammen mit der ‚Black Lion‘, die nur eine Stunde nach uns in die Bucht eingelaufen ist, geht es an Land. Mit drei Mann hoch steht der Zoll mit seinem Pick-up am Dorfrand. Sie mussten nach uns pfeifen, weil Immigration heute das Funkgerät hat. :mrgreen:
Auf der Heck-Klappe vom Auto müssen die ausgefüllten Formulare, die Achim schon per Mail gesendet hat, noch einmal per Hand ausgefüllt werden. Achim hatte so etwas geahnt und in Nouméa Ausdrucke machen lassen.

Die normale Zollgebühr beträgt 5.000 Vatu. Die extra Anfahrtskosten von 3.000 Vatu teilen wir durch zwei Boote. Der Feiertagszuschlag: 6.000 Vatu – knapp 45 Euro!
Wir bekommen eine offizielle Quittung über die Beträge. Eine Recherche gibt Hinweise, dass der Feiertagszuschlag in den Taschen der Beamten landet. Zumindest der größte Teil. Geschickt eingefädelt. Nur nicht ganz so geschickt, dafür zu dritt aufzutauchen.
Wann Immigration und die Biosecurity kommen werden, wissen die Jungs nicht. Warum sie nicht mit im Auto gesessen haben, ist uns ein Rätsel.
So kann der Zoll jetzt aber noch kein ‚Nambawan‘ bekommen.

Kein Auto, kein Funkgerät, aber Siegel sind am Mann.
Diesen versiegelten Umschlag erhalten wir vom Zoll. Der ist abzugeben beim Ausklarieren in dem von uns gewählten Hafen. Es steht Port Vila drauf, die Hauptstadt. Das soll aber nicht stimmen. Hoffentlich wissen das dann am Ende auch die anderen.

Freitag: Um 12:00 Uhr knattert das Funkgerät. Immigration und Biosecurity wollen vom Strand abgeholt werden. Cyril von der Black Lion ist so nett und nimmt Achim mit an Land. Dort steigen zwei Personen ein. Zunächst geht es zur Black Lion, einem Katamaran. Achim kann dort gleich für uns beide die Formalitäten mit erledigen. Es gibt nach langer Zeit sogar mal wieder einen Stempel in den Pass. Wir bekommen das Maximum von 120 Tagen und brauchen uns nicht noch einmal um Verlängerung bemühen in der Hauptstadt. Fein.
Die Biosecurity interessiert sich für nichts. Es wird darauf verzichtet, auch noch bei uns an Bord zu kommen. Auf unseren schwankenden Mono zu klettern, dazu fehlt offensichtlich jede Meinung.
Ich kann überzählige Salami, Käse und Zwiebeln wieder aus dem Schrank holen. Nambawan!

Immigration: 10.000 Vatu. Biosecurity: 3.000 Vatu, extra Anfahrkosten 3.000 Vatu. Diesmal pro Schiff. Warum? Nicht fragen, freundlich lächeln. Es hätten auch noch extra 3.000 Vatu fällig werden können für gesammelten Müll, pro Tüte. Das entfällt. Der lagert weiterhin an Bord.
Insgesamt kostet uns die Einklarierung 140,00 Euro und erreicht mit 48 Stunden Wartezeit den Spitzenplatz. Nambawan!

Schöner wohnen! Unser Ausblick für zwei Tage Richtung Osten.

Flüssiger Sonnenschein. Blick Richtung Westen.

Eine ‚Lange Anna‘ im Norden, am Eingang zur Port Resolution Bucht.

Wir genießen unsere Freiheit. Der Dinghy-Landeplatz liegt ruhig im Osten der Bucht.

Zu viert liegen wir im Augenblick in der Bucht. Alle aus Nouméa gekommen. Die ersten Boote auf Tanna in diesem Jahr.

Die Bucht besteht überwiegend aus schwarzem Strand. Ein Gruß vom nahen Vulkan.

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Gestrandet in Singapore

18. Apr. – 22. Apr. 2026; Deutschland/Singapore/Neukaledonien

„Ihr Flug SB741 von Singapore nach Nouméa am 19.04.2026 ist storniert. Danke für Ihr Verständnis.“

Wir haben Samstag, den 18.04.2026. Es ist 6:00 Uhr morgens und ich habe alles Mögliche, nur kein Verständnis für die lapidare SMS auf meinem Handy. Bestürzt starre ich auf die Nachricht. Was soll das? In vier Stunden startet mein Flug nach Istanbul. Von da aus geht es weiter nach Singapore und noch ein letzter Flug nach Nouméa. Zu Achim, zum Schiff zurück.

Ich erwische Achim per WhatsApp. Da mir die Zeit fehlt, weil ich noch meine Sachen zusammen grabbeln und zum Flughafen fahren muss, übernimmt er die Recherche.
Beim Einchecken am Flughafen erklärt mir der junge Mann, dass ich mir keine Sorgen machen muss, mein Flug findet statt. Eine Bordkarte bekomme ich allerdings nicht. Ich darf zwei Gepäckstücke mit jeweils 23 Kilo aufgeben. Der eine ist mit 23,7 knapp drüber. Dem jungen Mann ist es egal. Glück gehabt. Ich hatte Mecker befürchtet.

Ich gehe noch zum Türkish-Airlines-Schalter gegenüber. Die Dame weiß von nix. Der letzte Flug würde von Air Calin ausgeführt, da habe sie keinen Zugriff.
Als ich am Gate sitze, bekomme ich Infos von Achim am anderen Ende der Welt: „Air Calin hat nur vier Maschinen. Eine ist kaputt und seit Tagen fallen diverse Flüge aus, weil es keine Ersatzmaschine gibt.“

Mein Flug nach Istanbul dauert drei Stunden. Dort bekomme ich bei Türkish Airlines die gleiche Antwort wie in Hamburg. „Ich kann nicht sagen, ob der Flug stattfindet. Die Verantwortung läge außerdem bei Air Calin. Wir sind raus.“ Das stimmt so nicht, aber ich lasse dem Lackaffen seine Meinung.
Achim, mein Reisebüro in Nouméa, hat in der Zwischenzeit auf Hochtouren gearbeitet und versorgt mich mit Infos und einer Strategie: „In Singapore gibt es ‚Transitdesks‘. Da gehst du hin. Der nächste Flug nach Nouméa geht erst am Dienstag. Sag denen, dass du so lange nicht warten willst, und frage nach Flügen über Australien. Die Teams vom Transitdesk sollen super geschult sein, Leuten wie dir zu helfen.“

Am Sonntagvormittag Ortszeit lande ich in Singapore. Direkt am Gate-Ausgang steht ein dreiköpfiges Team mit ‚Nouméa-Schildern‘ in der Hand. Insgesamt 18 Leute sammeln sich mit dem gleichen Problem wie ich. Wir werden aufgeklärt, dass wir für Dienstag auf einen Flug nach Neukaledonien gebucht sind. Für Unterkunft, Essen und Transfer wird gesorgt.
Nach kurzer Bedenkzeit verwerfe ich die über-Australien-fliegen-Idee. Wie sich Tage später herausstellt, eine vortreffliche Entscheidung, denn ich wäre nur sechs Stunden früher in Nouméa angekommen. Und ich hätte den perfekten Service des dnata-Teams vom Flughafen Singapore verpasst.

Die drei Betreuer kleben jedem ihrer Schäfchen einen dnata-Aufkleber aufs Hemd. Dass bloß keiner verloren geht. Geduldig werden Fragen beantwortet, während wir auf unsere Koffer warten. Das zieht sich etwas hin, aber nach anderthalb Stunden ist das gesamte Gepäck endlich da. Mein schwarzer Koffer hat eine große Beschädigung. Eine Ecke ist aufgebrochen. Zwei Rollen funktionieren nicht mehr anständig.

Kaputter Koffer.

Das Team übergibt uns einem Busfahrer. Nach einer halben Stunde erreichen wir das reservierte Hotel. Dort sind wir schon gemeldet. Es erfolgen nur noch die Schlüsselübergabe und der Hinweis, dass wir drei Mahlzeiten im hoteleigenen Garten-Café einnehmen dürfen.

In was für einer Unterkunft sind wir bloß gelandet? Ich traue meinen Augen nicht. Das Orchard Hotel Singapore hat sagenhafte fünf Sterne. Das Zimmer ist geräumig und mit einem riesigen Bett ausgestattet. Alles da, was man braucht, selbst wenn der Koffer verloren gegangen sein sollte.

Aber der absolute Hammer ist das Buffet. Gerichte aus dem Wok für Chinesische Gaumen. Zehn verschiedene Currys machen Inder glücklich. Euro-Asiatische Küche vom Feinsten. Gebratenes, Gesottenes. Sushi und Salate. Ein unfassbares Angebot an Nachtischen. Das erste Mal in meinem Leben esse ich eine Jack Frucht und darf Durian (Stinkfrucht) Mousse probieren. Ein Blick ins Internet: Das Buffet kostet 60,00 Euro pro Person. Pro Mahlzeit.

Das Zimmer plus großem Bad. Ungefähr 270 Euro pro Nacht. Inklusive Frühstück.

Meeresfrüchte, Gemüse und Garnelen aus dem Wok, Sushi und tausend andere Köstlichkeiten.

Das ist keine Torte, sondern geschichtete Nachtisch-Cremes. Hier Schoko mit Lemon mit crunchy Bodem. Köstlich! Davon gab mindestens sechs Stück zur Auswahl. Plus Pudding, Mousse und Eis plus, plus, plus. Ich kann mein Glück nicht fassen.

Zwei Tage darf ich den Luxus genießen. Mache Sightseeing und Urlaub in Singapore. Dann geht leider, leider  :mrgreen: schon der Flug nach Nouméa. Das Hotel organisiert den Shuttle zum Flughafen. Morgens um sieben ist Abholung. Das Foyer ist rappelvoll. Alles hängengebliebene Air Calin Opfer. Drei Busse werden benötigt, um uns abzutransportieren.

Beim Einchecken werde ich gefragt, ob ich ein Rückflugticket habe. „Nein. Ich verlasse Neukaledonien mit einem Segelboot.“ „Haben Sie dafür ein Ticket?“ „Nein, es ist mein eigenes Boot.“ Die Dame am Schalter wird hektisch. Sie telefoniert wild umher, fragt ihre Kollegin am Nachbarschalter. Viel Palaver während ich mir fieberhaft überlege, wie ich das beweisen kann. Dann Entwarnung, sie checkt mich ein. Mein im Hotel ungeöffneter Koffer hat plötzlich ein Kilo mehr auf der Waage (ich bestimmt auch). Das winkt sie lässig durch.

Nur Gucci und Rolex in Hotelnähe. Das beste was ich in der Nobelstraße Orchard Road finden konnte: Frischhaltefolie zum Verbinden vom Koffer.

Zwei Flugzeuge werden diesen Morgen eingesetzt. Die ursprünglich fliegende Maschine von Air Calin und eine Boeing 777 von EuroAtlantic. Ich habe das Pech auf EuroAtlantic gebucht zu sein. Das ist eine portugiesische Fluggesellschaft, die darauf spezialisiert ist, ausgefallene Maschinen zu ersetzten.
Halleluja. Alle Maschinen sind bereits älter als 20 Jahre. Die Klimaanlage streut Eiswürfel aus. Zweite Decken werden gefordert. Glück für den, der früh danach fragt. Die Decken sind schnell aus. Die Auswahl der Filme beschränkt sich auf 8 (in Worten acht). Alle schon etwas älter. Aus dem gleichen Jahr wie die Filme stammen die Brötchen aus denen das Abendessen besteht. ;-)

Das schlechteste Flugzeug-Essen aller Zeiten. Auf dem großen Brötchen war Press-Rührei und eine Gurkenscheibe. Das Brot war pfurztrocken. Das kleine Brötchen war noch härter und kam ohne Butter. Nicht mal die übliche Stange Käse gab es dazu. Nach der Völlerei im Hotel der perfekte Kontrast. ;-)

Nach acht Stunden ist es überstanden. Mit zwei Stunden Verspätung lande ich endlich in Nouméa. Die Kofferausgabe zieht sich eine Stunde. Vor dem Zoll habe ich mit meinen 46 Kilo Kampfgewicht plus 11 Kilo Handgepäck etwas Angst. Einige Ersatzteile fürs Schiff könnten Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Aber der Typ ist vollkommen gelangweilt. Er hat nichts zu tun. Alle Gäste strömen durch den Gang „nichts zu verzollen“.

Bleibt als letzte Hürde die Bio-Security. Ich habe wieder Angst. Habe auf dem Fragebogen brav angekreuzt, dass ich Nahrungsmittel dabei habe. Aber ich möchte keine Diskussionen über meine Nüsse, Schokolade und Kräuter führen. Dem Bio-Mann mit seinem Hund halte ich einen Opfer-Apfel und einen Müsli-Riegel unter die Nase. Den Apfel nimmt er, wie erwartet. Den Riegel darf ich behalten. Ich bin durch!

Noch eine Stunde Taxi, dann bin ich nach genau 98 Stunden wieder zu Hause. Das macht einen Schnitt von 163 km/h. Und ich dachte schon, dass der Hinweg mit 40 Stunden lang gewesen wäre. :mrgreen:

Da freut sich aber einer, dass ich wieder da bin. Schön!
Ich mich auch.

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