Winteranfang

Do., 22.Dez.16, Bonaire, Kralendijk, Tag 936, 8.715 sm von HH

Den Winteranfang merkt man auch in der Karibik. Vor allem unter Wasser.
Hatten wir vor zwei Wochen noch bis 30 Meter Wassertiefe durchgängig 29 Grad, zeigt das Thermometer jetzt nur noch 27 Grad.
Zeit, die Winter-Klamotten raus zu holen.

Ich habe auf meinen nagelneuen 5mm Neopren (in weiser Voraussicht in Las Palmas für keine 100 EUR geschossen, ein super Preis ) gewechselt. In meinem alten Tropi, keine 3 mm mehr, friere ich sonst nach 60 Minuten Tauchgang wie ein Schneider.
Was bei 29 Grad noch funktioniert, geht bei nur zwei Grad weniger nicht mehr auf.

Achim, die alte Frost-Memme, legt eine Schippe drauf: er taucht jetzt mit 7mm Halbtrocken (das bedeutet, dass die Manschetten so dicht sind, dass kaum Wasser eindringen kann).
So ein Anzug ist eigentlich für Wassertemperaturen unter 15 Grad geeignet.

Viele würden sagen, der Anzug sei hier leicht übertrieben… :mrgreen:
Vor allem die beiden Tauchmädels, die uns heute mit einen Guide entgegen kamen. Die offensichtlichen Anfängerinnen hatten nur einen Bikini an. :shock:

Dadurch, dass Atanga nun in diesem Eiswasser schwimmt, bleibt es auch unter Deck deutlich kühler. Wir knacken kaum noch die 29 Grad. Nachts wird jetzt nach einem Laken zum Zudecken gefingert.

Fast jede Nacht regnet es ausgiebig. Dies kommt nun wiederum der Tauchausrüstung zu Gute. Wir haben nicht genug Süßwasser, um das Zeug vorschriftsmäßig zu spülen.
Voila, das erledigt des nachts der Regen für uns.

Willkommen im Winter-Wonder-Land. :-)

Anmerk. der Red.: Das Fische vertreibende Orange ist das Innenfutter!! Außen ist er schwarz.

Kreuzer-Alarm

Mi., 21.Dez.16, Bonaire, Kralendijk, Tag 935, 8.715 sm von HH

In Kralendijk können maximal zwei der schwimmenden Super-Hotels gleichzeitig festmachen. Die Pier liegt direkt neben Karel’s Bar, „der“ Strandbar in Kralendijk. Die Kreuzer kommen daran so nah vorbei, dass sie eigentlich schon in der Bar festmachen.


Die Pier ist zu kurz, um vernünftige Achterleinen und Achter-Springs zu setzten. Also werden mit einem Schlepper zusätzlich massige Tampen zu Pollern an Land gefahren. Acht Mann werden an Land zum Anlegen des Dampfers benötigt. Starkes Manöver.
Hoffentlich muss Karel’s Bar nicht eines Tages dran glauben. :shock:

Machen die feinen Kreuzer, wie ‚Club Med‘, fest, verdient die Insel keinen Cent extra. Diese Schiffe beherbergen knapp 350 Passagiere statt 2.000 und haben ihr eigenes Spielzeug an Bord. Noch nicht mal Wassertaxis werden gebraucht, um die Sonnenhungrigen zu den Schnorchel-Gründen zu kutschieren. Macht ‚Club Med‘ alles selber.

Bei den Monster-Cruisern sieht das anders aus.
Da stehen die Dienstleister in den Startlöchern. Die Maschinerie Touri-Bespaßung ist voll durchorganisiert: Inseltouren per Bus, Bike, Moped oder Elektro-Auto.
Jeder bekommt, wofür er bezahlt.
Stadtführung zu Fuß, Ausflug zum Strand, Ausflug zum Schnorcheln, drei Stunden segeln auf einem Katamaran.
Jeder bekommt, was er mag.

Die Stadt bricht aus allen Nähten. Kein Vorwärtskommen in der Souvenir-Shop-Meile.
Gedränge. Gewühle.
Alle sind auf der Suche nach dem letzten Schrei… dabei sollte es auch dem bildungsfernen Amerikaner auffallen, dass Holzschuhe und Windmühlen nicht nach Bonaire gehören:  egal, alles Holland.

Verzweifelte Menschen auf der verzweifelten Suche nach Schatten, einem Platz zum Ausruhen. Es sind 30 Grad da draußen, natürlich ungewohnt im Winter.
Posieren für ein Selfie oder Gruppenfoto mit Pappmaschee-Kulisse. Das strengt an.

Dann wird gehupt. Alle Leinen gelöst. Wieder haarscharf an Karel vorbei und die Stadt versinkt wiederin eine ruhige Kleinstadt-Stimmung.
Morgen hat die Stadt frei, Morgen kommt kein Kreuzer.

Lebensmittel-Wunder Bonaire

Di., 20.Dez.16, Bonaire, Kralendijk, Tag 934, 8.715 sm von HH

Wer den östlichen Antillenbogen entlang segelt, hält garantiert auf Martinique.
Gilt die Insel der Franzosen doch als ‚die‘ Bunker-Insel. Alles bezahlbar und gute Auswahl.

Unsere Erfahrung ist um ein Kapitel reicher: Bonaire schlägt Martinique.
Unser Preisindex zeigt, dass Bonaire einen Tick teurer ist. Das ist im Augenblick dem hohen USD-Kurs geschuldet. Würde der nur ein wenig sinken, wäre Bonaire auch preislich vorne.

Unschlagbar besser ist das Angebot auf Bonaire.
Der feinste Markt am Ort sieht aus wie Feinkost-Edeka (außerdem zweimal in der Woche kostenloser Shuttle vom Hafen zum Laden).
Daneben gibt es noch normale Märkte und einen Art Aldi-Großhandel.

Es gibt Zuckerschoten!
Fleischsalat, frische Kräuter, Birnen, Absurditäten wie Fisherman’s Friend, Milka XXL -Lieblingssorte- Choco Biscuit, Joghurt in guter Auswahl, vernünftige Mettwurst, Schinken und was das Herz sonst so begehrt. Beim Fleisch gibt es neben den drei Grund-Fleischsorten auch Kalb und frisches Lamm-Carré im Angebot.
Sogar Stollen und Lebkuchen sind zu haben. Der Stollen war ein Flop, egal, Kollateral-Schaden.

Nur beim Käse muss der Holländer noch lernen. 80% seines Kühlregals sind dem Gouda reserviert: geschnitten, jung, mittelalt, alt, gelagert, überjährig (? was auch immer das bedeutet), Mai-Gouda und Gouda im Stück.
Da ist noch Luft nach oben, Jungs. Nicht nur Frau Antje hat schönen Käse.

Der perfekte Weihnachts-Schmaus ist gesichert. :-)

Außergewöhnliche Segler

Mo., 19.Dez.16, Bonaire, Kralendijk, Tag 933, 8.715 sm von HH

Das Segler-Portal www.segeln360.de informiert über Chartersegeln, Seemannschaft, Reviere und den Yachtsport im Allgemeinen und Besonderen.
Dies erfolgt absolut Werbe- und Sponsorenfrei. Eine echte Rarität im Internet.

Die Betreiber von segeln360 haben eine neue Rubrik ins Leben gerufen: „Außergewöhnliche Segler“.
Achim und ich wurden für diese Rubrik um ein Interview gebeten und herausgekommen ist ein, wie wir finden, gelungenes Portrait von uns.

Wir finden uns zwar nicht außergewöhnlich, aber vielen Dank an die Redaktion für die Zusammenstellung der verschiedenen Portraits und dass wir dabei sein dürfen. :-)

 

Nochmal Tatoosh

Fr., 16.Dez.16, Bonaire, Kralendijk, Tag 931, 8.715 sm von HH

Dass man für Geld keine Gesundheit, Glück und Zufriedenheit kaufen kann, ist hinlänglich bekannt.
Für alles andere gibt es die Visa-Card.
Außer für einen Liegeplatz, der ist unbezahlbar.

Das muss auch schmerzlich die ‚Tatoosh‘ erfahren.
Immer wenn zwei Kreuzfahrschiffe gleichzeitig hier sind, muss sie weg.
Für drei Schiffe ist einfach nicht genug Platz an der Pier.
Da muss der edle Milliardärs-Dampfer den schnöden „Mein-Schiff-Touristen“ Platz machen. :mrgreen: Wer hätte das erwartet?

Bereits zweimal wurde die ‚Tatoosh‘ vertrieben und kommt an Tagen ohne, oder nur mit einem, Kreuzer zurück.
Wo sie die Wartezeit verbringt, bleibt ihr Geheimnis. Ankern ist um Bonaire erst ab 60 Meter Wassertiefe erlaubt.
Das mag die ‚Tatoosh‘ noch können, aber Achim glaubt, dass die auf offener See mit Bug- und Heck und sonstwie-Ruder auf der Stelle gehalten wird.

Irgendwie uncool, wenn man alle zwei Tage von seinem Platz vertrieben wird.
Auch mal schön zu sehen, dass für Geld nicht alles zu haben ist. ;-)