Vor Anker

23./24.Okt.14, Cabo de Sáo Vicente, 1.714 von HH, Strecke 23 sm

Die Nacht ist friedlich, der ablandige Wind schläft fast ein und wir verbringen eine ruhige Nacht. Erst gegen 7:30 Uhr weckt uns der Ankeralarm. Dieser Alarm ist aber nur der sehr knappen Einstellung geschuldet, dass er schon bei 100 ft. (33 m) Abweichung vom ursprünglichen Platz, Signal geben soll und nicht etwa, weil unser Anker nicht hält.

Abends liegen wir noch mit dem Heck zum Meer, da der Wind aus Richtung Land weht (ein Schiff am Anker dreht sich immer mit dem Bug in die Richtung aus der der Wind kommt). Morgens hat der Wind nun gedreht und auf einmal liegen wir mit dem Heck sehr nahe an den Felsen. Da wir ca. 45 Meter Ankerkette abgelassen haben, hat Atanga einen entsprechenden Schwoj-Kreis, den wir nun voll ausnutzen.

Solange der Anker hält (und darauf vertrauen wir ganz fest) kein Problem, aber in dieser Situation entscheiden wir nicht das Schiff zu verlassen, ohne dass einer von uns Ankerwache hält. Von uns hat aber keiner Lust alleine an Land zu gehen und somit begnügen wir uns damit diesen herrlichen Sommertag auf dem Schiff zu verbringen. Unser Leidensdruck hält sich aber in Grenzen mit dieser Entscheidung ;-) .

Vor_Anker

Uns beiden ist das Wasser hier zum Baden noch immer zu kalt (vielleicht 20 bis 21 Grad), somit entfällt der Frühsport vor einer Süßwasser Dusche im Cockpit. Endlich ist es warm genug, dass wir draußen duschen können. Wir haben in unserem Bad zwar eine Dusche, aber die zu benutzen ist nicht so beliebt, da hinterher viel trocken gewischt werden muss in dem kleinen Raum. Es ist viel bequemer an Deck zu duschen.

Abends unternimmt Achim von Deck aus erneut Angelversuche, da das Schleppen auf der Überfahrt wieder nicht von Erfolg gekrönt war. Und diesmal, wer hätte es gedacht, Petri heil, zwei Makrelen (eine ist noch arg klein, aber sie hat den Köder so tief verschluckt, dass sie nicht zu retten ist) sind die Beute. Das sind nun nicht unsere Favoriten-Fische, aber wichtig ist, dass Achim sein Fischgesicht wieder hat. Ihr Thunfische, zieht euch warm an :-)

Angler

Leider ist es auf Grund der Windrichtungs-Änderung ab Nachmittag und die ganze Nacht sehr schwellig an unserem gestern noch so schönen Ankerplatz. Wir harren aber aus und brechen erst am Morgen Richtung Lagos auf.

Hier erwartet uns ein hübscher Ort und eine sehr schöne Marina. Da wir noch einen 20% Rabatt-Gutschein aus Porto haben, ist der Preis in dieser großzügigen Marina mit 21 EUR für die ersten vier Tage und 25 EUR für die folgenden Tage, annehmbar.

Abends gibt es dann die beiden Makrelen (gebraten mit getrockneten Tomaten) mit geschmorrtem Porree und Kartoffelmus.

Makrelen

Ankunft in der Algarve

21./22.Okt.14, Cabo de Sáo Vicente, 1.691 sm von HH, Strecke 126 sm

Jetzt haben wir so lange in Lissabon ausgeharrt um den richtigen Wind abzuwarten und dann ist uns das Glück doch nicht holt. Der Atlantik liegt um 15:00 Uhr vor uns wie ein Ententeich, weder Windwelle noch eine alte Dünung sind zu sehen und spüren. Als um 20:00 Uhr ein zaghafter Wind einsetzt und wir endlich Segel setzten können, gleiten wir aufrecht und fast geräuschlos über den Ozean in eine mondlose Nacht hinein.

Eigentlich klappert oder bewegt sich immer etwas beim Segeln oder Wellen klatschen an den Rumpf, aber heute erleben wir einen besonderen Augenblick der Stille. Ein sehr erhabener Moment, mystisch, geheimnisvoll. Wir haben ein wenig Leuchtplankton und ziehen mit dem Ruder unserer Windsteueranlage einen Kometenstreifen hinter uns her.

Um 4:00 Uhr morgens, meine Wache endet gerade, interessiert sich ein Trupp Delphine intensiv für diesen Schweif. Anders als sonst, wenn diese schönen Tiere eher mit der Bugwelle schwimmen, bleiben sie eine halbe Stunde am Heck von Atanga und schwimmen eifrig um unseren Leuchtstreifen umher. Dabei erzeugen sie selber ebenfalls kleine Kometenschweife. Da es nach wie vor sehr ruhig ist, können wir sogar ihr intensives Gepiepe deutlich hören.

Das ist so wunderschön und ich opfere gerne eine halbe Stunde Schlaf für dieses Erlebnis.

Mit Beginn der Morgendämmerung schläft der Wind wieder ein und wir müssen motoren. Aber es kommen uns am Vormittag noch einmal ein paar Delphine besuchen. Bislang waren uns längere Besuche tagsüber verwehrt genlieben. Aber jetzt haben wir Glück und sie schwimmen lange in unserer Bugwelle. Nur leider sind die schlüpfrigen Biester so schwer zu fotografieren.

Dolphins

Um 16:00 Uhr erreichen wir, bei strahlend blauem Himmel und 28, Grad Cabo de Sáo Vicente, den südwestlichsten Punkt des Kontinents,  und den Anfang der Algarve. Wir fahren direkt hinter dem Kap in eine kleine, menschenleere Bucht und lassen, von drei Seiten von Felsen geschützt, unseren Anker fallen.

Die erste, fast laue Sommernacht seit langem, rundet den tollen Tag ab und wir genießen die Abgeschiedenheit und Ruhe. Zum Abendessen gibt es Caprese und Fertigpizza ;-) – die gibt es hier viel aus der Kühltheke und nicht tiefgefroren.

 

 

Algarve – Cabo de Vicente

Nach relativ entspannter Ueberfahrt von Lissabon, liegen wir in einer kleinen Bucht bei Cabo de Sao Vicente vor Anker. Leider ist der Wind auflandig und die Felswaende sehr nah, sodass wir uns im Moment nicht trauen, das Schiff zu verlassen….obwohl wir eigentlich unserem Rocna Anker vertrauen. Mehr gibt es, wenn wir wieder Internetzugang haben.

Lissabon „Marina Doca Alcantara“

21.Okt.14, Lissabon, 1.565 sm von HH

Der Liegeplatz in der Doca Alcantara zeichnet vor allem wegen seiner günstigen Lage sowohl in Richtung Altstadt als auch nach Belém aus. Die Sanitär-Anlagen sind nicht schön (sehr milde ausgedrückt) und das Internet schwach. Dadurch dass wir solange hier liegen, ist der recht hohe Liegeplatz-Preis durch ein Monatskontingent auf 21 EUR pro Tag gesunken. Das ist aus unserer Sicht für einen Weltstadt-City-Hafen ein guter Preis. Heute geht es nun  weiter und wir verlassen den wohl geräuschintensivsten Liegeplatz unserer Reise:

Backbord: die berühmte Brücke „Ponte 25 de Abril“, optisch sehr ähnlich der Golden Gate Bridge. Hier fahren sechsspurig oben Autos (150.000 täglich), unten Züge („nur“ 160 täglich). Es handelt sich um eine, optisch sehr gelungene, gut Lärm erzeugende, Metallkonstruktion :mrgreen: Unter Deck klingt es wie ein zufriedener Bienenschwarm, an Deck wie aggressive Kampf-Hornissen. Wenn man im Cockpit sitzt, kann man nicht verstehen, was unten gesprochen wird.

Steuerbord: sowas wie Ruhe…außer donnerstags bis sonntags, dann schalt das Utz-Utz-Utz aus den Clubs an der Hafenfront bis zu uns. Aber erst ab ca. 3:00 Uhr morgens, also genau genommen dann ja nur die halbe Nacht. ;-)

Achtern: Container-Terminal im 24-Stundenbetrieb mit allen Geräuschen die zu so einen Betrieb dazu gehören, einschließlich dem nervtötenden biep, biep, biep beim Rückwärtsfahren der Stapler.

Vorne: Hauptsteg zu allen anderen Stegen dieser Marina. Solange Personen sich nur lautstark unterhalten, lachen und rufend vorbei gegen ist alles okay, übel wird es nur wenn Karren, Einkaufswagen oder gar Fahrräder auf dem Holzstg entlang donnern.

Oben: International Airport Lissabon. Durch die vorherschende Windrichtung Nord, setzten alle Flieger ihren Landeanflug über den Tejo (also uns) an.

Unten: Diese Wesen schwabbern im ganzen Hafen umher, sind wunderschön, bis zu 50 cm lang und halten die Schnauze…

 

Überraschung am Morgen

19.Okt.14, Lissabon, 1.565 sm von HH

Achims erster Blick morgens gilt der Spannungsanzeige der Batterien und der Anzeige des Reglers der Solarpanele. Die beiden Werte, die er sieht, müssen nahezu deckungsgleich sein.

Heute Morgen ist das nicht der Fall.

Wer Joachim kennt, der weiß, dass er sich spontan in einem „Unansprechbar-Modus“ befindet. Frühstück wird unwichtig, mit seiner Frau zu kommunizieren ist die unwichtigste Nebensache der Welt… :roll: Die Panty wird mit Werkzeugkästen und Lego-Baustein-Kästen vollgestellt. Und quer durch den Salon liegt der Elektriker – ich bin über und kann mich nur nach oben flüchten.

quote Achim:

„Die LEDs am Regler zeigten nicht nachvollziehbare Dinge an. Die Batteriespannung am Regler gemessen schwankte zwischen 3 und 6V, während an der Batterie die erwarteten 12,8V anlagen. Ein Entfernen der 20A Sicherung im Regler brachte die LEDs auch nicht zum erlöschen. Die Widerstandsmessung am Plus Zuleitungskabel zur Batterie ergab „unendlich“ Ohm und somit war der Fehler schon einmal eingekreist. Das Pluskabel am Regler, dass zur Batterie führt, hatte sich losgejackelt (wie üblich konnte man das nicht sehen), was zu einem Durchbrennen der 40A Sicherung geführt hat. Kleiner Fehler- große Wirkung. „

unquote

Ich hätt‘s nicht besser sagen können… :mrgreen:

Eine kleine Korrektur vom Bericht von gestern muss ich noch vornehmen: wenn wir am Dienstag weiterfahren, dann sind wir mittlerweile fast vier und nicht drei Wochen in Lissabon. Uns hat die Stadt sehr, sehr gut gefallen, obwohl natürlich auch hier, genau wie in Porto, viele Häuser verfallen sind und die Wohnzustände zum Teil sicherlich katastrophal sind. Aber als Städtereise-Tipp kommt Lissabon ganz nach oben (wer es schafft, sollte Porto aber nicht auslassen).