In Lissabon beim Friseur

Der von mir gewählte Salon bietet alle Dienste in Sachen Schönheit an: Mani- und Pediküre, Kosmetik, Brasilien Waxing und natürlich alles rund ums Haar. Die Dame am Empfang spricht englisch und managet das was ich möchte. Ich gebe mich vertrauensvoll in die Hände einer jungen Frau, die selber eigentlich gar keinen Haarschnitt vorzuweisen hat, aber professionell anfängt zu arbeiten.

Da ja mein fieser, runder Geburtstag vor der Tür steht, deklariert Achim das, eigentlich das Budget sprengende, Färben als Geburtstagsgeschenk (weil er noch kein anderes hat und verzweifelt ist :mrgreen:  (und weil er wenig Meinung hat beim Selber färben am Hinterkopf zu assistieren)).

Der Laden ist rappelvoll und es wird viel und laut mit- und durcheinander gesprochen. Hierbei bringen sich auch wartende Ehemänner durchaus aktiv mit ein. Leider spricht meine Friseurin kein Englisch, so dass zwei entscheidende Dinge beim portugiesischen Friseur fehlen: Das Schwätzchen über Pütt und Pann mit der Friseurin, wenn man sich schon ewig kennt oder das Blättern in Gala, Goldene Blatt und Co. Entsprechende Blätter werden von meinen Mitstreiterinnen mit Interesse gelesen.

Das Schneiden übernimmt eine zweite, auch dem Englisch nicht mächtige, schon etwas ältere Friseurin. Sie selber hat einen flotten, ganz weißen Kurzhaarschnitt, der das erneute Vertrauen entwickeln etwas einfacher macht. Da ich auf solche sprachlichen Barrieren vorbereitet bin, kann ich ein Foto von mir mit frisch gestyltem Haupt aus der Tasche ziehen. Ein kurzer Blick, si, und schon legt sie los wie Edgar mit den Scherenhänden. Das ältliche Mädchen schneidet dermaßen schnell, dass es mir schwindelig wird. Sie braucht in Summe zwar die übliche deutsche Schneidezeit, macht aber das Dreifache an Schneidbewegungen.

Mit dem Ergebnis des Schneidens bin ich aber sehr zufrieden. Das Färben ist nicht ganz so gut geworden und mit 35 EUR überdurchschnittlich teurer als der Schnitt für 14 EUR. Das wird dann wohl beim nächsten Mal doch in Eigenleistung gemacht…

Ach ja, und das Haare waschen und ausspülen erfolgt auf einem Massagestuhl!!

Der Hin- und Rückweg durch diese 7-Hügel-Stadt ist ein Traum an neuen Ausblicken… :-)

Lissabon City

01. Okt.14, Lissabon, 1.565 sm von HH

Vormittags müssen wir uns leider von Meike und Sebastian verabschieden, die sich auf ihren weiteren Weg zur Teilnahme an der ARC (Regatta von Gran Canaria nach St. Lucia) machen. Schade, wir hätten gerne noch mehr Zeit mit Euch verbracht, aber wir wünschen Euch ein wundervolles Jahr auf Eurer reise mit der Meise.

Da das Wetter ausgezeichnet ist, fahren wir zwei mit dem Fahrrad in die Altstadt. Wir machen es wie in Porto und lassen am Stadttor die Fahrräder stehen. Für mich wird das Fahrrad immer wertvoller, denn es sind immerhin knapp 4 km in die Stadt und die sind per Bike natürlich schnell und Fuß schonend überbrückt.

Wir haben keinen besonderen Touri-Auftrag, sondern schlendern einfach durch die Stadt, schauen auf Details, beobachten Menschen und versuchen zu erspüren, wie die Stadt „tickt“ und was das besondere Flair an Lissabon ausmacht. Diese Art des Sightseeing ist für uns ungewohnt, denn normalerweise bedeutet eine Städtereise ja in kurzer Zeit das Möglichste raus zu holen. Dieser Luxus an Zeit ist es unter anderem, der unsere Reise so unglaublich wertvoll macht.

Lissabon liegt auf sieben Hügeln und somit gibt es nicht ein „oben angekommen“, sondern den ganzen Tag geht es bergauf, bergab. Nach einem wundervollen Nachmittag radeln wir mit vielen Bildern auf den Chips und einem Friseurtermin :shock: für mich (Morgen um 16:00) zum Schiff zurück.

Einkaufen in Lissabon

30.Sep.14, Lissabon 1.565 sm von HH

Bereits den ersten Tag nach unserer Ankunft fahren wir, auf der Suche nach Brot und einem Laden, die nähere Umgebung mit dem Fahrrad ab. Dabei fällt uns sofort der super angenehme Fahrradweg auf, der sich offensichtlich den gesamten Tejo entlang schlängelt. Man kann also prima vom Straßenverkehr getrennt radeln. Einen Supermarkt entdecken wir etwa 2 km weiter stadtauswärts.

Die Struktur der Hauptverkehrsader am Tejo sieht wie folgt aus: Fluss, Fahrradweg, Fußweg, Straße, Zaun, Schiene, Schiene, Zaun, Straße, Fußweg, Häuser.

Es gibt nur einen Haken und das ist die Querung dieser Verkehrswege. In regelmäßigen Abständen gibt es Fußgängerbrücken und hier liegt die Betonung auf Fußgänger. Mit dem Fahrrad kommt man nur über die Schienen, wenn man es über eine von diesen Brücken trägt.

Es gibt noch eine Auto-Brücke, die drüber führt, aber diese zu nutzen, trauen wir uns nicht, da diese schnell und viel befahren wird und man am Ende eine zweispurige Straße über durchgezogene Linie mit Gegenverkehr queren müsste.

Außerdem gäbe es noch die Möglichkeit knapp 4 km in die Stadt zu fahren, denn dort enden die Schienen unter der Erde, um dann auf der Straße zurück zu fahren. Macht auch keinen Sinn.

Somit sind wir am überlegen, ob wir (also er) die Räder tragen und auf dem Rückweg die Satteltaschen mit den Einkäufen abnehmen und ebenfalls über die Brücke puckeln, oder ob wir gleich zu Fuß einkaufen gehen….

Da erschein die Lösung in Form einer netten Holländerin mit der ich ins Plaudern komme. Sie hat sich nämlich ihre Einkäufe bringen lassen! Für 6 EUR wird einem das ganze Zeug sogar bis ans Schiff gekarrt. :-) Wir tun uns also mit Meike und Sebastian zusammen (die haben wirklich extra viel, da sie von Lissabon aus direkt nach Madeira wollen) und auch wir bunkern alles, was schwer ist und sowieso benötigt wird.

Im Supermarkt läuft das ganz sehr Service orientiert ab. An der Kasse wird auf dem Kassenbon die Lieferzeit, der Schiffsname und Lieferort eingegeben. Und tatsächlich kommt die Lieferung für uns zwei Schiffe auf die Minute pünktlich an.

Erstes Sightseeing in Lissabon

28. Sep.14, Lissabon, 1.565 sm von HH

Da wir ja etwas länger in Lissabon sein werden, hatten wir gedacht, dass wir es mit den Besichtigungen langsam angehen lassen können. Aber manchmal kommt es anders als man denkt.

Nach dem Frühstück halten wir ein kleines Schwätzchen mit (Mei)ke und (Se)bastian von der „Meise“. Die beiden kennen wir schon aus Porto und sind quasi „nebeneinander“ nach Lissabon gesegelt. Meike erwähnt, dass sie gelesen hätte, dass sonntags bis 14:00 Uhr der Eintritt frei sein soll im Torre de Belém. Beim Torre handelt es sich um einen alten Wehrturm und das! Wahrzeichen von Portugal, welches ca. 5 km flussabwärts im Ortsteil Belém steht und unter Besucherpflicht fällt.

Bei solchen Sparaussichten setzten wir vier uns kurz entschlossen in den Bus, stehen geduldig (mindestens) eine halbe Stunde in der Schlange, um dann zu lesen, dass dieser freie Eintritt nur jeden ersten Sonntag im Monat gilt. Da wir nun aber schon da sind, kaufen wir gleich ein Kombiticket für den Torre und das Mosteiro dos Jerónimos – einem Kloster, gebaut um 1500 (beides Weltkulturerbe).

Der Turm ist allerdings von außen imposanter als von innen. Im Turm selber gibt es eine extrem schmale Wendeltreppe an der es nahezu unmöglich ist, dass zwei Personen sich begegnend aneinander vorbei kommen. Da der Besucherandrang doch recht groß ist, wird die Wendeltreppe per Ampelschaltung freigegeben.

Wenn die Ampel dann für die Wartenden auf grün springt, man sich selber aber noch auf der Treppe befindet, weil der Tross vor einem zu langsam war, wird man von dem entgegenkommenden Strom fast tot getrampelt :shock: . Da hilft nur in eine der Ausweichkammern zu flüchten, die es in regelmäßigen Abständen gibt. Dort muss man dann wieder auf ein neues „grün“ warten. Bei dieser Aktion verlieren wir dann leider Meike und Sebastian. Da wir an unterschiedlichen Stellen aufeinander warten, machen Achim und ich uns irgendwann alleine zum Kloster auf.

Diese Besichtigung lohnt sich auf alle Fälle. Das Kloster ist von innen und außen eine einzige Zuckerbäcker-Schönheit. Vor allem innen ist der zweigeschossige, quadratische Kreuzgang eine Augenweide. Jeder Pfeiler und Stützbogen, jede Säule und Sims weist andere Muster, Figuren und Girlanden auf. Alles in hellem Kalkstein gemeißelt und wunderbar erhalten bzw. restauriert. Da der Nachmittag nun schon ganz schön fortgeschritten ist, ist auch der Besucher-Strom deutlich kleiner.

Im Kloster treffen wir sogar die Meise Crew wieder :-)  und machen uns gemeinsam auf den Heimweg. Die beiden fahren noch weiter in die Stadt, da sie nicht so viel Aufenthalt hier in Lisboa haben, um ihr Touri-Programm „abzuarbeiten“.

Später sitzen wir noch gemütlich auf ihrer schönen Meise und verbringen einen sehr netten, lustigen Abend. Wir stellen dabei fest, dass uns etwas Entscheidendes auf Atanga fehlt: Kinderspielzeug was für „Sauf-Spiele“ zweckentfremdet werden kann. Wir wollen jetzt auch ein „Kroko hat Zahnweh“ oder „Looping Louie“… :oops:

Hoher Besuch

27.Sep.14, Lissabon, 1.565 sm von HH

Der Grund warum wir eigentlich ein paar Tage zu früh in Lissabon sind, ist weiblich, ist Achims Chefin und heißt Sabine.

Sabine verbringt mit ihrer Freundin Anja ein verlängertes Wochenende in Lissabon und schon vor unserer Abfahrt gab es die Idee, dass es doch toll wäre, wenn wir uns dann hier treffen könnten.

Also kommen die beiden nach einer Sightseeing-Tour am Nachmittag bei uns am Schiff vorbei. Nach einem gemütlichen Kaffeplausch und dem Austausch der wichtigsten Firmen und sonstigen Neuigkeiten, beschließen wir abends gemeinsam essen zu gehen.

Wir holen die beiden Mädels an ihrem Hotel ab und können von ihrer Dachterrasse aus das umwerfende Panorama auf Lissabon genießen.

Es ist so mild, dass wir, zwar noch mit leichter Jacke, den ganzen Abend draußen sitzen können. Ein lustiger Abend mit viel Vinho Verde macht das „Firmen“-Meeting perfekt. Danke an Euch für die nette Gesellschaft – schön, dass das tatsächlich geklappt hat.