Von Porto nach Lissabon

26.Sep.14, Lissabon, 1.565 sm von HH

Wir brauchen für die 180 sm weniger Zeit als gedacht. Die Windvorhersage war schwach und daher haben wir sogar mit Windeinbruch gerechnet. Aber weit gefehlt, am 2.ten Tag müssen 3 Stunden motoren, aber sonst ist ganz guter Wind. Immer so zwischen 3 bis 4 Windstärken, wolkenfreier Himmel,  und 22 Grad. Soweit die Fakten, die schönes Segeln bedeuten können…in Wirklichkeit sind die ersten 18 Stunden wirklich unangenehm. Es gibt zwar diesen Himmel und frieren musste auch keiner, aber die „berühmte, ach so tolle Atlantikdünung“ kommt schräg von achtern…15 Grad Neigung nach Steuerbord, 15 Grad Neigung nach Backbord. Es knarrt, ächtst, quietscht und klappert, was nur zu bewegen ist. Der restliche Schweinebraten von gestern wird in Suppentellern serviert und schneiden des Fleisches ist kaum möglich.

Es ist kein Auge zuzukriegen (und das mir, ich kann immer schlafen!!) und während meiner Hundewache von 1:00 bis 5:00, fallen mir viele Gründe ein, die Reise in Lissabon für erledigt zu erklären. Dann aber, an Tag 2, ändert sich das Wellenbild etwas und es ist total schön und mir fallen viele Gründe ein, die Reise nach Lissabon weiter fortzuführen…

Wir erreichen die Mündung des Tejo um 1:00 morgens und entscheiden nicht mitten in der Nacht nach Lissabon zu fahren, sondern werfen  in Cascais, einem hübschen Vorort, auf 8 m Sand unseren Anker. Nach einem köstlichen Anleger-Bier um drei Uhr morgens, fallen wir tot in die Kissen.

Nach dem Frühstück motoren wir die restlichen 9 sm in die Marina Doca de Alcantara, die der Altstadt von Lissabon am nächsten liegt. 27 EUR für die Nacht mit zweistufiger Brücke in deutlicher Hörweite, Container-Terminal ebenfalls vis-a-vis nicht zu überhören und in der Einflugs-Schneise für International-Airport (Frequenz ca. 5 Minuten),

Aber ich freue mich sehr über diesen Liegeplatz. Es handelt sich hierbei immerhin um mein Geburtstags-Geschenk. Schon vor einem Jahr habe ich mir eine Geburtstagsfeier in Lisboa gewünscht. Der Wunsch wurde damals skeptisch, ablehnend von Skipper bewertet (zu spät im Jahr, Ort und Zeitpunkt festlegen kann schwierig zu realisieren sein usw…), aber nun hat er ihn mir doch erfüllt :-) :-)

Liebe Segelbuchautoren

Ich weiß nicht in wie vielen Eurer Bücher und Blogs ich über Sätze wie „segeln auf dem Atlantik ist was ganz anderes…die Dünung ist so lang…angenehmes segeln…“ gestossen bin.

Wer von Euch damit begonnen hat und wer nun von wem abschreibt, spielt keine Rolle. Es handelt sich hierbei um Falschaussagen, Seemannsgarn, Märchen, um ganz billige Propaganda.

Erboste Grüße nach einer durchrollten, schlaflosen Nacht. Sabine

Kühlschrank

Das Beste vorweg: Er läuft wieder!

Das Zweitbeste: Skipper-Masters Diagnose war korrekt!

Der junge Mechanico, der heute nahezu pünktlich an Bord kommt, ist super nett und durchaus kompetent. Er unternimmt die gleiche Versuchsreihe wie Achim gestern und die beiden verstehen sich blendend als das Kühlmittel durchs Schiff strömt: „Normalerweise habe ich eine Pumpe dafür, aber die ist gerade woanders, ist nicht gefährlich, sollte nur nicht zu sehr eingeatmet werden“.

Männer!

Er kommt dann auch zu dem Ergebnis, dass eine Verstopfung vorliegen muss, holt die Vakuumpumpe und leitet die nötigen Schritte ein. Diese sind von Erfolg gekrönt, so dass nach 2,5 Stunden der Kühlschrank wieder durchgehend kühlt.  :-) Er gibt Achim noch ein paar gute Tipps, falls mal dies oder das mit dem Kühlsystem sein sollte, welcher Druck auf der Armatur anliegen sollte usw. Man knöpft uns dann 30 EUR Stundenlohn ab… nun, tja, alles im Leben hat seinen Preis. Aber ohne Kühlschrank mag ich nicht sein. Ich wusste gestern schon nicht, was ich ohne Kühlgerät einkaufen sollte, somit gab’s nur Nudelsalat. Dafür gibt es heute Abend zur Belohnung für die richtige Diagnose von gestern: Schweinebraten mit Rotkohl und Klößen (deutsche Pfanni halb und halb). Letzte Woche hatte ich beim Einkaufen schon Rollbraten mit Backpflaumen entdeckt. Den gab es nun heute leider nicht mehr, aber ich war jetzt so auf Trockenobst im Schweinebraten konditioniert, dass es das unbedingt sein musste. Da noch getrocknete Aprikosen vorrätig waren, habe ich die genommen. Kann ich unbedingt empfehlen. Sind super karamellisiert und haben damit genau das gemacht, was von ihnen erwartet wurde.

Da der Wind weiterhin aus der richtigen Richtung kommt, geht es heute (Mittwoch) in einem Rutsch (ca. 48 Stunden) nach Lissabon.

Pläne ändern sich über Nacht

Heute Morgen beim Frühstück ist etwas anders als sonst: die, immer ein wenig zu harte, Butter aus dem Kühlschrank lässt sich zartweich verteilen. Genau genommen ist alles warm und weich… Hm, der ganze Kühlschrank ist zu einem normalen Vorrats-Schapp mutiert.

Da wir schon mal einen defekten Kühlschrank an Bord hatten (damals war die Leitung für die Kühlflüssigkeit zum Verdampfer undicht) befinden sich wundersame Ersatzteile und Werkzeuge an Bord. Eine Flasche Kühlflüssigkeit und eine Armatur.

Diagnose, ganz klar, wie damals, es fehlt an Kühlflüssigkeit. Achim händelt also ganz beherzt mit der Druckflasche umher. Meine Fragen, wie war das noch mit dem Mittel –  Explosionsgefahr, giftig, schädlich? – werden mit einen Blick auf die Flasche verworfen: „Ist kein Totenkopf drauf, ist schwerer als Luft, da passiert schon nix“.  Manchmal scheint es mir gefährlich mit einem Chemiker zusammen zu reisen :roll:

Leider ist die erste Diagnose nicht korrekt. Der Kühlschrank startet zwar wieder, aber geht leider nach kurzer Zeit (siegesgewiss waren alle Teile bereits wieder gut und tief verstaut :mrgreen: ) wieder aus. Es wird probiert und gewerkelt, Druck aufgebaut und wieder entlastet und die neue Meinung lautet: Eine der Kapillaren ist verstopft, das Beste ist, die Blockade zu entfernen, das System zu evakuieren und neu zu befüllen.

Dafür fehlen dann leider doch die Bordmittel, daher wird mit dem Yachtservice vor Ort gesprochen und Morgen um 9:30 kommt ein Mechanico… Somit wird aus unserer Weiterfahrt nach Lissabon Morgen wohl nichts.

Es gibt da diese Theorie, dass mit schlechtem Pflegezustand der Füße der Skipperin überproportional die Reparaturen auf einen Schiff zunehmen sollen. Eigentlich ist meinen Füßen dieser Vorwurf nicht zu machen, aber um meinen Teil zur Reparatur beizutragen, entschließe ich mich heute für eine neue Lackierung. Es handelt sich hierbei zwar um die Farbe besonderer Frauen :cry: , aber unter Experten ist Rouge Noir die Nummer eins unter den Lacken!

Noch einmal Porto

Da wir in Porto unser Touri-Pflichtprogramm abgearbeitet haben, sind wir heute ohne Lernauftrag in die schöne Stadt geradelt. Am Sonntag ist die Stadt deutlich voller, denn auch die ortsansässigen Portugiesen scheinen mit ihren Familien gerne einen Ausflug an den Douro zu machen.

Das fängt hier bei uns in der Marina mit erhöhten Publikumsaufkommen an. Es werden, je nach Familienstand und PS-Vorliebe, das Motorrad, die Mountain-Bikes, Kinderwagen oder das Mädel ausgeführt. In der Stadt stoßen wir dann auf ein „Oldtimer“-Treffen. Unter viel Gehupe und noch mehr Drehzahl-Theater im Leerlauf bis in den roten Bereich wird die Wartezeit bis zum Start überbrückt. Auf der ganzen Welt das Selbe – gib Jungs ein paar PS unter den Hintern und sie denken alle, sie sind Schumi, auch wenn es nur ein Toyota Starlet ist.

Vor dem Rückweg gönnen wir uns bei Sandemann noch einen 10 Jahre alten Tawny, der die nötige Gelassenheit gibt, an der Polizeiwache mit süffigem Grinsen vorbei zu fahren.

Zu Essen gibt es heute Barbecue-Hühnerbeine (Marinade: Knobi, Ingwer, Chili, Orangenschale, Kreuzkümmel, Honig und ein wenig Tomaten Ketch up) mit Bratkartoffeln und Tomatensalat. Der Abwasch ist schnell gemacht, rinn in den Geschirrspüler und fertig…

Nach nunmehr fast drei Wochen dreht endlich wieder der Wind und kommt nicht penetrant aus Süden, so dass wir uns wohl am Dienstag weiter auf den Weg machen werden. Ob wir in einem Rutsch nach Lissabon 180 sm (ca. 350 km) durchsegeln, entscheiden wir nach Vorhersage und tatsächlicher Wettersituation.