Quick-Start in den Panama-Kanal

Fr., 06.Apr.2018, Panama/Shelter Bay, Tag 1399, 12.404 sm von HH

Wie konnte ich bei unserer Glücksträhne nur glauben, dass alles planmäßig läuft.
Ich bin noch in Colón beim letzten Einkauf für die Kanal-Passage, als Achim mir eine Nachricht schreibt: „Wir gehen bereits Morgen früh um 5:00 Uhr durch den Kanal. Die Line-Handler kommen um 17:00 Uhr, um 17:30 ist Aufbruch.“

Da bleibt mir ja mal richtig viel Zeit zum Vorkochen. Läuft schon wieder.

Übernachtet wird dann in den Flat, der Wartezone drei Meilen vor den Schleusen bis im Morgengrauen der Adviser anreisen wird.

Unsere Fender und Leinen sind bereits gestern gebracht worden. Jedes Schiff muss vier Leinen von 38 Meter Länge und mindestens 22 mm Durchmesser bei sich führen. Da kein Schiff so etwas an Bord hat, können die Leinen praktischerweise gemietet werden (80 bis 100 USD Mietgebühr).
Wir haben unsere Kanalfahrt mit Hilfe eines Agenten gebucht -inklusive Leinen- , daher gibt es acht Kugelfender oben drauf. Wer bei den ‚Taxifahrern‘ Leinen mietet, bekommt ’nur‘ Autoreifen geliefert. Diese sind sorgfältig in Folie gewickelt, machen also keine schwarzen Streifen auf weißem Rumpf. Manchmal sollen allerdings Kakerlaken oder auch mal eine Ratte in den Reifen mitgeliefert werden (Hörensagen).
Zudem kommen die Reifen ohne Tüttelbänder. Fender sind leichter zu handhaben und natürlich dicker, das gefällt uns noch besser.
Das Vorschiff ist so gut es geht frei geräumt, damit die Line-Handler Platz haben. Auf die Solar-Panele kommt eine Wolldecke, damit sie nicht von den Affenfäusten kaputt geworfen werden.

Ready for the Canal

Ready for the Canal

Befreundete oder auch einfach nur „irgendwelche“ Segler waren als Line-Handler nicht mehr aufzutreiben. Die Saison ist einfach um. Jeder sucht, keiner bietet sich mehr an.
Schon etwas schade. Achim ist einmal gefahren, ich bin zweimal durch den Kanal gegangen und hatte mich mehrfach angeboten: „Findet Ihr keinen, bin ich euer Notnagel.“
Wir haben uns jetzt drei Profis gemietet.
Lieber hätte ich den tollen Tag mit Menschen geteilt, die ich kenne. Aber nun ist es nicht zu ändern.

Falls jemand zufällig am Samstag zwischen 13:00 und 15:00 Uhr (Gatun Schleuse) vor dem Rechner sitzt. Oder, eher etwas für die Nachtschwärmer, von 23:00 bis 01:00 (Miraflores Schleuse mit dem besseren Blick) noch wach ist, für den habe ich zwei Links für webcams, die auf die Schleusen zeigen. Unsere genaue Ankunft kann über AIS zusätzlich kontrolliert werden.

Also falls jemand uns sieht, über ein Foto von uns würden wir uns riesig freuen. Leider funktionieren die WebCams nicht gleichmäßig gut. Häufiger drauf klicken hilft manchmal, dann kommt ein Bild.
Vielleicht hat ja einer von Euch Glück und schießt uns ab.

Wir sehen uns auf der anderen Seite. ;-)

WebCam 2

 

 

 

Blitzeinschlag – ein Fazit

Mi.,04.Apr.2018, Panama/Shelter Bay, Tag 1404, 12.404 sm von HH

Treffen sich zwei Bauern. Sagt er eine Bauer zum anderen: „Ich habe jetzt zwei tolle Versicherungen. Eine gegen Feuer, die andere gegen Blitz.“ Antwortet der zweite Bauer: „Das mit dem Feuer verstehe ich, aber wie machst du Blitz?“

In Gesprächen mit anderen Seglern hält sich, nach einem ersten geschockten Blick, das Mitleid über einen Blitzeinschlag in Grenzen. Nach kurzem Bedauern folgt unweigerlich: „Hat doch was Gutes, ihr habt dann eine komplett neue Navigation auf Kosten der Versicherung.“

Aber stimmt das wirklich?
Inhaltlich ja. Wir sind ‚alt gegen neu‘ versichert. Für jedes defekte Teil gibt es ein neues. So ein Versicherungsschutz hat seinen Preis. Immerhin zahlen wir im aktuellen Fahrgebiet ‚Karibik‘ dreitausend Euro jährlich an Versicherungsprämie.Ein Haus mit einem vergleichbaren Wert zu versichern, kostet keine zehn Prozent dieses Betrages.
Somit zahlt man den Schaden selber – in jährlichen Häppchen durch die Versicherungsprämie.
Das Prinzip einer Schiffs-Versicherung. Deshalb denke viele auch darüber nach, ab Pazifik, wenn die Prämie noch weiter ansteigt, auf eine Versicherung zu verzichten.

Alt gegen neu
Unsere alten Geräte funktionierten, wir waren zufrieden. Jeder weiß, dass Elektronik der jüngeren Generation nicht für die Ewigkeit gebaut wird. Instrumente sollen gar nicht mehr zwanzig Jahre und länger halten. Durchgehend fühlen sich unsere alten Bauteile wertiger an als die neuen Teile.

Die neuen Geräte können vermeintlich mehr. Vermisst haben wir bislang nichts. Braucht man z.B. eine Wassertemperatur-Anzeige? Was nicht vorhanden ist, kann auch nicht kaputt gehen.
Beim Radar machen wir einen Schritt nach vorne. Die neuen Geräte liefern ein Bild, was jeder interpretieren kann. Die alten Bilder erinnerten häufig an Ultraschallaufnahmen eines unbekannten Organs. Zudem ist der Stromverbrauch durch digitale Technik geringer. Wir können das neue Radar somit länger nutzen, ohne dass die Batterien in die Knie gehen.
Auch der Autopilot verheißt Gutes. Kommuniziert dieser doch nun mit dem Windmesser und ‚lernt‘, welchen Kurs er zu steuern hat. Der alte konnte nur stumpf nach einem eingestellten Kurs steuern.
Beim Rest der Instrumente bleiben wir auf unserem vorherigen Niveau.

Kabel
Alle Kabel sind auf Schmauch- und Brandspuren zu durchsuchen. Die Arbeit für so eine Durchsicht und der entsprechende Kabel-Tausch sind gewaltig. 350 Stunden hat Achim geschuftet.
Das hat echte Ordnung ist in das alte Kabelgewirr gebracht. Bereits zu Hause hat Achim schon immer gemeint, dass er ‚das mal machen müsse‘. Nur Elektriker machen sowas freiwillig. Auf vielen Schiffen unseres Alters sieht es ähnlich aus. Jetzt gab es keine Ausrede mehr.
Zum Glück weiß Achim was ein Multimeter ist und hat keine Angst vor Kabeln. Anderenfalls wären wir ganz schön aufgeschmissen gewesen.
Ein echter Vorteil, den Achim aus der Arbeit zieht: er kennt jetzt das Schiff ganz genau. Alles ist beschriftet und geordnet. Man bekommt wieder seine Hand in den Schaltkasten.

Baustelle
Wir haben drei Monate auf einer Baustelle gewohnt. Unter normalen Umständen ist das Leben zu Zweit auf einem Schiff schon manchmal, nennen wir es, schwierig. So eine Baustelle birgt echte Falltüren für eine Ehe: auf jedem freien Platz liegen Werkzeuge, Kabel und Ersatzteile. Staub und Späne legen sich wie ein Grauschleier auf alle Gegenstände. Wer nach einem Grund sucht für eine Trennung, der möge sich einen Blitz besorgen.

Fazit
Wir sind finanziell auf keinem Schaden sitzen geblieben. Achim kann nun mit verbundenen Augen in seinen Kabeln wühlen. Und trotzdem hätten wir gerne auf den Blitz verzichtet. Unterm Strich war die Zeit anstrengend und unangenehm. Unsere Pläne wurden über den Haufen geworfen, zwangsweise wurden wir ein Vierteljahr in eine Marina am Ende der Welt verfrachtet.
Ein paar Vorteile müssen noch zeigen, dass sie diesen Namen verdienen.

Versicherung
Große Anerkennung geht an Pantaenius, unsere Versicherung. Unkompliziert wurde der Schaden reguliert. Nachdem der Gutachter an Bord gewesen ist, kam sofort ein großzügiger Vorschuss. Die Kommunikation war ausgesprochen freundlich und hilfsbereit.
Viele Gespräche, die wir mit anderen Seglern geführt haben, hatten zum Tenor: „Pack in den Schaden rein, was geht, Versicherungen machen immer Probleme, die hauen dich sowieso übers Ohr.“
Wir können das nicht bestätigen. Wir waren fair zur Versicherung und die Versicherung fair zu uns. Wir haben den Aufwand so gering gehalten, wie es ging: Transportkosten gebündelt, auf einen Hotel-Aufenthalt verzichtet (10 Tage hätten wir bezahlt bekommen), keinen Tischler für Holzarbeiten kommen lassen usw. Achim wurde für seine geleisteten Stunden von der Versicherung bedacht und es gab viel Lob für seinen Einsatz und die Transparenz in der Abrechnung.
Danke Pantaenius, wir empfehlen Euch uneingeschränkt weiter.

Dank
Mein persönlicher Dank geht an Achim. Ohne ihn würden wir noch drei Monate in der Shelter Bay hängen, da bin ich mir sicher. Nach anfänglichem Schreck über den ‚Alleinauftrag‘ hat Achim einfach losgelegt. Jeden Abend hat er versucht soweit aufzuräumen, dass wir die Hälfte des Salons und die Pantry ‚bewohnen‘ können. Zwischen herzhaften Flüchen hat er nicht einen Tag seine gute Laune verloren. Er hat auch in Bereichen, die ihm nicht so liegen, sein Bestes gegeben und unsere ’schiefe‘ Holz-Rückwand wird mich immer an den Tag erinnern als der Blitz kam.

Navi-Rückwand ;-)

Navi-Rückwand ;-)

Rundreise Kolumbien – Teil 2

Mo.,02.Apr.2018, Panama/Shelter Bay, Tag 1402, 12.402 sm von HH

Wir hoffen, dass Ihr, liebe Leser, trotz grauenhaftem Wetter schöne Osterfeiertage verbracht habt. Atanga legt zum Ostermontag noch ein (Blog)-Ei ins Nest.
Das zweite Video unserer Kolumbienreise führt auf indigene Märkte in den Anden, in die liebliche Kaffeeregion Kolumbiens und in das Valle de Cocora mit seinen turmhohen Palmen.

Viel Spaß.

Ein neues Video – Rundreise Kolumbien

Mi.,28.Mrz.2018, Panama/Shelter Bay, Tag 1397, 12.404 sm von HH

Die ermüdenden Kabel-Wochen sind vorbei. Was folgt, sind noch ödere Putz-und Aufräum-Tage.
Während meiner Assistenten-Zeit hab ich ‚hin und wieder‘ frei gehabt und konnte unser Film-Material von der Kolumbien-Reise zusammen basteln.

Viel Spaß mit dem Rückblick auf ‚bessere‘ Tage.
Teil 1 der Rundreise führt von Bogota in die Wüste Tatacoa und weiter in die Anden. In San Andrés fanden wir Gräber, eine umwerfende Landschaft und den nettesten Hund der Welt.

 

Unsere Pläne 2018

Mo.,26.Mrz.2018, Panama/Shelter Bay, Tag 1395, 12.404 sm von HH

Wie geht es jetzt weiter mit uns?
Der Blitz hat uns genau drei Monate aufgehalten. Die Arbeiten sind abgeschlossen, es fehlt noch eine Probefahrt, um den Autopiloten zu kalibrieren (dafür muss man einmal im Kreis fahren). Und der Windmesser muss noch eingestellt werden, dass die Anzeige Wind von vorne zeigt, wenn der Wind auch wirklich von vorne kommt.

Dreht man den Globus auf Pazifik, dann sieht man nichts als Wasser. Außer ein paar kleine Punkte, verstreut im Südpazifik, die Südsee. Die möglichen Ziele haben die lockenden Namen ‚Galapagos‘, ‚Marquesas‘ und ‚Osterinsel‘. Die Punkte sind so klein, dass man mit der Lupe suchen muss. So richtig scharf ist da keiner drauf, diesen riesigen Ozean zu befahren.

Nix als Wasser - der Pazifik

Nix als Wasser – der Pazifik

Der logische Weg hinter dem Kanal ist Richtung Westen – genau dahin, wo nichts ist, außer Wasser. Nach Norden oder Süden zu fahren, hat die Natur so nicht vorgesehen. Wer am Kontinent nach Norden will, nach Mexiko und in die USA, der muss sich dem ‚Kalifornienstrom‘ entgegen stemmen.
Dreht man Richtung Süden ab, hat man bald den kalten ‚Humboldtstrom‘ gegen sich.

Wir wollen nach Süden.
Irgendwer verhindert seit einem halben Jahr erfolgreich, dass wir Richtung Westen weiter ziehen können. Zum Glück sind wir nicht abergläubisch. In Kolumbien hatten wir drei Wochen kein Wind für Panama. In Panama dann das schlechte Wetter und die Verzögerung des Krantermin. Und dann noch der Blitzeinschlag. Wenn das keine Zeichen sind?

Die Südsee-Saison ist schon fortgeschritten, ein weiteres Argument.
Wir kennen unsere Navigation nicht, können kein einziges Gerät blind bedienen. Und ob wirklich alles läuft (wir wissen ja, wer es eingebaut hat :mrgreen: )? Vielleicht nicht die besten Voraussetzungen, um den wahrscheinlich längsten Törn unseres Lebens zu starten.
Außerdem sind wir verliebt in Südamerika. Kolumbien war so eine positive Überraschung. Von Ecuador hören wir ähnliches.

Wir haben uns alle Argumente schön zu Recht gelegt, um den Moment der endlosen Wasserwüste des Pazifiks noch hinaus zu zögern.
Der Crew-Abstimmung hat ergeben, dass wir bis Ende des Jahres noch hier am Kontinent bleiben werden. Im Dezember (dem frühesten Zeitpunkt, der wettertechnisch Sinn macht) werden wir dann den Bug westwärts richten, so wie es ursprünglich geplant gewesen ist. Süße Südseegeschichten müssen noch warten. Im Tausch hoffen wir auf die Erkundung des kalten Tropenlandes am Äquator.

Ende Mai müssen und wollen wir Panama verlassen. Dann beginnt die Regenzeit mit den legendären Gewittern Panamas. Das ist an Bord grad nicht so populär.
In Ecuador erhalten ein weiteres halbes Jahr Aufenthaltserlaubnis, leider ohne Verlängerungsoption. Das macht eine Lücke von einem Monat. Wo wir diese Zeit heraus schinden, haben wir noch nicht endgültig geklärt.