Kategoriearchiv: An Land

Gran Dama

Fr., 06.Feb.15, Gran Canaria, Tag 251, 2.421 sm von HH

Heute gehen wir zur ersten, von insgesamt drei,  Karnevals Königinnen-Wahlen. Es wird entschieden, welche Gran Dama hat das schönste Kostüm unter den ‚Senioren‘.
Wir befinden uns in der Begleitung von Asha&Helge (SY Gegenwind), die wir bereits im August in La Coruña getroffen haben und neu dabei und frisch kennen gelernt, die Crew der ‚Felpa‘.

Durch die Show führt ein Moderatoren-Paar und, wie immer, erfolgt eine Live-Übertragung ins Fernsehen. Wir finden auch endlich heraus, dass alle Darsteller eine Jury, und nicht etwa das Publikum, überzeugen müssen.
Der Anfang des Spektakels unter dem Motto Verkleidung ‚individuell‘ erscheint uns allerdings grenzwertig.
Die ersten beiden Acts würden nicht mal bei „Das Supertalent“ eine Bühne finden.

Nummer eins ist ein älterer Herr, der zu Elvis Songs in weißem Elvis Outfit auf einem weißen Fahrrad mit Anhänger, an dem bunte Fähnchen befestigt sind, im Kreis fährt. Mehr macht er nicht, mehr kann er (wohl) nicht.
Der Zweite ist nicht besser.  Der erscheint in einem Preditor-Anzug und deutet zu leicht sphärischer Musik Laserpistolen-Schüsse an. Dabei kann er mit einem Mechanismus die Kiefer seiner Maske bewegen. Das war’s. Boah, geht gar nicht…

Aber wir lachen uns kaputt, weil das Ganze so unfassbar schlecht ist.

 

Dann aber, nach zwei, drei weiteren „individuell‘ treten dann die Kostüme, die das Motto 1001 Nacht repräsentieren sollen, auf.
Meistens handelt es sich um recht beleibte, etwas ältere Gran Damas, die in einer Art Gestell in der Mitte stehen und aberwitzige Kostüme hinter sich her ziehen. Die „Kostüme sind zum Teil bestimmt über drei Meter hoch und ebenso lang.
Hunderte von Federn, Rüschen, Tuff und Tüll werden zu einem fragilen Teil zusammengebaut und was die älteren Ladies nicht mehr schaffen auf dem Kopf zu tragen, wird mit Hilfe von Rollen unter den Federn hinterher gezogen.
Große Bewegungen sind unter dem schweren Kostüm nicht mehr möglich, also wird nur noch huldvoll mit den Armen gewunken.
Aber aufgemerkt: never shake your arms over forty…  ;-)


Nach knapp 2 Stunden Federschlacht ist uns kalt (nachts geht es noch immer runter bis auf 14 Grad :shock: ) und wir beschließen alle, uns  in einer Bar mit Lumumba und Co. aufzuwärmen. Derweil führen, unbeobachtet von uns, noch ein paar weitere Damen ihre Kostüme vor und das ganze gipfelt in einem kleinen Feuerwerk.

Auf dem Nachhause-Weg treffen wir dann auf der Straße noch eine der Gran Damas, die sich, gar nicht damenhaft, als Herr entpuppt.


Wie wir am nächsten Morgen im Internet recherchieren, hat Madame Butterfly gewonnen: https://www.youtube.com/watch?v=ygCZ4f-chik

-absolut lohnenswert anzusehen, schon allein wegen der gruseligen Musik. :mrgreen:

Murgas

Mi., 04.Feb.15, Gran Canaria, Tag 249, 2.421 sm von HH

Der Wettbewerb der Murgas findet an insgesamt drei Abenden statt, um dann am kommenden Samstag in der Finalrunde zu gipfeln.
Die Häufigkeit der Wettbewerbsrunden deutet schon eine große Beliebtheit an und dementsprechend voll ist heute der Parque Catalina.
Bei den Murgas „schlechten Musikkapellen“ handelt es sich um Gesangsgruppen, die in grellbunten, lustigen Clown-Kostümen unter der Zuhilfenahme von Tröten lautstark Karnevalslieder zum Besten geben.


Die einzelnen Gruppen sind bis 50 Mann (es sind in der Tat nur wenige Frauen darunter) stark und haben 30 Minuten Zeit das Publikum bzw. die Jury (wir wissen es nicht) zu überzeugen.
Es werden zu Beginn bekannte Karnevals-Gassenhauer gesungen, um im Anschluss, auf musikalische Weise, Kritik an politischen und sozialen Themen zu üben.
Die Murgas gibt es seit 1917, allerdings sind sie auf Teneriffa von der Besatzung eines Kanonenbootes  gegründet worden.

Wir als Nordlichter und sowieso absolut nicht Karnevals erprobt, können mit der Darbietung nicht recht was anfangen, und dass wir den Text nicht verstehen hilft ebenso wenig, um Begeisterung bei uns hervor zu rufen.
Wie auch immer, für uns ist es ja auch nicht gemacht und das spanische Publikum steht auf den Stühlen, schwenkt Luftballons und ist begeistert.


Heute entdecken wir auch, dass die vielen Kameras nicht nur die Leinwand vor Ort bedienen, sondern dass die Auftritte auf Canaria TV live übertragen werden.
Es besteht somit inselübergreifend Interesse an 1001 Nacht.

Auf dem Nachhauseweg treffen wir dann unmittelbar vor dem Eingang zu unserem Steg auf den ersten Cucaracha unserer Reise. Wie schön, dass wir keine Gangway haben, aber gab es da nicht die Geschichte, dass die Biester über die Tampen an Bord klettern? :shock:
Wir müssen da wohl was unternehmen…

Unser Tag war aber auch geschäftig, denn am Vormittag treffen wir das zweite Mal auf Freunde von Gert und Ulla.
Die beiden älteren Herrschaften, Ina und Jonny, machen Urlaub hier und wollten sich das ‚berühmte‘ Schiff mal von Nahen betrachten. Leider ist es ihnen auf Grund unserer schwierigen Einstiegs-Situation nicht möglich an Bord zu kommen. Somit bleibt es bei einer Betrachtung von außen und einem netten Schwätzchen am Steg.

Die zwei geben sich quasi die Klinke mit Carsten von der Namastee in die Hand. Wir hatten uns das erste Mal in Portugal getroffen und Carsten weiß Achim zu berichten, dass und vor allem wo es in Las Palmas die von beiden so begehrte Kupferfolie (Amateurfunk-Bedarf) zu kaufen gibt.

Carsten bietet an mit Achim dort hin zu radeln, wenn ich ihm mein Fahrrad leihe…drei Stunden später ist die Crew der Atanga stolzer Besitzer von 4 qm Kupferfolie in der Stärke 0,2 mm und die Bordkasse ist um 100 EUR schmäler.
Guter Preis, guuuter Preis, wie einhellig von Carsten und Achim geträllert wird.

Tausend und eine Nacht

So., 01.Feb.15, Gran Canaria, Tag 246, 2.421 sm von HH

Seit gestern ist offiziell der Karneval 2015 in Las Palmas gestartet und es steht drei Wochen lang eigentlich jeden Tag eine Veranstaltung auf dem Programm. Das Motto des diesjährigen Karnevals lautet 1001 Nacht – Las mil y una noches.

Die meisten Veranstaltungen finden auf einer Bühne im Parque Catalina statt, ungefähr 15 Laufminuten von der Marina entfernt. Dem Motto entsprechend wurde eine ‚orientalische‘ Szenerie aus Pappmaschee aufgebaut. Das Ganze ist aufwendig ausgeleuchtet und mindestens sechs Kameras übertragen das Geschehen auf eine große Leinwand, die in das Bühnenbild eingebaut wurde. Es gibt zwei Tribünen für die man Karten für die großen Veranstaltungen kaufen kann. Bei den kleineren Wettbewerben ist der Eintritt frei.

Unser erster Besuch gilt dem Wettbewerb der Kinder Comparsas. Bei Comparsas handelt es sich um verkleidete Straßen-Tanzgruppen, die bei den großen Umzügen die Wagen begleiten.Jedoch gibt es vorher Wettbewerbe, um die besten Tanzgruppe zu ermitteln.

Die Veranstaltung ist gut besucht und es wird auch viel gejubelt, geklascht und angefeuert. Aber wir haben den Eindruck, dass die Begeisterung subjektiv gefärbt ist, da das Publikum zum größten Teil aus Eltern und anderen Angehörigen besteht. ;-) Die Besucher deren Kinder gerade keinen Auftritt haben, schauen zum Teil etwas gelangwelt aus der Wäsche.
Wir finden es etwas lahm, denn die Musik ist nicht wirklich mitreißend. Es klingt ein wenig nach spanischer Folklore mit ein paar lateinamerikanischen Elementen, aber ohne Druck und Dramatik. Die Lütten, überwiegend Mädchen (aber das dürfte kaum verwundern) hüpfen hübsch anzusehen über die Bühne und es macht Spaß die begeisterten Eltern zu beobachten.

Auch in Südeuropa gibt es Menschen, die mit Tradition nichts am Hut haben und sich von derartigen Großveranstaltungen wie dem Karneval belästigt fühlen. Die sogenannten Mogollones, die Feiern am Rande der großen Umzüge und Galas, sind gestern abgesagt worden. Die Stadt reagierte damit auf eine einstweilige Verfügung, die von den Bewohnern eines Hauses in der Nähe des Parkes Catalina. Bereits aufgebaute Buden bleiben nun geschlossen.

 

Las Palmas näher betrachtet

Sa., 31.01.15, Gran Canaria, Tag 245, 2.421 sm von HH
Bis Mittwoch war das Wetter mit heiter bis wolkig noch ganz anständig hier und ich konnte in der Sonne im Cockpit liegend meinen Zahn schonen und genesen.
Am Donnerstag war dann das Schlimmste überstanden, feste Nahrung wieder Normalität.
Im Internet schauen wir noch mal nach Kinovorstellungen von dem 3.Hobbit-Film. Und tatsächlich, ein Kino, knapp 4 km entfernt, wirbt mit deutschem Titel.
Da die Vorstellung erst um 22:00 Uhr statt finden soll, beschließen wir tagsüber vor Ort zu prüfen, ob das wirklich stimmt, damit wir nicht „mitten in der Nacht“ vergeblich zum Kino laufen.
Es wird tatsächlich der Hobbit gezeigt, aber leider nur auf spanisch. Somit machen wir uns bei nasskaltem Wetter unverrichteter Dinge wieder auf den Rückweg.
Aber außer deutschem Kino gibt es hier in Las Palmas wirklich alles.
Die Aufnahme dieses Weinschrankes haben wir in einem stinknormalen Supermarkt gemacht. Montags bis freitags erscheint zudem noch stundenweise ein Somalier.
Ich wüsste in Hamburg kein Kaufhaus oder Supermarkt zu benennen mit einem derartigen Weinangebot.
Als Kontrast gibt es hier aber auch noch eine altmodische, wunderbare Markthalle. Es gibt dort neben Obst- und Gemüsehändlern auch gut sortierte Schlachter und Fischhändler.
Der einzige Nachteil vom gemütlichen Einkauf auf dem Markt sind die unglaublichen Tüten mit denen man nach Hause kommt.
Porreestange – extra Tüte, Möhren – extra Tüte, drei Orangen – extra Tüte und das Ganze dann noch mal extra in eine Tragetasche, obwohl ich gar keinen Beutel benötigen würde, da ich ja mit Rücksack da bin.
Selbst wenn man abwinkt, kann man den Tütenwahn nicht verhindern.
Da ist in Spanien noch Lernpotential nach oben offen.
Auch der Geschmack von Schnittblumen und deren Präsentation unterscheidet sich deutlich. Aber offensichtlich werden Blumenpräsente sehr geschätzt, denn ständig sieht man jemanden mit einem Strauß durch die Straßen laufen.

Las Palmas

So., 25.Jan.15, Gran Canaria, Tag 239, 2.421 sm von HH

Über 400.000 Einwohner hat Las Palmas und ist damit die größte Stadt der Kanaren. Sie wurde 14 Jahre, bevor Kolumbus von hier aus in die neue Welt aufgebrochen ist, gegründet.

Aus dieser Zeit gibt es noch einen kleinen, hübschen Altstadtkern, der sich uns menschenleer präsentiert. Das Leben spielt sich in den Fußgängerzonen, Einkaufsstraßen und deren benachbarten Gassen ab.
In der Altstadt wird weder gewohnt, es gibt keine Bars oder Kneipen, sondern hier haben sich nur Architekten und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften angesiedelt. Das ist schade, denn so wirkt das schöne Viertel ausgestorben und langweilig. Der Eindruck wird noch verstärkt, da es bei unserem ersten Rundgang immer mal wieder leichte Regenschauer gibt.

Die Einkaufsstraßen sind im Schachbrettmuster angelegt und der Verkehr hält sich hier, im Gegensatz zu Lissabon und La Coruna, in Grenzen. Dieser wird nämlich über eine 9 bis zu 11 Spuren breite Straße um die Stadt herum geleitet. Leider verläuft diese Straße zwischen Hafen und der City und uns Fußgängern und Fahrradfahrern wird es nicht gar zu leicht gemacht ins Stadtzentrum zu gelangen. Es gibt einen Tunnel, der eigentlich nur für Autos gedacht ist, und an den Fußgängerüberwegen schießt einem ‚ich hab Zeit, ich bin ja noch jung‘ in den Kopf.

Genau wie die Marina ein Shopping-Paradies für Yachties ist, so erhält man in der Innenstadt den kompletten Rest. Es gibt Kaufhäuser wie das Corte Ingles, das zu 100% genau wie Karstadt Mönkebergstraße aussieht und auch das gleiche Sortiment anbietet. Gleich daneben kleine Boutiquen, Ramschläden und Gemüsehändler, die Orangen für 0,49 EUR/Kilo verkaufen.

Außerhalb des Centrums haben sich Lidl, Media Markt und Ikea angesiedelt und die Supermärkte sind zweigeschossig.
Bei Las Palmas handelt es sich wahrscheinlich um die letzte Bastion gut sortierten, mitteleuropäischen Standards und globalisiertem Einerlei bevor man weiter Richtung Westen zieht.