Kategoriearchiv: An Land

Östlich von Playa Blanca

Mi.,10.Dez.14, Lanzarote/Spanien, Tag 193, 2.293 sm von HH

Die Uferpromenade ist an der Ostseite von Playa Blanca auf einmal wie abgeschnitten und man trifft auf Lavaberge und Schotterhügel, komplett ohne Bewuchs, außer ein paar graue, struppige Büschel. Ein kleines Stückchen weiter, tauchen sie dann auf, die schönsten Strände Lanzarotes, Traumstrände wie es Allerortens hier heißt.

Unter den Blinden ist der Einäugige König und somit stimmt es natürlich, dass es sich hier auf Lanzarote um Traumstrände handelt. Und die kleinen Buchten sind ja auch in der Tat hübsch anzusehen. Da es uns heute mit 7 Windstärken auf den kahlen Hügeln um die Ohren pfeift, verzichten wir auf einen Gang zu den Papagayo-Buchten, da wir nicht paniert werden wollen. Da ein Fahrradweg an den Strand führt, werden wir das noch einmal nachholen. Aber erst, wenn der Wind sich etwas gelegt hat, denn fürs Fahrradfahren gilt das gleiche wie fürs Segeln: zu viel von vorn ist Kappes.

Außerdem haben wir erneut einen Auskipp-Unfall. Diesmal sind wir aber beide zu 100% unschuldig, keine Fahrlässigkeit, keine Gedankenlosigkeit, nichts ist uns vorzuwerfen. In der Pantry haben wir, ähnlich unserem Kühlschrank, eine zweite große Edelstahlbox als Toplader. Diese Box hat unten einen Ablauf in die Bilge und könnte, wenn man ein Kühlaggregat einbauen würde, sicherlich als zweiter Kühlschrank genutzt werde. Wir lagern hier unsere Softdrinks und Bier bei Zimmertemperatur.

Als Achim sich nun eine Flasche aus der Box nimmt, hat die kleine Schimmelflocken und es riecht muffig aus dem Kasten. Ein Ausräumen fördert eine Bierflasche zu Tage, die durch den geschlossenen Kronkorken halb ausgelaufen ist und alles verklebt und vermufft hat. :evil:

Wie ich so etwas hasse!

 

Und, es stand mal wieder eine Friseurbesuch auf dem Programm. :mrgreen:

Nun, Besuche beim Friseur sind wie eine Pralinenschachtel, man weiß nie was man bekommt… daher wird aus gegebenem Anlass diesmal kein Foto angehängt. Achim hat gesagt, es sehe „okay“ aus. Okay ist nun aber, wie jeder weiß, der kleine Bruder von Sch…, daher kein Bild! Ich glaube, es ist an der Zeit, dass ich ein paar wichtige Vokabeln rund ums Haareschneiden auf Spanisch pauke. ;-)

Playa Blanca

Di., 9.Dez.14, Lanzarote/Spanien, Tag 192, 2.293 sm von HH

Die Marina Rubicón, in der wir liegen, befindet sich auf Lanzarote in Playa Blanca, ganz im Süd-Osten der Insel. Wobei das Wort ‚Playa‘ hier an dieser Stelle etwas hochtrabend daher kommt. Überhaupt ist Lanzarote strandtechnisch ganz schön gekniffen gegenüber den kanarischen Mit-Inseln. Wenn man 213 km Küstenlinie hat und davon nur 10 km Sandstrand, ist das schon etwas ungerecht.

Nun, ein kleiner Teil dieser mickrigen Kilometer Sand, befindet sich im Ort Playa Blanca, wobei auch das Wort ‚blanca‘ hier etwas unpräzise rüber kommt.

Der Ort Playa Blanca erstreckt sich auf ca. 6 km die Küste entlang und unsere Marina liegt nahezu in der Mitte. Ein schöner, gepflasterter Fußweg, den man auch mit dem Fahrrad nutzen kann (aber nur zum Teil darf), führt direkt am Meer entlang. Es reiht sich ein Restaurant, Imbissbude, Souvenirshop, Klamotten-, Schuh-, oder Sonstwas-Laden an den anderen. Somit benötigt man beim ersten Flanieren auf dieser Promenade doppelt so lange für die Strecke, wie normal. Beim zweiten Mal geht es schon fixer, weil man schnell lernt, dass man aus diesen Geschäften nichts, wirklich nichts benötigt.

Es sind außer uns auch noch zwei, drei andere Touristen unterwegs und wir sind gespannt, wie voll die Promenade wird, wenn der Weihnachts-Run losgeht. :shock:

Aber das Meer ist blau, die Sonne scheint und wir genießen es, nur in T-Shirt, trotz durchaus kräftigem Wind, den Ort zu erkunden.

An Tag drei finden wir dann auch endlich einen richtigen Supermarkt, der mehr als Softdrinks, Bier und Chips für die Strandlieger im Angebot hat.

Nach Portugal ist das Preigefüge für Lebensmittel hier ungefähr 20% teurer. Fleisch und Milka-Schoki (99 Cent) sind preiswert, Gemüse und Obst sind es nicht. Und Milchprodukte mutieren zu „Luxusartikeln“ (ein Paket Butter oder Philadelphia Frischkäse kosten deutlich über 2,00 EUR).

Sevilla, Tag 2

Do., 13.Nov.14, Sevilla/Spanien Tag 166, 1.714 sm von HH

So prima, wie sich das Wetter gestern zum Guten wendet, so ist es heute gegen uns. Der Himmel ist grau und passt zu unserer Stimmung. Denn wir haben eine denkwürdige Nacht hinter uns. Dadurch, dass wir nur das Fenster zum Innengang haben und sich dies gar nicht öffnen lässt, ist nach zwei Stunden Nachtruhe der Sauerstoff im Zimmer komplett verbraucht…

Dies führt unter normalen Umständen schon zu verstopften Nasen und Erstickungs-Tod. Nun haben wir beide eine ganz leichte Erkältung mit nach Sevilla getragen, nichts Dolles, aber in dieser Nacht verhindert sie praktisch jeden Schlaf. Wenn einer grade eingeschlummert ist, fängt der andere an zu wühlen, schnaufen oder trocken zu husten. :evil:

Wenn an so einer Nacht überhaupt etwas Positives zu finden ist, dann nur, dass wir die ersten beim Frühstück sind und um 9:00 Uhr schon wieder durch die Gassen schlendern. So früh hat man so einen Touristenort noch für sich alleine und das hebt dann auch die Stimmung wieder. Die schlechte Nacht hat uns ungewollt die Entscheidung abgenommen: wir verlängern nicht um eine weitere Übernachtung, wir wollen ein Bett, was schaukelt!

Um die pompöse Kathedrale weihnachtet es schon sehr. Es sind relativ schmucklose Buden aufgebaut, die alle die gleichen Artikel verkaufen: Krippen! Krippen mit Esel, Krippen ohne Esel, aber mit 3 Königen, Christkind auf Esel, Esel am Spieß ;-) , schukarton-groß oder im Format eines Kleinwagen, und zum noch-selber-bemalen und, und, und…

 

Am frühen Nachmittag regnet es dann für zwei Stunden, dafür sind wir gut gerüstet mit Regenjacken und wettern den Hauptregen prima mit einer erneuten Tapas-Rast ab. Wieder sind die Dinger gut gelungen, nicht ganz so fancy wie gestern, aber sehr lecker.

Uns bleibt an Tag 2 genug Zeit die wichtigsten „must-see“ abzuarbeiten und haben als Fazit: Sevilla ist wunderbar!!!

 

 

Sevilla, Tag 1

Mi., 12.Nov.14, Sevilla/Spanien Tag 165, 1.714 sm von HH

Wie gesagt, ist unser Hotel überraschend hübsch und für 55,00 EUR die Nacht ein Schnapper. Es befindet sich in einer ehemaligen Sakristei, hat umlaufende, überdachte Gänge zum Atrium, nur leider geht unser Zimmerfenster zum Gang. Dies sollte noch zu Problemen führen…

Sevilla ist spanisch, so spanisch wie man sich eine Stadt nur vorstellen kann, sozusagen das stadtgewordene Spanien. Schwarz lackierte Balkone und Fenstergitter vor verzierten Fassaden, die in kräftigen rot bis gelb Tönen gestrichen sind. Die drittgrößte Kirche der Welt, ein riesiges, gotisches Gesamtkunstwerk. Dann eine sehr verwinkelte Altstadt, extrem gut in Schuss, keine Leerstände der oberen Etagen, kein Verfall wie in Portugal.

Schwere, zum Teil mit Metall beschlage, Holztüren stehen offen und lassen einen Blick in die gekachelten, liebevoll mit Töpfen dekorierten „Hausflure“ zu. Orangenbäume stehen voll behangen mit bald reifen Früchten als Straßenbäume links und rechts des Weges und lachen einem Nordeuropäer frech ins Gesicht.

Die Altstadt wird von einem Labyrinth enger Straßen beherrscht, schmale Gasse enden an einer 5er Kreuzung, Wege gabeln sich, machen unerwartet Biegungen und teilen sich wieder, so dass uns die Orientierung schwer fällt. Als wir merken, dass die olle Touristenkarte nicht nach Nord ausgerichtet ist, wird es etwas besser, aber es bleibt eine schwierige Stadt.

Etwas außerhalb dieses Gewusels steht die Plaza de Espana, ein Platz mit 200 Meter Durchmesser, der anlässlich der Iberoamerikanische Ausstellung 1926 errichtet wurde. Das Gebäude ist versehen mit vielen Keramiken und Marmor und war mehrfach Schauplatz in diversen Spielfilmen, so z.B. Laurence von Arabien (liebe Grüße an Andreas) und Star Wars.


In Sevilla, dem Geburtsort der Tapas, dürfen diese natürlich auch auf unserem Speiseplan nicht fehlen. Mit den ersten 4 haben wir großes Glück: Kleine Kunstwerke, die haben zwar nichts damit zu tun, wie Tapas ursprünglich mal gemeint waren, sind aber köstlich. Der Tapa auf dem Foto ist im Speckmantel gebratener Ziegenkäse mit Cranberry-Chutney, eine Art süßes Sauerkraut und dazu warmes Pistazienbrot mit einem Hauch Anis. Bravo – für 2,75!

So in spanische Stimmung gebracht, fehlt uns nur noch ein Flamenco, ebenfalls in Sevilla geboren. Zufällig kommen wir beim Bummeln durch die Gassen am Flamenco-Museum (dem ersten und einzigen auf der Welt) vorbei. In der Erwartung, dass in einem Museum kein Touri-Nepp gezeigt wird, fragen wir spontan, ob noch zwei Plätze für die, bereits in 20 Minuten beginnende, Vorstellung zu haben sind. Eigentlich ist bereits ausverkauft, aber Achim muss charmant auf das Mädel am Tresen wirken, denn plötzlich, wie von Zauberhand, wir sind schon am Ausgang, sind doch noch zwei Plätze frei.

Die Vorstellung findet auf einem Tablao, einer sehr flachen Bühne statt, um die ganz nah einfach Stühle herum gestellt werden. Hier im Museum ist der Raum recht klein, so dass es vielleicht 60-70 Sitzgelegenheiten gibt. Da freie Platzwahl ist, finden Achim und ich uns auf einmal auf Spitzen-Plätzen nur 2 Meter vom Tablao entfernt wieder. Nicht schlecht dafür, dass wir die Letzten waren. :oops:

Die Vorstellung dauert eine Stunde und besteht aus einem Sänger, einem Gitarristen, aus Tänzer und Tänzerin. Also, Freunde der Musik, zu Hause würden wir uns wohl keinen Flamenco auflegen, dazu ist der Gesang dann doch auf Dauer zu anklagend und weinerlich. Aber in Sevilla macht das Spaß. Der Paartanz gefällt uns am besten, die Dynamik, Kraft und Emotion, die vermittelt werden, macht Gänsehaut. Ein Solo vom Gitarristen, hinterläßt den Eindruck, dass er 1000 Töne die Minute seinem Instrument entlocken kann. Unglaublich virtuos und wenn man so nah dabei sitzt, wird einem schwindelig, wenn man dem Herren auf die Finger schaut.

Der Haupt-Akt ist aber eigentlich der männliche Solotanz. In Deutschland würde es sicherlich etwas albern wirken, wenn ein schlanker, gut aussehender Mann im schwarzen, engen Anzug inkl. Weste und knallroten (!) Stepp-Schuhen auf die Bühne kommt. Aber er tanzt jeden Anflug von Tuntigkeit einfach mit stolzen Gesten, erhobenen Hauptes weg (dies spiegelt nur meine Meinung wieder, Anm.d.Red.)

Wir sind trotzdem beide begeistert und freuen uns, dass wir so viel Glück hatten noch eine Vorstellung zu erwischen. Zwischen 18 und 22 EUR kostet übrigens so eine Show ohne Verzehr.

Nach dem Flamenco steht uns der Sinn nach weiteren Tapas :-)

Diesmal liegen wir aber leider mit der Wahl des Lokals nicht so gut. Die Häppchen sind zwar okay, aber nicht mehr. Zumindest ist es um 20:30 Uhr so mild, dass wir noch draußen genießen können.

Fahrt nach Sevilla

Mi., 12.Nov.14, Sevilla/Spanien Tag 165, 1.714 sm von HH

Unsere Fahrt beginnt leicht regnerisch bei milden 18 Grad morgens um 6:30 Uhr. Der Bus ist recht komfortabel, hat WIFI und außer uns fahren nur noch knapp 15 weitere Passagiere mit. In Portugal führt die Strecke an der Küste entlang (allerdings ohne Meerblick) und wir fahren die wichtigsten Orte an der Algarve ab.

Die Landschaft ist geprägt von sanften Hügelketten, mal landwirtschaftlich ungenutzt mit niedrigem Buschwerk bewachsen, mal Olivenhaine oder, seltener, kleine Orangen-Plantagen. Dazwischen, malerisch hingetupft, kleine Dörfer oder einzelne Fincas. Diese sind in weiß oder pastell gestrichen und haben diese unnachahmlichen, wunderschönen, roten Ziegeldächer, die es nur in Südeuropa gibt.

Die Straßen sind, EU-Gelder sei dank, super in Schuss und sehr auffällig ist, dass auch auf den Überlandstraßen kein Müll im Straßengraben liegt (und das ohne Dosen- und Flaschenpfand) liegt! Spontan nach Überschreiten der Spanischen Grenze wird es dann flacher und es nehmen weitläufige Schirm-Pinien-Wälder und der Sonnenschein zu :-)

Auch die Landwirtschaft zeigt ein komplett anderes Bild. Was in Portugal als verträumte Öko-Bauernhöfe rüber kommt, ist hier die unsägliche Folien-ich-kann-zwei-Ernten-im-Jahr Groß-Agrar-Industrie. Dafür stehen, als schnödes Straßen-Begleitgrün, auf dem Mittelstreifen der Autobahn drei Meter hohe Oleander-Büsche in voller zweiter Blüte…

Um 13:00 Uhr sind wir pünktlich da und können in unser, überraschend schönes, Hotel einchecken. Bei 24 Grad und strahlendem Sonnenschein beginnen wir mit der Erforschung von Sevilla.