Kategoriearchiv: An Land

Vigo

Die 40 sm lange Strecke nach Vigo müssen wir leider bei dauerhaftem Nebel  motoren. Zeitweise haben wir nur noch unter 200 m Sicht. Was uns im Englischen Kanal erspart geblieben ist, trifft uns hier unerwartet. Wir haben nicht gewusst, dass die gesamte Atlantikküste runter bis Portugal so nebellastig ist.

Gerne wären wir noch in Muros geblieben, aber die Strecke nach Lissabon ist noch lang und Geburtstagsgäste werden erwartet. Leider ist bis Dienstag noch Flaute vorhergesagt und so lange wollten wir in Muros nicht ausharren.

In Vigo, zur Abwechslung mal wieder eine Großstadt mit knapp 300.000 Einwohner, gibt es zwei Stadtmarinas. Wir entscheiden uns für die falsche: den Real-Club Nautico.

Gleich bei der Ankunft sieht es nicht sympathisch aus, aber da es bereits auf 19:00 Uhr zugeht, bleiben wir. Aber man sollte immer seinen Instinkten vertrauen, denn für den hohen Preis (33 EUR/Nacht – in Muros  waren es 17 und in Muxia 20), wird nichts geboten, außer kaputt oder marode. Internet: broken, Landstromanschluß: kaputt, Gangway: abgebrochene Antirutsch-Querstreben, sanitäre Anlagen grad so lala. Aber das Ausschlag gebende Kriterium ist der fehlende Internet-Zugang. So langsam muss ich es wohl beim Namen nennen: ich bin ein Internet-Junkie.

Nun, Achim teilt meine Meinung, dass der Standort mäßig schön ist und wechselt direkt nach dem Frühstück in die nächste Marina (hierzu muss man wissen, dass er es verabscheut für so einen kleinen Weg ab- und wieder anzulegen, das Opfer ist also groß). Hier in der Marinda Davila fühlen wir uns beide gleich wohl (Internet eines der schnellsten ever :-) ) und bleiben.

Nichts im Leben ist umsonst und den Preis, den ich für das Entgegenkommen zahlen muss, ist 20 Minuten Fahrrad fahren durch Hafenindustrie-Gebiet an einer Hauptverkehrsstraße entlang zum nächsten Media Markt.

Gestern Abend beim Einlaufen hatten wir schon die 5 Meter hohe Werbung gesehen. Und wären wir im ersten Hafen geblieben, dann hätten wir 2 Minuten Fußmarsch zum Media Markt gehabt…

Die Begeisterung bei Achim ist groß, das erste Mal seit 3 Monaten wieder in einem Traumladen… und dann keinen Bedarf haben für Fernseher, Laptops und andere elektronische Spielereien. Somit kommen wir gut aus dem Laden wieder raus: 7,99 EUR für einen SD-Kartenleser.

 

Muros oberhalb der Promenade

Heute (3.September) verschlägt es uns etwas abseits von der Hauptpromenade in die Hänge von Muros.
Hier werden wir total überrascht, denn wir betreten eine andere Welt, nur 10 Minuten Fußmarsch vom touristischen Centrum entfernt.                                                                           Hinter der, durch dichte Bebauung und die üblichen engen Gassen geprägten Altstadt, zeigen sich unerwartet kleine Gartenparzellen, durch verwinkelte Stiegen und schmale Treppen miteinander verwoben.

Zu jedem Garten gehört ein steinsches Vorrats-Silo-Gartenhaus auf kräftigen Stelzen. Die Anwohner haben etwas Mais, Kohl und ein paar Kartoffeln angebaut. Dazwischen steht der ein oder andere Orangen- oder Apfelbaum.                                                                                    Fließendes warmes Wasser kommt aus kleinen Wassertürmen und Heizungen gibt es bestimmt auch keine. Es sind auch viele Häuser arg verfallen. Aber wie wir gestern gelernt haben, zwischen 6.000 und 36.000 können diese käuflich erworben werden.                                              Da haben wir die preiswerte Butze nur noch nicht als Silo erkannt :mrgreen:

Natürlich landen wir bei unserer Dorfrunde auch wieder auf dem Friedhof…

Hier befinden sich am Grabstein kleine Schaufenster in die verschiedene, ist nicht pietätlos gemeint, Scheußlichkeiten gestellt werden. Mal wieder eine ganz andere Art von Grabschmuck…

 

 

Muros

Die knapp 30 sm von Muxia nach Muros sind total unspektakulär verlaufen, nach der halben Strecke ist uns der Wind eingeschlafen und Achim hat erfolglos geangelt. Das Highlight war ein sehr kurzer Besuch von Delphinen.

Jetzt sind wir den zweiten Tag in Muros, welches sich als sehr gemütlich und hübsch erweist.Muros liegt in einer der vielen Rías, fjordartige Meeres-Einschnitte, von Nordspanien.

Es gibt Unmengen von Miesmuschel-Zuchtstationen in diesen Rías. Dieses sind mit dem Boden verankerte Flöße an denen Seile Richtung Meeresgrund hängen. Da die Seile aber keine Grundberührung haben, sind galicische Miesmuscheln garantiert sandfrei. Das erleichtert das Putzen . An den, bis zu 15 Meter langen, Seilen können pro Saison über 200 kg Muscheln geerntet werden. Galicien deckt knapp 50% des europäischen Muschelbedarfs.                       Aber auch von Land aus wird intensiv nach Muscheln ( hier Venusmuscheln) gebuddelt.

 

Beim Immobilien-Makler sind wir dann auf unseren Altersruhesitz gestoßen… wir können uns nur nicht nicht einigen, welcher es werden soll.

Uns es ist nach wie vor kalt hier in Westspanien, obwohl es seit Muxia etwas besser geworden ist. Auf der Fahrt von La Coruña hatten wir tagsüber noch lange Hosen, Doppel-Fluschi (Fleece) und dicke Socken an – trotz Sonnenschein :shock:

Jetzt holen wir die Wollsocken erst ab 22:00 Uhr wieder hervor….dabei sind heute tagsüber fast 30 Grad gewesen. Aber dann kommt um 20:00 ein Seenebel auf, der wieder alle Hoffnungen auf eine laue Nacht zu Nichte macht…

 

Santiago de Compostela

Heute haben wir echtes Touri-Programm auf dem Zettel und machen uns auf den Weg nach Santiago. Dafür müssen wir erst mit dem Bus und dann 40 Minuten mit dem Zug fahren. Aber das mit den Zügen müssen wir noch üben, nach Brugge ist es jetzt das zweite Mal, dass uns die Bahn genau vor der Nase weg fährt und wir eine Stunde Wartezeit haben.

Dabei stehen wir extra früh auf, um genug Reserven zu haben, der Bus zum Bahnhof hält auch fast vor der Haustür und kommt in dem Augenblick wo wir die Haltestelle erreichen. Soweit so Sonnenschein… Leider verpassen wir an der richtigen Station auszusteigen (das sollte der Busbahnhof sein, der als solcher nicht zu erkennen ist), so dass eine 40 minütige Stadtrundfahrt folgt. So lernen wir zwar die Außenbezirke von La Coruña kennen, aber unser Zug ist mal weg.

Es tröstet aber, dass die spanischen Beamten am Ticketschalter genau solche Schlangen erzeugen können wie die Deutschen. Ob es an den Menschen oder den Systemen oder gar an einer üblen Kombination aus beidem liegt, ist nicht auszumachen.

Die Züge sind super pünktlich, modern und sauber und fahren uns durch leichtes Hügelland. Dieses ist sehr grün und stark landwirtschaftlich genutzt. Aber es gibt auch größere Waldflächen dazwischen, forstwirtschaftlich genutzt, entweder Eukalyptus oder Kiefern (wahrscheinlich keine Pinien).

Santiago ist, wie erwartet, voll mit Pilgern, die mit unterschiedlichem Erscheinungsbild und Erschöpfungsgrad die Kathedrale erreichen. Um die 200.000 Wanderer kommen hier jährlich an…das macht täglich immerhin fast 600 Pilger. Nach Rom und Jerusalem ist Santiago einer der wichtigsten Wallfahrtsorte. Dementsprechend reich ausgeschmückt ist die Kathedrale in der die Gebeine vom Apostel Jakobi lagern sollen.

Das Gehäuse der Jakobs-Muschel ist allgegenwärtig, als Souvenir, als Erkennungszeichen des erfolgreichen Absolvierens des Jakobsweges oder einfach kulinarisch. Die Altstadt ist sehr gut erhalten, recht weitläufig und Weltkulturerbe. Uns gefällt es ausgezeichnet, so dass wir lange durch die Gassen flanieren. Am Ende fühlen sich unsere Füße so an als wären wir den ganzen Camino de Compostela an einem Tag gelaufen..  ;-)

 

Camaret sur Mer

Landschaftlich ist die Bretagne dramatischer als die Normandie. Der Bewuchs ist auch nicht mehr so lieblich, statt der blühenden Gräser findet man jetzt häufig nur noch drahtige, flache, aber zur Zeit in voller Blüte stehende, Heide.

Camaret ist ein 2.500 Seelen-Ort, der zwar touristisch ist, aber sehr beschaulich, vielleicht ein wenig farblos, daher kommt und es ist sehr angenehm hier mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Eine Tour zum Traumausblick auf die Küste und zum örtlichen Hinkelstein-Lager (jetzt wissen wir auch, was Obelix in seiner Freizeit gemacht hat, wenn er hauptberuflich nicht grade die ‚öme‘ verdroschen hat) runden den Eindruck perfekt ab.

Einen Hafen weiter in Douarnenez (50 km entfernt) findet alle zwei Jahre ein Treffen von Hunderten Traditions-Seglern statt. Viele von diesen Seglern haben eine Nacht in Camaret festgemacht und segeln bei der Fahrt nach Douarnenez traditionell zwischen zwei Felseninseln nahe Camaret hindurch. Leider ist ausgerechnet an diesem Tag der allmorgendliche Nebel mittags noch nicht komplett verschwunden, so dass die Aussicht auf die alten Pötte etwas unsichtig ist.

In der Marina herrscht eine andere Stimmung als in den vorherigen Häfen. Fast alle Schiffe hier sind mit Solarpanelen, Windsteueranlagen (ein Gerät am Heck des Schiffes mit dem man nur mit Hilfe des Windes Kurs halten kann, keiner braucht am Ruder stehen) und Windgeneratoren ausgestattet. Entweder die Crew ist auf dem Sprung einen langen Trip zu unternehmen oder sie haben ihn bereits hinter sich. Urlaubs-Crews für 3 Wochen sind in der Minderheit.

Wir haben leider nur einen kleinen Teil der Bretagne gesehen, da auch unser Bug jetzt Richtung Spanien zeigt. Von Anfang an stand fest, dass wir die Biskaya nicht an der Küste abfahren, sondern queren wollen. Es gab zwar immer mal ein paar Gespräche darüber, aber letztendlich waren wir uns einig: Nach Camaret folgt La Coruña. Alles geht eben nicht alles und wer weiß, vielleicht gibt es ja eine weitere Gelegenheit (denn irgendwann müssen wir ja auch wieder zurück kommen) die Bretagne zu erkunden. Wir freuen uns jetzt aber auch auf Spanien, da uns dies sprachlich einfach näher liegt und kulinarisch mit Frankreich locker mithalten kann.

Morgen Vormittag geht’s los.