Kategoriearchiv: An Land

Hao zum zweiten Mal

Mi.,08.Jan.20, Pazifik, Tag 2047, 19.574 sm von HH

Richard Burton meint: „The gladdest moment in human life, me thinks, is a departure into unknown land.“ In abgewandelter Form stimme ich ihm zu: es ist für mich immer ein glücklicher Moment an einem unbekannten Ort anzukommen. Ich liebe es, einen neuen Standort zu erkunden und zu entdecken. Ich schaue auch nicht vorher bei ‚Google earth‘, ‚maps me‘ oder sonstigen ‚Spaßverderbern‘ nach, wo ich was finden werde. Die Kirche suchen und von dort sternförmig ausschwärmen, ist sowieso meistens von Erfolg gekrönt. Noch einmal dorthin zu reisen, wo es einem besonders gut gefallen hat, birgt für mich ein gewisses Risiko: man kann Dinge nicht wiederholen.

Ein zweites Mal auf Hao anzulanden, ist allerdings keine Enttäuschung. Wir haben erwartet, dass sich auf der verschlafenen Insel in den letzten sechs Monaten nicht viel verändern hat. Irrtum. Ein Häuschen am Hafen hat eine neue Terrasse bekommen. Im ehemaligen Hafen der Marine, die von hier die Atomwaffentests geleitet hat, liegt eine neue Landungs-Schute. Zwei neue Gräber finden sich am kleineren Friedhof, der mitten im Dorf liegt. Beide Gräber befinden sich außerhalb der Friedhofsmauer. Welche Art Vergehen mögen die beiden begangen haben, dass sie abgesondert beerdigt wurden?
Und außerdem sind im Dorf kleine Verschläge aufgestellt worden zur Mülltrennung von Dosen und Glas. Hao ist im Wandel, sozusagen. ;-)
Wir treffen Anna und Dorothea. Küsschen, Umarmungen, echte Freude uns wieder zu sehen, steht in ihren Gesichtern. Das ist schön und das erlebt man natürlich nur, wenn man an einen Ort zurückkehrt.

Atanga liegt hinter der Schute – wir haben die Darse für uns alleine

Zwei Gräber liegen außerhalb der Friedhofsmauer

Wir radeln die bekannte Inselstrecke ab, finden Vertrautes wieder und entdecken Neues, was wir vor einem halben Jahr übersehen haben. Wir füttern wieder das Schwein von Anna mit unseren Bio-Abfällen. Wir wissen, dass ab 16:00 Uhr das Internet vom Rathaus für die Allgemeinheit freigeschaltet wird und treffen den hässlichen Hund vom Fischer wieder.
Uns geht das Herz auf. Hao war beim ersten Mal schon unser privates kleines Paradies. Daran hat sich nichts geändert.

Am Anleger im Dorf – alte und neue Plätze werden gefunden

Unterwegs auf Hao mit dem Rad

Video – Festival in Gambier

Do.,26.Dez.19, Franz.Polyn./Tahiti/Papeete, Tag 2034, 19.044 sm von HH

Im April, als wir in Gambier waren, unserem ersten Südseeatoll, fand dort ein Kultur-Festival statt. Glückspilze wir waren!
Drei Tage Musik, Tanz und Gesang von fünf verschiedenen Inseln – allein der Empfang der Gäste aus den befreundeten Atollen war ein kunterbuntes Durcheinander an Lebensfreude.

Hier das Video zur Show. Viel Spaß damit.

 

 

Junge und alte Blumenmädchen

Junge und alte Blumenmädchen

Joyeux noël

Mo.,23.Dez.19, Franz.Polyn./Tahiti/Papeete, Tag 2031, 19.044 sm von HH

Der hässlichste Weihnachtsbaum in Papeete

Mit dem hässlichsten Weihnachtsbaum auf Tahiti wünschen wir Euch allen da draußen ein wunderbares Weihnachtsfest mit Euren Lieben an der Seite, leckerem Essen, einem guten Wein, viel Freude und einem Baum, der Euch gefällt.
Die Crew

 

Herzliche Weihnachtsgrüße 2019 von der Atanga Crew

 

 

Zeitvertreib in Papeete

So.,22.Dez.19, Franz.Polyn./Tahiti/Papeete, Tag 2030, 19.044 sm von HH

Jeden Morgen lädt Achim das Wetter runter. Jeden Morgen die gleiche Nachricht: kein guter Wind in Sicht. Früher hat man den Boten schlechter Nachrichten geköpft – auf Atanga geht es moderner zu. Der Gatte „darf“ mich begleiten: zu allen Ausstellungen, Kunstmärkten und Vorführungen, die Papeete in der Vorweihnachtszeit zu bieten hat. :mrgreen:

Die örtlichen Tanzschulen präsentieren einen ‚Massentanz‘ auf einer nahegelegenen Bühne. Der Eintritt ist für alle frei und letztes Jahr haben achthundert Kinder daran teilgenommen. Jede Tanzschule hat ihr eigenes Outfit und wird von anderen Lehrer trainiert, aber die eingeübten Tänze sind synchron und jedes Kind trägt einen Blumenkranz. Süß steigt der Duft der Blüten die Tribünen hoch. Es riecht wie in einem Blumenladen.

800 Kinder beim der Tanzschulen-Präsentation

Warten auf den Auftritt

Blumenduft wabbert auf die Tribüne

Die großen Mädchen ohne Vortänzer und im Gleichtakt

Die Tanzlehrerin macht vor, was die Kleinsten nachmachen sollen

Hübsch. Bunt. Zuckersüß.Die Lippen der Jüngsten sind blutrot geschminkt. Oh weia, Lolita lässt grüßen. Kess ahmen sie den sexy Hüftschwung der Erwachsenen nach. Je schneller der Popo wackelt, desto mehr Applaus ernten sie. Auf uns wirkt es etwas befremdlich, aber hier hat man kein Problem damit. Damit die Kleinsten nicht aus dem Takt geraten, steht eine Tanzlehrerin vor der Gruppe und zeigt die gewünschte Choreographie. Die Teenager können es natürlich alleine. Sehr beeindruckend, wenn Hunderte Blumen-Mädchen sich im Takt bewegen. Jungs gibt es erheblich weniger, sind aber auch noch vorhanden. Ihr Beitrag zum Tanz besteht aus schnellem Schlackern mit den Knien und ist etwas fad.

Die Kleinen noch etwas unsynchron

Keine Nachwuchs-Probleme bei den Mädchen

Das Spektakel wurde im Tahiti-TV übertragen und im Maria-Office hören wir, dass die Tanzschulen nicht unter Nachwuchs-Problemen leiden.

Die Kunsthandwerks-Märkte sind über die ganze Stadt verteilt und schwierig ausfindig zu machen. Es gibt wohl überall Plakate, allerdings ohne anständige Ortsangabe. Aber ich finde sie alle – zu Achims ‚großer‘ Freude.
Auf der platten Wiese gibt es Kunsthandwerk für den Mittelstand. Bezahlbaren Kram präsentiert in einer Zeltstadt. Wirklich hübsch gemacht und gleich nebenan ein paar Fressbuden und Stände mit Alltagsartikeln, wie Bürostühlen, Matratzen und Kinderspielzeug für die Pazifisten-Familie. Kinder rennen in den Gängen, es wird gelacht und gescherzt.

Genähtes und Gewebtes

für bezahlbare Preise

Das ideale Geschenk, um in DE die Spielegruppe aufzumischen

Der Baum für den Mittelstand

Schicker geht es beim Elite-Markt für die Oberschicht zu. Die Kunden sind überwiegend Europäer, die gelangweilt die Auslagen beäugen. Die Kunst in der edlen ‚Versammlungs-Halle‘ mitten in Papeete ähnelt der vom Markt auf der Wiese, nur teurer. Schmuck beginnt erst ab über tausend Dollar und geschnitzte Messergriffe sind ab fünfhundert Dollar zu haben.

Der Baum der Oberschicht

Edler Markt in der Versammlungshalle

Zur Abwechslung spazieren wir dann noch zum Friedhof. Der liegt terrassenförmig in einer schmalen Schlucht mit Blick auf den Industriehafen. Es dauert eine Weile, bis wir es merken: auf Tahiti wird früh gestorben. Einmal misstrauisch geworden, achten wir genau auf das Alter der Verstorbenen. Kaum jemand, der die Sechzig erreicht. Viele sind grade mal dreißig oder vierzig Jahre alt geworden.
Die Länderstatistik über Französisch Polynesien behauptet ein Durchschnittsalter von Ende siebzig. Dieser Friedhof bestätigt das nicht. Auf den kleinen Atollen ist uns so eine kurze Lebenserwartung nicht aufgefallen. Kommen Schwerkranke nach Tahiti und werden hier begraben, wenn ihnen nicht geholfen werden kann? Oder sind die Atomversuche auf Mururoa Schuld? Es finden sich viele Berichte über eine erhöhte Rate an Leukämie- und Schilddrüsen-Krebs-Erkrankungen. Obwohl hierbei viel vertuscht wird. Noch immer ist Frankreich Französisch Polynesien fast die Hälfte an versprochenen Ausgleichszahlungen für die Atombombenversuche schuldig. Für uns sprechen die Gräber eine deutliche Sprache, wir sind überzeugt, dass der Friedhof im Dunkeln leuchtet.

Schmaler Friedhof mit jungen Toten

Weihnachtsmarkt in Papeete

Do.,12.Dez.19, Franz.Polyn./Tahiti/Papeete, Tag 2020, 19.044 sm von HH

‚Bling-bling‘, viel ‚bling-bling‘, leuchtet in den abendlichen Gassen von Papeete. Kinder-Engel tanzen mit eingewebten LED-Leuchten im Flügel-Kleid. Begleitet von Müttern mit rosa leuchtenden Katzenöhrchen im Haarreifen und Jungs toben mit gezückten Laser-Schwertern durch die Straßen. Sogar die Kirche ist in einen Traum von Pastell getaucht. Die Polynesier lieben ‚bling-bling‘.

Das weihnachtliche Papeete

Die Kirche trägt heute Pastell

In Deutschland übernimmt ‚Amazon‘ den Job noch rechtzeitig ein Weihnachtsgeschenk für die Lieben zu liefern. In Papeete gibt es dafür einen Weihnachtsmarkt. In der Innenstadt sind die Straßen gesperrt und Buden wurden aufgestellt. Konsumterror vom Feinsten. Elektronisches Spielzeug oder Rutsche-Autos – wahlweise elektrisch – für die Kinder, Schmuck und Damenklamotten für Mutti und Seife oder ein Tuch für Oma. Es gibt sogar Tische mit Geschenke-Einpack-Service. Das Papier ist quietsch bunt und glänzt. Bling-bling.

Barbie-Puppenträume werden wahr

Für die großen Mädchen – Mister Tahiti Kalender

Die Straßen sind voll am Eröffnungsabend. Vor der Kirche spielt eine Big Band entweder Hits von Queen oder leichte Klassik. Eine Parade zieht vorbei: Stelzenläufer, eine Sambatruppe und ‚König-der-Löwen-Pappmaschee-Figuren‘ sind auf einem Anhänger drapiert. Sogar ein Schneemann läuft in der Parade mit. Aus Sicherheitsgründen ohne Ärmel am winterdicken Kostüm – bei 30 Grad Außentemperatur. Eine Artistin zeigt ihr Können in Tuch-Akrobatik. Gleich gegenüber führt eine Truppe traditionelle Tänze vor. Oder man kann sich vor der Kulisse schneebedeckter Tannenbäumen in einem Korbsessel fotografieren lassen.
Der Weihnachtsmarkt ist Karneval mit etwas Zirkus und einer Prise Hollywood und Klamauk.

Schneemann mit seinen Prinzessinnen

Noch eine Prinzessin

Neben Plastik-Spielzeug aus China gibt es reichlich Stände mit Kunsthandwerk. Gravierte Gläser, selbstgemachte Marmeladen oder Holzbretter von denen die Gesichter der Familie herunter lächeln. Nichts, was es nicht gibt; nichts, was man wirklich braucht. Typisch Weihnachtsmarkt.
Das einzige, was es nicht gibt, sind Fressbuden. Kein Schwenkgrill, keine Pilzpfanne, keine Crêpes. Wo sind die Liebesäpfel? Wo die Currywurst? Zumindest Pommes könnte es doch geben, sind die doch so beliebt in Polynesien. Von Bierbude oder Glühwein brauchen wir gar nicht sprechen. Alkohol in der Öffentlichkeit zu trinken, ist sowieso tabu.
Einen schönen dritten Advent ins kalte Deutschland mit Punsch auf dem Weihnachtsmarkt. Bling-bling. ;-)

Weihnachtsmarkt in Papeete