Kategoriearchiv: Australien

Erster Eindruck von Australien und die ‚Down Under Rally‘

05.Nov.23, Australien/Bundaberg, Tag 3445, 28.812 sm von HH

Erster Eindruck: ganz schön trocken! Straßengrün und Wiesen sind braun. Schlimmer als am Ende eines sehr trockenen Sommers in Deutschland. Und dabei hat hier der Frühling gerade erst begonnen. „Kein Regen seit drei Monaten“, bekommen wir zu hören. „Zu warm für die Jahreszeit. Die ersten Buschbrände sind ausgebrochen.“

Zweiter Eindruck. Ganz schön platt! Der Hafen in dem wir liegen, nennt sich zwar Port Bundaberg Marina, aber  Bundaberg ist tatsächlich zwanzig Kilometer entfernt. Bis zum nächsten Ort sind es zwei Kilometer. Burnett Heads ist ein kleines Nest mit einem Supermarkt und Apotheke. Die Strecke dorthin ist einfach. Glatte Betonfahrradwege etwas abseits der Landstraße ohne den kleinsten Hügel. Mit Meerblick. Sehr schön, trotz braun verbranntem Grün.

Braun und platt

Der Burnett River – Zufahrt zur Marina

Burnett Heads – Leuchtturm

Das Dorf ist überraschend nett. Ein kleines Café sieht einladend aus, in einem Imbiss gibt es Pies und Burger für wenig Geld. Der Supermarkt hat eine brauchbare Auswahl.
Mitten im Ort stehen die ersten Känguru-Warnschilder. Wir sind verdutzt. Hier am Meer wird es ja wohl keine Kängurus geben? Albern, diese Schilder.

Die berühmten Känguru-Warnhinweise in Australien

Wir schlendern durch den Ort. Ein Ibis sucht sich im Gras etwas Fressbares. In einem Baum hüpfen kleine Papageien oder Loris, die nicht mitspielen beim Fotografieren.  Dafür zeigen sich rosa Kakadus kooperativer. Ungerührt von uns suchen sie unter einem Baum nach Futter.

 

Freundliche Atmosphäre in Burnett Heads

Ibisse laufen durch den Ort und Vorgärten

Der Rosa Kakadu – mit kleinerer Haube als der Weiße Kakadu

Und dann sitzen sie da. Zwei Stück. Unsere ersten Kängurus. Wir gucken, sie gucken zurück. Wir schleichen uns vorsichtig näher. Für vorbeifahrende Autos klar ersichtlich: Touristen unterwegs in Burnett Heads. Von den Einheimischen hält keiner an für ein Känguru. Gewöhnlich wie für uns eine Eichhörnchen im Park. Wir sind jedenfalls begeistert.

Läuft in Down Under!

Super süß – das Östliche Graue Känguru – Größe 85 bis 140 cm

Ansonsten waren wir die letzten Tage gut beschäftigt mit Rally-Veranstaltungen. Vor ein paar Wochen sind wir Mitglied der jährlichen „Down Under Rally“ geworden.  Diese Rally lockt mit diversen Veranstaltungen, guten Gewinnen und Rabatten bei örtlichen Schiffausrüstern und in der Port Bundaberg Marina. Wir werden zwar erst in einem Jahr wieder segeln, aber schnell war ausgerechnet, dass sich die Rally-Startgebühr (450 Euro pro Schiff) auch finanziell für uns lohnen wird.
Es werden für alle Crews die Kosten für die Biosecurity übernommen. Die Kontrolleure sind viertelstundenweise für ihren Aufwand zu bezahlen und eine Anfahrtspauschale wird fällig, so endet man schnell bei 300 Euro und mehr.
Für die ersten drei Monate bekommt Atanga 10 Prozent Rabatt für ihren Parkplatz und so weiter. Einen Hauptpreis haben wir zwar nicht gewonnen, aber immerhin einen tollen Revierführer, den wir gut gebrauchen können im nächsten Jahr.  Cool!

Abgesehen davon waren die Seminare gut gemacht. Viele Informationen über das Revier, Land und Leute. Abends gab diverse Treffen mit Cocktails, Didgeriedoo und Fingerfood. 66 Boote haben sich dieses Jahr eingeschrieben. Zwei Crews kannten wir sogar bereits: Venture Lady und Barracuda aus England. Zum ersten Mal in Papeete getroffen und wieder gesehen in Neuseeland. Venture Lady stand sogar mit uns auf dem Yard in Norsand. Kleine, große Seglerwelt. Nette Bekanntschaften sind dazu gekommen.
Unsere Empfehlung, wer nach Australien kommt mit dem Boot – nach Bundaberg – sollte Rally Mitglied werden. Es lohnt sich.

Weißer Rauch reinigt den Geist und die Seele

Rally Veranstaltungen unter freiem Himmel – tagsüber gute 27 Grad – abends wir es Pullover kühl

Willkommen in Australien von der Rally

P.S. Gestern haben wir unser Auto übernommen. Alles hat reibungslos geklappt. John und Suzanne haben sich als sehr großzügig erwiesen: Beide Tanks (unser Neuer hat einen extra Tank – das ist prima für lange Strecken) waren voll getankt – 159 Liter!
Und Suzanne hat Achim einen Schlafanzug für mich mit gegeben. :mrgreen: Ihr sei er zu klein. Nagelneu und nie getragen und mir würde er bestimmt passen.
Herzig, diese Australier. Läuft in Down Under.

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Unsere Pläne in Australien: Wir werden Landratten!

31.Okt.23, Australien/Bundaberg, Tag 3440, 28.812 sm von HH

Das Schiff kommt an Land und wird verkauft.
Hehe, Scherz. Es kommt nur an Land und wir kaufen ein Auto.

Wir hatten Australien nicht auf unserer Liste. Man kommt hier zwar „vorbei“ beim Segeln um die Welt, kann aber den Besuch auf ein paar Inseln im Norden begrenzen. Als der Franz Poly Plan geplatzt war, mussten wir uns umorganisieren: Nach Fiji wollten wir raus aus dem Zyklon-Gebiet, da lag Australien auf einmal auf dem Tablett.
Aus Gründen *** haben wir fünf (!) Reiseführer Australien an Bord – inklusive zweier Landkarten. Und im Marina-Büro in Whangarei lag noch „Frühstück mit Kängurus“ , ein amüsanter Schmöker über Sitten in Australien, auf dem Buch-Tausch-Tisch. Genug Lektüre also, um sich überhaupt mal mit Australien zu beschäftigen. Aus einem großen roten Fleck auf der Landkarte ist ein großer roter Fleck mit Reiseideen geworden. Endlich weiß ich, wo Adelaide liegt und das der Uluru (früher Ayers Rock) nicht mal ansatzweise in der Nähe von Alice Springs liegt. Höchstens australische Nähe.

Beim Blättern in der Literatur war schnell klar, die wahren Schätze Australiens liegen in der Mitte, im Westen und Norden. Die Ostküste, die wir jetzt erreicht haben, wartet mit Strand, Küste, Schnorcheln und Ozean auf. Schön, aber das Inland erscheint uns verlockender: Halbwüste, endlose Pisten, menschenleere Gebiete, dramatische Landschaften und das berühmte Outback. Ein unklarer Begriff, der alles bezeichnet, was nicht städtisch ist.
Was wollen wir überhaupt sehen? Wo wollen wir unbedingt hin? Die letzten Monate haben wir die Bücher gewälzt und das Internet befragt und sind zu dem Schluss gekommen, wir wollen „alles“.

Somit wird es eine große Inselrundfahrt. ;-) Wir haben ein Visum für ein Jahr, das geht sich zeitlich aus.
– November / Schiff fertig machen (Segel runter usw.)/Auto kaufen/ Hardcore Campingzeug beschaffen.
– Dezember bis Februar / Bundaberg-Sydney-Perth
– März und April /Westküste
– Mai /Flug nach Deutschland
-Juni bis August / Norden, Mitte und nach Bundaberg zurück
– September /Atanga fertig machen/Auto verkaufen
– Oktober /Weiterfahrt … wohin ist noch nicht klar
Wir haben also acht Monate reine Reisezeit. Die Strecke ergibt mit Schlenkern 20.000 Kilometer. Mindestens. Au weia. Australien ist riesig. 4.000 Kilometer breit, 3.500 Kilometer lang (ohne Tasmanien).

Die ungefähre Reiserute – Änderungen und Anpassungen noch offen (Foto credit – google maps)

Mit dieser Idee sind wir hier letzte Woche angereist und die Ereignisse überschlagen sich. In Fiji hatten wir schon immer mal geguckt und befürchtet, dass im kleinen Bundaberg (50.000 Einwohner) nicht das richtige Auto auf uns wartet und wir in die nächste Millionenstadt Brisbane fahren müssen. 350 Kilometer mit dem Zug.
Da liest Achim am zweiten Abend nach unserer Ankunft eine Verkaufsanzeige gleich um die Ecke. Fünf Kilometer entfernt. Die Eckdaten passen genau zu dem, was wir wollen: 4×4 Toyota Prado. Als Diesel und mit Automatik. Tempomat. Nicht teurer als 15.000 AUS$. Wir kontaktieren den Verkäufer.

John und Suzanne stehen am nächsten Morgen, Freitag,  auf dem Parkplatz. Ein herziges Rentner-Ehepaar. Suzanne hat Prospekte der Umgebung für uns dabei, die sie mir in die Hand drückt.
Der Wagen gefällt uns spontan. Super gepflegt, seine 22 Jahre sieht man ihm nicht an. Auch nicht die 360.000 Kilometer auf der Uhr. Nach der Probefahrt ist klar, wir wollen die Karre. Per Handschlag und nach einem Nachlass auf 14.000 Dollar sind wir uns einig.
John und Suzanne haben uns längst eingelullt. Sie machen einen so vertrauenserweckenden Eindruck, dass wir nicht tagelang vor dem Geldautomaten stehen werden, um Bargeld 500 Dollar weise pro Tag, pro Kreditkarte zu besorgen. Wir werden das Geld überweisen, vereinbaren wir. Unser Bauch sagt, das geht gut. Okay, nun kommen Trickbetrüger ja nie mit Piraten-Augenklappe oder Taliban-Bart zu ihren Opfern. Während die Männer über Ummelde-Details sprechen, geht Suzanne mit mir das mitgebrachte Familien-Album durch. Fotos von den Reisen, die sie mit dem Wagen unternommen haben. Trick or Treat?  ;-)

Unser neues Auto – falls John und Suzanne nicht doch eine Art australische Bonnie und Clyde sind

Am Montag wird Achim von John und Suzanne für Ummelde -Formalitäten  (ganz übel kompliziert in Australien) abgeholt. Die beiden haben übers Wochenende kalte Füße bekommen und wollen keine Umschreibung mehr vornehmen lassen, ohne das Geld zu haben. Ein Nachbar hat ihnen den Floh von trickbetrügerischen Ausländern ins Ohr gesetzt, die ja seriös erscheinen, aber tricky trickreich sein könnten.
Jetzt kann Achim sie einlullen. Also wird der Wagen als verkehrssicher geprüft (geht zu Lasten des Verkäufers) und dann auf Achim umgeschrieben und von ihm neu versichert. John und Suzanne dürfen ihn noch fahren bis Donnerstag. Bis dahin ist die Überweisung angekommen und ein Blinklicht, was vom „TÜV“ bemängelt wurde, repariert.

Läuft hier in down under!

*** immer, wenn wir aus Deutschland kommend viel Gepäck dabei haben durften, habe ich Reiseführer gekauft. Über Ziele, die weit in der Zukunft liegen. Gebrauchte Bücher bei Amazon, häufig schon mehr als zehn Jahre alt. Für günstige drei bis fünf Euro zu haben. Restaurant-Tipps sind mir egal. Aber Sehenswürdigkeiten und Kirchen springen nicht an die Seite. Also sind die Bücher zur Planung auch alt noch gut zu gebrauchen.

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Die Ankunft läuft wie geschnitten Brot und unsere Pazifik-Querung ist vollendet

25.Okt.23, Australien/Bundaberg, Tag 3434, 28.212 sm von HH

  • Als wir das langgezogene Flach vor Bunderberg erreicht haben, schwimmen zum Sonnenuntergang Delphine am Bug. Check ✓
  • So viele Berichte haben wir gelesen, dass sich die Grenzkontrolle aus dem Flugzeug per Funk melden soll. Hat Achim doch extra dafür die Batterie umgeklemmt. Leider kein Maverick Flugmanöver für Atanga. X
  • Die letzte Portion vorgekochtes Essen wird warm gemacht. Die Proviantmeisterin freut sich über die ausgezeichnete Planung. Check ✓
  • Statt Land in Sicht, nur Licht in Sicht. Wann sind wir zuletzt in so einen Hafen eingelaufen? Zeebrugge wahrscheinlich – 2014. Erinnert an meinen BR-Führerschein-Übungstörn. „Was ist das für ein blinkendes Licht“, hat der Segellehrer mich damals gestresst. Navigieren noch mit Papierkarte. Fernglas, Karte, Fernglas, Karte – dann die Erleuchtung: eine Ampel!
    Kommen dann aber gut durch den Overkill an Blinklichtern in der Einfahrt. Check ✓
  • Der Anker fällt um 1:00 Uhr vor der Marina. Check ✓
  • 1535 Meilen – erste Hälfte windig, zweite Hälfte etwas zu wenig Wind. Insgesamt ein guter Törn. Check ✓
  • Der billige Prosecco aus Fiji schmeckt auch um halb drei Uhr morgens. Check ✓ (Früher gab es Champagner nach langen Passagen – Zeiten ändern sich – 1500 Meilen sind halt keine echte Langstrecke mehr).
  • Schlimmer als auf See – um 6:00 Uhr klingelt der Wecker. Wir sollen uns um diese unchristliche Uhrzeit bei Bundaberg Rescue melden für die Anmeldung bei Immigration und Biosecurity. Ausschlafen wäre besser. X
  • 6:01 Uhr – der fuselige Prosecco macht Kopfschmerzen. Memo an mich selber: nächstes Mal wieder Champagner, auch bei Kurzstrecke. Check ✓
  • 6:30 Uhr – Frühstück mit den letzten verbotenen Eiern. Check ✓
  • 9:10 Uhr ist das Schiff wieder in den sauberen Fiji-Abfahrt-Zustand zurück versetzt. Cockpit und Scheiben entsalzen. Check ✓
    Alles aufgeräumt und Fußboden gefeudelt. Check ✓
    Drei Tüten mit Müll sortiert: Recycling. Abfall. Verbotenene Lebensmittel. Check ✓
    Tüten beschriftet. Check ✓
  • 9:20 Uhr – Funk von der Marina – sie haben doch schon heute einen Liegeplatz für uns (statt ab Morgen gemäß unserer Reservierung). Check ✓
  • 9:30 Uhr – Machen an unserem Liegeplatz fest. Immigration wartet schon auf dem Steg. Dreißig freundliche Minuten (kein Stempel mehr in den Pass, schade) später sind wir einklariert.
    Check ✓
  • 11:00 Uhr – Der gefürchtete Mann von der Bio-Sicherheit taucht auf. Auf seiner Schirmmütze steht: „Biosecurity matters“. Check ✓
  • 11:10 Uhr – Er schreibt mit der Hand Eckdaten von Crew und Schiff in ein Formular, die wir bereits per Mail überliefert haben. Die doppelte Arbeit macht ihm aber Spaß. Gleicher Jahrgang wie Joachim, freut er sich. Er sei drei Monate älter, stellt er fest. Er hat gute Laune. Check ✓
  • Vom Steg gegenüber schallt laute Musik. Fleetwood Mac, erkennt unser Mann. Die Laune steigt. Er wippt mit dem Fuß. Das moderne Zeug könne man ja nicht Musik nennen. Wir nicken brav.
    Check ✓
  • 11:30 Uhr – Wir gehen alle nach unten. Kritische Holzdeko aus unbehandeltem Holz (Weihnachtsbäume usw. aus deutscher Produktion) und gesammelte Muscheln liegen offen auf dem Tisch. Der Weihnachtsbaum gefällt ihm. Ich darf alles behalten. Check ✓
  • Mit der Taschenlampe leuchtet er in Schapps und Schränke. Achim muss ein paar Sitzkissen hoch heben und ein Bodenbrett öffnen. Akribische Ordnung – alles klinisch rein. In unserer Bilge kann man nach der Fiji-Aktion operieren. Unser Mann ist zufrieden. Check ✓
  • Er wirft einen Blick in unseren leeren Kühlschrank. Ihm kommen selber fast die Tränen. Check ✓
  • 11:45 Uhr – Inspektion beendet. Keine Beanstandungen. Nichts wird uns abgenommen.
    Check ✓
  • Den vorsortierten Müll möge ich bitte in eine Tüte packen. Sei für ihn dann einfacher. Er zieht glücklich von dannen. Check ✓
  • 12:15 Uhr – Wir melden und im Hafen-Office. Die Marina berechnet uns für die Müllentsorgung 20 Euro. :shock:
  • 13:00 Uhr – Wir stopfen lustvoll Fish and Chips zum Mittag in unsere Bäuche. Check ✓

Fürs Abendessen sieht es allerdings finster aus. Das Hafen-Restaurant hat mittwochs geschlossen. Einen Laden gibt es auf dem Gelände nicht. Der nächste Ort ist zwei Kilometer entfernt. Das wird heute nichts mehr, dass wir uns dahin aufraffen. Abends gibt es also Spaghetti mit Tomatensauce. Ohne Zwiebel, ohne Knoblauch. Ohne Sahne. Man könnte gleich Ketchup nehmen.
Morgen früh dann Brot mit Marmelade ohne Butter … Check ✓

Egal, Live is wonderful.
Wir haben nun den Pazifik überquert. In einer Nussschale eigentlich, wenn man sich den großen Ozean vor Augen hält. In seiner breitesten Ausdehnung beträgt er 15.000 Kilometer = 8.300 Meilen. Tatsächlich sind wir die doppelte Strecke gesegelt. Genau 16.252 Meilen.
Wir sind glücklich und auch ein wenig stolz, das geschafft zu haben.
Double Check ✓
✓

Unsere Route (und ein wenig hin und her in Franz Poly): 16.252 Meilen. Foto credit: open CPN

Atanga jetzt mit zwei Bäumen

und können trotzdem noch die kleine Fock setzten – echte Segelfreunde werden noch aus uns

Der Kleine wirkte sehr gerupft und erschöpft

Noch ein Mitreisender – die Haufen sind enorm, die so ein Vogel hinterlassen kann

Zwei Tage hatten wir eine unglaublich hohe Dünung

geschätzte vier Meter – harmlose Wasserberge

Sehr große Delphine kurz vor Bundaberg – vielleicht Riesentümmler

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Auf geht’s nach Australien

10.Okt.23, Fiji/Viti Levu/Denarau, Tag 3419, 26.677 sm von HH

Es sind für uns knapp 1.500 Meilen nach Australien.  Endlich mal wieder eine echte Kurzstecke. :mrgreen:
Leider liegt Neu-Kaledonien mitten im Weg, so dass wir einen kleinen Umweg fahren müssen. Wir könnten auch nördlich der Hauptinsel Neu-Kaledoniens segeln, dann wäre es kürzer, aber dort lauern viele kleine Inseln, die für gewöhnlich Boote magnetisch anziehen. Außerdem ist der einzige Einklarierungshafen Nouméa im Süden von Neu-Kaledonien. Sollte unterwegs „etwas“ sein, könnten wir dort anhalten. Planmäßig ist aber kein Stopp angedacht. Wir möchten vor dem 1. November in Australien sein. Die Unterbrechung wäre uns zu kurz und verlängert nur das Leiden:  Zweimal hätten wir die ersten drei Tage auf See, die ja bei allen Seglern eher unbeliebt sind.

Erster Abschnitt bis Neu-Kaledonien. Ungefähr 650 Meilen.

 

Zweiter Abschnitt bis Australien. Ungefähr 830 Meilen. Bundaberg wird unser Zielhafen sein.

Der erste Abschnitt ist recht kalkulierbar. Wir befinden uns dann noch im Passatgürtel und der Wind sollte schräg von hinten kommen. Hinter Neu-Kaledonien kann alles möglich sein. Von ‚der Passat bleibt uns erhalten‘ bis ‚Australien schickt eine Front mit Wind von vorne‘ ist mit allem zu rechnen.

Wetterkarte für den 18 Oktober, dann sind wir bereits eine Woche auf See und sollten Neu-Kaledonien erreicht haben. Schön zu sehen, dass sich ab dort die Windverhältnisse komplett ändern können. Was wirklich kommt, ist ungewiss. Wir werden sehen.

Die letzten zwei Wochen haben wir die Braut hübsch gemacht für die Ankunft in Australien. Die Australier haben ultra strenge Bestimmungen, was ins Land gebracht werden darf. Das haben andere Länder auch. Das Schlimme in diesem Fall, Australien hält sich an seine eigenen Gesetze. Scharfe Kontrollen sind üblich. Verboten sind unter anderem Fleisch, Wurst, Eier, Milchprodukte jeder Art. Neuerdings auch Reis. Honig ist verboten, Ahornsirup jedoch erlaubt. Die Liste ist endlos.
Besonderer Fokus wird auf Holz gelegt. Na, da hat Atanga ja was zu bieten. Quasi unser gesamter Innenausbau ist aus Holz. Achim schnackt mit unserem australischen Nachbarn über seine Erfahrungen bei der Einreise. Der hat nichts Erhellendes beizutragen, weil er selber noch nie mit einem Boot eingereist ist. Aber er hält eine schöne Anekdote zum Besten: Vor Jahren gab es ein Boot mit eben so viel Holz im Innenbereich. Die Beamten von der Bio-Sicherheit haben auf die Inspektion durch einen Schnüffel-Hund bestanden. Da aber kein Hund im Umkreis verfügbar war, wurde einer eingeflogen. Wartezeit auf den Köter sechs Wochen und die Flugkosten zu Lasten des Holz-Besitzers.
Lustige Gesellen, diese Australier. ;-)

Wir gehen das Projekt Australien mit Vernunft an. Ein Boot, was super aufgeräumt und super sauber ist, das wird sicherlich anders kontrolliert als ein Messi-Dampfer. Der erste Eindruck zählt. Also räumen wir alles aus den Schränken, um ja keine tote Fliege hinter den Konserven zu übersehen. Oder Wollmäuse unter der Matratze. Insekten jeder Art führen zu einer Ausräucherung des Schiffes. Wer das bezahlt, ist klar.
Wie so häufig, gehen strenge Bestimmungen zu Lasten der Kleinsten und Schwächsten. In diesem Fall sind es unsere Papierläuse. Seit geraumer Zeit sehen wir immer mal wieder ein Exemplar. Grad so groß wie der Piecks einer Stopfnadel und dazu sie sind extrem langsam. Sieht man so ein Tier, kann man es problemlos tot wischen. Uns haben sie nicht so sehr gestört. Manchmal sieht man sie auf einem Holz-Schneidebrett.  :evil:  Das wäre es ja gewesen bei der Kontrolle – Holz in Kombi mit Tier.
Sonst wohnen sie in der Nähe der Bücher und ernähren sich von Staub. Eigentlich ja ganz hilfreiche Tiere. Die sind jetzt Geschichte. Mit Hilfe von Insektenspray  (auch auf die Bücher gesprüht) und Essig im Putzwasser habe ich ihnen den Garaus gemacht.

Nun sind wir clean. Wir sind bereit. Noch einmal schlafen, dann geht es am Mittwoch los. Ahoi, wir freuen uns auf einen neuen Kontinent.

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