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Singe, wem Gesang gegeben

So., 06.Dez.15, Tag 554, La Gomera, 2.961 sm von HH

Auf La Palma haben wir Karen und Reinhard von der Findus kennen gelernt, gemeinsam Geburtstag gefeiert und musiziert.
Hier in San Sebastian haben wir uns wieder getroffen und besonders Karen und Achim haben sich gesucht und gefunden.
Sie mögen die gleiche Musik und treffen sich fast jeden zweiten Tag, um ihr Zusammenspiel Gesang mit Gitarrenbegleitung zu verfeinern.

Somit ist Hauptthema dieser Tage Musik: Karen steckt mir, dass Reinhard auf der Geburtstagsfeier gefunden hat: „Sabine singt doch auch ganz passabel…“.

Wer mich kennt, der weiß, dass ich nicht musikalisch bin. Erst recht nicht singen kann. Dachte ich zumindest bis dahin.
Aber wenn Reinhard eine andere Meinung hat. Großartig!
Denn Reinhard kann es beurteilen.
Wenn es einer beurteilen kann, dann er.
Reinhard ist Professor.
Professor der Ästhetisch-Kulturellen Bildung mit Schwerpunkt Musik.

Ich wähne mich im siebten Himmel. Höre meinen Namen im gleichen Atemzug wie Christina Aguilera, Whitney Houston und Mariah Carey genannt.
Soll ich mich bei ‚dsds‘ anmelden oder besser alleine eine Karriere starten?
Bühnen dieser Welt, ich komme.

Dieser Traum währt zwei Tage…
Heute sind Karen und Reinhard bei uns zum Essen zu Besuch. Reinhard hat sein Keyboard dabei. Während Karen und Achim sich schon mal warm trällern, muss ich vorsingen.

Ein paar ‚lalalas‘ und ‚mimimis‘ später steht fest, ich habe eine Altstimme.
Gut.
Oktavenumfang 1,5… schon schlechter.
Angespielte Töne erkennen und nachsingen, katastrophales Vollversagen. Ganz schlecht.

Es fallen Sätze wie: „Deine Stimme ist gut. Das heißt nicht, dass der Gesang ebenfalls gut ist…“ Und: „Für den Chor geeignet“
Das „maximal“ bleibt gnädig unausgesprochen.

Fischerchöre, hinterste Reihe, oder wie jetzt? :evil:
Ja, weiß der Mann denn, was er sagt?
Was hat denn der Herr Professor beim ersten Mal gehört? Da war doch Alkohol im Spiel!
Mit wenigen Sätzen ist es vorbei. Aus, Ende mit meiner Karriere.

Mir bleibt das Konzert an Bord fotografisch festzuhalten.
Tamburin und Rassel rühr ich nicht mehr an. Sonst merkt er auch noch, dass mir Rhythmus ebenfalls nicht in die Wiege gelegt wurde. :mrgreen:

 

Komm‘ ich jetzt im Fernseh’n?

Sa., 05.Dez.15, Tag 553, La Gomera, 2.961 sm von HH

Sachen gibt’s…
Da flattert uns heute Vormittag eine eMail ins Schiff vom Südwest-Rundfunk. Eine Anfrage, ob wir in ihrer populären Erfolgs-Talk-Show ‚Nachtcafé‘ teilnehmen wollen.
Als Gäste.
Diese Sendung wäre ein Mix aus Prominenten und Menschen, die noch nie im Fernsehen waren.

Man sei über unsere Geschichte und Blog gestolpert und der Meinung, wir würden die Gesprächsrunde zum Thema: ‚Wenn Liebe mutig ist‘ um „interessante und inspirierende Aspekte“ bereichern können.

Die Organisation und Kosten der Anreise würde man selbstverständlich übernehmen und eine kleine Aufwandsentschädigung gäbe es darüber hinaus auch noch.

Upps! :shock:  :shock:

Wir sagen ab.
Nach kurzer Schock-Starre und Überlegung, ob das nicht was extrem Cooles sein könnte.
Die Aufzeichnung der Sendung erfolgt bereits am 10. Dezember (Ausstrahlung einen Tag später) in Baden-Baden.
Nein, das ganze wäre dann doch zu viel der Peinlichkeiten.

An Ausflüchten mangelt es nicht:
-Achim will hier nicht weg, er wartet ja schließlich auf ein Ersatzteil und ist unabkömmlich.
-Wir wollen dann ja sofort weiter.
-Wo zum Henker ist Baden-Baden?
-Dieser Anreise-Stress…
-Und außerdem habe ich nichts anzuziehen. :mrgreen:

 

Noch immer Tazacorte

Mi., 23.Nov.15, La Palma, Tag 541, 2.895 sm

So, unser AIS ist nicht kaputt.
Wir sind schlicht noch nicht weg. Das liegt weder an Resten, die noch verputzt werden müssen, noch an einem dicken Kopf. Es ist schlicht zu windig heute.

Selbst hier in der Marina pfeift der Wind in den Wanten. Morgen soll es ruhiger sein, also starten wir eben Morgen.

Zudem war den ganzen Tag Stromausfall, erst seit 17:00 Uhr sind die Lichter wieder an.
So hätten wir die Rechnung für Liegeplatz, Kranen und Landplatz bar bezahlen müssen. Und das muss ja nicht sein, wenn es sich vermeiden lässt.

Den gewonnen Tag verbringen wir in Los Llanos. Der heimlichen Hauptstadt von La Palma.
Mit dem Bus fährt man nur eine knappe Viertelstunde dort hin. Schön, dass wir dazu noch gekommen sind.
Der Ort ist deutlich netter als er von der Durchfahrt den Eindruck macht.
Nicht so geleckt wie Santa Cruz, weniger touristisch. Und mit einer umwerfenden Bergkulisse, der angrenzenden Caldera.

Dreifach Geburtstag

Mo., 23.Nov.15, La Palma, Tag 541, 2.895 sm

Als wir die Crews der SY Findus und That’s Life zu einem kleinen Umtrunk an Achims Geburtstag einladen, stellen wir schnell fest, so einfach geht das nicht.

Reinhard hat nämlich einen Tag vorher und Karen am gleichen Tag Geburtstag wie Achim. :-)

Somit gibt es am Sonntag einen Sundowner zu Ehren Reinhards auf der Findus. Einen köstlichen Hemingway, der nicht nur extrem lecker schmeckt, sondern extrem schnell die Stimmung hebt.

Als es dunkel wird, ziehen wir uns zu sechst in die Tiefen der Findus zurück und ehe wir uns versehen, bekommt jeder von Reinhard ein Musikinstrument in die Hand gedrückt.
Er selbst spielt Keyboard, Karen singt wunderbar, Achim darf Gitarre spielen und die drei Untalentierteren der Runde, dürfen Rassel und Tamburin schlagen. Oder Cocktails nachschenken. ;-)

Was für ein toller Abend, selten so gelacht.

Den Geburtstag von Karen und Achim wollen wir grillend befeiern.
Leider stürmt es so dermaßen durch die Marina, dass es auf dem Gelände die Wurst vom Grill fegen würde. Daher ziehen wir alle mit unseren gesammelten Salaten und Fleisch erneut auf die Findus. Federico, der TO Mann in Tazacorte, der sich aufmerksam und klasse um seine Segler-„Schützlinge“ kümmert, ergänzt unsere Runde.

Achims Geburtstagskuchen bekommt für Karen eine Kerze dazu.


Reinhard war nachmittags noch bei mir und wir haben besprochen, dass er nur ein wenig Fleisch besorgen braucht, da wir schon fast ausreichend für alle eingekauft haben.
Der Mann der 36 Dosen Brot hält sich nicht dran.
Fast möchte man sagen, natürlich hält er sich nicht dran. Also haben wir am Ende der Kohle noch so viel Fleisch übrig, dass heute Abend Reste-Grillen auf der Atanga stattfindet.

Was auch immer heute übrig bleiben mag, den müssen die Findus und That’s life unter sich ausmachen.
Wir brechen Morgen definitiv auf.

Der Starkwind hat sich verzogen, so dass es eine ruhige Fahrt werden sollte.
Wir haben uns überlegt aus der Strecke nach El Hierro zwei Etappen zu machen.
Wir gehen vor La Gomera an der Westseite in Valle Gran Rey für zwei Nächte vor Anker. Dieser Ankerplatz liegt auf der Hälfte der Strecke und macht aus dem Törn zwei angenehme Tagesetappen. Dort können wir in Ruhe unseren Wassermacher ausprobieren, den wir nun endlich das erste Mal in Aktion erleben wollen.

Ein Leben an Land ist möglich

So., 15.Nov.15, La Palma, Tag 533, 2.895 sm

Zum Wochenende kehrt Ruhe ein auf dem Werfgelände. Unsere Nachbarn Thomas und Susanne schweben ins Wasser zurück, danach wird es still.
Wir nutzen unseren verlängerten Aufenthalt zum Putzen und Polieren der Fender, Aufbauen und den ganzen Edelstahl.
Wenn es nichts mehr zu tun ist, Edelstahl lacht einen immer an.

Das Leben an Land habe ich mir etwas einfacher vorgestellt.
Vor dem geistigen Auge taucht der Ship-Yard in Las Palmas auf. Eben über die Marina-Straße huschen und in die Dusche fallen.

In Tazacorte ist das anders. Zu den Duschen ist es ein Weg von fast einem Kilometer.
Das ist zu wuppen. Nach einem anstrengenden Tag mit – Leiter hoch, Leiter runter- ist das alles andere als ein Vergnügen.
An Tag vier baut Achim ein Fahrrad auf, nun geht es besser.

An das Frischwasser aus unseren Tanks kommen wir noch ran.
Nur ablassen können wir es nicht. Das heiß, wir wollen das nicht.
Eigentlich bräuchten wir uns da nicht genieren, da mit einem Hochdruckreiniger die Schiffe abgespritzt werden.
Schmutziges Wasser, Meeresfrüchte und Antifouling spülen auf den Platz. Angeblich soll das Schmutzwasser in einem Tank aufgefangen werden.
Eine Rinne kurz vor dem Hafenbecken unterstützt diese Theorie.

Da könnten ein paar Liter Händewasch-Wasser wohl nichts ausmachen.
Wir mögen das aber nicht tun und wählen die unbequeme Variante.

Ob das mit dem Tank wirklich so stimmt? Da machen wir mal ein Fragezeichen dran. So recht können wir keine Abpumpvorrichtung dafür entdecken.

Unseren Abwasch machen wir in einer Tupper-Schüssel und Hände werden im Eimer gewaschen.
Viel Geschirr sammelt sich zur Zeit allerdings nicht an. Es gibt nur Frühstück, mittags ein paar belegte Brötchen und abends gehen wir essen.
Zwei kleine Restaurants sind zwei Gehminuten vom Gelände entfernt.
Dort gibt es schmackhaft und preiswert Pizza, Tagesfisch, Salate und andere schlichte Gerichte.

Sehr unkomfortabel ist allerdings der fehlende, dauerhafte Zugang zu einer Toilette: Es gibt ein echtes Männer-Werkstatt-Klo, wie es sich gehört einschließlich Kalender mit leicht bekleideten Mädchen. :mrgreen:
Dies ist allerdings nur nutzbar während der Arbeitszeiten der Jungs.


Wirklich schlimm kann es nicht sein, dass wir dieser Tage Pippi in einen Eimer machen. Wird Morgen-Urin ja sogar in der Medizin eingesetzt.

Das Wasser vom Abwasch kippen wir dazu. Jetzt heißt es nur, diese hochbrisante Mischung aus Pippi, Abwaschwasser und Zahnputz-Spucke heil aus dem Bad durchs Cockpit zu tragen und am Seil nach unten zu lassen.
Bloß nicht stolpern! Nicht mit dem Eimer hängen bleiben! :shock:

Ich schlage vor, ob wir nicht doch ein Appartement mieten sollten. Immerhin stehen wir nicht nur drei Tage, sondern mindestens eine Woche an Land.
Diese Idee verwerfen wir aber gemeinsam: Zum kleinen Ortskern sind es knapp zwei Kilometer. Achim kann noch kein Fahrrad fahren und würde viel Zeit mit hin-und herlaufen verbringen. Das möchte er nicht, da sein Knie sowieso schon verdächtig angeschwollen ist.

Außerdem kann ich so bereits vor dem Frühstück alle Klischees, des ewig putzenden Deutschen, erfüllen.
Es ist so heiß, dass ich lieber schon vor dem Frühstück mit polieren anfange. Ab frühen Nachmittag bekommt man an Deck ohne Schatten einen Schaden. :roll: