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Wieder zu Hause

Fr.,28. Aug.15, Gran Canaria, Tag 454, 2.728 sm

Gestern bin ich erstaunlich pünktlich in Las Palmas gelandet.
Es war wunderbar all Euch lieben Menschen getroffen zu haben und vielen Dank für die schönen Stunden (48), die wir miteinander verbracht haben. :-)
Nach zwei Wochen Heimat-Urlaub freue ich mich aber auch auf Achim und unser schwimmendes Zuhause.

Geflogen bin ich mit Norwegian Air, einer aufstrebenden Billig-Fluglinie.
Billig ist allerdings nur der Flug gewesen, ein Sandwich im Flieger kostet 7,20 EUR. :shock:
Aber ich will nicht meckern, denn Norwegian Air hat mir 40 kg Freigepäck plus 10 kg Handgepäck geschenkt. Warum? Keine Ahnung.

Als wir das raus gefunden hatten, haben wir angefangen alles, was auf den Kanaren nicht zu bekommen ist, in Deutschland zu bestellen: Ferritkerne (Funk-Kram), Entstörfilter (auch Funk-Kram) und Bücher.

Und zwar jede Menge Reiseführer. Davon befand sich bislang kaum einer an Bord.
Dies hatte ich bei der Abfahrt schlicht nicht überlegt, dass echte Reiseführer-Bücher nett und hilfreich sein könnten.
Im Internet finden sich zwar jede Menge Infos zu besuchten Ländern und Städten, aber über Wiki und Touristen-Seiten muss man es sich dann doch mühselig zusammen klicken.

Ich habe bestimmt 8 kg Bücher mit aus Deutschland gebracht. Diese habe ich gebraucht bei Amazon, zum Teil für nur 3,00 EUR, gekauft. Einige sind zwar schon älter, aber da Kirchen nicht zur Seite zu springen pflegen, führt auch ein älterer Reiseführer zum Ziel.
Tipps für Restaurants und Hotels sind für uns sowieso uninteressant.

Somit befindet sich jetzt Literatur über gesamt Süd- und Mittelamerika und die Karibik in unserer Bord-Bibliothek.

Den Volumen-Inhalt von zwei großen Koffern bzw. Tasche im Schiff zu verstauen ist mit ein wenig Umlagerung, Neuorganisation und Phantasie ein lösbares, jedoch tagesfüllendes Problem.

Der Koffer ist übrigens ein Keller-Fund, der mir von Freunden über Arbeitskollegen organisiert wurde. Mit dem können wir nichts anfangen, aber wir stellen ihn hier neben die Müllcontainer und sind uns sicher, dass er einen neuen Besitzer finden wird.

ARC…und warum ich sie nicht mag

So.,23. Aug.15, Gran Canaria, Tag 449, 2.728 sm

Die Marina hier in Las Palmas ist voll. Sie ist sogar ziemlich voll. Sie ist so voll, dass es schon etwas Überredungskunst erforderte, den Marinero im Hafenbüro davon zu überzeugen, unseren Liegeplatz bis zum 21 September zu verlängern. Aber warum ist das so?

Über die nächsten neun Wochen verteilt werden die Teilnehmer der ARC hier erwartet.

ARC steht für Atlantic Ralley for Cruisers und ist die geschickte kommerzielle Verwertung des Unbehagens, das einige Langfahrer verspüren, wenn sie an die Atlantiküberquerung denken. Mehr als 200 Teilnehmer hat die ARC, die zusammen in Las Palmas starten.

Die Marina in Las Palmas ist extrem günstig. Kein Wunder, dass der Veranstalter der ARC seine Schäfchen hier unterbringen möchte, anstatt in die leere Marina von Santa Cruz de Tenerife zu gehen. Zur Erfüllung dieses Wunsches werden 200+ Boote und ihre Crews aufgefordert die Marina zu verlassen.

Die ARC+ (Saint Lucia via Kapverden) startet erst am 8. November und die eigentliche ARC (Gran Canaria nach Saint Lucia) zwei Wochen später. Die Auswirkungen dieses Rudel-Segelns sind in der Marina nicht mehr zu übersehen. Einige Segler mussten ihre Boote verlegen, da ihre Plätze für ARC Schiffe vorgesehen sind. So ist auch meinem Nachbarn ergangen. Er musste gestern seinen Platz räumen. Der Platz ist immer noch leer und kein Schiff ist in Sicht. Ich sagte ja bereits, dass die Marina voll sei. Das bedeutet nicht, dass alle Plätze belegt sind. Einige Plätze sind schon eine Weile leer….aber reserviert für ein ARC Schiff…. was noch nicht da ist….

Ende September ist dann endgültig Schluss für alle, die keinen Dauerliegeplatz haben. Sie müssen raus. Einige werden aufbrechen, um in anderen Marinas festzumachen, oder in der Bucht vor dem Stadtstrand vor Anker zu gehen. Einige dieser Vertriebenen wollen auch den Atlantik überqueren. Dafür ist es aber noch zu früh. Genau genommen startet selbst die ARC zu früh, um sicher nach Beendigung der Hurrikan Saison in der Karibik anzukommen, aber das ist eine andere Geschichte.

Die ortsansässigen Händler reiben sich beim Gedanken an die ARC die Hände. Palettenweise kommt neue Ware, die an die eintreffenden Segler gebracht werden will. Selbst aus Deutschland wird sicher der ein oder andere Händler eintreffen, um sich seine Scheibe vom ARC Kuchen abzuschneiden. Sollte beim Sicherheitscheck durch die ARC Beauftragten etwas auffallen, so muss das in Ordnung gebracht werden. Da lacht das Händler Herz, denn der Start Termin steht.

Im Moment erleben wir die Ruhe vor dem Sturm. Einige Läden haben ihren Personalbestand reduziert und selbst in der Segelmacherei ist niemand, der eine Nähmaschine bedienen kann. Das ist unglücklich, da wir noch eine kleine Reparatur am Vorsegel auf unserer Liste haben.

Diese Veranstaltung bringt Unruhe in die Gemeinde der nicht organisierten Langfahrer und die meisten sind von der ARC und ihren sehr frühen Auswirkungen einfach nur genervt….so auch ich.

Essen wie Gott in Spanien

So.,16. Aug.15, Gran Canaria, Tag 442, 2.728 sm

Vor ziemlich genau einem Jahr hatte mich Bine schon einmal meinem Schicksal überlassen und ist nach Hamburg gefahren. Während dieser Zeit machte ich unvergessene Erfahrungen mit den Produkten von U und Zapetti. Ravioli bzw. Spaghetti Bolognese aus der Dose. Noch heute schüttelt es mich, wenn ich nur an die U Ravioli denke. Das grenzte schon an lang anhaltende Körperverletzung. Genau genommen habe ich ein Trauma davon getragen und muss nun damit leben.

In diesem Jahr soll mir nicht der gleiche Fehler unterlaufen und so hatte meine Küche zumindest einen guten und sehr wohlschmeckenden Start. Hoffen wir mal, dass das so weitergeht.

Die Tortilla Shells haben wir beim Lidl gekauft, aber auch im Dino gibt es eine gute Auswahl. Die Hühnerbrust gut anbraten und mit Salz, Pfeffer und einer ordentlichen Portion Cayenne Pfeffer würzen. Die Shells werden einfach in der Pfanne ohne Öl gebräunt. Fleisch mit Paprika, Zwiebel, Gurke und eventuell Möhre in die Shell legen und etwas China Süß-Sauer Sauce darüber geben. Alles nett rollen und schon ist der Snack fertig.

Mittag

Morgen werde ich wohl die Arbeiten unter der Achterkoje abgeschlossen haben und dann wird es auch ein paar Bilder geben.

An die Kette gelegt

Mo., 10. Aug.15, Gran Canaria, Tag 436, 2.728 sm

Ich habe ja schon mehrfach berichtet,  dass uns Las Palmas begeistert. Die Stadt  ist vielleicht einen Tick zu groß, aber das stört nicht wirklich.
Richtig ätzend ist nur die große Straße zwischen Hafen und Stadt.

Der Rest ist sehr ‚local‘, wie es von allen hier genannt wird. Typisch spanisch, untouristisch, einfach nett und unaufgeregt.

Wir fühlen uns sicher und wohl hier.
Nur eine Unsitte scheint weit verbreitet: Fahrrad-Klau.
Ein Nachbar, zwei Boote weiter, berichtet vom dreisten Diebstahl direkt von seinem Kahn runter – am helligten Tag. :shock:

Nachts sollen die Diebe mit Schlauchbooten kommen und die Räder direkt von Bord pflücken.

Jeder warnt uns, alle weisen uns darauf hin. Somit haben wir einen Gegenplan entwickelt.
Statt des üblichen Fahrradschlosses, was man mit einer Kneifzange und Büroklammer knacken kann, rüsten wir auf.

Ich fahre jetzt mit einer Ankerkette und einem Monster von Vorhängeschloss in der Satteltasche umher. Diese ist lang genug, um beide Räder an einer 500 Jahre alten Ulme zu sichern.
Achim hat es gut gemeint mit der Länge der Kette.
Blöd nur, dass sich das Gewicht des Rades dadurch spontan verdoppelt hat. Jedes Verkaufsgespräch über das geringe Gewicht so eines Klapprades wird ad Absurdum geführt.
Dazu kommt die Schlepperei runter von Bord, wieder rauf aufs Schiff, da wir unsere Räder mittlerweile auch an Bord anketten.

Den Eindruck, den ich mit meiner Kette vor Geschäften hinterlasse ist unerfreulich. Es sieht ja so aus als würde ich alle hier für Banditen halten.
Nun, da muss ich durch (und die Canarios ebenfalls), nützt nix, mein Rad ist mir heilig!

Dass das Boot das aushält…

Mi., 05. Aug.15, Gran Canaria, Tag 431, 2.728 sm

…war eigentlich nie eine Frage.
Jeder, der was von Schiffen versteht (und auch welche ohne Plan) haben uns immer bescheinigt, dass wir ein schweres, stabiles, absolut seegängiges Schiff haben.
Dieses Schiff hält mehr aus als die Crew und kann locker die Welt umsegeln.

Ich habe diesen Behauptungen Glauben geschenkt.

Um so größer war dann mein Entsetzten als ich vor ein paar Monaten einen Riss entdeckte. Mitten im Salon unterm Sitz von Achim.
Keine Ahnung, seit wann sich der dort schon befindet. Die Stelle wird halb verdeckt vom Salontisch. Dort ist es dunkel und man kommt nicht wirklich daran vorbei.
Achim beruhigte mich. Ich schwieg. Ich schwieg in der stillen Hoffnung, dass der Riss dort schon immer war.

Dann vor vier Wochen fand ich den zweiten Riss. :shock:
Auf der anderen Seite vom Salon in der Ecke zum Schrank. Der musste neu sein. Okay, das ist eine Ecke in der man nicht jede Woche Staub wischt, aber er wäre mir schon vorher aufgefallen.

Wir brechen doch nicht auseinander? Mamma mia!
Achim schafft es, mich wieder zu beruhigen. Muss wohl an seiner Kompetenz als Bootsbauer und Schiffszimmermann liegen.
Holz ist nicht wirklich seins, aber er lullt mich ein. Sind ja nur die Möbel, beruhige ich mich selber.

Es bleibt jedoch so viel Unsicherheit, dass ich wieder schweige.
Klar, wer berichtet schon gerne davon, dass sein Schiff auseinander bricht? Oder zumindest droht, auseinander zu brechen?
Oder entschärft formuliert, dass sich das Mobiliar verzieht, weil das Schiff sich verwindet. Hallo, eine Hanseat verwindet sich nicht!

Heute breche ich das Schweigen, denn wir sind nicht länger allein. :-)
Es erreicht uns eine Mail eines befreundeten Bootes.
Lapidar tauschen sich die beiden Skipper über anstehende Reparaturen aus. Beiläufig wird Achim berichtet, dass Risse im Mobiliar zu beseitigen sind.

Ein paar Mails später mit der Dame des Schiffes und bin ich im Bilde.
Da sie ebenfalls in Schweige-Starre gefallen ist, als die ersten Risse entdeckt wurden, bewahre ich hier ihre Anonymität und nenne sie nur B von der SY C.

Unsere Schiffe sind, was Qualität, Alter und Bauweise betrifft, sehr gut vergleichbar. Ebenfalls eine Werft ohne Tadel.
B’s Worte in ihrer ersten Nachricht:  „ich bin so froh, dass ihr welche habt, hab auch nicht drüber gesprochen“
Nein, keiner spricht gerne drüber. Zumindest keiner, dem verkauft wurde, dass das Boot das aus hält. Also eine Weltumsegelung aushält.

B und ich tauschen Fotos von den entdeckten Schäden aus und Infos über unsere Männer.
Die haben ebenfalls Gemeinsamkeiten. Beide sind eher Elektronik lastig als Holz interessiert, beide mit dem Hang zum Hobby-Funker.
Über die Risse im Mobiliar herrscht auch auf der C absolute Tiefenentspannung beim Skipper.

B fasst unsere gemeinsame Situation pragmatisch zusammen:
„Wenn unser Funk super läuft und wir absaufen, weil die Karre auseinander bricht, können wir noch immer Tschüss sagen. Egal wo wir sind.“  :mrgreen:  :mrgreen:

B, ich freu mich auf Dich. :-)

Inzwischen habe ich mich getraut mit dem echten Fachmann der Familie zu sprechen: Gert hat seiner Tochter nicht dringend geraten, das Schiff fluchtartig zu verlassen.
Das ist ja eine gute Nachricht.
Im Augenblick tauschen wir Bilder aus und die finalen Reparatur-Vorschläge erhalte ich in Deutschland. Mit ein paar Holzschrauben ist es nicht getan. :shock: