Kategoriearchiv: Allgemein

Unser Tauchkompressor ist da

Mi., 25.Feb.15, Gran Canaria, Tag 270, 2.421 sm von HH

Irgendwie hatten wir während der Vorbereitungen zu unserer Reise die Anschaffung eines mobilen Tauchkompressors „vergessen“. Uns war einfach auch nicht klar, wo wir ein solches Ausrüstungsteil unterbringen sollten.
In La Coruna wurden wir dann aber wieder an dieses fehlende Ausrüstungsteil erinnert. „Schuld“ war Dietmar von der SY Summer, der mir dort seinen Kompressor zeigte und den Wunsch, ein solches Ausrüstungsteil an Bord zu haben, zu neuem Leben erweckte.
Seitdem haben wir immer mal wieder darüber nachgedacht, wie wir zu einem solchen Gerät kommen könnten.
Nachdem wir eine Reihe von Angeboten eingeholt hatten und auch einige Berichte und Tests im Internet durchstöbert hatten, fiel die Entscheidung….auf einen Kompressor von Bauer.
Die gesamte Abwicklung von Bestellung über die Bauer Niederlassung in Barcelona bis zur Anlieferung am Steg in der Marina in Las Palmas verlief vorbildlich. Der nette Herr der hiesigen Bauer Vertretung nahm sich fast 1,5 Stunden Zeit, mir das Gerät zu erklären und mit mir einen ausgiebigen Probelauf zu machen.
Nun sind wir Dank der Flaschen, die ich von meinen ex-Kollegen zum Abschied geschenkt bekommen habe und dem neuen Kompressor unabhängig von Füllstationen und Tauchbasen.

Ein Leben neben dem Karneval

Mo., 09.Feb.15, Gran Canaria, Tag 254, 2.421 sm von HH

Nicht, dass hier jetzt der Eindruck entsteht, wir würden nur Beach-Partys und Karneval feiern!!

Tagsüber wird viel gewerkelt an Bord.

1. Neue Steckdose
Wir hatten ja bereits nach zwei Monaten der Reise festgestellt, dass Gas zum Kochen zu besorgen eine schwierige, bisweilen unmögliche und durchaus teure Angelegenheit ist.
Entweder passen die Anschlüsse nicht, Tankstellen dürfen Flaschen nicht füllen oder auch, Taxifahrer dürfen Flaschen nicht transportieren und die Wege, um sie zu Fuß zu schleppen, sind einfach zu weit.

Das führt bis in die „Illegalität“, wenn Carlos in Lissabon jemanden kennt, der jemanden kennt, der Flaschen füllt. So einen Dienst lässt Carlos sich dann mit 35, 00 EUR bezahlen (zum Vergleich, eine Füllung in DE kostet 9,00 EUR). :shock:

Die Salzbuckel-Crews der Aquaria und Max haben uns den entscheidenden Tipp gegeben, einen kleinen Elektroherd für die Hafenzeiten zu kaufen.
So ein Ding haben wir uns im Oktober in Lagos besorgt und mussten seitdem keine Gasflasche neu anschlagen.

Der Nachteil war nur, dass das Kabel von diesem Kocher entweder quer durch die ganze Pantry verlief, da sich unsere 220 Volt Steckdose rechts von Waschbecken befindet, oder vor den Schubladen und Fächern im Weg hing.
Somit hat Achim mir eine neue Steckdose verlegt und zwar direkt am Herd, und das lästige Kabel ist nun verschwunden.

Dieser Kocher ist Gold wert, denn ich darf jetzt Kartoffeln erst kochen und dann auch noch braten, Pinienkerne rösten und Walnüsse karamellisieren ohne dass über den Gasverbrauch gemeckert wird.

2. Neuer Schlauch im Kühlschrank
Unser Kühlschrank ist ein großer Edelstahlkasten, der unten einen Ablauf für das Kondenswasser hat.
Dieser Ablauf mündete in einen Schlauch, der unglückseliger Weise nicht in der Bilge endete, sondern in einem Fach unter unserem Herd.
Am Ende dieses Schlauches befand sich ein Absperrhahn und somit stand der Schlauch permanent voll Kondenswasser.

Durch Krümel und andere verderbliche Kleinigkeiten, die ihren Weg in den Schlauch finden, fing es darin regelmäßig an zu müffeln.
Also musste ich spätestens alle vier Wochen den Kühlschrank leer räumen, das Wasser aus dem Schlauch lassen und solange mit heißem Essigwasser spülen bis alles wieder duftet. Das hat genervt!

Und somit hat mir der beste Skipper von allen den Schlauch verlängert und in den Abfluss von der Spüle verlegt.

Als Belohnung für so viel Schufterei besuchen wir abends die Namastee und verbringen ein paar sehr nette Stunden. :-)

Chef an Bord

Do., 05.Feb.15, Gran Canaria, Tag 250, 2.421 sm von HH

Heute Vormittag haben wir Besuch von meinem ehemaligen Big Boss. Bernd spielt in Maspalomas ein paar Tage Golf und wollte es sich nehmen lassen, uns einen Besuch abzustatten. Er schnappt sich also einen Golf-Kollegen, ebenfalls ein Bernd, der mit ihm nach Las Palmas düst.

Wie es aber immer so ist mit Chefs, sind sie natürlich nicht pünktlich und lassen ihre Leute warten. :mrgreen:
Fairer Weise muss ich aber erwähnen, dass dies nicht Bernds Schuld ist, denn die Marina per Auto zu erreichen, muss so schwierig sein, dass es sogar in unserem Hafenhandbuch Erwähnung findet. Dort wird Seglern, die sich ein Auto leihen, geraten sich die Situation und Straßenführung erst zu Fuß anzuschauen, bevor man sich ein Auto leiht.

Wir zeigen unser Schiff, plauschen über unsere Pläne und beschnacken die alte Firma im Allgemeinen und Besonderen, im Guten wie Schlechten und im Lustigen wie Traurigen. Das war wirklich eine sehr nette Idee, Golf Golf sein zu lassen und bei uns vorbei zu schauen. :-)

Hitchhiker

Di., 03.Feb.15, Gran Canaria, Tag 248, 2.421 sm von HH

Boat-Hitchhiker werden die Tramper genannt, die hier in Las Palmas zu Dutzenden eine Passage, meist über den Atlantik, suchen. Es gibt aber auch einige, die wollen nur eine Insel weiter oder nach Afrika.
In allen öffentlichen Räumen, wie dem Waschmaschinen-Raum, hängen die meist Anfang bis Mitte 20-jährigen ihre, oft originellen, Suchanzeigen für eine Passage aus.
Die meisten sind Einzelkämpfer, aber es gibt auch eine Reihe Pärchen auf der Suche.

Zur Zeit der ARC, wenn hier am meisten Betrieb ist, sind es bis zu 60 Tramper, die ein passendes Boot suchen. Da jetzt bereits die meisten Schiffe für diese Saison drüben sind, ist die Gemeinde der augenblicklich Suchenden nur ca. 20 Personen stark.
Die jungen Leute klappern fast täglich die Stege nach neu angekommenen Schiffen ab und somit werde ich von Anna und Paul angesprochen.
Nach einer kurzen Vorstellung erinnere ich mich, dass mir schon ihr individueller „Koch-Arround-the-World“-Aushang aufgefallen war.

Die zwei wollen aber gar nicht bei uns mit segeln, sondern laden uns zum Essen ein.
Sie berichten mir, dass sie auf einem großen Schiff Unterschlupf gefunden haben und heute Abend kochen wollen und dazu „alle“ Hitchhiker und ein paar Segler einladen, damit man sich besser kennen lernt.
Die beiden sind mir sofort sympathisch, also sage ich spontan zu, dass wir um 20:00 Uhr bei ihnen auftauchen werden.

Somit finden wir uns abends unerwartet mitten zwischen einer super bunten Schar Tramper wieder. Außer uns ist nur noch ein Franzosenpaar mit Säugling von der Segler-Fraktion vertreten. Die drei werden besonders hofiert, da sie innerhalb der nächsten zwei Wochen weiter wollen und vor allem die französischen Landsleute sich eine Chance ausrechnen von ihnen mitgenommen zu werden.
Dass wir erst in Monaten weiter fahren, spricht sich schnell rum und somit können wir unbefangen plaudern.

Anna und Paul kochen eine vegetarische, indonesische Bananen-Reis-Pfanne mit Erdnüssen und ist total lecker. Da es zu wenig Teller gibt, wird in Etappen gegessen und Pärchen müssen sich einen Teller teilen. Zum Nachtisch macht Anna in Weißwein karamellisierte Birnen und zu trinken gibt es alles das, was die Gäste mitbringen.
Das Segelboot auf dem sich die ca. 20 Menschen tummeln, ist ein Chaterboot, welches hier wegen einer Reparatur festliegt und wird von einem jungen Bayern, selbst erst knapp 30, als Skipper betreut. Er hat Anna und Paul eine Koje zur Verfügung gestellt, damit sie nicht mehr in besetzten Häusern übernachten müssen (wie gut, dass der Eigner nichts von seinem Glück weiß).

Die meisten der Anhalter schlafen in besetzen Häusern hier in Las Palmas.
Die Mischung der Tramper könnte nicht bunter sein, Spanier, ein Argentinier, US-Amerikaner, Franzosen und fast alle haben eine coole Geschichte zu erzählen.

Anna und Paul haben nach dem Studium (Politik) ihre Reise im Iran begonnen und sind über die Türkei bis nach Spanien getrampt und dann, vor vier Wochen, hier gelandet. Sie geben sich noch Zeit bis Sonntag, dann brechen sie ihre Hitchhiker-Aktion ab und werden vom spanischen Festland aus nach Mexico fliegen. Aber mit einer Reise nach Brasilien hätten sie auch kein Problem.
Aurora, Französin, will nach Kanada, da sie dort ein work-and-travel-Visum hat.
Manchmal klopfen verrückte Jungs sogar mit Hausratte auf der Schulter bei den Seglern an und selbst solche Exoten finden das passende Schiff, wenn auf der anderen Seite ebenfalls ein Rattenliebhaber steht. Wie man uns berichtete ist die allgemeine Erfolgsquote sehr hoch und die Wartezeit selten länger als 4 Wochen. Große Schiffe nehmen auch mal ein Dreierteam auf Schlag mit.
Meistens „müssen“ die Tramper dann sauber machen, Kinder an Bord bespaßen oder kochen. Zum Segeln kann man die wenigsten gebrauchen, da fast keiner der Anhalter Segelerfahrung hat. Aber man erhält Sprachen- oder Gitarrenunterricht.

Aus Rücksicht zu den benachbarten Booten, ziehen wir alle um kurz vor Mitternacht noch an den Strand, denn es werden die Gitarren und Trommeln bearbeitet und Paul holt seine Trompete raus mit der er in Teheran 20 EUR in der Stunde als Straßenmusiker verdient hat.

Wir verabschieden uns um kurz nach 2:00 von dem sympathischen Haufen, ziehen mit dem Kopf voller toller Geschichten auf unser Schiff zurück und sind begeistert von dem Mut, den diese Youngsters haben.

Beim Zahnarzt – Teil 2

Di., 27.Jan.15, Gran Canaria, Tag 241, 2.421 sm von HH

Kurz vor 7:00 stehe ich auf, um mir wenigstens noch ein Frühstück rein zu quälen (wer weiß, wann und ob ich je wieder essen kann) und mache mich um 8:00 mit ganz schön viel ‚Schiss in de Büx‘ auf den Weg. Das bange Gefühl wird noch durch die etwas surrealen Umstände verstärkt, dass ich mit dem Fahrrad in einer mir unbekannten Stadt zum Zahnarzt fahre.

Nun, ich werde von den Mädels herzlich begrüßt, in ein großes Behandlungszimmer und sofort in die Waagerechte gebracht und mit OP-Tüchern abgedeckt. Nur der Mund schaut noch raus. Haare ins Netzt, Schuhe in Plastik gehüllt und dann kommt auch schon der Doc.

Da ich nichts sehen und dem spanischen Gespräch von Arzt und Helferin keinen Sinn entnehmen kann, frage ich vorsichtshalber nach, ob es auch eine Betäubung gibt. Ja, gibt es, wie man mich beruhigt und die folgt dann auch umgehend.

Dottore macht das so gut, dass ich noch nicht mal was von der fiesen Gaumenspritze merke. Über den dann folgenden Eingriff schweige ich lieber, wer es schon mal erlebt hat, weiß was ich meine und wer es noch vor sich hat, dem will ich die Überraschung nicht verderben. :mrgreen:

Der zweite Vorname meines Arztes ist in jedem Fall nicht Empathie, denn als ich einmal etwas zucke und mich klein mache, fragt er, ob es weh tut. Mein ‚ja‘ wird so kommentiert: „Sie schwindeln! Das tut nicht weh, das ist nur der Druck den Sie verspüren. Wenn Sie mich meine Arbeit machen lassen, sind wir in 15 Minuten fertig.“

Oh ha, was für eine Ansage! Er verdient sein Geld also als Handwerker und nicht als Seelentröster, soviel ist mal klar. Ich halte ab sofort still und meine Fresse.

Zu seiner Entlastung muss man aber sagen, dass er ein weiteres Zucken als Schmerz interpretiert und sofort nachspritzt.

Nach der Behandlung kommt wieder die Kreditkarte zum Einsatz, weil 60% des Gesamtbetrages sofort fällig sind. Fix und fertig, komplett alle und wie durch den Wolf gezogen, strampel ich mich dann zum Schiff zurück und warte unheilvoll darauf, dass die Betäubung nachlässt.

Tut sie dann auch, aber die Schmerzen halten sich zum Glück in Grenzen. Ein Anruf aus der Praxis (!), ob es mir gut ginge, streichelt dann doch noch die Seele.*

Abends kocht mir Achim dann noch Kartoffelmus mit Rührei und meine Welt scheint wieder etwas rosiger. Endlich bin ich meine hässliche Zahnlücke los bzw. brauche nicht mehr den falschen Zahn zum Einsetzen tragen. Die provisorische Krone vom Implantat ist etwas kürzer als mein normaler Zahn, damit in den nächsten drei Monaten die Krone nicht an die Zähne vom Unterkiefer stößt. Optisch gelungen, ich glaube, wer es nicht weiß, sieht das gar nicht. :-) :-)

* am nächsten Tag gab es übrigens noch so einen Anruf. :-)