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Die Abfahrt verzögert sich

Mi., 08.Mai 19, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva/Rikitea, Tag 1802, 17.385 sm von HH
„Ich kletter‘ noch mal eben in den Mast und mache einen Rigg-Check“, teilt Achim mir mit. Der Skipper muss sich die Frage gefallen lassen, warum er dies zwei Stunden vor Sonnenuntergang am letzten Abend vor der Weiterfahrt macht ( 30 Minuspunkte). Er hatte dafür 7 ( in Worten: sieben) Wochen Zeit (nochmal 10 Minuspunkte, wenn man mal anfängt genau darüber nachzudenken). Die Untersuchung bringt nichts Gutes zu Tage: „Unser Unterwant ist angeknackst! Eine von neunzehn Litzen ist gebrochen. Da muss ich Morgen wohl was unternehmen.“ Achim geht es wie dem Teufel, der seine Großmutter erschlagen hat: ihm gehen die Ausreden aus (10 Minuspunkte), warum er das erst heute untersucht. „Ich war wohl zu faul“, ist noch die beste Antwort (5 Pluspunkte wegen Ehrlichkeit). „In Zukunft checke ich wohl besser das Rigg direkt nach der Ankunft“, wird mir versichert (5 Pluspunkte für guten Vorsatz, leider 10 Minuspunkte für ein, sowieso faules, Versprechen). Ich kann es nicht ändern, der Mann ist nun mal wie er ist (5 Pluspunkte für mich – für unglaubliche Toleranz). Er macht immer alles auf die letzte Minute. Bleiben wir halt noch einen Tag (5 Pluspunkte); ich bin sowieso verliebt in Mangareva. Durch die Verschiebung kommt der Speiseplan durcheinander. Ich muss nun noch einmal vorkochen für den ersten Tag auf See (10 Punkte Abzug).
Da uns bereits zweimal ein Unterwant angeknackst ist, hat Achim vor zwei Jahren vorgesorgt. Es gibt Reparatur-Teile für alle Wanten an Bord (echte 20 Pluspunkte). Die damalige Investition von 850 Euro ( :shock: ) in Stalock Terminals zahlt sich heute aus. Ganz cool (5 Punkte gutgeschrieben) erläutert Achim mir den Reparatur-Plan. Als wir vor drei Jahren das erste Mal ein gebrochenes Want hatten, haben wir noch Panik auf dem Dampfer geschoben.
Noch vor (5 Pluspunkte) dem Frühstück, sägt Achim das Want unterhalb der Saling einfach ab. *** Der Bruch befindet sich ungefähr 30 cm von der oberen Pressung entfernt. Das ist eine glückliche Fügung (0 Punkte – Eigenleistung fehlt ;-) ), denn das Stalock Terminal passt somit haargenau als Ersatzteil dazwischen.
Die Reparatur ist blitzschnell erledigt, da kann man nichts gegen sagen (55 Pluspunkte). Er ist schneller damit fertig, als wir beide befürchtet haben. „Hätte ich das früher gewusst, wie einfach das mit den Stalock-Teilen ist, hätte ich auf die Scheiß Pressungen komplett verzichtet“ (10 Minuspunkte für ‚hätte-hätte‘-Jammerei und 20 Minuspunkte für mangelnde hellseherische Fähigkeiten : mrgreen: )
Einer heutigen Abfahrt am frühen Nachmittag steht eigentlich nichts im Weg. „Ach nö, jetzt habe ich mich schon ganz und gar auf Morgen eingestellt. Lass uns dabei bleiben“, bittet Achim mich. Wir fahren Morgen. Mir geht es nicht anders, ich hab mich ebenfalls auf Morgen eingeschossen und außerdem den Speiseplan bereits umgestellt (jeweils 20 Punkte Abzug für uns beide, wegen mangelnder Flexibilität). Altersbedingt scheint es bei uns beiden mit lustvoller Spontanität aufgehört zu haben. :lol:
Atanga bekommt ebenfalls 20 Minuspunkte als Unterwant-Killerin. Wir fragen uns nun, woran das liegen könnte. An uns liegt es jedenfalls nicht (jeweils 10 Punkte im Plus) – sind wir doch die Weltmeister im Oma-Segeln. Sind die Unterwanten mit 10 mm vielleicht unterdimensioniert? Bis Tahiti wird die Reparatur in jedem Fall halten. Zumal wir die Segel die nächsten tausend Seemeilen auf der Seite mit der Reparatur stehen haben werden. Das bedeutet keine Belastung auf dem kritischen Want. In Tahiti wird es dann ein neues Unterwant geben, wenn möglich in 12 mm.
P.S. Wir waren nachmittags noch mal an Land. Da aber Feiertag ist (2.Weltkrieg-Ende!), gibt es heute kein Internet. Daher per Funk gesendeter Bericht. Wir hängen noch immer am Anker. :-)
*** Um zu verhindern, dass der kritische Leser ihn für total bekloppt hält, besteht Achim darauf, dass ich schreibe, dass er das Want oben absägen musste. Da sich am anderen Ende (an Deck) bereits ein Stalock-Terminal befindet, konnte er das Want nicht durch die Saling ziehen.

Unser erstes Südseeatoll

Fr., 15.Mrz.19, Franz.Pol/Gambier/Insel Mangareva/Rikitea, Tag 1748, 17.385 sm von HH
Zu früh gefreut, ohne Schwell ist unser neuer Ankerplatz nicht. Kein Vergleich zu den letzten Wochen, aber 20 Knoten peitschen die Lagune auf. Wir müssen wieder tief ankern, auf 17 Meter mit auflandigem Wind. Aber der Haltegrund ist exzellent. Im Dinghy wird man pudelnass. Das vorgelagerte Riff, durch das die Tonnen uns den Weg führten, hält zwar den schlimmsten Schwell ab, aber Atanga nickt im Wind. Die Antirutschmatten sind allerdings im Schrank verschwunden. Das Wasser ist weder türkis, noch klar. Wahrscheinlich liegt dies nur an den heftigen Regenfällen der letzten Tage. Auch fehlen die palmengesäumten Strände. Um das Prädikat ‚paradiesisch‘ zu bekommen, muss optisch noch etwas an der Insel gearbeitet werden. ;-)
Auf Mangareva wohnen 1.500 Menschen, die meisten entlang des Ufers in der Ankerbucht. Durch den Ort führt eine Betonstraße, die nach einem Kilometer in Sand übergeht. An der Hauptstraße liegen ein paar Geschäfte mit Konserven, Keksen, Reis und Fertigsaucen im Angebot. In den Kühltruhen liegen ganze Tiere. In einem Sack erkenne ich ein undefinierbares Bein von massiven Ausmaßen. Besser den Deckel wieder schließen, nicht dass man noch auf die Oma stößt. In anderen Truhen gibt es gekochten Schinken und Speck in typischen Blister-Packungen. Die Läden sind penibel aufgeräumt, die Dosen sauber aufgestapelt und mit Preisen beschriftet. Die Preise sind lustig. Ein direkt aus Frankreich importierter Camembert kostet 12 Euro. Das Angebot ist schmal, vor allem gibt es kein Obst oder Gemüse. Zwiebeln und Knoblauch sind die einzigen Frischeartikel. Wir müssen zur Gendarmerie, um einzuklarieren. Der junge Franzose (er wird in Gambier ein, zwei Jahre arbeiten und sich dann nach Martinique versetzen lassen) ist super nett und bringt tapfer seine paar Englischbrocken an den Mann. Wir sprechen ja leider beide kein Französisch, sind ihm daher sehr dankbar für seine Hilfe. Es gilt ein (kurzes) Formular auszufüllen. Das war’s, schon sind wir fertig. Eine Kopie dieses Formulars müssen wir mit der Post nach Tahiti schicken. Dieser analoge Postweg kommt uns relativ unsinnig vor, da die Gendarmerie über einen Scanner, PC und Internet verfügt. Heute , am Freitag, hat die Post sowieso schon geschlossen, also erledigen wir das am Montag.
Die Post ist auch der einzige Ort wo man Geld tauschen kann. USD in Landeswährung. Euro werden trotz ‚Mutterland‘ Frankreich nicht akzeptiert. Eine Bank oder einen Automaten gibt es nicht. Somit bleibt uns ein Internetzugang zunächst verwehrt: kein Geld, kein Internet. Der größte Supermarkt – ohne Super – hat einen Internetzugang, den man benutzen darf, wenn man dort einkauft. Das Netz soll sehr langsam sein, ein berittener Bote hätte die Nachricht schneller überbracht, so heißt es. Das selber zu testen, darauf werden wir nun noch drei Tage warten müssen.

Tag 3 ==> Gambier – Die Ankunft

Do., 14.Mrz.19, Franz.Pol/Gambier/Insel Mangareva/Rikitea, Tag 1747, 17.385 sm von HH
Bis Mitternacht bleiben wir beigedreht bei konstant 6 Windstärken. In fünfzehn Stunden werden wir nur 26 Meilen nach Norden getrieben. Weil beim Beidrehen das Vorsegel auf der falschen Schiffs-Seite steht, will das Vorschiff nach rechts und das Heck nach linkssegeln, was unterm Strich keine Fahrt bedeutet. Eine Segelrichtung kann man sich dabei leider nicht aussuchen, denn das System funktioniert nur, wenn der Wind von der Seite kommt. Das Beidrehen fühlt sich komisch an. Windgeräusche und die fauchenden Wellen passen nicht zur Geschwindigkeit. Es fühlt sich an als ob wir durch bremsenden Schaum segeln würden. Inklusive Schräglage durch den kräftigen Wind und Wellen, die an die Bordwand klopfen. Unterm Strich besser als aktiv auf uns ab zu segeln, aber trotzdem zermürbt uns das ‚auf-der-Stelle-segeln‘ etwas. Reine Kopfsache.
Die zweite Nachthälfte segeln wir dann wieder auf die Gambier Inseln zu. Der Sonnenaufgang entfällt. Tiefe Regenwolken hängen am Himmel. Ab und an regnet es. Sehr ungemütliches Wetter. Am Horizont tauchen die Inseln auf. Dunkelgraue, steile Kegel vor hellgrauem Himmel. Einzelheiten sind im Nieselregen nicht zu erkennen. Bei Schietwetter ist auch ein Südseeatoll nur eine graue Katze. Dann passieren wir das Saumriff, was die Inseln umschließt. Ich hatte mir immer vorgestellt, dass dahinter der Schwell aufhört und eine blau-blau-blaue Lagune droht, die Netzhaut zu zerstören. Was für ein Irrtum. Das Wasser hat Nordseequalität. Ich stehe am Ruder. Das hat sich bei uns so etabliert, dass ich meistens die Anfahrten übernehme (da kann man prima das Weib beschuldigen, wenn man aufläuft… :lol: ). Ein echter Glückstag für Achim. Er hockt hinter der Sprayhood im Trockenen. Ich stehe mittlerweile im strömenden Regen und mir haut eine Welle ordentlich Salzwasser ins Gesicht. Was ich seit Ecuador, über viertausend Meilen auf offenem Ozean verhindern konnte. Alles fühlt sich nach Dänischer Südsee an. Alles sieht nach dänischer Südsee aus. So haben wir uns das nicht vorgestellt. Ich finde, so langsam muss sich Fortuna die Frage gefallen lassen, wo sie denn geblieben ist.
Der trockene Achim vergleicht OpenCPN Daten mit unseren Navionics Plotterdaten. Die Einfahrt zum Ankerplatz ist betont. Sehr gut betont, muss man sagen. Französisch Polynesien gehört zu Frankreich und da haben die Französen mit EU-Geldern (??) gute Arbeit geleistet. Die Angaben in den Karten stimmen beide nicht. Durch die Betonnung müssen wir aber nicht so schwer schwitzen. Nach 2,5 Stunden erreichen wir happy unseren Ankerplatz. Außer uns liegen weitere zehn Schiffe hier. Alte Bekannte darunter. Da sagen wir Morgen ‚hallo‘. Heute geht es früh ins Bett. Die erste Nacht ohne Schwell seit über drei Monaten. Das wird eine schöne Nacht.

Tag 2 ==> Gambier – Südseeträume/Südseepläne

Mi., 13.Mrz.19, Pazifik, Tag 1746, 17.181 sm von HH
Gambier? Gambier wo? Bis wir uns mit der Osterinsel-Pitcairn-Route beschäftig haben, hatten wir noch nie von den Gambier Inseln gehört. Jetzt sind sie der logische Weg auf unserem weiteren Weg in die Südsee. Das kleine Atoll (grad mal 30 km Durchmesser) gehört zu Französisch Polynesien und ist die östlichste Inselgruppe im Südpazifik. Polynesien, der Inbegriff für die Südsee. Sofort hat man die Bilder von Gaugouin vor Augen, leicht bekleidete Schönheiten mit melancholischem Blick. Französisch Polynesien besteht aus fünf Inselgruppen, die sich auf 4,5 Millionen Quadratkilometer Wasserfläche verteilen (die Größe von Westeuropa). Die Landfläche macht dabei grade mal acht Prozent aus. Das bekannteste Archipel sind wohl die Gesellschaftsinseln mit den Inseln Tahiti, Bora Bora und Moorea. 14 Inseln, geprägt durch schroffe Bergflanken, üppig bewachsen, bis zweitausend Meter hoch. Meistens von einem Ringatoll umschlossen, was die türkisfarbenen Lagunen bildet. Hier dürfte die Touristenhochburg der Südsee liegen.
Noch östlich davor liegen die Tuamotus. Auf eine Länge von fast zweitausend Kilometern verteilen sich 77 Atolle mit Inseln und Inselchen. Diese sind alle flach und ragen maximal drei Meter über den Meeresspiegel hinaus. Die Tuamotus sind bekannt für hervorragende Tauchspots und für eine Million verschiedener Türkistöne.
Die dritte Gruppe sind die Marquesas. Zwölf bergige Inseln ohne schützendes Ringatoll, aber von bestechender Pracht. „Die Luft ist wie Balsam mit einem zarten Hauch von Blütenduft, man fühlt es fast wie einen Schmerz, so vollkommen ist die Schönheit“, stellte Jack London fest. Die Inseln der Marquesas auseinander zu halten, ist eine Herausforderung: Nuku Hiva, Hiva Oa und Ua Huka, um nur drei Namen zu nennen.
Die kleinste Gruppe sind die Austral-Inseln, etwas abgeschlagen im Süden-Westen, nicht auf der klassischen Route, daher selten besucht.
Vor uns liegen nun die Gambier Inseln. Eng beieinander, wie in keinem anderen Archipel, werden 14 Inseln von einem Ringatoll eingeschlossen. Das verspricht ruhiges Wasser, weil der Pazifik-Schwell draußen bleibt.
Noch ist Zyklon-Saison im Pazifik. Zyklone sind das gleiche wie Hurrikane, haben hier nur einen anderen Namen. Sie können noch zerstörerische Stärken als im Atlantik entwickeln. Die Gambier Inseln gelten als Zyklon sicher. Das ist das Gute an dem Trick über die Osterinsel in die Südsee zu segeln. Man kann die Saison um zwei Monate verlängern. Ab Mai können wir uns dann frei bewegen. Leider nur bis November, dann müssen wir aus der Südsee wieder verschwunden sein oder uns ein Zyklon-Loch suchen, wo wir sicher vor den Wirbelstürmen sind. Wie unsere Route genau aussehen wird, wissen wir noch nicht. Die Möglichkeiten sind mannigfaltig, leider die Entfernungen riesig. Und hinter Französisch Polynesien liegt ja noch der Rest der Südsee: Fidji, Cook-Islands, Tonga und viele weitere Inselgruppen. :shock:
Als erste Schwierigkeit zeigt sich überhaupt die Gambier Inseln anzulaufen. Die letzte Nacht war toll. Dauerhaft 6 Windstärken, wir donnern durch die Dunkelheit. Zweifach gerefftes Groß und kleines Vorsegel bringen einen Schnitt von 6 Knoten auf die Straße. Der Wind kommt achterlich.Wir geben alles, aber vergeblich. Im Morgengrauen geht dann die Rechnerei los. Schnell ist klar, es fehlen uns zwei Stunden, damit wir noch bei Tageslicht ankommen. Unter keinen Umständen fahren wir im Dunkeln in ein Südseeatoll. Also Tempo raus und 15 Stunden Zeit schinden. Na, super, 55 Meilen vor dem Ziel – wegen 2 lächerlicher Stunden. Es ist jetzt das zweite Mal, dass wir super Streckenwind nicht nutzen können. Ärgerlich.
Zum Reffen haben wir nicht mehr viel. Damit bekommen wir nicht genug Speed aus dem Kahn. Auf und ab segeln klingt ebenfalls nicht verlockend bei 22 Knoten Wind. Also versuchen wir unseren neuen Lieblingstrick. Wir drehen bei. Klappt prima. Seit acht Stunden treiben wir mit 1,5 Knoten langsam dem Ziel entgegen (also halbwegs dem Ziel entgegen – Kurs 10 Grad, Ziel 340 Grad). Heute Nacht nehmen wir dann irgendwann wieder Kurs auf. Jetzt darf uns nur nicht in ein paar Stunden der Wind einschlafen. Soll er aber nicht, sagt die Vorhersage. Es dürfen noch Wetten abgegeben werden. :mrgreen:
Tagesmeilen: 109, noch 45 to go, direkter Weg.

Tag 1 ==> Gambier – Auf zu neuen Ufern

Di., 12.Mrz.19, Pazifik, Tag 1745, 17.181 sm von HH
Heute leben übrigens noch 50 Menschen auf Pitcairn. Viele sind direkte Nachkommen der Meuterer. Viel frisches Blut ist in den letzten 230 Jahren nicht dazu gekommen. Zwölf polynesische Frauen, sechs polynesische Männer und neun Meuterer flüchteten 1790 auf die Insel. Die Engländer hatten sich auf Tahiti jeweils eine eigene Frau mitgenommen, während die Polynesier sich drei Frauen teilen mussten. Als die Frau des Schmiedes John Williams starb und er sich einfach eine Frau der Polynesier nahm, kam es zum Streit. Die Polynesier töteten Williams, Fletscher Christian und drei weitere Meuterer. Diese Tat zog weitere Gewalttaten nach sich, so dass nach vier Jahren nur noch zehn Frauen, vier Meuterer und deren Kinder übrig waren.
Zwei Meuterer verfielen dem Alkohol, den sie aus der zuckerhaltigen Wurzel der Keulenlilie brannten. Der eine stürzte von den Klippen, der andere wurde gewalttätig und wurde von Young und Adams umgebracht. Young erlag 1800 einer Krankheit. Zurück blieb John Adams, der ein gottesfürchtiger Mann wurde, den Alkohol verbat und angesehenes Oberhaupt der Inselgemeinschaft wurde.
1814 wurde die Insel von zwei englischen Kriegsschiffen wieder entdeckt. Die beiden Kapitäne waren so von der friedlichen Atmosphäre angetan, dass die es als ‚einen Akt der Grausamkeit‘ angesehen hätten, den letzten, verbliebenen Meuterer nach England mitzunehmen. 1829 verstarb er auf Pitcairn eines natürlichen Todes.
Trotz Cruiser (die kommen ja nicht an Land, hehe) und ca. 50 Segelbooten im Jahr, ist die Insel eine der isoliertesten der Welt. Ohne Flughafen gelangt man nur mit dem Versorgungsschiff, was dreimal im Jahr vorbei kommt, nach Pitcairn.
Wie ein Backenzahn ragt der Felsen aus dem Wasser. Hübsch anzusehen mit seinen schroffen Klippen und dem dichten Bewuchs. Die Klippen sind dreihundert Meter hoch, fallen steil ab zum Meer und sind ebenfalls komplett begrünt. Der einzige Einschnitt, den wir entdecken konnten, ist die Bounty Bay.
Während wir flott vorwärts kommen (Schnitt 5 Knoten – also keine Flaute), lecken wir unsere verpasste Pitcairn-Wunde. In diese Gegend werden wir wohl nie wieder kommen. Zum Trost war es von der Osterinsel zu den Gambiers kein großer Umweg über Pitcairn zu segeln. Die Insel liegt praktisch auf dem Weg. 12 Tage flauer Wind und ausgerechnet am entscheidenden Tag, brist es so kräftig auf. Etwas gemein ist das schon. Ein kleiner Teufel auf unserer Schulter, dem unser Leben und das des Schiffes egal ist, nennt und Feiglinge. Der Engel flüstert: „Ihr habt alles richtig gemacht. Niemand ankert bei zwanzig Knoten auflandigem Wind und zwei Meter Schwell und genießt seinen Landaufenthalt.“
Nebenbei stecken wir schon wieder im Langstrecken-Dreikampf: Schlafen, lesen, essen. Als neue Disziplin ist ein Rätselheft aus dem Jahre 2011 aufgetaucht. Noch in altdeutscher Schrift. :mrgreen: Als Lösungswort wird unter ‚berühmte Schauspielerin‘ Elke Sommer gesucht. Wie alt sind wir eigentlich, dass wir a) diesen Namen überhaupt kennen und b) sogar ein Gesicht dieser Frau vor Augen haben?
Tagesmeilen: 160 (in 30 Stunden), noch 133 to go, direkter Weg.