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Ankern im Urwaldfluss

Fr., 30.Sep.16, Franz. Guayana – Crique Washes, Tag 859, 7.614 sm von HH

Fuer eine Nacht verholen wir uns einen Nebenarm, in den Criques Vaches, weiter flussaufwaerts. Die beiden Nebenfluesse des Maroni sind miteinander verbunden. Fuer Yachten unter zwei Meter Tiefgang ein machbarer Weg.
Die Katamarane und Yachten mit schwenkbarem Kiel waehlen diesen Umweg.

Wir anderen fahren den Maroni hoch. Wie sich hinterher herausstellt, ist keine Stelle flacher als vier Meter gewesen. Eine schoene Option fuer den Rueckweg.

Der Creek in dem wir nun ankern, ist deutlich schmaler als der Erste, vielleicht knapp hundert Meter breit. Dafuer deutlich tiefer. Wir finden keine Stelle zum Ankern unter elf Metern.
Zum Ankern eine schwierige Tiefe, ist doch empfohlen, bis zum Sechsfachen der Wassertiefe Kette zu stecken. Das wuerde einen Schwoi-Kreis von ueber hundert Meter bedeuten.
Da wir aber mit der Tide uns im Fluss mal in diese, mal in jene Richtung drehen, ist nicht ausgeschlossen, dass wir gegen das Ufer treiben koennten.

Ob es dort flacher wird, zu flach fuer uns, ist unbekannt. Wir begnuegen uns also mit weniger Kette. Ist ja nur fuer eine Nacht.

Kommt die Stroemung aus den unendlichen Kurven des Regenwaldes, bringt sie allerlei Gestruepp mit.
Es ist schon lange dunkel, als von der Duplikat eine Warnung an alle erfolgt: sie seien eben von einem kraeftigen Baumstamm geweckt worden. Die Stroemung erreicht locker 2,5 Knoten. Da knallt es schon mal, wird man von einem Stamm getroffen.
Mit Taschenlampe und Pickhaken lauern wir im Dunkeln, ob er auch auf uns zudriftet.
Glueck gehabt, er zieht an uns vorbei. Ruhig und sorgenfrei ist so ein Ankerplatz in der ‚Mitte von Nirgendwo‘ auch grade nicht.

 

Die Ureinwohner von Galibi

Mi./Do., 28./29.Sep.16, Franz. Guayana – Coswine Creek, Tag 851/2, 7.614 sm von HH

Wir liegen noch immer im kleinen Nebenarm vom Maroni. Natur pur um uns herum.
Davide organisiert zum Nachbunkern von frischen Lebensmitteln eine Fahrt in den naechsten Ort.

Das ist kompliziert: Von den einzelnen Yachten geht es mit dem Dinghy zur Duplicat. Das ist ein grosser Katamaran. Rick hat sich netterweise bereit erklaert, uns drei Meilen flussabwaerts zum Strand zu fahren. Nur hier koennen wir mit dem Dinghy anlanden.
In drei Fahrten werden alle von der Duplikat mit den Schlauchbooten an Land gebracht.

Ein reservierter Mini-Bus wartet bereits auf uns und 10 km weiter haelt er an einem kleinen Dorf-Supermarkt. Sofort merkt man, dass wir zurueck in Frankreich sind. Mindesten 10 Sorten Kaese, Speck und luftgetrocknete Mettwurst rufen: „kauf mich, friss mich!“ Nach einem halben Jahr Karibik-Shopping erscheint dieser winzige Laden wir das Paradies.

So eine mini Einkaufstour dauert fuenf Stunden, obwohl kaum 20 km Strecke zu ueberwinden sind.

Der Maroni ist Grenzfluss zwischen Suriname und Franzoesisch Guayana.
An beiden Flussufern wohnen die Indianer vom Stamm der Awalayalimapo.
Die gehoeren zur gleichen Sippe und haben das Recht zwischen den beiden Laendern zu wechseln ohne kontrolliert zu werden. Sie haben quasi den Status einer doppelten Staatsbuergerschaft.

Der Haeuptling des Dorfes Galibi auf der Suriname-Seite des Maroni hat uns eingeladen seine Gaeste zu sein und daher duerfen auch wir Suriname betreten ohne Einklarierung.
Allerdings ist diese Sondergenehmigung auf Galibi beschraenkt.

Galibi hat 2.000 Einwohner und bietet fuer die Amerindischen Ureinwohner ein bescheidenes, entbehrungsreiches Leben. Fisch und Reis und Reis und Fisch stellt ihre Hauptnahrungsquelle dar, wie wir beim Mittagessen feststellen duerfen.
Der Kochfisch in Maniok-Sauce ist nicht jedermanns Fall.

Gekocht wird in den meisten Huetten unter freiem Himmel. Eine extra Kochstelle fuer Puett und Pann, Palmenwedel gedeckt oder nur mit Wellblech zusammen gezimmert, steht ausserhalb der winzigen Wohnhaeuser.


Die schlichte Schule ist fuer die Kinder von sechs bis zwoelf. Die Groesseren muessen nach Albina. Dafuer muessen sie um fuenf Uhr mit dem Boot 25 km Flussaufwaerts fahren.
Eine Strasse, die Galibi mit der Welt verbindet, existiert nicht. Zwei Quads stehen dem Ort zur Verfuegung mit denen es moeglich ist ueber eine Sandpiste in das naechste Dorf zu gelangen.

Das Krankenhaus ist noch bescheidener als die Schule. Ernsthaft krank wird man in Galibi besser nicht.
Ausser einer Babywaage und einen Warnschild der WHO, dass man sich besser haeufiger die Haende waescht, gibt es in der Krankenhaus-Huette nichts zu entdecken.

Dafuer existieren drei Kirchen, zwei katholische und eine evangelische. Diese sind aber nicht immer voll. Die Dorfbewohner beschaeftigen sich noch viel mit ihrem eigenen Glauben. Spirituelle Themen werden haeufig von Malcom, der uns durchs Dorf fuehrt, erwaehnt.

Zum Abschluss fuehrt uns die Tanztruppe des Ortes zwei traditionelle Taenze vor. Die Maenner singen zu Trommelklaengen, waehrend die Frauen tanzen. Nette Musik zu einfachen Bewegungen. Fuer uns ist kein Unterschied vom „Schmetterlingstanz“ zum „Kanutanz“ festzustellen. Musik, Gesang und Bewegungen unterscheiden sich nur minimal.
Wir Gaeste werden herzlich aufgefordert beim Tanz mitzumachen.
Da es so einfach ist, lernt man schnell, wie ein Schmetterling zu flattern. ;-)

 

Tag 7 -Die Wende

Mo., 26.Sep.16, Franz. Guayana – Coswine Creek, Tag 849, 7.614 sm von HH Die Wende tritt am Nachmittag ein. Was wir nicht zu hoffen wagten, passiert. Der Wind dreht, wie vorhergesagt, auf Nord-Ost. Wir koennen unseren Ziel-Kurs anlegen. Groooossartig! Wenn man nun seine Nachtwache nach vier Stunden Schlaf antritt, haben wir zwoelf Meilen geschafft und nicht nur vier. Ein gutes Gefuehl. Die Meckerei hat ein Ende. Es stoert auch gar nicht, dass wir noch immer total lahm sind. Das Wichtigste ist, dass nun die Richtung stimmt. Der Wind wird kontinuierlich schwaecher und schlaeft morgens um 5:00 Uhr komplett ein. Fast moechte man sagen, zum Glueck. ;-) Wir bergen die Segel und fahren die verbliebenen 50 Meilen unter Maschine zum Ziel. Wir und unsere Schweizer Mitsegler koennen uebrigens keine Freunde bleiben. Die verlieren frueher die Nerven und motoren nachts an uns vorbei. :cry: Wir ueberschreiten die Ziellinie 500 Meter hinter ihnen. Als Letzte. Wir haben 409 sm segeln duerfen fuer eine Strecke von grade mal 202 sm. Eine geile Quote fuer eine Crew, die lieber ankert als segelt. :mrgreen: Dafuer haben wir 137 Stunden gebraucht, was uns eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 2,9 Knoten beschert. Richtig uebel ist die Betrachtung des Durchschnitts auf die Distanz: 1,47 Knoten. Das macht 2,7 km/h. Weniger als Schrittgeschwindigkeit. Das Segeln eine traurige Art der Fortbewegung ist, war uns schon laenger klar. Die Worlddancer (schon seit zweit Tagen vor Ort) nimmt uns liebevoll in Empfang. Es gibt Kaffee, Kuchen und ein heiss ersehntes Anleger-Bier. Noch sagt Achim, dass er das nie, never ever, niemals, unter keinen Umstaenden wiederholen wuerde. Auch beim dritten Bier bleibt er fest dieser Meinung. Wir kippen noch ein paar Rum-Punsch oben drauf. Hilft nicht. Schoen trinken klappt in diesem Fall nicht. Mir geht es etwas anders. Ich fand die Sache so schlimm nicht. Die Bedingungen waren mehr als moderat. Kaum mal Wind ueber 20 Knoten. Kein Regen, keine Squalls. Dass es nicht gut vorwaerts ging, war nervig, aber wir haben es vorher gewusst. Schlimmer finde ich es, wenn Wind und Stroemung ueberraschend gegen uns sind. Wir liegen nun in einem Nebenarm vom Maroni, dem Coswine Creek. Irgendwo in der endlosen Weite des Dschungels. Morgens wecken uns Voegel und anderen Stimmen aus dem Urwald. Idyllischer geht nicht. Mal sehen, wann beim Skipper das Vergessen einsetzt. ;-)

„Haette ich das vorher gewusst…

So., 25.Sep.16, Atlantik, Tag 848, 7.440 sm von HH …dann haette ich das nicht gemacht!“ toent es aus dem Funkgeraet. Urs klagt Achim ueber UKW seinen Frust. Der nickt eifrig Zustimmung: „Ich auch nicht.“ Tja, Jungs, so ’ne Rally is halt nix fuer Pussies. Die So’ham ist uns weiterhin auf den Fersen. Nach zwei Tagen Abstand rueckt sie wieder auf eine knappe Meile an. Schoen, so ein geteiltes Leid. Wir freuen uns, dass wir so nah beieinander sind. Unsere sinnlose Kreuzerei schlaegt komische Blueten. Achim hat tief aus der Bord-Bibliothek ‚Fahrtenyachten besser trimmen‘ gekramt. Hochwichtig wird studiert, ob unserem schwimmenden Wohnwagen nicht ein wenig mehr Performance zu entlocken ist. Das sieht schlecht aus. In dem Buch ist die Rede vom Achterstag-Spanner: haben wir nicht. Den Traveler benutzen: geht nicht, schon ewig bemaengelt, unserem Traveler fehlen die notwendigen Endstuecke, um ihn wirklich zu nutzen. Gibt es nicht mehr nachzukaufen. Unterliek wahlweise spannen oder loesen: geht beim Grosssegel ebenfalls nicht, da das Unterliek in eine Schiene eingespannt ist. Toll auch der Tipp: „Lagern sie den Zweitanker und Kette im Salon.“ ;-) Dass wir auf der Backbordseite mehr Gewicht gestaut haben, wussten wir. Beeindruckend zu sehen, dass sich das hoch am Wind tatsaechlich auf die Segeleigenschaften auswirkt. Nichts zu wollen. Mehr Geschwindigkeit oder Hoehe ist aus unserem alten Maedchen nicht raus zu holen. Unser Wendewinkel von 130 Grad (wenn’s gut laeuft, sonst auch schon mal 140 Grad) treibt uns die Traenen in die Augen. Beim Fruehstueck ueberlegen wir welches Schiff wir gegen Atanga eintauschen wuerden. Zwei Stueck fallen uns ein bei denen wir schwach werden wuerden. Bis wir auf Details zu sprechen kommen. Schnell ist das Thema Schiffstausch wieder vom Tisch. Wer will schon ein Boot, was gute Segeleigenschaften, viele Fenster, geringen Tiefgang und einen modernen Kuehlschrank hat? Die letzten 24 Stunden hatten wir mehr Wind, bis 20 Knoten. Nuetzlich ist das nicht, wir fahren einfach nur schneller unsere Dreiecke ab. Unser Luvgewinn ist zum Pulsadern oeffnen, grad mal 30 Meilen. Die Windrichtung ist ebenfalls seit gestern konstant. Konstant schlecht. So segeln wir 50 Grad nach Nord-Osten und mit 180 Grad kommen wir nach Sueden zurueck. :cry: Unser Zielkurs lautet 120 Grad. Bitte nicht lachen….

Tag 5 – Hai Alarm

Sa., 24.Sep.16, Atlantik, Tag 847, 7.440 sm von HH Die Stimmung an Bord ist weiterhin gut. Obwohl vom Skipper das erste mal kam: „…das habe ich vorher gewusst…“ und „ich bin mir sicher, dass Du zuerst die Idee mit der Rally hattest!“ Die Phase der Vorwurfe ist eingelaeutet. :mrgreen: Bei Windstaerke drei ist alles easy. Eine vorhandene Windwelle ist schnell verschwunden und mit alter Duenung haben wir es nicht zu tun. Ausgiebige Salzwasser-Duschen am Heck liegen drin. Dabei habe ich heute einen Hai angelockt. Offensichtlich gefiel ihm das Klatschen des Eimers im Wasser. Bei jedem neuen Wurf kam er wieder naeher ran geschwommen. Schoen! :-) Darauf haben wir schon lange gewartet, mal einen Hai neben dem Schiff zu haben. Ein kleiner Spaddel von 1,20 Meter Laenge. Vielleicht ein Schwarznasenhai. Achim bekommt einen neuen Haarschnitt (mit einer Schermaschine, sonst haette er wohl doch noch ’ne Schere im Kopf) und alle Luken sind geoeffnet. Das sorgt fuer Abkuehlung in der Koje. Bei 30 Grad ist es, selbst wenn man verheiratet ist, nicht so angenehm in die feuchtwarme Hoehle des Vorschlaefers beim Wachwechsel zu krabbeln. Diese Phasen wechseln sich mit Windstaerke fuenf ab. Schnell gibt es eine Welle von vorn, die das Leben ungemuetlich macht. Der Abwasch ging gestern nur zu zweit. Zu sehr sind die Teller gehuepft und geschliddert. Dann merkt man deutlich, was es heisst gegen den Wind zu kreuzen. Es bleibt dabei, wir kommen nicht wirklich voran. Unsere Kurslinie sieht aus wie die Fieber-Kurve eines im Delirium befindlichen Wahnsinnigen. Entsprechend schlecht ist die Bilanz der letzten 24 Stunden. Grad mal 35 sm Distanz zum Ziel haben wir gut machen koennen. Am Nachmittag haben wir noch einen guten Nord-Ost, Staerke 5, der uns halbwegs parallel zur Kueste bringt. In der Nacht geht uns dann allerdings der Platz aus. Wir drohen an Land zu zerschellen. Also muessen wir eine Wende gefahren. Der neue Kurs lautet genau Nord mit Tendenz nach Westen. Dahin, wo wir her kommen. Da wird man dann bekloppt vorm Plotter. :evil: Der Vormittag schenkt uns einen neuen Wind, wir koennen genau Ost anlegen. Das ist gut. Allerdings merken wir jetzt schmerzhaft die Stroemung, die uns bislang seitlich vertrieben hat. Die drueckt genau auf die Nase, so dass wir statt 4 Knoten nur 2,5 ueber Grund schaffen. Ueber Mittag dreht der Wind erneut. Ein paar Schlenker spaeter um einige Fischer herum, haben wir seit einer Stunde den perfekten Kurs. Der Wind, man mag es nicht glauben, kommt wie vorher gesagt aus Nord-Nord-Ost. Dass erste Mal, dass wir unseren Kartenkurs segeln koennen. Langsam, aber in die richtige Richtung. P.S. Die (lahme ;-) ) So’ham treibt sich auch noch in der Naehe herum. Funkkontakt konnten wir nicht herstellen, aber wir meinen durchs Fernglas gesehen zu haben, dass sie nur mit Gross-Segel unterwegs sind. Dafuer gibt koennte es einen schlimmen Grund geben: der Motor laeuft mit. äüöß