Archiv der Kategorie: Karibik

Zwei Blocks weiter

Fr., 25.Aug.17, Kolumbien/Santa Marta, Tag 1182, 11.850 sm von HH

Hören wir jetzt bereits das dritte Mal.
Egal wo wir fragen: „Zwei Blocks weiter“, lautet die Antwort. Mal werden wir nach rechts geschickt, mal nach links. Wir laufen im Kreis.

Wir sind mitten im Geschäftsviertel der Einheimischen. Die Calles mit den chromglänzenden Supermärkten und aufgeräumten Geschäften haben wir hinter uns. Hinterm Markt glänzt es nicht.

 

Unterhaltung während der Wartezeit beim Herren-Friseur

Unterhaltung während der Wartezeit beim Herren-Friseur

Wir sind auf der Suche nach einem Laden für Bäckerei Zubehör. Eine Internet-Info sagt, dort soll es ganz hinten, unterm Tresen Roggenmehl geben.
Ich wollte Roggenmehl im Koffer nach Kolumbien schmuggeln, wurde aber von Achim rein gelegt. Täglich schmolzen die zur Verfügung stehenden Kilos dahin. Mal kam er mit Edelstahl-Ersatzteilen für unser Rigg, mal mit Kabeln oder Revierführern an. Außer für ein paar Sonnenblumenkörner war für kulinarische Produkte kein Platz mehr.

Der Kolumbianer ist einfach freundlich. Aber kann er nicht zugeben, dass er keinen Plan hat, wo der Laden zu finden ist? Nein, er schickt uns fröhlich zwei Blocks weiter.
Nach einer Stunde im Kreis werden wir fündig. Endlich landen wir in der Bäckerei-Zubehör-Straße. Gleich mehrere Läden liegen neben einander.
Ich finde den beschriebenen Tresen.
Roggenmehl? Nein, das gibt es nicht.
Wann es wieder rein kommt, weiß man nicht.

Ein Geschäft weiter gibt es tonnenweise Sonnenblumenkerne. Na prima, ausgerechnet davon hatte ich zwei Kilo im Gepäck. Zum Preis in Deutschland gekauft, was sie hier kosten.
„Habt ihr vielleicht Roggenkörner?“, frage ich. „Was ist das?“, fragen die beiden verdutzen Herren. Ähnlich wie der Weizen in dem Sack da drüben, nur eine andere Pflanze.
„Ah si, si. Jawohl haben wir.“

Freundlich ist er ja der Kolumbianer. Aber einfach mal zugeben, dass er keinen Plan hat…Sesamsaat will er mir als Roggen unterjubeln. :lol:

Ich bemühe jetzt noch mal das Internet. Irgendwo wird schon Roggen in Santa Marta aufzutreiben sein. Vielleicht zwei Blocks weiter.

Kinder Überraschung, Rocher und Atanga

Mi., 23.Aug.17, Kolumbien/Santa Marta, Tag 1180, 11.850 sm von HH


Was haben wir gemeinsam? Ende der Sommerpause. ;-)

Gestern mitten in der Nacht sind wir planmäßig in Santa Marta angekommen.
Atanga sieht, abgesehen von einer mega Staubschicht, gut aus. Keine besonderen Vorkommnisse, alles am rechten Platz.

Wir durften insgesamt vier Gebäckstücke á 23 Kilogramm mitbringen.
Eine Zollkontrolle, die uns Sonnenblumenkerne, Mehl und Kürbiskerne hätte abnehmen dürfen, gab es nicht. So ist jetzt unsere Aufgabe 90 Kilo Zeug gleichmäßig im Schiff zu verteilen. :roll:
Zwei Kilo Schokolade liegen bereits ganz unten im Kühlschrank. Geplant ist, dass das bis Jahresende halten soll.

Der Taxifahrer am Flughafen in seinem Mini-Auto war ganz cool.
Alle Gepäckstücke aufs Dach, ein Tüttelband drum, fertig. Da bin ich gleich wieder verliebt in Südamerika. Nichts ist kompliziert, keine Über-Reglementierung, wie in Deutschland.

Wir hatten trotzdem eine tolle Zeit in Good Old Germany.

Lieben Dank an alle, die wir getroffen haben oder auch nur telefoniert haben.
Die uns Unterschlupf gewährten, danke fürs Grillen und Auto leihen. Danke für Eure Überraschungen, Eure Geschichten und dass wir uns gesehen haben.
Cool auch von einem Stammleser im Restaurant erkannt und angesprochen zu werden (nächstes Mal gibt es ein Autogramm :lol: )
Und besondere Grüße an Jay Jay – nächstes Mal muss das mit einem Treffen aber klappen, damit Du Deine Fragen persönlich los werden kannst.

 

Atanga macht Ferien

So., 29.Jul.17, Kolumbien/Santa Marta, Tag 1155, 11.850 sm von HH

Wir machen Urlaub und fliegen Morgen für drei Wochen nach Deutschland.

Sobald wir zurück sind, geht es hier in gewohnter Weise weiter.
Ich habe nach wie vor viel Vergnügen unsere „Abenteuer“ mit Euch zu teilen.

Es warten der Panama-Kanal und der riesige Pazifik auf uns.
Also, ich würde mich freuen, Euch alle hier wieder zu treffen.

Bis dahin, Ahoi.

Damit die Wartezeit nicht zu lang wird, hier noch das neueste Video über unsere Mexiko-Rundreise.

 

‚Ciudad Perdida‘ – Tag 5 – Finale

So., 23.Jul.17, Kolumbien/Sierra Nevada de Santa Marta, Tag 1149, 11.850 sm von HH

Ausschlafen. Zum letzten Abschnitt der Strecke brechen wir erst um 7:00 Uhr auf.
Nur noch knapp vier Stunden liegen noch vor uns. Ein weiterer Halbtagsjob und der Trip ‚Verlorene Stadt‘ ist vollbracht.

Die steilen Matschwege vom ersten Tag sind abgetrocknet, das Laufen ist mühelos, sieht man von der üblichen Schufterei ab, steil bergauf klettern zu müssen. Meine Blase ist gut versorgt und lässt mich halbwegs in Ruhe. Das nahe Ende zieht.

Um 11:00 Uhr haben wir es dann geschafft.
Ciser gratuliert. Nicht nur mir, der lahmen Ente. Es sind ernstgemeinte Worte der Anerkennung. Diesen Treck würde nicht jeder schaffen (mir fällt grad die Oma ein) und wir könnten ein wenig stolz auf uns sein. :-)

Foto-Finish

Foto-Finish

Unser Fazit.
Das Essen ist ausgezeichnet. Schmackhaft und sättigend.
Umso mehr, wenn man bedenkt, dass jede Tomate und Papaya auf Maultieren die gesamte Strecke transportiert werden muss. Reis oder Kartoffeln mit Linsen oder Erbsen, Huhn oder Fisch, auch mal Rind. Etwas Salat an der Seite.
Vegetarier und Allergiker können extra Wünsche anmelden und bekommen sie sogar erfüllt.

Der heimliche Held dieser Wanderung ist unser Koch.
Wir haben bei ‚Expotour‘ gebucht (260 EUR übrigens pro Person) und die nehmen zu jedem Camp ihren eigenen Koch mit. Er ist dafür verantwortlich, dass die Leute ohne Durchfall durch die Tage kommen.
Der arme Kerl steht bereits um 3:30 Uhr auf, bereitet alle drei Mahlzeiten zu und muss so nebenbei noch die Strecke laufen. Der 21 jährige Bengel ist dabei noch gut gelaunt und aufmerksam. Großartiger Typ.

Während der Wanderung gibt es in den Pausen Berge an Obst und zum Nachtisch immer einen kleinen Schokoriegel oder Kekse. Wer keinen Kaffe zum Frühstück mag, bekommt heiße Schokolade. :-)

Meinen Rucksack mit seinen maximal 5,5 Kilo konnte ich gut tragen.
Trotzdem haben Achim und ich immer zuerst mein Wasser getrunken. Jedes Gramm, was fehlt, ist ein gutes Gramm.

Frische Klamotten für jeden Tag werden überbewertet. Damit sollte man sich nicht abschleppen. Meine lange Unterhose hatte ich nur zum Schlafen eingepackt, bin damit dann aber auch zum Essen und Frühstück gegangen. :shock:
Dort saß die Hose in guter Gesellschaft von zweifelhaften Leggings, Pluder- und Schlafanzughosen. Einen Spiegel bekommt man fünf Tage nicht zu Gesicht.

Lange Beine und Ärmel sind überlebenswichtig wegen der Moskitos. Sonst wird man lebendig gefressen. Achim und ich haben zwei Flaschen ‚Mücken-Schutz‘ (‚Off Amazonic‘ und ‚Selvatic Ultra‘) verbraucht. Beides hat gut geholfen und wir sind jeder mit einem Dutzend Stiche davon gekommen.
Insbesondere oben in der ‚Verlorenen Stadt‘ wird man auch tagsüber gefressen, wer da nicht aufpasst, der sieht dann so aus.
Nicht das einzige paar Beine, was so zerstochen war.

Die gefürchteten Bett-Wanzen können nicht bestätigen. :-)

Der Nationalpark ‚Tayrona‘ wirbt mit Fürsorglichkeit: Man wolle aus der ‚Ciudad Perdida‘ kein zweites ‚Machu Picchu‘ machen und die täglich zugelassenen Personen seien limitiert.
Leider können wir das nicht bestätigen.

Die Strecke und die Camps sind zu voll. Zwar verlieren sich im Laufe des Tages die Menschen, aber die Versorgung ist das Problem. Die vielen Mulis (und Menschen) treten die Wege kaputt. Die Erosion hat bereits vielfach unwiderruflich die Wege zerstört.

Die sanitären Anlagen reichen für die zahlreichen Gäste ebenfalls nicht. Es wäre sehr wünschenswert, wenn man das gesetzte Limit wieder einhalten würde.

Würde ich es wieder machen? Nein! Es war sehr schön und eine echte Erfahrung. Trotzdem nein!
Zum einen, weil ich es ja nun schon gesehen habe, zum anderen weil diese Tour mein persönliches Limit war. Tag zwei wird mir lange im Gedächtnis bleiben.
Wanderung im Busch, ja – gerne wieder, Übernachten in ‚urigen‘ :lol: Camps, ebenfalls ja, aber 15 Kilometer am Tag die Berge hoch und runter kraxeln, nein.

Achim kommt bei der Tour irgendwie besser weg.
Der ist fit wie ein junger Hund durch den Wald gehechelt. Total ätzend.
Hoffentlich hört er nicht zu rauchen auf, dann macht er sowas in Zukunft im Dauerlauf. :mrgreen:

‚Ciudad Perdida‘ – Tag 4 – Es wird einfacher

Sa., 22.Jul.17, Kolumbien/Sierra Nevada de Santa Marta, Tag 1148, 11.850 sm von HH

Noch im Dunkeln wache ich auf.
In Camp 3 gibt es keine Notbeleuchtung für den Weg zur Toilette. Es ist stockfinster.
Neben mir schläft ein junger Mann aus Kolumbien in ‚Björn Borg‘ Unterwäsche. :lol:
Achim hat das Bett über mir.

Gegen Morgen verebbt langsam das Froschkonzert, was uns die gesamte Nacht unterhalten hat. Glühwürmchen leuchten in den Büschen. Der nahe Fluss donnert mit Getöse vorbei.

Frösche - selten zu sehen, ständig zu hören

Frösche – selten zu sehen, ständig zu hören

 

Die Klamotten vom Vortag sind noch nass. Das letzte trockene Shirt muss her.
Mein einziger BH riecht wie der einer anderen Frau. Einer sehr bösen, alten Frau.

 

Gestern Abend konnten sich die Gruppen-Mitglieder entscheiden, wer die Tour nach vier Tagen beenden möchte. Achim und ich bleiben bei fünf Tagen. Beschert uns das heute einen freien Nachmittag. Für mich klingt das wie die Vorhalle zum Himmel.

Alle anderen gehen den harten Weg.
Außer den jungen Australier Simon und Sonja. Die allerdings bleiben nur, weil sie keine Unterkunft in Santa Marta haben und der Preis für vier oder fünf Tage Wanderung identisch ist. Und natürlich die Oma. Die ist kaputt gespielt und reitet auf dem Muli die Tour zu Ende.

Auf meine eitrige Blase kommt ein ’normales‘ Pflaster, das Ciser versucht mit Tape zu sichern. Ob es hält? Ich werde sehen. Erneut müssen wir durch Flüsse waten.

Start, wie immer, um 6:00 Uhr. Die beste Zeit des Tages.
Wir sind vielleicht noch auf 600 Höhenmeter. Um 9:00 Uhr wird es heiß.

Die Aussicht bereits mittags am Ziel zu sein, bringt Schwung in meine müden Beine.
Natürlich bin ich trotzdem das Schlusslicht (mit der Alten hinten war das irgendwie besser).
Die Hacke schmerzt. Ich komme einer weiteren Lebenslüge auf die Spur – Ausdauerläufer, die behaupten: „Nach einer Weile spürst Du den Schmerz gar nicht mehr“.
Blödsinn. Es zwickt vom ersten bis zum letzten Meter.

Rechtzeitig zum Mittagessen erreichen wir das Camp der ersten Nacht.
Die ‚anderen‘ sind schon weiter. Begleitet von Ciser. Unglaublich, er kommt noch vor der Dunkelheit zu uns zurück. Mal eben 14 Kilometer am Nachmittag abgespult. :shock:

Bei Sonnenschein sieht das Camp gleich viel freundlicher aus. Ein fauler, erholsamer Nachmittag für uns. Das Leben ist doch noch schön.