Archiv der Kategorie: Nereid’s Rally

„Haette ich das vorher gewusst…

So., 25.Sep.16, Atlantik, Tag 848, 7.440 sm von HH …dann haette ich das nicht gemacht!“ toent es aus dem Funkgeraet. Urs klagt Achim ueber UKW seinen Frust. Der nickt eifrig Zustimmung: „Ich auch nicht.“ Tja, Jungs, so ’ne Rally is halt nix fuer Pussies. Die So’ham ist uns weiterhin auf den Fersen. Nach zwei Tagen Abstand rueckt sie wieder auf eine knappe Meile an. Schoen, so ein geteiltes Leid. Wir freuen uns, dass wir so nah beieinander sind. Unsere sinnlose Kreuzerei schlaegt komische Blueten. Achim hat tief aus der Bord-Bibliothek ‚Fahrtenyachten besser trimmen‘ gekramt. Hochwichtig wird studiert, ob unserem schwimmenden Wohnwagen nicht ein wenig mehr Performance zu entlocken ist. Das sieht schlecht aus. In dem Buch ist die Rede vom Achterstag-Spanner: haben wir nicht. Den Traveler benutzen: geht nicht, schon ewig bemaengelt, unserem Traveler fehlen die notwendigen Endstuecke, um ihn wirklich zu nutzen. Gibt es nicht mehr nachzukaufen. Unterliek wahlweise spannen oder loesen: geht beim Grosssegel ebenfalls nicht, da das Unterliek in eine Schiene eingespannt ist. Toll auch der Tipp: „Lagern sie den Zweitanker und Kette im Salon.“ ;-) Dass wir auf der Backbordseite mehr Gewicht gestaut haben, wussten wir. Beeindruckend zu sehen, dass sich das hoch am Wind tatsaechlich auf die Segeleigenschaften auswirkt. Nichts zu wollen. Mehr Geschwindigkeit oder Hoehe ist aus unserem alten Maedchen nicht raus zu holen. Unser Wendewinkel von 130 Grad (wenn’s gut laeuft, sonst auch schon mal 140 Grad) treibt uns die Traenen in die Augen. Beim Fruehstueck ueberlegen wir welches Schiff wir gegen Atanga eintauschen wuerden. Zwei Stueck fallen uns ein bei denen wir schwach werden wuerden. Bis wir auf Details zu sprechen kommen. Schnell ist das Thema Schiffstausch wieder vom Tisch. Wer will schon ein Boot, was gute Segeleigenschaften, viele Fenster, geringen Tiefgang und einen modernen Kuehlschrank hat? Die letzten 24 Stunden hatten wir mehr Wind, bis 20 Knoten. Nuetzlich ist das nicht, wir fahren einfach nur schneller unsere Dreiecke ab. Unser Luvgewinn ist zum Pulsadern oeffnen, grad mal 30 Meilen. Die Windrichtung ist ebenfalls seit gestern konstant. Konstant schlecht. So segeln wir 50 Grad nach Nord-Osten und mit 180 Grad kommen wir nach Sueden zurueck. :cry: Unser Zielkurs lautet 120 Grad. Bitte nicht lachen….

Tag 5 – Hai Alarm

Sa., 24.Sep.16, Atlantik, Tag 847, 7.440 sm von HH Die Stimmung an Bord ist weiterhin gut. Obwohl vom Skipper das erste mal kam: „…das habe ich vorher gewusst…“ und „ich bin mir sicher, dass Du zuerst die Idee mit der Rally hattest!“ Die Phase der Vorwurfe ist eingelaeutet. :mrgreen: Bei Windstaerke drei ist alles easy. Eine vorhandene Windwelle ist schnell verschwunden und mit alter Duenung haben wir es nicht zu tun. Ausgiebige Salzwasser-Duschen am Heck liegen drin. Dabei habe ich heute einen Hai angelockt. Offensichtlich gefiel ihm das Klatschen des Eimers im Wasser. Bei jedem neuen Wurf kam er wieder naeher ran geschwommen. Schoen! :-) Darauf haben wir schon lange gewartet, mal einen Hai neben dem Schiff zu haben. Ein kleiner Spaddel von 1,20 Meter Laenge. Vielleicht ein Schwarznasenhai. Achim bekommt einen neuen Haarschnitt (mit einer Schermaschine, sonst haette er wohl doch noch ’ne Schere im Kopf) und alle Luken sind geoeffnet. Das sorgt fuer Abkuehlung in der Koje. Bei 30 Grad ist es, selbst wenn man verheiratet ist, nicht so angenehm in die feuchtwarme Hoehle des Vorschlaefers beim Wachwechsel zu krabbeln. Diese Phasen wechseln sich mit Windstaerke fuenf ab. Schnell gibt es eine Welle von vorn, die das Leben ungemuetlich macht. Der Abwasch ging gestern nur zu zweit. Zu sehr sind die Teller gehuepft und geschliddert. Dann merkt man deutlich, was es heisst gegen den Wind zu kreuzen. Es bleibt dabei, wir kommen nicht wirklich voran. Unsere Kurslinie sieht aus wie die Fieber-Kurve eines im Delirium befindlichen Wahnsinnigen. Entsprechend schlecht ist die Bilanz der letzten 24 Stunden. Grad mal 35 sm Distanz zum Ziel haben wir gut machen koennen. Am Nachmittag haben wir noch einen guten Nord-Ost, Staerke 5, der uns halbwegs parallel zur Kueste bringt. In der Nacht geht uns dann allerdings der Platz aus. Wir drohen an Land zu zerschellen. Also muessen wir eine Wende gefahren. Der neue Kurs lautet genau Nord mit Tendenz nach Westen. Dahin, wo wir her kommen. Da wird man dann bekloppt vorm Plotter. :evil: Der Vormittag schenkt uns einen neuen Wind, wir koennen genau Ost anlegen. Das ist gut. Allerdings merken wir jetzt schmerzhaft die Stroemung, die uns bislang seitlich vertrieben hat. Die drueckt genau auf die Nase, so dass wir statt 4 Knoten nur 2,5 ueber Grund schaffen. Ueber Mittag dreht der Wind erneut. Ein paar Schlenker spaeter um einige Fischer herum, haben wir seit einer Stunde den perfekten Kurs. Der Wind, man mag es nicht glauben, kommt wie vorher gesagt aus Nord-Nord-Ost. Dass erste Mal, dass wir unseren Kartenkurs segeln koennen. Langsam, aber in die richtige Richtung. P.S. Die (lahme ;-) ) So’ham treibt sich auch noch in der Naehe herum. Funkkontakt konnten wir nicht herstellen, aber wir meinen durchs Fernglas gesehen zu haben, dass sie nur mit Gross-Segel unterwegs sind. Dafuer gibt koennte es einen schlimmen Grund geben: der Motor laeuft mit. äüöß

Tag 4 – Auf der Kreuz!

Fr., 23.Sep.16, Atlantik, Tag 846, 7.370 sm von HH ‚Auf der Kreuz‘ ist ein Segelbegriff und bezeichnet, dass man im Zickzack seinem Ziel entgegen segelt. Bei ‚auf der Kreuz‘ steckt das Problem schon im Namen. Nicht umsonst ist das Kreuz Symbol fuer das Leid Christi, ja einer ganzen Religion, geworden. ‚Ein Kreuz, ein Leid, ein boeses Weib‘, klingt ebenfalls nach Problemen. ‚Es ist ein Kreuz mit dir‘ ist nicht der Auftakt zum Flirt. Und nie, niemals hoerte ich jemanden sagen: „Friede, Kreuze, Eierkuchen.“ Wir muehen uns voran. Verbliebene Reststrecke noch immer 135 sm. Bedeutet, dass wir seit gestern 45 Meilen gut gemacht haben. Wahnsinn. :cry: Aber gibt es da nicht die Witze ueber die Schweizer? Dass sie so langsam seien? Kein Klischee ist so doof, dass es nicht fuer etwas gut waere. ;-) Heute Morgen taucht am Horizont wieder die So’ham auf. Weiss der Himmel, wo die die letzten zwei Tage gesteckt haben… Diesmal naehern wir uns auf Rufweite an. Die Bilder, die Urs (noch so ein Klischee :mrgreen: ) von uns mit dem iPad macht, koennten gleich per ‚blue tooth‘ rueber geschickt werden. Fast wie die Nadel im Heuhaufen, dass wir uns nach 72 Stunden am gleichen Platz befinden. Nach der Foto-Session wird schnell klar: wir sind schneller. Wir koennen etwas mehr Hoehe segeln und sind eine Mikro-Seemeile schneller. Klischee erfuellt! Es duerfen weiter Witze ueber die langsamen Schweizer gemacht werden. Diese Erkenntnis schmaelert das Kreuz mit der Kreuz ein wenig.

Tag 3 – Wer war’s?

Do., 22.Sep.16, Atlantik, Tag 845, 7.288 sm von HH Wer war’s? Wer hatte nochmal die Idee mit der Rally? Die Frage haeuft sich grade wieder. Dazu bekommt die Rally unflaetige Attribute, wie Kotz-Rally und Kack-Rally. :mrgreen: Dabei gibt es keinen Grund zu meckern. Wir haben genug zu Essen und zu Trinken, die Sonne scheint, keine Squalls, die uns aergern, keine Gewitter oder Tropenschauer. Wir haben Zeit, uns geht es gut. Waeren da nicht ein paar haessliche Details: Wir sind seit 48 Stunden unter Segeln und haben 140 sm gesegelt. Als ob das nicht Jammer-Grund genug waere, kommt erschwerend hinzu, dass die ueberbrueckte Distanz zum Ziel grad mal 90 sm betraegt. Unsere kuerzeste Strecke in vier Stunden sind sagenhafte 9 sm. Alles was wir brauchen ist Geduld. War der erste Tag noch gepraegt von Kaffefahrt-Gemuetlichkeit auf plattem Meer, ist es damit seit 24 Stunden ebenfalls vorbei. Wir haben knapp 20 Knoten Wind mit entsprechender Welle von vorn. Das gibt Schraeglage plus Stampfen. Gemuetlich geht anders. Da wird das Schlachten eines Kuerbis zum Kampf mit den Fliehkraeften. ;-) In der Nacht haben wir gerefft, hatten somit nicht mal was von dem kraeftigeren Wind. Hoch am Wind kommt unsere Wind-Herta nicht so gut klar, meine ich zu beobachten. Im Morgengrauen habe ich die Faxen dicke. Reff raus und Chefin geht selber ans Ruder. Faehrt man zu hoch am Wind (also zu sehr gegen den Wind) verliert man Geschwindigkeit. Will man Tempo, verliert man gegebenenfalls ein paar Grad Luvgewinn. Nach drei Stunden habe ich keine Lust mehr zu steuern. Die Wind-Herta muss wieder ran. Schade nur, dass zwischen meiner und ihrer Kurslinie kein Unterschied festzustellen ist. :shock: Dann scheint sie wohl doch klar zu kommen. UKW-Funk und AIS zu anderen Rally-Teilnehmern sind laengst abgebrochen. Auch unsere langsamen Schweizer scheinen auf und davon zu sein. Wir wittern sie im Umkreis von fuenf Meilen. Nur zur Worlddancer und Duplicat hat Achim ueber Amateurfunk Kontakt. Die Worlddancer hat weiter draussen ihr Glueck versucht und ist auf den AEquatorialen Gegenstrom gestossen. Das ist ein kapitaler Gegner. Er kommt ihnen mit einem Knoten entgegen. :mrgreen: Uns behindert nur der Ebbstrom an der Kuestenlinie. Ein unkontrollierbarer Gegner. Mal versetzt er uns seitwaerts, mal schiebt er, mal kommt er von vorne. Warum er grundsaetzlich weniger schiebt als behindert, muss man andere Maechte fragen. Wir koennen im Augenblick machen was wir wollen, ueber drei Knoten im Schnitt kommen wir nicht hinaus. Unser GPS sagt, dass wir uns mit 1,5 Knoten aufs Ziel zubewegen. Macht nicht, sind ja nur noch 180 sm. Wir sind ja noch jung, wir haben Zeit. Tracker fuer unsere Route und die der anderen: share.findmespot.com/shared/faces/viewspots.jsp?glId=0n27oRarnetMoglfIvUVxj6eankyKBgNA

Tag 2 – Es besteht noch Hoffnung

Mi., 21.Sep.16, Atlantik, Tag 844, 7.232 sm von HH Wir haben seit heute Morgen Gesellschaft. Im Morgendunst taucht vor uns die So’ham auf. Da unsere Schweizer Mitstreiter nicht bei der Fischernetz-Aktion gewartet haben, sondern 2,5 Stunden Vorsprung haben, darf man behaupten: wir sind schneller! :-) Bis auf eine Meile naehern wir uns an, dann driften wir durch verschiedene Kreuzschlaege wieder auseinander. Die Nacht ueber bis in den Mittag hinein, haben wir schlaffe drei Windstaerken und troedeln mit drei Knoten im Schnitt vor uns hin. Unser Kurs lautet 100 Grad und plus/minus kommt aus der Richtung der Wind. In der Nacht waren wir kuestennah und haben gemerkt, dass der Wind dem Land folgt und recht noerdlich kommt. Das hat uns ein paar Stunden einen sehr guten Ostkurs beschert. Diese Strategie wollen wir heute Nacht ebenfalls verfolgen. Jetzt hat es auf Staerke vier bis fuenf aufgefrischt. In zwei Stunden ist es dunkel und mal sehen, ob heute Nacht das gleiche passiert. Auf dem AIS blitzen ab und an die Signale unserer Mitsegler auf. Frust pur. Die Atla ist bereits 50 sm vor uns und ein 4er Trupp Segler um die 30 Meilen. Wir setzten unsere Hoffnung nun auf die, vielleicht, langsamen Schweizer Kollegen. ;-) Tracker fuer unsere Route und die der anderen: share.findmespot.com/shared/faces/viewspots.jsp?glId=0n27oRarnetMoglfIvUVxj6eankyKBgNA