Wie geht es jetzt weiter?

Do., 11.01.2018, Panama/Shelter Bay, Tag 1321, 12.404 sm von HH

Als erstes können wir uns mal glücklich schätzen: wir sind gegen Blitz-Einschlag versichert. Sogar ohne Selbstbeteiligung. Spätestens jetzt wissen wir, dass es sich lohnt, einen weltweiten Versicherungs-Schutz abzuschließen.

Bereits bei unserer Ankunft in der Marina ist uns klar, unser geplanter Aufenthalt von einer Woche ist Geschichte. Die Marina hat Puff-Preise (über 50 USD pro Tag plus Internet plus Strom) und kaum eine Yacht bleibt lange hier.
Wir haben keine Wahl und buchen uns trotzdem direkt für drei Monate ein und erleben eine Überraschung: Die Rabatte sind enorm, 22,50 USD pro Tag sind erträglich.

Unser Glück hält an: In der Marina gibt es Rudi. Rudi ist Holländer, in Elektro-Arbeiten die ‚Number One‘ vor Ort und wohnt drei Stege weiter. Letztes Jahr hat Rudi vier verblitzte Yachten gerichtet.
Rudi ist dem zuständigen Sachverständigen unserer Versicherung bekannt und wird von ihm akzeptiert, uns bei der Reparatur zu helfen.

Vor die Reparatur hat der liebe Gott die Schadenermittlung gelegt.
Jedes defekte Teil muss aufgelistet werden. Ob ein Teil wirklich defekt ist, zeigt sich nicht unmittelbar. Nehmen wir unser UKW-Funkgerät, was uns noch so brav hierher geleitet hat. Es läuft noch und wir können funken, aber verbindet Achim eine GPS-Antenne mit dem Gerät, so wird keine Position mehr angezeigt. Der sichere Beweis, dass das Gerät doch einen Schaden mitbekommen hat.

Häufig bestehen Geräte aus mehreren Komponenten, wie zum Beispiel der Autopilot. Das Bedienteil sagt keinen Ton, wenn man es anschaltet. Ob die dahinterliegende Steuereinheit noch funktioniert, kann man ohne Instrumenten-Display nicht sagen. Ständig sieht man Achim mit Stirnlampe und Multimeter in der Hand durchs Schiff laufen. Ströme messen. Rückwände aufschrauben. Nach Schmauchspuren suche und durchgebrannten Platinen forschen.

Der Multimeter-Mann

Der Multimeter-Mann

Milimeterkleine Defekte - hier weggesprente Kabel

Milimeterkleine Defekte – hier weggesprente Kabel

Welches Teil er auch anfasst, es hat einen weg. Bei der Ankerwinsch ist das Relais durchgeschmort. Beim Wassermacher ist die Vorpumpe defekt. Beim Laderegler für den Windgenerator hat es die Sicherung pulverisiert.

Die schlimmste Arbeit ist es eine Tabelle zu erstellen, mit allen defekten Geräten und Komponenten. Herauszufinden, welches Gerät als Ersatz in Frage kommt, wo wir es bestellen können und was es kostet.
Diese Tabelle besteht schon jetzt aus einer Unmenge an Einzelposten. Ein Wahnsinns-Akt an Internet-Recherche. In Panama gibt es kaum etwas auf Lager zu kaufen. Alles muss bestellt werden und kommt aus den USA oder Europa. Es existieren Dutzende Händler, Marine-Ausstatter und Elektronik-Lieferanten, jedoch alle ohne Ladengeschäft.

Aus dieser Tabelle wird Rudi einen Kostenvoranschlag erstellen, sein Arbeitsaufwand kommt dazu und dann muss nur noch die Versicherung nicken. Vorher möchte sie, dass ein Sachverständiger den Schaden begutachtet. Wieder dieses Glück: In der Marina wohnt Thorsten. Thorsten ist Deutscher und Bootsbau-Ingenieur. Er wird von unserer Versicherung als Sachverständiger akzeptiert.
Thorsten macht gerade Urlaub auf den San Blas Inseln, wird aber in ein paar Tagen hier erwartet.

Ein Gedanke zu „Wie geht es jetzt weiter?

  1. Martin

    So einfach ist das mit der Überspannung durch Blitzschlag alles nicht. Es kann durchaus sein, dass eine Halbleiterstrecke einen Teilschaden und das Gerät jetzt noch funktioniert. Später kann dann der volle Durchbruch auch bei normalem Betrieb erfolgen. Genau aus diesem Grunde werden bei der Produktion in der Industrie EMV-Schutzmaßnahmen peinlich genau befolgt.

    73 Martin

    Antworten

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