Über die Barre in den Rio Chone

Mo., 11.Juni 18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1471, 13.337 sm von HH

Die Nacht verbringen wir im sogenannten ‚waiting room‘ am Anker. Bereits nach wenigen Minuten ist klar, warum der ‚waiting room‘ nicht Ankerplatz genannt wird. Es ist nämlich gar kein Ankerplatz – die Dünung vom Pazifik rollt ungebremst auf uns zu. Wir haben mehr Seegang als auf der gesamten Tour. Bei Ebbe kommt die Strömung aus dem Fluss und wir liegen unglücklich mit dem Heck gegen die Wellen. Der Druck ist so enorm, dass ein 16 mm Tampen wie ein Bindfaden reißt. Dieser Tampen hält unsere Ankerkralle, besser gesagt, hielt unser Ankerkralle, denn nun liegt sie auf dem Meeresboden (Eine Ankerkralle dient dazu, den Zug der Kette von der Winsch zu nehmen und sie somit zu entlasten. Die Kralle wird in ein Kettenglied eingehengt und der Tampen am Bug des Schiffes belegt. Nun wird ein Stück Kette herausgelassen, so dass die Kette in einer Bucht lose und ohne Zug auf der Ankerwinsch liegt).

Über Funk melden wir uns in der Marina ‚Puerto Amistad‘. Dort haben wir eine Boje reserviert. Gene, der Chef der Marina schickt uns Ariostos als Lotsen. Eine Stunde vor Hochwasser können wir in den Chone rein. Aber Ariostos ist nicht zufrieden: „Heute stehen ungewöhnlich hohe Wellen vor der Flussmündung. Ihr müsst bis Hochwasser warten.“ Über Handy steht er in Kontakt mit seinen Kollegen in einem kleinen Motorboot. „Wie hoch sind die Wellen? Okay, jetzt soll es los gehen.“

Ariostos übernimmt das Ruder. Die Wellen werden durch abnehmende Wassertiefe immer steiler. Sie heben uns sacht an und nehmen uns im Surf mit auf ihren Weg. 6 Knoten, 7 Knoten, fast 8 Knoten Speed bekommen wir auf die Logge. Ariostos tut cool: „Alles gut!“
Als wir die flachste Stelle passieren, ist er dann aber auch sichtlich erleichtert: „Perfecto! Todo es perfecto“! Beim Skipper ist eher nichts perfekt, der wischt sich heimlich die feuchten Hände an der Hose ab.

Wir tuckern dann noch eine Meile flussaufwärts. Hinter einer Kurve des Chone liegt Bahia de Caraquez. Eine Marina mit Stegen ist ‚Puerto Amistad‘ nicht. Es gibt Mooringbojen, die als sicher gelten und offensichtlich auch gewartet werden. Hier können wir Atanga beruhigt alleine lassen, wenn wir Landausflüge unternehmen.

Hier noch ein paar Bilder unserer düsteren, sonnenlosen, aber ruhigen Überfahrt:

Hoffnung für eine Stunde, es zieht wieder zu

Hoffnung für eine Stunde, es zieht wieder zu

Fischer kommen morgens zum 'hallo' sagen vorbei

Fischer kommen morgens zum ‚hallo‘ sagen vorbei

Tramper

Tramper

Dusche bei fast Flaute am ersten Tag

Dusche bei fast Flaute am ersten Tag

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.