Tag 19 =>Osterinsel – Wasser Camping

Do., 27.Dez.18, Süd-Pazifik, Tag 1670, 15.222 sm von HH
Im Grunde genommen ist so ein Langstreckentörn wie Campen in einem Zweimannzelt auf einer vom Regen durchgeweichten Wiese während eines Festivals: alles etwas primitiv und schmuddelig. Unseren Abwasch erledigen wir in einer Mikromenge Wasser (ein bis anderthalb Liter). Mehr können wir in unser flaches Abwaschbecken bei Schräglage nicht füllen. Eine echte Fehlkonstruktion auf dem Kahn. Mit so einer kleinen Menge Wasser kann man nicht vernünftig spülen. Stärkehaltige Speisereste, wie Kartoffeln, bleiben unweigerlich an den Tellern haften. Das trocknen wir mit dem Geschirrhandtuch einfach weg. Nach drei Tagen ist das Handtuch steif und nach fünf fängt es an zu müffeln. Ein Quell der Freude sind auch die Anti-Rutschmatten mit denen die Ablageflächen in der Pantry gepflastert sind. An den Farbflecken kann man die Speisefolge der letzten Tage erkennen. Einen Abklatsch-Test würde ich auf den Dingern nicht machen wollen. :lol:
Im Salon liegt dick der Staub. Auf den Laptop Deckel steht Sau geschrieben. Im Cockpit wehen Brotkrümel in die Löcher der Gräting. Dort liegen sie in guter Gesellschaft mit Paprikakernen, verlorenen Reiskörnern und verschütteter Milch. Aus dem Waschbecken Haare fischen, das Cockpit von der Salzschicht befreien und die Pantry halbwegs in Ordnung halten, das liegt grade noch drin. Vor ein paar Tagen habe ich im Salon den Fußboden mit einem Handfeger gefegt. Das ist anstrengender als ein Marathon-Lauf, obwohl es schon echt schaukelfrei war. Der Rest muss bis zur Ankunft so schmuddelig bleiben.
Auch bei dem Mahlzeiten verrohen die Sitten. Mit Messer und Gabel essen, ist die meiste Zeit unmöglich. Eine Hand hält den Teller (wir nehmen meistens Schüsseln, da flutschen die Eier nicht so leicht runter, wenn man mal eine halbe Sekunde nicht aufpasst), die andere Hand hält die Gabel. Brocken, die zu groß für den Mund sind, werden durchgebissen und der überschüssige Rest in die Schüssel zurück fallen lassen. Achim leckt schon mal einen Teller ab. „Du willst doch nicht so viel Sauce im Abwaschwasser haben“, guckt er mich unschuldig an.
Und dann ist da noch die Geschichte mit dem Klopapier. Das sammeln wir in einem kleinen Eimer im Bad. Das Papier aus der Plastiktüte entleere ich dann außen Bords. Natürlich zur windabgewandten Seite. Das hat trotzdem seine Tücken. Man kann den Beutel nicht einfach über die Reling hängen und glauben, dass der brisante Inhalt in die Fluten gleitet. Wie kleine, weiße Drachen fliegt das Papier in die Höhe, gerät in Windwirbel neben dem Schiff und wird geschickt aufs Deck zurück geleitet. Selbst wenn ich mich ganz tief über die Fußreling beuge, gibt es diese Wind-Strudel. Da gilt es, den Kopf flach zu halten. Eine Tätigkeit, die Achim komplett verweigert. Wer einmal gebrauchtes Klopapier von Deck gesammelt hat, der weiß wie Langstrecke schmecken kann. :mrgreen:
Wind und Wellen: In einem konstanten Süd-Ost-Passat von 12 bis 14 Knoten ziehen wir seit über 24 Stunden unsere Bahn. Squalls und Flautengebiete sind verschwunden. Perfektes Segelwetter, möchte ich sagen. Eine Dünung von zwei Meter hebt uns an, um uns im nächsten Wellental sanft wieder abzusetzen. Bei jeder zehnten Woge harmoniert das Zusammenspiel von Welle und Schiff nicht perfekt, dann werden wir garstig auf die Seite gedrückt. Wir haben trotzdem nichts auszustehen. Dazu das blaue Meer mit einem Blau so blau.
Essen: Abendessen: Spaghetti Bolognese Frühstück: Brot mit Salami, Käse und Mortadella Mittag: Bratnudeln mit Ei. Unsere Orangen entpuppen sich als reine Saftorangen. Aus ihrem Saft plus dem einiger Limetten koche ich mit etwas Ingwer einen Sirup. Der kommt als Topping auf Apfelstücke mit Joghurt. Schleck!
Meilen: Tagesmeilen 101 , Rest 515 sm auf direktem Weg. Noch fünf Tage, sagt die realistische Prognose. Vielleicht sechs.

1 thought on “Tag 19 =>Osterinsel – Wasser Camping

  1. Sabine Schäfer

    Hallo ihr Lieben, freue mich jeden Tag darauf von euch zu lesen! Ist doch schon irre, ihr seid so weit weg aber durch eure Berichterstattung doch so nah! Mit jedem Update bin ich jedoch froh hier in meiner Odenwald Hütte zu sitzen! Wünschen euch weiterhin alles gute, prima Segelwetter und baldige Ankunft auf den Osterinseln. Was ist das dann für ein Gefühl wieder festen Boden unter den Füßen zu haben? Haha kommt gut ins neue Jahr! Sabine und Uwe

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