Die brüllenden Vierziger: Einmal Sandstrahlen bitte!

01.-02. März 2026; Australien/Tasmanien/Arthur River; Tag 22-23, Tageskilometer 99, gesamt 1.235 km

Wir stehen an der Mündung des Arthur River. Auf 41° Süd. Am offiziellen „The Edge oft he World“. Wenn man hier nach Westen schaut, kommt erst mal … gar nichts. Dann, nach 15.000 Kilometern, kommt Argentinien. Es gibt auf diesem Breitengrad nichts dazwischen. Kein Inselchen, kein Felsen, kein Sandkorn.

Die Luft, die hier beständig aus Westen kommt, ist so rein, dass man sie ein paar Kilometer weiter in Flaschen abfüllt. Als Referenzluft für Labore. Sozusagen die ‚Nullmessung‘ der globalen Atmosphäre. Außerdem wird die Luft hauptsächlich nach Asien exportiert. In Metropolen mit hoher Luftverschmutzung wie Peking oder Shanghai. Dort wird die „Tasmanian Air“ als Luxusartikel verkauft. Eine Dose enthält etwa 130 bis 140 tiefe Atemzüge.

Die brüllenden Vierziger heißen nicht umsonst so. Wind von 8 bis 9 Stärken sind auch im Sommer an Tasmaniens Westküste keine Ausnahme. Eine übliche Brandung von drei Metern knallt an die ‚Kante der Welt‘.

Wir sind vorbereitet für die Schlacht der Westwinde. In Regenjacken und Mütze gehüllt, stellen wir uns den „Brüllenden Vierziger“. Und dann passiert‘s: Uns bläst eine steife Brise aus Osten in den Nacken. Den Wind haben wir von der Nuss aus Stanley mitgebracht und er hat noch eine Schippe draufgelegt. 45er Böen, manchmal vielleicht sogar noch mehr.

Die südliche Seite vom Arthur River ist steinig Die Brandung wird platt gedrückt vom Wind.

Das Nordufer hat weitläufigen Strand.

Da fliegt einem die Mütze vom Kopf. Etwas später habe ich die Kapuze über die Mütze gezogen. Der Wind hat es geschafft, mir unbemerkt die Mütze unter der Kapuze vom Kopf zu ziehen. Die ist dem Meer übergeben.

Es ist nicht wirklich kalt, wir halten noch an kurzer Hose fest.

Die Szenerie ist absolut wild. Der Strand sieht aus wie ein Mikado-Spiel für Riesen. Überall liegen massive, silbrig gebleichte Baumstämme herum, die der Ozean ausgespuckt hat. Es ist Ebbe. Am Flussufer schaffen wir es, zum Meer zu gelangen.
Aber was ist mit den Wellen? Der ablandige Wind drückt gegen die Brecher und zieht die Wellen regelrecht glatt. Gleichzeitig fliegt der Sand waagerecht über den Strand. Sandstrahlt uns die Beine. Wenn uns heftige Böen erreichen, ist es kaum auszuhalten.
Wir genießen es trotzdem (oder gerade deswegen) – schließlich ist es die sauberste Ost-Brise, die wir je erleben werden.

Wind gegen Welle.

Der fliegende Wind sandstrahlt uns die Beine.

Selbst der Arthur River sieht wild aus.

Zwei Tage keine Touren wegen Ostwind.

Die Nacht verbringen wir auf einem schlichten Campingplatz. Viele Leute kommen hier nicht her.                In Arthur River wohnen 32 Leute. Durchschnittsalter 51. Die Menschen, die hier leben, schätzen offensichtlich die Ruhe und haben vermutlich ein dickes Fell und gute Windjacken.

In der Nacht schläft der Wind ein. Vormittags regnet es. Das sitzen wir im Camper aus. Diesmal mit Salted-Caramel-Küchelchen. Wie versprochen (auf den australischen Wetterbericht ist echt Verlass), ist es trocken am Nachmittag. Wir gehen noch einmal zur Mündung des Arthur Rivers. Ordnungsgemäß kommt der Wind jetzt aus Westen. Die Rückfront vom Sturmtief hat uns erreicht.

Am nächsten Nachmittag kommt der Wind wieder ordnungsgemäß aus Westen und etwas schwächer.

Uns gefällt es riesig.

Eine Tafel mit Gedicht an ‚The Edge of the World‘:
„I cast my gaze toward the west
Across the lonely sea
No island, no land is there
To provide a sanctuary
Only the rolling surf
In its wild and restless play
Until it strikes the shores
Of Argentina, far away.“
Brian Bremner

– Campingplatz 18,00 Euro mit Strom und Dusche

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