01.-02. März 2026; Australien/Tasmanien/Arthur River; Tag 21-22, Tageskilometer 99, gesamt 1.235 km
Wir stehen an der Mündung des Arthur River. Auf 41° Süd. An der offiziellen „Edge oft the World“. Wenn man hier nach Westen schaut, kommt erst mal … gar nichts. Dann, nach 15.000 Kilometern, kommt Argentinien. Es gibt auf diesem Breitengrad nichts dazwischen. Kein Inselchen, kein Felsen, kein Sandkorn.
Die Luft, die hier beständig aus Westen kommt, ist so rein, dass man sie ein paar Kilometer weiter in Flaschen abfüllt. Als Referenzluft für Labore. Sozusagen die ‚Nullmessung‘ der globalen Atmosphäre.
Forscher füllen die Luft in versiegelte Glasflaschen und diese werden im sogenannten „Air Archive“ gelagert. Bereits seit den 70er Jahren.
Damit kann man später historische CO₂-Konzentrationen vergleichen. Methan, Ozon und Aerosole messen und
langfristige Veränderungen der Atmosphäre analysieren.
Außerdem wird die Luft (hauptsächlich) nach Asien exportiert. In Metropolen mit hoher Luftverschmutzung wie Peking oder Shanghai. Dort wird die „Tasmanian Air“ als Luxusartikel verkauft. Eine Dose enthält etwa 130 bis 140 tiefe Atemzüge.
Die brüllenden Vierziger heißen nicht umsonst so. Wind von 8 bis 9 Stärken sind auch im Sommer an Tasmaniens Westküste keine Ausnahme. Eine übliche Brandung von drei Metern knallt an die ‚Kante der Welt‘.
Wir sind vorbereitet für die Schlacht der Westwinde. In Regenjacken und Mütze gehüllt, stellen wir uns den „Brüllenden Vierziger“. Und dann passiert‘s: Uns bläst eine steife Brise aus Osten in den Nacken. Den Wind haben wir von der Nuss aus Stanley mitgebracht und er hat noch eine Schippe draufgelegt. 45er Böen, manchmal vielleicht sogar noch mehr.

Die südliche Seite vom Arthur River ist steinig. Die Brandung wird platt gedrückt vom falschen Wind.

Da fliegt einem die Mütze vom Kopf. Etwas später habe ich mir die Kapuze über die (selbstgestrickte) Mütze gezogen. Der Wind hat es geschafft, mir unbemerkt die Mütze unter der Kapuze vom Kopf zu ziehen. Die ist dem Meer übergeben.
Die Szenerie ist absolut wild. Der Strand sieht aus wie ein Mikado-Spiel für Riesen. Überall liegen massive, silbrig gebleichte Baumstämme herum, die der Ozean ausgespuckt hat. Es ist Ebbe. Am Flussufer schaffen wir es, zum Meer zu gelangen.
Aber was ist mit den Wellen? Der ablandige Wind drückt gegen die Brecher und zieht die Wellen regelrecht glatt. Gleichzeitig fliegt der Sand waagerecht über den Strand. Sandstrahlt uns die Beine. Wenn uns heftige Böen erreichen, ist es kaum auszuhalten.
Wir genießen es trotzdem (oder gerade deswegen) – schließlich ist es die sauberste Ost-Brise, die wir wahrscheinlich je erleben werden.
Die Nacht verbringen wir auf einem schlichten Campingplatz. Viele Leute kommen hier nicht her. In Arthur River wohnen 32 Leute. Durchschnittsalter 51. Die Menschen, die hier leben, schätzen offensichtlich die Ruhe und haben vermutlich ein dickes Fell und gute Windjacken.
In der Nacht schläft der Wind ein. Vormittags regnet es. Das sitzen wir im Camper aus. Diesmal mit Salted-Caramel-Küchelchen. Wie versprochen (auf den australischen Wetterbericht ist echt Verlass), ist es trocken am Nachmittag. Wir gehen noch einmal zur Mündung des Arthur Rivers. Ordnungsgemäß kommt der Wind jetzt aus Westen. Die Rückfront vom Sturmtief hat uns erreicht. Jetzt darf sie auch wieder in Flaschen abgefüllt werden. ![]()

Am nächsten Nachmittag kommt der Wind wie es sich gehört aus Westen. Etwas schwächer. Die Masse ein Treibholz ist beeindruckend. Und schön zu sehen, kein Plastikmüll dazwischen.

Eine Tafel mit Gedicht an der ‚Kante der Welt‘: „I cast my pebble onto the shore of Eternity. To be washed by the Ocean of Time. It has shape, form, and substance. It is me. One day I will be no more. But my pebble will remain here. On the shore of eternity. Mute witness from the aeons. That today I came and stood. At the edge of the World.“ Brian Inder
– Campingplatz 18,00 Euro mit Strom und Dusche

















