Hao

Do., 16.Mai 19, Franz.Polyn./Tuamotu/Insel Hao/d’Optea, Tag 1810, 17.889 sm von HH

Atanga hat eine Leinenverbindung zum Land. Das erste Mal seit 13 Monaten, dass wir einfach von Bord gehen können. Das erste Mal seit 13 Monaten, dass Atanga wirklich ruhig liegt. Auch mal schön, nicht erst ins Dinghy klettern zu müssen.
Wir liegen in einem alten Hafenbecken, das vom französischen Militär errichtet wurde. Hao diente den Franzosen als Stützpunkt, um zu den beiden Atollen für ihre Atombomben-Tests zu gelangen. Vor knapp 20 Jahren zogen die Soldaten ab. Hao sind eine Landepiste, ein Krankenhaus und eben diese kleine Hafenanlage geblieben. Natürlich haben wir keinen Strom- oder Wasseranschluss, aber überdimensionale Poller zum festmachen.
Hinter uns liegt ein Franzose, draußen vor Anker noch ein kanadischer Segler. Das war’s an Touristen auf Hao. Der mitteljunge Mann ist alleine unterwegs; mag mit uns aber nicht wirklich sprechen. Er versteht Englisch, aber wie bei fast allen Franzosen hat seine Muttersprache den so Gaumen verformt, dass er nicht in der Lage ist, eine andere Sprache zu sprechen. :lol:

Atanga und der Franzose

Atanga und der Franzose

 

Fertig zur Fahrradtour

Fertig zur Fahrradtour

Altes Hafenbecken vom französischen Militär zurück gelassen

Altes Hafenbecken vom französischen Militär zurück gelassen

Der Hafen liegt etwas außerhalb vom Dorf, nur noch ein paar Familien wohnen uns gegenüber. Zu Fuß brauchen wir wohl 20 Minuten in den Ort. Sofort sind unsere Räder am Start . Hao ist ein Fahrradparadies. Auf Betonpisten oder festgetrampeltem Korallenschutt ohne die Spur eines Hügels kommen wir bequem voran.
Ungefähr tausend Einwohner leben auf Hao. Es geht deutlich beschaulicher zu als auf Mangareva. Dort stand vor jedem Haus ein dickes Auto, hier geht man zu Fuß oder ist mit dem Rad unterwegs. Die Perlen-Zucht bringt den Gambiers ein gutes Einkommen. Auf den Tuamotus verdienen die Menschen nur Geld durch Kobra-Produktion. Kobra ist das getrocknete Fruchtfleisch der Kokos-Nuss. Auf den unbewohnten Inseln des Atolls erfolgt die Ernte.

Das Dorf ist mindestens genauso adrett und sauber, wie auf Mangareva. Nirgends liegt Müll, den ganzen Tag sieht man jemanden harken oder fegen. Und die Menschen sind zauberhaft. Anders kann man es nicht nennen. Es wird gewunken, gegrüßt und gelächelt. Ein Opa gabelt uns im Dorf auf und zeigt uns die Geschäfte. Dass er kein Englisch kann, stört ihn nicht. Er hält eine dicke Frau in einem Auto an und gibt uns an sie weiter. Er weiß, dass sie Englisch sprechen kann.

Beschauliches Dorfleben

Beschauliches Dorfleben

ohne Autoverkehr

ohne Autoverkehr

 

Auf dem Weg zurück zum Schiff finden wir eine Kokosnuss, die ich mir unter den Arm klemme. Da werden wir von drei junge Frauen angerufen. Aufgeregt winken sie, dass wir zu ihnen rüber kommen sollen. Die drei hocken unter einem Baum und sind dabei Kokosnüsse zu schlachten. Die jungen, grünen Trinknüsse. Meine Nuss wird mir weggenommen. Die drei schütteln fachkundig ihren Kopf, die ist nix. Sie kichern über unsere Dummheit. Ein paar Brocken Englisch helfen bei der Verständigung. Anders als unser französischer Mitsegler scheuen die jungen Frauen sich nicht alles herzu kramen, was sie können.
Sofort haben wir jeder eine geöffnete Nuss in der Hand, die sollen wir probieren. Ein Viertelliter Flüssigkeit steckt in einer unreifen Nuss. Leicht süßliches, etwas kokos-parfümiertes Wasser. Köstlich. Für uns werden mehr und mehr Nüsse geöffnet. Eine weitere sollen wir mit zum Schiff nehmen. Ich laufe schnell zu Atanga, um uns mit ein paar Pampelmusen zu revangieren, während Achim die Mädels unterhält und sich die Tricks zum Öffnen der Nuss zeigen lässt.
Als wir am nächsten Tag Dorothe im Supermarkt wieder treffen, werden wir mit Küsschen rechts und links begrüßt, so als kennen wir uns Jahrzehnte.

Kindertransport auf Polynesisch

Kindertransport auf Polynesisch

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