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Margaritas im Steuerparadies – Ein Silberhochzeits-Upgrade

07. – 16.Jun.26; Vanuatu, Efate, Port Vila; Tag 4.390-99; 29.832 sm total

 Wir liegen noch vor Port Vila. Es gefällt uns hier. Die Leute sind sympathisch und super freundlich. Ausgedehnte Streifzüge durch die Stadt zeigen, nur die Hauptstraßen sind asphaltiert. Bereits in der dritten Reihe endet dieser staubfreie Luxus. Auch eine Dinghyrunde um die Inseln, in deren Schutz wir liegen, zeigt viel Verfall. Was irgendwann durch einen Zyklon zerstört wurde, wartet vergeblich auf einen Wiederaufbau.

Staubige oder schlammige Straßen gleich hinter der Marina. Viel Müll liegt herum in den Straßengräben.

Kreative Abstützung einer neu gemauerten Mauer.

Zyklon-Opfer. Unterhalb der Hauptpromenade liegen geblieben.

 

Im Gegensatz dazu wird die Resort-Insel Iririki direkt hinter uns mit noch mehr Unterkünften zugepflastert. Die Luxus-Inseln und Edel-Restaurants bedienen den Geldadel. Häufig durch ausländisches Kapital finanziert, importieren sie ihre Waren selbst und sichern sich mit eigenen Generatoren gegen einen lokalen Stromausfall ab.

Die kleine Insel ist schon seeeehr voll mit Bungalows. Mehr sollen folgen. Das Hotel gehört zwei australischen Brüdern.

Im Supermarkt stehen prall gefüllte Regale. Neuerdings mit australischen Dips und französischer Salami, während das Nationalmuseum von Vanuatu eine traurige, staubige Ansammlung von Artefakten ist. Unstrukturiert in Schaukästen ausgestellt. Gewellte Fotografien an den Wänden und abgeplatzte Fliesen auf dem Fußboden – alles deutet darauf hin, dass es hier schon oft durchs Dach geregnet hat.
Eine Zwei-Klassen-Realität eines Entwicklungslandes.

Die Vitrinen sind mit einer Folie von innen abgeklebt. Wahrscheinlich UV-Schutz. Dadurch kann man alle Gegenstände und Beschriftungen nur noch schwer erkennen. :roll:

Das wohl staubigste Museum, in dem wir bislang gewesen sind. Es wurde versucht Staub zu wischen. Wie bei uns, wenn ich die Cockpit-Scheiben entsalze.

Das Museum ist winzig. Kostet aber trotzdem 8,00 Euro Eintritt. Nicht gerechtfertigt, wie wir befinden. Vieles erschließt sich uns nur, weil wir schon einiges über Vanuatu gelesen haben.

Ein Foto von 1909 – Ein Ni-Vanuatu mit den gedrehten Hauern eines Ebers, die hier bis heute so begehrt sind.

Für nur rund 150.000 Dollar könnten Achim und ich uns hier eine Staatsbürgerschaft kaufen. In dreißig Tagen wäre der Deal perfekt. Früher war der Vanuatu-Pass der absolute Renner, weil man damit visafrei in die EU einreisen konnte. Interessant für wohlhabende Chinesen, Südafrikaner und andere Nationen mit „schlechtem“ Pass.
Damit ist es vorbei, weil Vanuatu die Pässe reihenweise an Leute vergab, deren Identität und Absichten kaum geprüft wurden. Zudem steht das Land auf der schwarzen Liste für Geldwäsche. Wer den Pass heute kauft, benötigt wahrscheinlich ein steuerliches Fluchtfahrzeug. Fehlende Einkommen- und Vermögensteuer in Vanuatu halten die Pass-Attraktivität weiterhin hoch.

Wir nutzen diese Zwei-Klassen-Gesellschaft aus, um eine Scharte vom letzten Jahr auszuwetzen: als unsere Silberhochzeit total unromantisch bei McDonald’s endete. Alles Liebe zur Silberhochzeit Dieses Jahr soll es besser werden. Wir wählen das Restaurant in der Marina.
Zum Glück geht alles glatt. Freundliche Kellner, Frozen Margarita und ein gelungener „Fish of the Day“. Der Gatte ist gut gelaunt und sogar der Himmel zeigt einen Hauch von rosa Färbung. Kaum zu glauben, vor zwei Tagen sind wir noch auf dem Schiff abgesoffen.
Vanuatu gefällt uns immer besser – und mal ehrlich, was sind schon 150 Tausend Dollar? :lol:

Vor 26 Jahren haben wir ja gesagt.

Ein feiner Aperitif mit Blick aufs eigene Schiff. Der Papierstrohhalm wird Vanuatu nicht helfen. Es liegt relativ viel Müll herum, was wenig Mülleimern geschuldet sein könnte.

Nicht nur Achim hat gute Laune.

Über Geschmack kann man nicht streiten: wer Pommes will, soll welche bekommen. Natürlich ist das Essen für das Preisniveau in Vanuatu viel zu teuer. Das ist auch so ein Phänomen von Entwicklungsländern. Aber der Standard war sehr gut und die fünf (!) verschiedenen Kellnerinnen und Kellner, die wir hatten, ausgesprochen nett.

Es gab sogar Blumen. Lotusblüten.

Was mir auf dem Markt noch gar nicht aufgefallen war: Die Blütenblätter sind alle umgekrempelt – ein sogenanntes „Lotus Folding“. Die Idee stammt aus Thailand, aus buddhistischem Umfeld. Die Marktfrauen in Port Vila haben sich diese Technik abgeschaut.
Lotusblüten verwelken in tropischer Wärme sehr schnell, falls die Knospen überhaupt aufgehen. Das Umkrempeln der Blütenblätter bringt die leuchtenden Staubblätter im Inneren zum Vorschein, lässt die Blume viel größer wirken und sorgt dafür, dass sie als Opfergabe im Tempel tagelang frisch  aussieht.

 

 

 

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