Archiv der Kategorie: Deutschland

„Me time“ für uns beide

Fast 12 Jahre zusammen auf 12 Metern. Daran haben wir uns längst gewöhnt. Im Grunde ist es eine 24/7 Dauerbeschallung mit den Marotten des Anderen. „Warum legt er leere Kekspackungen in den Schrank? Warum kann sie das Kabel nicht am Stecker aus der Dose ziehen?“ Gesprächsstoff, Zündstoff.

Die letzten fünf Jahre waren wir besonders eng beieinander. Die Zeit im Dachzelt. Und dann sind wir auch noch zusammen nach Deutschland geflogen. Weniger Freiraum geht nicht.
„Was ist diese moderne „me-time“? Wir wissen es nicht.

Damit ist Schluss. Ich bin recht kurzentschlossen für knapp vier Wochen in Deutschland. Achim hat das Boot ganz für sich und wehrt potentielle Zyklone ab (grade ist einer in gutem Abstand vorbeigezogen).

Ein Rentner auf Freigang sozusagen. Himmlische Ruhe vor weiblicher Organisation. Kein „Was machst du gerade? Mach doch mal etwas. Lies doch mal ein Buch.“ Achim hat jede Ecke nur für sich. Frühstück um halb zehn, Mittagessen um elf – essen, was er will, wann er will. Beziehungsweise, was er kochen kann. :mrgreen:
Werkzeug liegen lassen? Check! Die dazugehörige Späne ebenfalls. Check! Atanga ist nun meckerfreie Zone. Der Himmel auf Erden.
Er wird es genießen. Diese ultimative Freiheit.
Wie ich hörte, ist die Gitarre bereits in den Salon umgezogen, als ich noch in der Abflughalle saß. „Me-Time“ in Vollendung.

Ich mache in Hamburg, was in Hamburg gemacht werden muss. Freunde besuchen, ein neues Baby bestaunen, einen Toddler nicht wieder erkennen und ein paar Pflicht-Geschichten abarbeiten. Mein Rückgepäck von zweimal 23 Kilo soll nicht ungenutzt verfallen. Das Schiff ist wie immer hungrig.
Das wird meine „Ich-Zeit“. Inklusive Blogpause (ja, Freunde der Sonne, das Leben ist hart).

Den Rentner an Bord muss ich warnen: ich komme wieder. Gewöhn‘ Dich gar nicht erst an das Lodderleben. „Und dass mir die Späne verschwunden ist …“

Wie Achim sich freut.
Dass ich fahre oder, dass ich wieder komme.
Es darf spekuliert werden.

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Helgoland – Besuch am Lummenfelsen

Liebe Ornithologen , leider kann ich nicht wirklich etwas wissenschaftlich verwertbares beitragen, außer, dass es am Lummenfelsen wirklich schoen ist (wenn auch geruchlich extrem intensiv). Die Toelpel haben bei dem leichten Wind nicht wirklich ihre wahren Flugkünste gezeigt, aber sind sind einfach schoen anzusehen. Wir hatten schon einmal das Glück auf Helgoland zu sein, als der Wind eher Sturmstärke hatte und dann zeigen die Toelpel wirklich was sie drauf haben. Selten kann man so elegante Flieger in Natur sehen. Ich finde die Insel immer wieder schoen, auch wenn Bine meine Begeisterung nicht immer teilt. Immerhin konnte ich sie ueberzeugen, einen Tag Länger zu bleiben, bevor wir nach Holland weiterfahren.

Helgoland

 

mit wunderbarem Segelwind, moderat und leicht von achtern, sind wir bei strahlendem Sonnenschein die 36 sm (ca. 70 km) nach Helgoland gereist. Wegen der guten Verhältnisse konnten heute gleich unseren Blister (Leichtwindsegel – die hübsche, bunte Blase, die immer vorne am Bug eines Segelbootes schwebt) einsetzen. Für uns neu war der Bergesack, den wir uns vor der Reise noch gekauft hatten. Das hat aber bestens funktioniert, die 120 qm Tuch in die 17 m lange Hülle zurück zu bekommen.

Als Abrundung für den perfekten Tag hat noch Seehund auf halber Strecke kurz guten Tag gesagt…

 

Nebel des Grauens…

…nach dem wunderschönen Sommertag zieht nun seit einer Stunde eine total dicke Nebelwand über uns hinweg. Kälte legt sich auf uns. Hinter der schützenden Mauer des Hafens hört man die großen Pötte draußen auf der Elbe jede Minute tuten…Joachim, der Scherzkeks, klopft permanent dreimal auf Holz…Nebel des Grauens…(die Älteren unter uns erinnern sich)…unser kleines Heim wird zur Höhle, zum Heim, bietet Schutz und Geborgenheit, Decken werden gereicht…Eine neue Seite zeigt sich nach all den schönen Tagen. Auch schön!

Wir nähern uns der Nordsee

Heute ging es nun endlich weiter, 30 sm (55 km) nach Cuxhaven. Bei strahlendem Sonnenschein, aber wieder kein Wind. Wir sind jetzt fast 60 sm unterwegs und hatten noch nicht einmal die Segel hoch – so wird das nix mit Weltumsegelung… Aber am Montag kommt endlich der Absprung in die Nordsee (=Mordsee). Ich scharre auch schon mit den Hufen… In Cuxhaven haben wir große Wäsche gemacht. Seit zwei Wochen hatten wir entweder wegen Wetter oder mangels Maschine keine Möglichkeit. Jetzt zieren in diesem vereinsgeprägten, ehrwürdigen Hafen T-Shirts, Schlüpfer (männlich und weiblich), BH’s (nur weiblich) unser Deck.8-O