Kategoriearchiv: An Land

Ein Dorf weiter… nach San Cristobal de la Laguna

Mi., 25.Mrz.15, Teneriffa, Tag 298, 2.477 sm von HH

Wir haben uns überlegt, dass wir uns von Teneriffa zunächst mal die nähere Umgebung ansehen.
Das Wetter ist für einen Besuch auf dem Teide einfach zu schlecht, daher muss die Hauptattraktion noch warten.

In Santa Cruz gibt es eine Straßenbahn, die einen in knapp 40 Minuten in das Unesco-Welterbe San Cristobal de la Laguna bringt.
Die beiden Städte sind in den vergangenen Jahren praktisch zusammengewachsen und somit existiert seit 2007 eine Tram, die beide Orte miteinander verbindet.

Da wir vorhaben noch häufiger mit dem Bus zu fahren, kaufen wir uns einen Bono-Bus-Karte.
Im Grunde handelt es sich nur um eine Prepaid-Karte im Wert von 15,00 oder 30,00 EUR, die im Bus und der Tram entwertet werden kann. Mit Bonus-Karte erhält man dann einen Rabatt von 30 bzw. 50 Prozent auf den Fahrpreis, je nach Fahrstrecke.
Zu zweit benötigen wir nur eine Karte, denn diese ist übertragbar.
Erhältlich ist die Karte an vielen Kiosken und natürlich am Busbahnhof. Einfaches System und lohnend bereits ab einer Fahrt in den Süden der Insel. Durch diese Bono-Bus Karte wird das Busfahren wirklich preiswert.

San Cristobal wurde im 16. Jahrhundert geplant und angelegt.
Die zu der Zeit moderne Bauweise einer schachbrettartigen Anlage einer Stadt wurde hier konsequent durchgesetzt. Diese Struktur ist noch weitgehend vorhanden, allerdings wurde viele der ursprünglichen Häuser umgebaut.
Wir finden am schönsten die tollen Innenhöfe mit ihren umlaufenden Balkonen und dem obligatorischen Springbrunnen in der Mitte.


Und es gibt mal wieder ein verfallenes Kloster. Leider darf man es nicht betreten, aber durch ein Gitter können wir ein Kleinod erspähen.
Wunderschön, wie die Statue zwischen den Ruinen und Unkraut hervor schaut.

Ansonsten laufen die Vorbereitungen zur samana santa, zur Karwoche, auf Hochtouren.
In der nächsten Woche wird es in La Laguna täglich mehrere Prozessionen geben.
18 Bruderschaften werden die verschiedensten Skulpturen, Kruzifixe und Christusfiguren durch die Straßen tragen.
Überall auf Teneriffa hängen Werbeplakate, die zum Besuch der heiligen Woche aufrufen.

Kochen an Bord:
Süßes Hühner-Curry mit Banane, Apfel, Ingwer, Kokosmilch.

Villenviertel von Santa Cruz

Sa., 21.Mrz.15, Teneriffa, Tag 294, 2.477 sm von HH

Der sonst übliche Nord-Ost-Wind bleibt auf Nord-West und bringt weiterhin sehr wechselhaftes Wetter mit sich. Eben noch strahlender Sonnenschein und im nächsten Augenblick gießt es wie aus Eimern.
Meine Lieblings-Bauernregel greift mal wieder zu 100 Prozent: „Schient de Sünn op natte Blatt, ward glieks noch mal wer natt.“ :mrgreen:

Aber am Nachmittag zieht s etwas auf und bevor wir einen Bordkoller bekommen,  gehen wir trotz Regengefahr in die Stadt.
Wir kämpfen uns eine der steilen Bergflanken empor, die Santa Cruz von drei Seiten einkesseln.
Eigentlich sollte uns der Weg zu einem Geocache führen, aber ich habe vorher vergessen zu prüfen, dass es am Ende der Villen keine Verbindung zur Straße gibt, die oberhalb der bebauten Siedlung entlangführt.

Somit können wir keinen Schatz heben, sondern uns nur an der tollen Aussicht erfreuen. Die recht herrschaftlichen Villen wirken abweisend und unbewohnt. Hohe Mauern, große Zäune, Sicherheitanalagen, Alarmsysteme wohin das Auge reicht. Der Blick von hier oben ist zwar toll, aber so möchten wir nicht wohnen.

Kochen auf Atanga
Da ich von einigen Seiten gefragt wurde, ob hier an Bord gar nicht mehr gekocht wird, kommt hier die beruhigende Nachricht: Doch, es wird!
Heute hatten wir Rinderleber, Röstzwiebeln mit Röstapfel plus Kartoffelpüree. :-)

 

 

Gran Canaria Süd-West-Tour

Di., 10.Mrz.15, Gran Canaria, Tag 283, 2.421 sm von HH

Das heutige Auto vom Stegnachbarn gemietet, ist sein Sahne-Stück: Ein Rover mit Ledersitzen, Schiebedach, nicht funktionierender AC und das Fenster beim Fahrer klemmt. Und erst 200.000 km auf der Uhr.
Ich fahre heute, komme gut mit der Kiste klar und kutschier uns auf 200 km durch mindestens 2.000 Kurven durch Gran Canaria.

Wir fahren heute nicht allein, sondern nehmen Gabi und Michael  von der Joya mit.
Petra, die dritte der La Joya Crew, muss zu Hause bleiben, da sie einen Spanisch-Kurs absolviert und ja nicht schwänzen will.
Wir haben die Drei bereits auf Fuerteventura kennen gelernt und schon ein paar sehr nette Abende miteinander verbracht.

Über den Norden der Insel, mit viel Landwirtschaft, erreichen wir Agaete.
Dies ist ein sehr hübscher Ort, aber die heutige Attraktion sind definitiv ein halbes Dutzend Leichen am Strand.
Zum Glück leben diese Leichen noch, denn es handelt sich um Komparsen für einen Spanischen ‚Tatort‘, der gerade gedreht wird.
Ein mindestens 100-köpfiges Team wuselt umher. Wahnsinn, was für ein Aufwand für den Dreh eines Filmes betrieben wird.

 

Unser Weg führt uns weiter an der rauen Westseite mit sensationellen Ausblicken. Leider ist es arg diesig und die Fernsicht nicht so super.
Wir kurven durchs Bergland und erreichen Puerto Morgan.
Eine wirklich nett angelegte Marina, sehr touristisch. Neben Maspalomas ist die Region um Puerto Morgan eine weitere Hochburg für Urlauber.
Um für ein paar Kaltgetränke und ein Eis, hier Rast zu machen, ist der Ort wirklich schön.

 

Für unseren Rückweg wählen wir die Serpentinen einmal quer durch die Mitte von Gran Canaria. Diese führen durch die Barranco (Schlucht) de Morgan bis zum Pico Nieves. Diese Schlucht ist wohl die schönste auf Gran Canaria und hinter jeder Kurve liegt ein neuer atemberaubender Blick. Kaum vorzustellen, dass nach Regenfällen, reißende Bäche die Barrancos hinunterstürzen.

Der erste Besuch von Achim und mir auf dem höchsten Berg Gran Canarias war ja durch Wolken etwas sinnbefreit.
Aber dafür haben wir heute Glück, nur über der Meerenge zwischen den Inseln liegt eine dicke Wolkendecke.
Ein spektakulärer Blick auf Teneriffa mit seinem Teide entschädigt für den ersten Besuch.

 

Es ist ein wunderschöner Trip mit extrem netter Begleitung (leider ohne Foto). Michael und Gabi erweisen sich als tolle Beifahrer und Reisebegleiter. Während Achim neben mir schon mal mit bremst, sitzen die beiden hinten total tiefenentspannt. :-)

Wir können das Inselinnere von Gran Canaria uneingeschränkt empfehlen.
Auf den schmalen Straßen durch die steilen Berge herrscht wenig Verkehr, so dass man gemütlich durch die Gegend zockeln kann.
Die Landschaft ist wild und rau, gemildert nur durch die Frühlingsblüher, die um diese Jahreszeit die Berge bunt malen.
Dass Gran Canaria vulkanischen Ursprungs ist, können wahrscheinlich nur Menschen mit geologisch geschultem Auge feststellen. Für uns Laien hat die Erosion der letzten Jahrtausende zu viel verändert.

 

Maspalomas und die Nackten

Mi., 04.Mrz.15, Gran Canaria, Tag 277, 2.421 sm von HH

Um mal für einen Tag der Dauer-Wolke über Las Palmas zu entkommen, fahren wir mit dem Bus nach Maspalomas.
Üblicherweise betreiben wir im Vorwege über unser Ziel etwas Recherche, aber heute fahren wir einfach los.

Wahrscheinlich ist schon nahezu jeder zweite von Euch, liebe Leser, in der beliebtesten Urlaubregion Gran Canarias gewesen und seid in die „Geheimnisse“ der Dünenlandschaft eingeweiht.
Wir laufen ahnungslos in die Falle.

Zunächst gehen wir an den Strand, den wir uns mit noch weiteren „5 Millionen“ Menschen teilen müssen. Da zur Zeit kaum irgendwo Schulferien sind, fehlen komplett die Familien. Es ist schon sehr auffällig, dass die meisten der Touristen 70+ auf der Uhr haben.

 

In den berühmten Dünen wird es zunächst einsam. Nur vereinzelt tut sich das Jemand an, bei 28 Grad durch glühend heiße Sandberge zu stiefeln.
Wie wir hinterher erfahren, soll man auf ausgewiesenen Wegen bleiben, diese sind aber vom Sande verweht und nicht erkennbar.

 

Je weiter wir nach Westen kommen, desto mehr begegnen uns allein wandernde, ältere Herren.
Nackig.
Nur mit Rücksack auf dem Rücken.
Kreuz und quer durch die Landschaft wandernd.
Immer der Nudel nach.

Hm, wir wundern uns.
Wie wir wissen, gibt eine große Schwulen-Community im Süden Gran Canarias, aber so wirken die Kerle nicht.
Wenn einer neu vom Strand dazu kommt, wird kurz angehalten, Büx runter, rein in Rucksack und nackig weiter gelaufen.

Zu Hause lässt uns diese wundersame Ansammlung einsamer Nacktwanderer keine Ruhe. Die Recherche im Internet ergibt die Info, dass es sich um Spanner handeln muss.
Diese sind auf der Suche nach Pärchen, die sich in den Dünen vergnügen und es gerne haben, dabei beobachtet zu werden. Es soll zum Teil zu einem großen Herrenüberschuss kommen, die sich um das Paar im Kreis aufstellen. :shock:

Da haben wir wohl Glück gehabt, dass wir als einzige Touris im Umkreis von 20 km mit langer Hose unterwegs waren (in Las Palmas waren nur 19 Grad).

In der Oberstadt

Mo., 02.Mrz.15, Gran Canaria, Tag 275, 2.421 sm von HH

Der neue Kompressor hatte zunächst Platz im Vorschiff gefunden. Da er dort mit seinen über 40 kg aber für die Balance von Atanga unglücklich steht und schwierig rutschfest gesichert werden kann, hat Achim einen besseren Platz gesucht und gefunden. Er passt so gerade eben unter seine Koje.
Das bis dato dort lagernde Werkzeug, Ersatzteile und weiß der Henker, was noch alles, müssen dann aber umgeräumt werden.
Das bedeutet, dass man keinen Fuß vor den anderen setzten kann und zwei an Bord einer zu viel ist.
Ich flüchte!

Im Internet hatte ich ein Wollgeschäft gefunden und dem statte ich einen Besuch ab.
Wie fast alle Städte am Meer hat auch Las Palmas hinter einem flachen, ebenerdigen Küstenstreifen, Hügel und Berge im Hinterland. Ich wünschte mir manchmal, Ostfriesland wäre überall…
Der Hügel, der sich zwischen mich und das Geschäft in den Weg stellt, ist selbst beim Schieben des Rades einfach nur anstrengend.
Anders als in den Stadtteilen auf Meeresniveau, ist die Oberstadt nicht schachbrettartig angelegt, sondern die Straßen folgen der Topografie der Hügel.

 

Für solche Touren durch die Stadt nutze ich übrigens maps.me.
Diese App ist kostenlos, funktioniert auch offline ganz ausgezeichnet und es sind auch Wanderwege bzw. Fußwege eingezeichnet. Länderweise können Karten heruntergeladen werden.
Kann ich unbedingt empfehlen.
Da ich nun schon mal in der Hochstadt bin, statte ich noch dem Stadt-Friedhof einen Besuch ab.
Dieser ist sehr klein, länger nicht neu bezogen worden und es wird wieder vermehrt in Erdgräbern bestattet. Die nahezu schmucklosen, großen Grabplatten haben einen integrierten Schlitz für Blumen, die in Steckmoos frisch gehalten werden.

Es gibt auch ein paar, ungewöhnlich hohe, Grabnischen.
Die wackeligen Gestelle davor machen auf mich den Eindruck, dass man sich bei Nutzung gleich eines der Gräber reservieren kann. :mrgreen: