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Überraschende Touristen-Schwemme

11. Februar 2026; Australien/Tasmanien/Sunset Beach Holiday Spot; Tag 4, Tageskilometer 60, gesamt 139 km

Von Port Arthur fahren wir in den Fortescue-Nationalpark. Einen Parkpass (56 Euro, für zwei Monate gültig) haben wir gleich bei der Autovermietung mitbestellt.
Bis zum Campingplatz sind es nur achtzehn Kilometer. Davon sind zwölf nicht asphaltiert. Angeblich zwölf Kilometer! In echt sind es dreizehn. Das ist ein Trick. Die meisten Autovermietungen sowohl in Australien als auch in Tasmanien erlauben, nur zwölf Kilometer Gravel Road mit nicht 4×4-Wagen zu befahren. Und das auch nur, wenn der Weg unmittelbar zu einer Sehenswürdigkeit oder einem Campingplatz führt. Bei dreizehn Kilometern ist man als Mieter sofort in der Vollhaftung.

Die Straße ist für alle Fahrzeuge leicht zu befahren. Es staubt nicht mal richtig australisch. Der Fortescue-Nationalpark ist sehr beliebt. Landschaftlich der Hammer und nahe an Hobart gelegen. Und dank der 12-Kilometer-Mogelei für Wohnmobile ebenfalls erreichbar.
Und dann passiert uns, was in Australien in 14 Monaten nur ein einziges Mal vorgekommen ist: Der Platz ist ausgebucht! Keine Chance für uns, dass wir uns irgendwo dazuquetschen. Oh-hah.

13 Kilometer Gravel Road – machbar auch für Wohnmobile. Leider ;-)

Ganz am Rand können wir noch einen Blick auf den Fortescue-Nationalpark erhaschen.

Wir schauen in Wiki-Camps, der Camping-App für Australien, nach Alternativen. Die gibt es an der Küste reichlich. Die Entscheidung fällt auf Maria Island. Eine autofreie Insel. Ebenfalls sehr beliebt und Touristenmagnet.
Ein Blick in das Personenfähren-Buchungssytem sorgt für Ernüchterung. Alle Fährtouren sind für die nächsten sechs Tage ausgebucht. Och-nee.
Die Ferien sind doch vorbei. Was soll das? Wir schlucken die Kröte. Was können wir machen? Nichts! Fortescue und Maria Island streichen wir von der Liste.

Wir suchen uns einen x-beliebigen Campingplatz, um uns neu zu sortieren. Der Camp-Wart legt noch eine Schippe drauf: „Wenn die Ferien vorbei sind, dann kommen die Alten. Die Saison dauert noch mehr als vier Wochen. Und achtet drauf, ein langes Wochenende steht vor der Tür, dann ist alles richtig voll.“ So ein Scherzbold.

Beliebiger Platz direkt am Strand – eine gute Wahl. Der Wind von gestern hat zugelegt, es ist frostig.

Wir haben angenommen, dass Tasmanien noch in einem Touristen-Tiefschlaf steckt. Neuseeland wurde in den letzten zwanzig Jahren überlaufen. Das wussten wir.
Aber wer fährt schon nach Tasmanien? Jetzt wissen wir es: Es sind die Festland-Australier, die zu ihren zweiköpfigen Brüdern kommen. Über 90 Prozent der Touristen sind Aussies.

Wir aktivieren eine Telefonkarte, die wir in einem Gemischtwarenladen kaufen konnten. Aus Erfahrung wissen wir, dass die Buchungssysteme der Campingplätze häufig ‚ausgebucht‘ zeigen, dass aber per Telefon die Lage ganz anders aussieht.

Bei Highlight Nummer drei auf der Ostseite sind wir per Telefon tatsächlich erfolgreich. Das Online-System zeigt ‚voll‘, aber die Dame hat noch einen Platz für uns: „Ohne Wohnmobil kein Thema, wir haben zwei Plätze, die klein sind.“
Wir gratulieren uns zu unserer Karre.
Morgen also Wineglass Bay. Eigentlich ausgebucht! Geht doch.

– Campingplatz 12 Euro ohne Strom

Auto Talk – ein paar Details über unser neues Zuhause

Unser Wagen ist klasse. War die Übergabe auch speziell, so gibt es sonst nichts zu meckern. Mückengaze vor den Fenstern. Alles, was man zum Kochen benötigt, ist dabei. Sogar einen Gurkenhobel und Sparschäler. Ein Starterkit mit Lappen, Müllbeuteln und Geschirrspülmittel. Handfeger und Schaufel.
Die Töpfe sind albern klein. Damit kann man nicht einmal ein Pfund Nudeln kochen. Aber wir sind sehr zufrieden.

Wenn man die vier Stufen hoch klettert, steht man direkt im „Wohnraum“. Kühlschrank, Spüle, Schubladen und Schränke mit Geschirr. Pass gut. Neben dem Kühlschrank eine von zwei Sitzbänken.

Der Blick vom Bett aus: Viel Ablagefläche. Im Schrank darüber finden alle Kleinigkeiten Platz, wie Salz, Öl und so weiter.

Der Tisch vor dem Bett, zum Ausziehen, aber ohne Stütze. Erst dachten wir, das hält gar nicht. Aber die Platte ist sehr lang und sehr dick. Alles fein.

Das Bett ist bequem und lang genug, da wir nicht quer zum Auto schlafen. Gasheizung, 80 Liter Frischwasser und Warmwasseraufbereitung inklusive.
Die Puppenstube ist ein Raumwunder. Unsere Klamotten, Handtücher und persönlichen Sachen sind wir spielend losgeworden. In den Außenfächern lagern bequem die beiden Koffer. Und ein Karton Bier. ;-)

Das Bett. 1,40 Meter breit. Passt gut für uns. Links und rechts sind Klappen mit viel Stauraum-Volumen. Natürlich bekommen wir die Decke nicht wieder so glatt, somit kann man die Schränke rechts und links nur öffnen, wenn man die Decke runterdrückt. Kleinigkeiten.

Die eine Außenklappe. Wie durch ein Wunder passen zwei Kartons aus dem Supermarkt und der Bierkarton genau neben einander. Besser kann man es nicht machen. :mrgreen: Lager für Obst und Gemüse und Konserven.

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Tassie – ein schauriger Start

8. bis 10. Februar 2026; Australien/Tasmanien/Port Arthur; Tag 1 bis 3, Tageskilometer 76

Erst um 22:00 Uhr landen wir in Tasmanien. Macht nichts, unsere Unterkunft weiß über ‚late arrival‘ Bescheid. Eine perfekte Wahl. Ein paar Details dazu siehe unten.***
Die Übergabe vom Auto darf sich nicht Übergabe nennen: ***
Macht nichts, es scheint alles zu funktionieren. Da wir wissen, in welchen Supermärkten wir gut einkaufen können und das Puppenstubenauto komfortabel einzuräumen ist, sind wir bereits drei Stunden später auf der Straße.

Unser würfelförmiges Heim für die nächsten 4,5 Wochen. Nicht länger als ein normaler Geländewagen. Agil und passt überall hin.

Wegen schlechten Wetters im Westen disponieren wir um und düsen nach Osten. Wir wählen Port Arthur, nur 76 Kilometer entfernt. Auf dem Campingplatz kurz ein Schreck: ausgebucht! Da unser Wagen aber so klein ist, bekommen wir noch ein Plätzchen, wo die Dicken schlecht einparken können. Wir buchen zwei Nächte.

Es geht tierisch los!

Erste Tier-Begegnung auf dem Campingplatz – ein Potoroo. Niedliche Kängurus mit sehr kurzen Armen.

Ein Ameisenigel – Echidna

Gelbbauch-Sittich

Zu Fuß gehen wir am nächsten Morgen zwei Kilometer zum Gefängnis. Port Arthur war eines der berüchtigtsten Zuchthäuser des britischen Empires. Heute wirkt es malerisch, verbirgt aber eine dunkle Geschichte psychologischer Experimente. Ein abschreckendes Beispiel, zu welchen Scheußlichkeiten Menschen fähig sind.

Das Hauptgefängnis

Nach dem Unabhängigkeitskrieg in Amerika musste England sich einen neuen Verschiffungsort seiner Gefangenen suchen. Australien lag auf der Hand. Ab 1803 begann der Transport auch nach Tasmanien.
Das größte Gebäude der Anlage von Port Arthur war ursprünglich kein Gefängnis. Es wurde zunächst als Getreidemühle und Speicher gebaut. Da die Mühle jedoch nie effizient funktionierte, baute man sie in einen Zellentrakt für Hunderte Gefangene um.

Der jüngste Insasse war James Lynch. Gerade neun Jahre alt. Er wurde verurteilt, weil er Spielzeug gestohlen hatte. Für diesen geringfügigen Diebstahl wurde er zu sieben Jahren verurteilt. Er war kein Einzelfall. Viele Kinder wurden für das Stehlen von Essen oder Taschentüchern ans andere Ende der Welt verschifft. In Port Arthur  sollten sie durch harte Arbeit „reformiert“ werden. Die psychische Belastung ist für Kinder in diesem Alter kaum vorstellbar. Was für eine Ironie, ausgerechnet eine Getreidemühle – Symbol für Leben und Nahrung – zum Ort für psychologische Folter wurde.

Auch bei erwachsenen Gefangenen setzte man zunächst auf das bewährte Prinzip der harten Arbeit. Die Sträflinge schufteten in Steinbrüchen, Holzwirtschaft oder Schiffsbau. Auspeitschungen waren der Lohn für schlechtes Betragen.

Ehemalig vierstöckig. Zwei Brände haben nur noch die Fassade übrig gelassen.

Die Zellen waren winzig. Achim hätte nicht ausgestreckt darin liegen können.

Reste vom Hospital und Irrenhaus.

Mitte des 19. Jahrhunderts änderte man die Strategie: weg von der Peitsche, hin zur psychologischen Zermürbung. Ein zusätzliches Gefängnis wurde gebaut. Im sogenannten ‚Separate Prison‘ herrschte absolute Schweigepflicht.

Um die Isolation zu perfektionieren, durfte es absolut keine Geräusche geben. Die Wärter trugen über ihren Stiefeln Überzieher aus Filz, damit sie lautlos wie Geister durch die Korridore gleiten konnten. Untereinander kommunizierten die Wärter per Handzeichen. Ein Gefangener wusste nie, ob ein Wärter gerade direkt vor seiner Tür stand und ihn durch den winzigen Spion beobachtete oder ob er allein war. Diese ständige Paranoia, beobachtet zu werden, ohne etwas zu hören, war Teil der Folter.

Grundriss vom ‚Seperate Prison‘.

 

Wenn Gefangene ihre Zellen zum Gottesdienst verlassen mussten, trugen sie Masken aus schwerem Stoff mit Sehschlitzen. Damit sie niemanden sehen oder von jemandem erkannt werden konnten. In der Kapelle saßen die Häftlinge in Einzelboxen, die so konstruiert waren, dass sie nur den Prediger sehen konnten, aber keinen ihrer Mitgefangenen.
Da die totale Isolation viele in den Wahnsinn trieb, wurde direkt neben dem Gefängnis eine Irrenanstalt gebaut.

In Ställen, getrennt von einander durch zwei Meter hohe Wände, durften die Sträflinge im Stehen dem Gottesdienst lauschen. Wahrscheinlich trotzdem eine Wohltat endlich eine menschliche Stimme zu hören.

Der Blick von der Kanzel auf die engen Einzelzellen für die Gefangenen. Es geht doch nichts über barmherzige Priester.

Für die schlimmsten Vergehen innerhalb des Gefängnisses gab es die Dunkelzelle im  ‚Separate Prison‘. Sie war absolut lichtdicht und schallisoliert. Gefangene wurden dort teilweise tagelang in völliger Schwärze und Stille gelassen.
Viele verloren dort nach nur 48 Stunden das Zeitgefühl und den Verstand.

Das Gefängnis wurde 1877 geschlossen.
Kaum waren die Tore geschlossen, kamen die ersten Sightseeing-Besucher. Die Menschen waren fasziniert von den Ruinen und dem Schauer der Vergangenheit. Die Einheimischen begannen schnell, Führungen durch die Zellen anzubieten.

Schon in den 1920er Jahren gab es Hotels und Cafés direkt auf dem Gelände oder in unmittelbarer Nähe. Das ehemalige Wohnhaus des Kommandanten und andere Gebäude wurden als Gästehäuser genutzt.
Heute ist es eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Australiens und gehört seit 2010 zum Weltkulturerbe.

Die Kirche für die Wächter und andere Angestellte der Anlage.

Das Gefängnis Ende des 19ten Jahrhunderts. Port Arthur glich eher einer Stadt. Mit Unterkünften für die Wärter, einer Kirche, Obstgarten und Laundry.

Da viele Gebäude durch Buschfeuer (1895 und 1897) zerstört wurden, wirkte der Ort wie eine romantische, mittelalterliche Ruinenlandschaft, was den Tourismus noch mehr ankurbelt.
Und wir mitten drin. Wir verbringen einige Stunden in dem weitläufigen Gelände. Viele Beschriftungen informieren über Details. Mir gefällt, dass es viele Tafeln mit dem Einzelschicksal namentlich genannter Sträflinge gibt. Somit ist der junge James Lynch heute ein bekannter Name in Australien.

– Campingplatz: 30 Euro mit Strom, Eintritt Gefängnis: 63 Euro für zwei Personen (happig)

 

*** Unsere Unterkunft, das ‚Twelve 30‘, hat bei Booking.com eine 9,8-Bewertung. Das ist außergewöhnlich hoch. Der Preis ist mit 135 Euro pro Nacht kein echtes Schnäppchen, aber da Frühstück enthalten ist und wir von dort aus zu Fuß zur Abholung vom Mietwagen gehen können, fällt die Buchungsentscheidung leicht.

Freitag vor unserem Abflug bekommen wir eine Mail vom Auto-Vermieter, dass Montag die Übergabe nicht nahe dem ‚Twelve 30‘ stattfinden wird, sondern am Flughafen.
Wie blöd sind die denn? Hätten wir das gewusst, dann hätten wir ja ein Zimmer am Flughafen gebucht. Ein Telefonat mit dem Autovermieter kurz vor Feierabend vor dem Wochenende bringt keine Lösung. Es bleibt beim Flughafen-Treffpunkt.

Montag war ein Feiertag in Tasmanien. Das wussten wir. Dafür haben wir extra eine Gebühr (38 Euro) für die Autoübergabe am Feiertag zahlen müssen. Da der Flug aber an diesem Tag günstig war und alle Geschäfte geöffnet haben, waren wir einverstanden.

Morgens beim Frühstück versucht Achim einen Uber zu bestellen. Gestern Abend haben wir natürlich keine Sim-Karte mehr kaufen können, sind also ohne australische Telefonnummer. Das finden Uber- und Taxidienste doof.
Da taucht plötzlich Michelle, unsere Gastgeberin, auf, die gleich im Haus nebenan wohnt. Eine liebenswerte ältere Dame. Wir sprechen über dies und das. Erhalten Tipps, was wir unbedingt besichtigen sollten. Reizend.
Achim fragt, ob sie für uns ein Taxi bestellen könnte. „Kein Problem. Das braucht ihr nicht, ich fahre euch zur Übergabe.“ Wir vergeben 10 von 10 Punkten.

Alles in Pastell gehalten, Blumenmuster, romantisch, englisch. Sehr hübsch.

Das Frühstück: selbstgebackenes Brot, Feigen aus dem Garten, selbstgemachte Marmelade (Rosmarin/Aprikose und andere Exoten), frischer Joghurt, Chutneys und und und

Die Übergabe auf dem Parkplatz beim Flughafen ist ein Witz. Eine Frau übergibt uns die Autoschlüssel. „Don’t ask me questions about the fu..ing car. I have no clue. Wenn ihr etwas über das Auto wissen wollt, müsst ihr die Notfallnummer vom Vermieter anrufen.“
Mit dem Vertrag der Vermietung haben wir einen Link bekommen für ein You-Tube-Video über die Besonderheiten des Wagens. Wir versuchen, uns zu erinnern, was dort gezeigt wurde. Läuft einigermaßen mit der Erinnerung.
Ich mache Fotos von allen Lackschäden und Kratzern an der Einrichtung innen. Das macht ein komisches Gefühl.
Wofür die Feiertags-Gebühr erhoben wurde, erfragen wir dann bei der Rückgabe.

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Auf nach Tassie!

8. Februar 2026; Neukaledonien/Nouméa; Tag 4.271

Tasmanien gehört vollumfänglich zu Australien. Allerdings wurde die kleine Insel im Südosten früher auf Karten einfach weggelassen. Das ging so weit, dass bei den Commonwealth Games 1982 – den britischen olympischen Spielen – tanzende Kinder bei der Eröffnungszeremonie die Form von Australien bildeten, aber Tasmanien fehlte. Damals waren die Tasmanians sauer. Heute ist es ein Volkssport, Karten zu sammeln, die Tassie „vergessen“ haben.

Tassie wird das Land genannt, Tasmanians sind die Bewohner. Von den Festland-Australiern auch ehrfürchtig Taswegians genannt: wettergegerbte Einsiedler wie die Norweger. Wikinger, die gemacht sind zum Überleben in der kalten Wildnis.
Will der Australier lästern, nennt er die Tasmanier „Two-headers“. Das ist ein fieser Witz vom Festland. Die Insel sei so klein und isoliert, dass dort alle miteinander verwandt wären. Daher hätten die Tasmanier angeblich zwei Köpfe. Oder zumindest eine Narbe am Hals, wo der zweite Kopf entfernt wurde.
Die Ostfriesen in Oz, sozusagen.

Tasmanien hat die Größe von Bayern. Ungefähr 300 mal 300 Kilometer in der maximalen Ausdehnung. Keine 600.000 Einwohner. Es gibt Tasmanische Teufel, diebische Gänse und ein unterirdisches Museum. Es vergeht kein Monat, in dem nicht einer der „Two-Headers“ einen Tasmanischen Tiger gesehen haben will. Somit gibt es vielleicht doch noch eine klitzekleine Chance, dass auch wir auf einen stoßen. ;-)

Da fliegen wir nun hin. Gleich geht es los. Gute drei Stunden Flug nach Sydney und dann ein kleiner Hüpfer nach Hobart. Unseren 4×4-Camper haben wir für 32 Tage gemietet. Zum Ende der Mietzeit wurden die Tage immer günstiger, da konnten wir nicht widerstehen. Ausreichend Zeit, um die Insel zum umrunden. Und auch mal einen Regentag aussitzen zu können.

So in etwa soll unsere Route aussehen. Los geht es in Hobart, im Süden, beim roten Punkt.
Geplant ist im Uhrzeigersinn zu fahren, allerdings sind die Vorhersagen für den Westen für die nächsten Tage „geht so“. Also kann es passieren, dass wir uns kurzfristig umentscheiden.

Atanga haben wir einen Aufpasser besorgt. Pierre wurde uns von der Marina empfohlen. Er hat einen Charterbetrieb und wohnt selber in der Marina. Das Mooring-Getüddel im Falle eines Zyklons ist ihm bestens vertraut. Er würde im Fall der Fälle Atanga nach Vorschrift vertäuen.

Alles, was sich bei viel Wind losjackeln könnte. hat Achim verzurrt. Zusätzlich auch das Bimini abgebaut.

Das Dinghy ist ebenfalls festgezurrt. Die dicken Tampen für eine eventuelle Mooring-Aktion liegen bereit.

 

Die Vertäung der Boote im Falle eines Zyklons – alle Boote rücken zwei Meter vom Steg ab.

Darum würde Pierre sich kümmern.

Zusätzlich guckt er einmal in der Woche ins Schiff, ob alles in Ordnung ist. Ein Vertrag steht (200 Euro kostet sein Service) und wir sind zuversichtlich, dass er alles zu unserer Zufriedenheit erledigen wird. Kommt kein Zyklon, dann bleibt Pierre arbeitslos – uns wäre das ohnehin am liebsten.

Wir sind dann mal weg, Tasmanische Tiger jagen!

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Das Video unserer Rundreise in Australien

06.10.2025; Neukaledonien/Baie Papaye; Tag 4.146; 29.307 sm von HH

Wir ankern immer noch in der Lagune. Herrlich türkisene Tage.

Aber heute gibt es keine Strandfotos, sondern einen Blick zurück nach Australien.
Das Video über unsere komplette Rundreise ist fertig. Das Abenteuer im Abenteuer – die Simpson-Wüste – wurde ja bereits gewürdigt. ;-)

Vierzehn Monate in einen Film zu bringen, war eine Herausforderung. Neben einigen Video-Schnipseln hatte ich die Auswahl von 9.000 Fotos. Verteilt auf 132 Ordner.
Knapp 2.000 Fotos haben es in die engere Wahl geschafft; 400 davon in die Endfassung.
„Kill your darling“, eine gut gemeinte Video-Schneide-Regel. Aber von welchem liebgewonnenen Foto soll ich mich trennen? Das sind schwierige Entscheidungen.
Hunderte Male habe ich die Fotos verschoben und neu sortiert. Die Standzeiten wieder und wieder verändert. Zwei Sekunden oder besser nur eine?

Ein Panorama unseres großen Abenteuers. Das Ergebnis ist in sechzehn Minuten zusammengefasst. Ich glaube, dass es schöne Minuten geworden sind. Sie zeigen die tollsten Ausblicke und Momente, die wir unterwegs hatten.

Ich wünsche Euch viel Spaß damit.

#32 In 14 Monaten rund um Australien

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Die wundersamen Araukarien

21.Juli 2025, Neukaledonien/Île des Pins; Baie de Kuto , Tag 4.069, 29.184 sm von HH

„Wenn du die Bäume nicht mehr siehst, bist du zu weit draußen.“ Dieser Warnung soll früher den Kanak mitgegeben worden sein. Auf Ausflügen mit ihren Auslegerbooten in die riesige Lagune. Mit ‚die Bäume‘ sind die auffälligen ‚Pins‘ gemeint, die überall in Neukaledonien herum stehen.  James Cook hat sie als erster Europäer entdeckt und fälschlicher Weise für Kiefern gehalten. Die falsche Bezeichnung ‚Pins‘ ist in den Sprachgebrauch übergegangen. Dabei handelt es sich nicht um Kiefern, sondern um eine Araukarien Art, die nur in Neukaledonien heimisch ist. Die ‚Araukaria columnaris‘.

Mit üblichen dreißig Metern – selten sogar bis sechzig Meter – sind die Araukarien tatsächlich schon gut von weitem zu sehen.
Ein seltsamer Baum. Rank und senkrecht reckt er sich in die Höhe. Die Äste sind horizontal ausgerichtet und bilden eine symmetrische Krone. Fast wie Säulen oder Pfeiler.

Gute Landmarken – auch bei Nieselregen und tief hängenden Wolken.

Egal, wo die Säulen-Araukarie außerhalb Neukaledoniens gepflanzt wird, zeigen die Bäume eine auffällige Neigung. Immer Richtung Äquator. Auf der Nordhalbkugel neigen sie sich nach Süden. Auf der Südhalbkugel entsprechend nach Norden. Es sind immerhin Neigungen von 8 bis 10 Grad, während die Araukarien in Neukaledonien wie ein Pfahl senkrecht in den Himmel zeigen.
Das ist umso erstaunlicher als Neukaledonien sich auf 22 Grad Süd befindet. Somit gäbe auch hier allen Grund für die, den scheinbar Äquator liebenden Bäume, in Schieflagen zu stehen. Fehlanzeige.
Der Grund für diese in der Baumwelt einmalige Regelwidrigkeit ist nicht geklärt. Licht- und Schwerkraftwahrnehmung. Geotropische oder heliotrope Reaktionen auf Sonnenverläufe, die genetisch programmiert sein sollen. Das klingt nach ‚in-echt-haben-wir-keinen-blassen-Schimmer‘.

 

Blick auf die schöne Bucht Katu auf der Ile des Pins – wie überall säumen Araukarien die Küstenlinie.

 

Keine Schönheit – erinnert eher an eine Flaschenbürste. In der Masse sind sie imposant.

Kurze Zweige sind dicht mit Schuppenblättern besetzt. Was sich wie raue Katzenzungenanfühlt sind also keine Nadeln.

Für Nachschub wird gesorgt. Nur über Saat möglich. Stecklings-Vermehrung funktioniert nicht.
Ein echter Dinosaurier unter den Pflanzen – geschätzte 150 Millionen Jahre alt sollen diese Araukarien sein.

 

Für die Kanak ist die Säulen-Araukarie kein Nutzbaum im klassischen Sinne. Für die Schnitzerei ihrer Pfeiler oder Totems, die man überall in Neukaledonien als schmückende Elemente sehen kann, ist die Araukarie nicht geeignet. Sie ist zu weich und harzhaltig.
In vielen Stämmen der Kanak symbolisiert der aufrechte Wuchs ‚den rechten Weg‘ und die Würde des Clans. Oft steht eine einzelne Araukarie vor der Hütte des Stammes-Chefs und ist tabu. Wer sie beschädigt, begeht eine schwere Respektlosigkeit. In manchen Regionen dürfen nur bestimmte Stammes-Linien Araukarien pflanzen. Für die Kanak sind diese Bäume häufig spiritueller Richtungsgeber  –  die Achse zwischen Himmel und Erde.
Oder eben auch Wegweiser, wenn man zu weit in die Lagune hinaus gefahren ist.

Allgegenwärtige Totems

Meistens aus einem Baumstamm geschnitzt.

Auch in Nouméa im Park und an den Promenaden zu finden – hier tanzende Wale.

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