Kategoriearchiv: Allgemein

Adios La Palma

So., 19. Jul.18, La Palma, Tag 414, 2.587 sm

Da die letzten Ausreden aufgebraucht sind: zu viel Sonne, zu viel Wind, zu wenig Sonne, es gibt Zwerge zu gucken, da kommt eine Jungfrau…
waren wir die letzten Tage fleißig.

Achim war tauchen und hat unser Unterwasserschiff vom Bewuchs befreit. Eine schweißtreibende und luftintensive Angelegenheit.
Er hat tatsächlich eine ganze Flasche leergeatmet. Für Nicht-Taucher: in 1,5 Meter Wassertiefe geht das eigentlich gar nicht, da braucht man Tage für. War wohl anstrengend. :mrgreen:

Seepocken in allen Ritzen. Am schlimmsten waren Schraube und Welle bewachsen.
Und eine Miesmuschelkolonie hatte es sich in unseren Lenzrohren vom Cockpit bequem gemacht. Da wären wir wohl abgesoffen, wenn unterwegs eine Welle ins Cockpit gestiegen wäre… :shock:

Dann hat er noch den Wasserpass vom Dingi aus geschruppt.
Wir liegen durch unsere tonnenschwere Beladung deutlich tiefer als früher im Wasser. Das bedeutet, dass unser Wasserpass zu tief sitzt. Oder das Antifouling nicht hoch genug reicht. Wie man möchte.
Das Ergebnis ist das Gleiche: Alles was sich durch Zellteilung vermehrt wächst hier fest. Bei Betrachtung unserer „Ruckdämpfer“ (Eimer und Kanister) nach 6 Wochen Aufenthalt im Wasser, geben die eine ungefähre Vorstellung des Bewuchses am Wasserpass.

In der Zeit wo der Chef unter Wasser geblubbert hat, habe ich oben den Edelstahl poliert. Durch die ständig salzige Brise in diesem Hafen, gibt es hier einen besonders argen Befall.

Jetzt sind wir unten und oben rum schick und durch den glatten Rumpf garantiert einen Knoten schneller.
Somit brechen wir unsere Zelte Morgen früh ab und verlassen den wohl schwelligsten und windigsten Hafen der Kanaren. Vielleicht auch Spaniens. Oder der Welt!
Unser Spanischer Liegenachbar meinte, er kenne niemanden, der es zwei Monate hier ausgehalten hätte. :cool:

Wir wollen um 6:00 Uhr auslaufen.
Dann ist es noch windstill (hilft beim Ablegen) und wir können ein wenig Strecke nach Nord gut machen. Die ersten 90 Meilen müssen wir einen reinen Ost-Kurs fahren.
Bei dem täglich üblichen Wind aus 30 bis 50 Grad wird das ein knappes Höschen.

Die Vorhersage allerdings gibt fast einen reinen Nordwind an. Das kann, muss aber nicht stimmen. Wir werden sehen.
Insgesamt sind es nach Las Palmas knapp 150 sm, wir rechnen mit 30 Stunden. Also sollten wir Dienstag im Laufe des frühen Nachmittages dort ankommen.

Bis dahin, habt eine schöne Zeit.

Blogparade – Best of 1.Hälfte 2015

Mi., 15. Jul.18, La Palma, Tag 410, 2.587 sm

Auf seinem Blog „erkunde-die-Welt“ ruft Michael zu einer sehr schönen Fotoparade auf.
Auf diese Blogparade aufmerksam geworden bin ich durch die SY Yemanja, die wie wir die Welt besegelt.

Die schönsten Fotos des 1. Halbjahres 2015

lautet das Motto und folgende Kategorien sind gewünscht:
-schönste Landschaftsaufnahme
-schönstes Tierfoto
-schönste Städteaufnahme
-schönstes Winterbild
-schönstes Frühlingsbild
-persönliches Lieblingsbild

Einzige Bedingung ist, dass alle Fotos wirklich im 1. Halbjahr 2015 entstanden sein sollen.

Eine sehr hübsche Idee und gar nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick erscheint.
Alle unsere Bilder sind auf den Kanarischen Inseln entstanden, da wir seit Dezember von einer Insel zur nächsten bummeln.
Ganz bemerkenswert finde ich, dass vier unserer ausgewählten Fotos auf Fuerteventura entstanden sind. Bei hunderten Bilder und vier weiteren Inseln zur Auswahl eine erstaunliche Quote.
Dabei hat uns insgesamt Fuerteventura bisher am wenigsten gefallen. So kann man sich täuschen!

Landschaftsaufnahme

Fuerteventura Westküste

Fuerteventura Westküste

Dieses Foto ist auf der wilden Westseite Fuerteventuras, in Cofete, entstanden.
Diese Siedlung wurde wegen wiederholter Dürrejahre nahezu aufgegeben. Am Strand ist ein Friedhof stummer Zeuge der damaligen Besiedelung.
Cofete ist ein mystischer Ort mit einer ganz besonderen Stimmung.
Dieser Ort birgt viele Rätsel, wie das Geheimnis um die Villa Winter:


Tierfoto

Die Berge Fuerteventuras

Die Berge Fuerteventuras

Die Kanaren zeichnen sich durch abwechslungsreiche Landschaftsformen und Vegetation aus. Tiere sind, sieht man von der Unterwasserwelt ab, Mangelware. Auf Fuerteventura trafen wir diese neugierige Krähe an einem spektakulären Aussichtspunkt.

Städteaufnahme

Altes Kloster

Altes Kloster

Es gibt auf allen Kanarischen Inseln tolle Städte mit zauberhaften Altstadtkernen.
Aber die schönste städtische Aufnahme ist wiederum auf Fuerteventura entstanden. Ein verfallenes Kloster im Herzen der Insel, im „Museumsdorf“ Betancuria.

Winterbild

Teide 3.600 Meter hoch

Teide 3.600 Meter hoch

Ein klassisches Winterbild mit Eis und Schnee kann auf den Kanarischen Inseln nicht recht entstehen. Auf dem Teide auf Teneriffa jedoch fanden wir noch einen mickrigen Rest Schnee auf 3.600 Metern. Der frostig-blaue Himmel und 10 Grad auf dem Gipfel sorgen für etwas Winterstimmung.

Frühlingsbild

Strelitzie

Strelitzie

Wer denkt bei Frühlings nicht sofort an Blumen, Blüten und frisches Grün?
Auf Gran Canaria im Botanischen Garten ist diese Aufnahme einer Strelitzien-Blüte gelungen. Wir haben einen tollen Tag dort verbracht und ein wenig Makro-Photographie geübt.

Lieblingsfoto

Eine irre Hütte

Eine irre Hütte

Mein persönliches Lieblingsbild ist diese verrückte Behausung auf Fuerteventura.
Nach endlosen Kilometern auf einer Schotterpiste fanden wir dieses Haus ein paar Meter vom Strand entfernt. Im Nirgendwo, in der Wüste, in der Kargheit.
Mir gefallen hier die Farben und die Frage nach Genie und Wahnsinn.
Die Frage, wer wohnt dort, warum und wie? Immer wenn ich das Bild anschaue, möchte ich mehr erfahren über den Bewohner.

Horst, horstiger, Bine oder …mi guía es un desastre

So., 05. Jul.15, La Palma, Tag 400, 2.587 sm von HH

Der Thron der guten Virgen de Las Nieves ist ja nun schon vor gut einer Woche von Las Nieves nach Santa Cruz gebracht worden.
Nach gründlicher Recherche kam Bine zu dem Schluss, dass das Fräulein am heutigen Sonntag ebenfalls den Weg ins Tal finden sollte.

Für heute stand also relativ frühes Aufstehen auf dem Programm, um die Prozession aus der Nähe zu betrachten. Nachdem wir die Marina verlassen hatten und durch die Stadt gingen fiel uns zwar auf, dass eigentlich nichts vorbereitet war.
Was soll´s, dachten wir und entschieden, dem Zug weiter entgegen zu gehen.
Selbst auf dem Weg nach Las Nieves war nichts zu sehen. Keine Autos der 80.000 Pilger und auch keine Menschen. Wir marschierten trotzdem weiter …den ganzen Weg bis Las Nieves.
Im Ort angekommen betraten wir etwas irritiert Kirche und dort saß die gar nicht reisefertige Jungfrau auf ihrem Thron.
Ich glaube, dass sie sich einen gekniggert hat, als sie uns reinkommen sah. ;-)

Nachdem wir wieder in Santa Cruz angekommen waren, betrachteten wir das Plakat der Bajada  Feierlichkeiten noch einmal und dort stand es dann auch….sie kommt erst am 12 Juli.
10 Km Wanderung (davon die Hälfte bergauf), in der Mittagszeit, unter der sengenden Sonne Spaniens und alles für die Katz. :evil:

Regatta Lustral

Fr./Sa., 26./27. Jun.15, La Palma, Tag 391/2, 2.587 sm von HH

Ein Teil der Feierlichkeiten der Bajada Santa Cruz ist eine zweiteilige Regatta.

Die „regata lustral“ de La Palma

Der erste Abschnitt ist ein Rennen von Santa Cruz de Tenerife nach Santa Cruz de La Palma.
Es sind 50 Yachten für diese Regatta eingeschrieben und knapp 40 davon treffen am Morgen in der Marina ein.

Mit den Yachten kommen zusätzlich 250 Herren im Hafen an. Regatta-Frauen entdecke ich nur zwei.
Nach der verschlafenen Zeit mit unbewohnten Schiffen ist das eine angenehme Abwechslung und bringt ein wenig Leben in die Bude.

Bei den Crews handelt sich nicht um junge, coole Helden eines Volvo Ocean Races, sondern überwiegend um Herren mittleren Alters.

Das Benehmen einiger Kerle lässt leider zu wünschen übrig. Dieses rüde Verhalten kann ich nur mit rüdem Ton beschreiben:
Statt die Toilette aufzusuchen wird sich mitten im Hafen neben die Boote gestellt und vom Steg aus an die Bordwand gepinkelt. Es wird zwar nicht das Schiff getroffen, aber womöglich lässt die Zielgenauigkeit mit fortschreitendem Bierkonsum nach.
Ich mag mir nicht vorstellen, wenn im Dunkeln Schiffe verwechselt werden und es auf einmal neben uns plätschert.

Auf dem Nachbarschiff turnt einer, nur mit weißer Feinripp-Unterhose bekleidet, an Deck herum und befreit sein Schiff von Salzwasser. Die Unterbüx ist pitschnass und so kann sich seine Kimme deutlich sichtbar abzeichnen. :shock:

Ein anderer steht in grünen Shorts auf dem Vorschiff und kratzt sich genüsslich die Eier.

Hallo! Das ist er, der Untergang des Abendlandes.

Wir beide können die Spanier gut leiden und mit ihrer etwas ruppigen, direkten Art sind sie unkompliziert und leicht zu nehmen. Darüberhinaus sind sie sehr aufmerksam und ungemein hilfsbereit.
Aber die Herren pissen gerne mal an Häuserwände oder was ihnen sonst so als Pfahlersatz gelegen kommt. An vielen Ecken riecht es wie in einem Urinal.
Das ist unangenehm und verbesserungsfähig. :-)

Regatta lustral

Die kleine Regatta am nächsten Morgen fällt leider wegen zu viel Wind ins Wasser.
Erst wird der Start verschoben und eine Handvoll Schiffe läuft mit zwei Stunden Verspätung aus. Aber final wird das Rennen dann doch abgebrochen.
Das ist sehr schade, da die Rennstrecke genau an der Hafeneinfahrt entlangführt und wir eine bombige Sicht auf das Geschehen haben.

Viele segeln also gleich nach Hause und kehren gar nicht mehr in die Marina zurück.
Somit ist an Tag zwei schon wieder stiller in Santa Cruz.

Bajada in Santa Cruz

Sa., 20. Jun.15, La Palma, Tag 385, 2.587 sm von HH

Ab heute kommen große Feierlichkeiten in Santa Cruz de la Palma auf uns zu.
Diese dauern sechs Wochen und das Programm des Festausschusses beträgt sage und schreibe 28 Seiten.

Bajada – eine Stadt macht sich fein

Es handelt sich um die Bajada de la Virgen de las Nieves.
Die Terrakotta-Madonna aus der benachbarten Wallfahrkirche wird in einer feierlichen Prozession nach Santa Cruz getragen. Ein nur alle fünf Jahre stattfindendes Spektakel.

Seinen Ursprung findet die Prozession im Jahre 1676, um eine lang anhaltende Dürre-Katastrophe abzuwenden.
Da das herunter tragen (Bajada) der Jungfrau den erwünschten Regen brachte, legte der damalige Bischof der Kanaren fest, dass diese Prozession, sicher ist sicher, alle fünf Jahre stattfinden solle.

Die Madonna hilft nicht nur gegen Trockenheit, sondern wehrt wahlweise auch Piratenangriffe, Vulkanausbrüche oder eine Heuschreckenplage ab.
Gar nicht abergläubisch haben wir uns eine Miniatur an den Navi-Tisch gehängt. Man weiß ja nie.

Seit wir im Hafen von Santa Cruz liegen, beobachten wir, wie die Stadt sich für dieses Groß-Ereignis fein macht:
Überall wird aufgeräumt, gewerkelt und vor allem gepinselt.
Alle fünf Jahre werden die Anwohner Santa Cruz aufgefordert, ihre Häuserfassaden neu zu streichen. Letzter Termin zur Fertigstellung dieser Verschönerungen war der 30. Mai. Da die knappe Vorgabe nicht von allen geschafft wurde (Bajada ist wie Weihnachten – kommt ganz plötzlich) wird sogar am Sonntag und abends um acht noch gestrichen.

Der Barranco am Kastell, welcher noch eine große Rolle bei den Feierlichkeiten spielen soll, ist vom Unkraut und Buschwerk der letzten fünf Jahre befreit.
Der Ortskern ist noch ein wenig schnieker als sowieso schon.

Direkt neben der Marina wurde in den letzten Tagen eine große Bühne aufgebaut. Und wir durften gestern Abend bereits am Sound-Check teilhaben.
Die modernen Feierlichkeiten werden von einer Reihe Konzerten, Tanzdarbietungen, Wettkämpfen, einer Regatta, Trachtenumzügen und sonstigem Kurzweil begleitet.

Knapp zwei Millionen EUR stehen dem Festausschuss zur Verfügung. Die Ausgaben werden zu rund 2/3 durch Eintrittsgelder, Sponsoren und dem Verkauf von Werbeartikeln wieder hereinkommen – hofft man.
Die Differenz steuern die Stadt Santa Cruz und die Inselregierung zu.

Gespart werden muss aber auch hier: hatte die Bajada doch im letzten Jahr noch 800.000 EUR mehr zur Verfügung.
Trotz gekürztem Etat, kommt da was Großes auf uns zu. Und wir sind mitten drin.
Also haben wir einen weiteren Monat in Santa Cruz bezahlt. Der Schwell hält sich zur Zeit auch in Grenzen und unsere selbst ertrunkenen Ruckdämpfer erledigen fleißig ihre Arbeit.