Fuerteventura Südtour

Mi., 14.Jan.15, Fuerteventura, Tag 228, 2.341 sm von HH

Um es gleich vorweg zu nehemen, die Südrunde um Fuerteventura gefällt und besser als die Nordtour. Und das liegt nicht nur daran, dass an Tag zwei das Wetter erheblich besser ist. Gestern herrschte sehr diesige Luft vor, die jede Fernsicht zu Nichte gemacht hat. Das ist heute nicht perfekt, aber deutlich besser. Nur recht frisch ist es an beiden Tagen.
Aber der Reihe nach:
Zuerst begeben wir uns auf die Schnellstraße Richtung Süden auf die sichelförmige Halbinsel Jandia.
An der Landenge zu Jandia tauchen beeindruckend weitläufige Dünenfelder auf, auch dieser Sand besteht nur aus zerriebenen Muschel- Bruchstücken und ist nicht etwa aus Afrika herüber geweht.
So weit das Auge reicht, ist die vorher felsige Küste plötzlich gesäumt von einem flachen, hellen Sandstrand.
Die 22 km Traumstrand werden parallel von einer vierspurigen Schnellstrasse begleitet, die sich in einem tip-top Zustand befindet.
Was uns wundert ist, dass direkt neben dieser Straße eine zweite Trasse gebaut wird. Davor ein Schild der EU, das diese sich an dem Aufbau strukturschwacher Region beteiligt.
Wir hatten bereits auf Lanzarote einen Straßenabschnitt von fast 10 km gesehen, an dem zwei identische Straßen parallel zueinander verliefen. Augenscheinlich scheint hier so ein Unsinn zur Methode zu werden.
Den ersten Urlaubsort auf Jandia, Costa Calma, lassen wir links liegen, da die Stimme unserer Sightseeing-CD über den Ort nur zu berichten weiß, dass man dort bereits morgens Jogger am Strand beobachten kann.
In Morro Jable sehen wir uns die nette, kleine Marina an, die ggf. noch für einen Zwischenstop gut ist, bevor wir nach Gran Canaria weiter segeln.
Von Morro Jable aus führt nur noch eine Schotterstraße bis zur Südspitze der Insel und zur Westseite nach Cofete. Die abenteuerliche Fahrt über 16 km staubige Serpentinen-Piste wird auf der anderen Seite mit einem sensationellen Spot belohnt.
Der großartige Sandstrand ist fast menschenleer, denn außer uns haben vielleicht noch zwei Dutzend weitere Autos diese Strecke gewählt.
Es gibt eine kleine Ansammlung von ungefähr sieben, baufälligen, kleinen Häusern, die geduckt an die schroffe Bergflanke gebaut sind. Früher wurde an der rauen Wetterseite von Fuerteventura intensiv Landwirtschaft betrieben, aber Cofete wurde, nachdem ein paar Jahren Dürre aufeinander folgten, aufgegeben und wurde Mitte des letzten Jahrhunderts von der Liste offizieller Orte gestrichen.
Zeugnis, dass diese unwirtliche Gegend mal besiedelt war, ist ein ganz außergewöhnlicher Friedhof direkt am Meer.
Die Siedler mussten ihre Toten vor Ort bestatten, denn der Weg zur nächsten Pfarrei war zu weit. Aber warum sie direkt am Meer ihren Friedhof angelegt haben, bleibt unklar.
Er ist jetzt aber, sandverweht, ein ganz einmaliger Ort mit einem unbestimmten Zauber.
Das zweite, was in Cofete auffällt, ist hoch in den Hang gebaut, eine Villa, die so gar nicht in Größe und stattlicher Ausführung in diese karge Gehend passen will.
Es handelt sich um die Villa Winter. Herr Winter war ein deutscher Ingenieur, der dieses Anwesen in den 30er Jahren erbauen lies. Offiziell hat er sich für Landwirtschaft interessiert, aber bis heute sind Gerüchte um seine wahren Absichten nicht verstummt.
Die Gerüchte behaupten wahlweise
a) er hätte im 2. Weltkrieg einen geheimen U-Boothafen für die deutsche Flotte errichtet, oder
b) er hätte von der Villa Winter aus deutschen Nazigrößen zur Flucht nach Südamerika verholfen.
Gerade als wir uns das Anwesen von nahen betrachten, kommt eine kleine Gruppe deutscher Besucher aus dem Haus. Der Guide versichert allen, dass er einen Handwerker kenne, der in der Villa Winter gearbeitet habe und im Keller alle Wände abgeklopft, aber dabei keinen Hohlraum oder ähnliches entdecken konnte.
Pikant bleibt, dass 1968 Winter für seine ‚Verdienste‘ die landwirtschaftlich nutzbaren Flächen Jandias als Geschenk bekam. Offizielle Stellen schweigen über das Territorium Winter.
Nach so viel Geheimnissen verlassen wir die Halbinsel Jandia wieder und kommen durch Bergregionen, die dem Beinamen Fuerteventuras als ‚Wüsteninsel‘ sehr gerecht werden. Allerdings sind auch hier im Süden die Berge von frisch getriebenem Grün gesprenkelt. Diese Region ist kaum besiedelt und außer auf Ziegen treffen wir nur noch auf eine Krähe, die gar nicht scheu, sich zum Fotomotiv mausert.
Unseren letzten Stopp legen wir in Betancuria, der ehemaligen Inselhauptstadt ein. Da dieser Ort im 18. Jahrhundert seine wirtschaftliche Bedeutung verlor, ist er von Piratenplünderung und Zerstörung weitestgehend verschont geblieben.
Dies beschert dem Dorf ein ‚denkmalgeschützten‘ Ortskern. Um eine paar hundert Meter Kopfsteinpflaster finden sich noch ein paar Bauten mit den typisch kanarischen Holzbalkonen, einer Kirche und Ansammlung alter Häuser.
Aber vor allem findet man Souveniershops und Restaurants. Uns gefällt es hier nicht besonders, zu steril, zu organisiert und leider nicht lebendig.
Aber nur ein paar Hundert Meter weiter machen wir Halt an einer wenig beachteten Ruine eines Franziskaner-Klosters. Die Stimmung in der Ruine ist in der untergehenden Sonne so bezaubernd, dass ich mich gar nicht trennen mag. Ein malerischer Ort, der zum Träumen einlädt, da fehlt mir nur noch Molly an meiner Seite mit der man rumspinnen kann, wie dieses Kleinod sich zum Eigenheim umbauen ließe. :-
Nach zwei Tagen Inseltour und 450 km später können wir behaupten, dass Fuerteventura nicht ocker, sondern ‚grün‘ ist.
Es wird sicher nicht unsere Lieblings-Kanarische-Insel, aber wir finden sie alles andere als öde, trist und eintönig, wie sie häufig beschrieben wird. Wir reihen uns in die Reihe der Kenner und Freunde ein, die ihre Insel liebevoll ‚Fuerte‘ nennen.

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