Archiv der Kategorie: Karibik

Koom mi nich an de Farv!

Mi., 12.Jul.17, Kolumbien/Santa Marta, Tag 1138, 11.850 sm von HH

Dieser Hamburger Schnack als ernst gemeinter Hinweis hat eine Lebensdauer von 15 Minuten. Als mein Held von der Dusche zurück kommt, steht er mit dieser Pose im Salon. :shock:

Breitbeinig und gut aufgelegt.
Das ändert sich spontan als ich an anbölke: „Hand ab! Rechts ist doch frisch gepinselt!“

Szene nachgestellt

Szene nachgestellt

Dass es eine Herausforderung werden würde auf dem Schiff zu wohnen und gleichzeitig heikle Stellen zu lackieren, war zu erwarten. Aber das? Den Kopf nur zum Haare schneiden, oder wie? :mrgreen:

Ist man nur eine Minute abgelenkt, schon hat man Malheur.
Um die kritische Stelle herum liegt Papier, von der Decke hängen Bänder, um auch beim letzten Crew-Mitglied die Erinnerung wach zu halten: „Achtung, frisch gestrichen.“

Dabei sind die Grundvoraussetzungen gar nicht schlecht. Durch die Hitze ist der Lack  nach dreißig Minuten schon staubtrocken. Ich kann morgens den ersten Schlag drauf pinseln und nachmittags bereits anschleifen und die zweite Schicht lackieren.
Trocknung wie im Lackier-Raum. Cool.

Dazwischen gibt es diese schwierige Phase, wo Anfassen unerwünschte Fingerabdrücke hinterlässt.
Die Erkennungsdienstlichen Maßnahmen sind angeschlossen. Alle Fingerabdrücke in die Schiffs-eigene Datenbank übernommen. Ausreden ‚ich war’s nicht‘ sind ab sofort, für uns beide, zwecklos.

Wir kommen um das Pinseln nicht länger herum.
Der Lack ist ab. Weg. Einfach abgegrabbelt. Natürlich nur an Stellen, die tausend Mal am Tag angefasst werden. Scheuerleisten in Bad, Pantry und am Navitisch. Und alle Haltegriffe.

Um uns beiden das Leben zu erleichtern, lackiere ich zuerst die Steuerbordseite, dann kommt Backbord. „Vorsicht, Achtung, Bauch einziehen, nicht gegen lehnen. :shock: Koom mi nich an de Farv, Du Dösbaddel.“

Die Tairona

Di., 11.Jul.17, Kolumbien/Santa Marta, Tag 1137, 11.850 sm von HH

Die präkolumbischen Ureinwohner in Kolumbien waren die Tairona.
Bereits um 900 zogen sich die Tairona aus unbekannten Gründen aus den Küstenstreifen in die unzugänglichen Bereiche der ‚Sierra Nevada de Santa Marta‘ zurück. Dort errichteten sie Terrassenstädte in den Berghängen. Alle zwischen 900 und 1200 Meter Höhe.

Zur Hochzeit der Tairona soll es 200 dieser Terrassenstädte gegeben haben.

Als die Spanier ins Land einfielen, leisteten die Tairona heftigen Widerstand. Das Christentum lehnten sie rundweg ab. Trotzdem war um 1630 auch die entlegenste Stadt der Tairona erobert. Rücksichtslose Plünderung und die Suche nach Goldobjekten begann.

Das Goldmuseum in Santa Marta (freier Eintritt) stellt ein paar wunderschöne Stücke aus, die alle Plünderungen überlebt haben.
Nasenringe hatten es den Tairona besonders angetan. Im aufwendigen Wachs-Ausschmelz-Verfahren bei dem sowohl die Form als auch die Gussform verloren geht, wurden filigrane Schmuckringe hergestellt.
Das Gold wurde gehämmert, getrieben und gelötet.

Tonfigur

Tonfigur

 

Vielmehr ist nicht bekannt über die Tairona, da sie wie andere Südamerikanische Ur-Völker keine eigene Schrift entwickelten.

Heute leben die Kogi in der ‚Sierra Nevada‘ und gelten als direkte Nachfahren der Taitona. Dieses Volk gilt als eins der am wenigsten akkulturierte der Welt. Sie nehmen kaum Veränderungen und Anpassungen an fremde Kulturen an.
Zurück gezogen leben sie in den Bergen und pflegen ihre Traditionen. Fünf-bis Sechstausend Kogi soll es geben.

Sie sind die Hüter der ‚Verlorenen Stadt‘ in der ‚Sierra Nevada‘ und pflegen die alten gepflasterten Verbindungswege, Brücken, Stege und Treppen zwischen ihren Terrassen-Wohnstätten.

In Santa Marta trifft man hin und wieder auf einen Kogi-Mann.
Auffällig in ihrer weißen Tracht, an den helmartigen Hüten gut zu erkennen, wenig angepasst an die neuen Kulturen.

Arbeiten am Schiff

So., 09.Jul.17, Kolumbien/Santa Marta, Tag 1135, 11.850 sm von HH

Als erstes widmen wir uns dem Wasser-im-Schiff-Problem.
Kennen wir ja schon von der Steuerbordseite. An Backbord werden die Arbeiten durch den unverrückbaren Salontisch erschwert.

Die Platten und Isolierung hinter der Sitzbank-Rückwand kommen trotzdem raus. Den ollen Kunstleder-Überzug auf den Platten entfernen wir. Der bringt uns nicht nach vorne, sondern verdeckt die Sicht auf Wasserränder.
Auf diser Seite sieht es nicht so schlimm aus, hier war wohl in der Tat das erste Mal, dass Wasser eingedrungen ist.
Alle Salzspuren werden beseitigt und rückwärts wird alles zurück gebaut.

An Deck hat Achim schon mit Sika die Püttinge neu abgedichtet.

Durch die Hitze ist das zeug sehr dünnflüssig und schwierig zu verarbeiten. Es fließt zwar gut in Ritzen, macht aber auch großen Schweinkram.

Jetzt heißt es hoffen, dass es dicht ist. Ein Test mit unendlich zur Verfügung stehendem Süßwasser (ist doch auch mal schön in einer Marina) aus dem Schlauch ist positiv verlaufen.

Allerdings ist Salzwasser tückisch. Es verhält sich anders als Süßwasser. Es scheint Augen zu haben. Augen, die noch die letzte Ritze zu finden, wo es zwischen laufen kann. Süßwasser ist an der Stelle blind.

Mit unserem Dorade-Lüfter bleiben wir erfolglos.
Der wird mit Süßwasser komplett geflutet. Nix! Kein Wasser dröppelt durch die Decke. Es bleibt nur, dass die naheliegende Fensterdichtung undicht ist. Die bekommt jetzt auch noch so eine Sika-Behandlung verpasst.

Nach drei Monaten nur am Anker mit begrenzten Waser-Vorräten war es auch an der Zeit mal wieder das Deck zu schrubben. Peinlich. :oops: Eine schwarze Brühe bürsten wir vom Holz. Hoffentlich hat das keiner gesehen.

Diese Wasser-Arbeiten sind noch die angenehmsten. Unter Deck sind 33 Grad, in der Sonne bestimmt 40. Die Sonne knallt, das Deck glüht, der Schweiß fließt.
Der ständige Wind gibt ein wenig Erleichterung. Körperlich Arbeiten in Santa Marta…nun, muss man nicht wirklich haben. ;-)

Santa Marta

Sa., 08.Jul.17, Kolumbien/Santa Marta, Tag 1134, 11.850 sm von HH

Jetzt ist klar, wo ‚Crocs‘ erfunden wurden: in Santa Marta.
Diese unsäglichen Klumpen-Schuhe, die schon mal Blumenübertopf und Parkbank gewesen sind. Die quietsch-bunten Plastik-Latschen, die man nur hassen kann. ;-)
Diese Schuhe jedenfalls wurden in Santa Marta erfunden.

Anderes Schuhwerk ist für Santa Marta ungeeignet, nachmittags, wenn der Regen kommt.

Überschwemmung nach 30 Minuten Regen

Überschwemmung nach 30 Minuten Regen

 

Für Sandalen-Träger errichten pfiffige Jungs Straßensperren.
Galant wird den Damen an der Hand über die provisorische Brücke geholfen. Ein kleiner Betrag in Münzen wechselt den Besitzer. Der wartende Verkehr nimmt es gelassen. Erst wenn die Autoschlange zu lang wird, wird die Brücke für einen Moment abgebaut.

weiteres Geschäftsmodel

weiteres Geschäftsmodel

Männer in Anzug krempeln die Hosenbeine hoch, nehmen die Lederschuhe in die Hand und waten barfuß zur anderen Straßenseite. Unbedarfte Touristen (die keine Crocs haben dürfen :mrgreen: ) ebenfalls.

Eine junge Frau versucht ihre, mit Samt-Schuhen bekleidete, Oma anzuheben, um sie über die Überschwemmung zu tragen. Vergebens.
Da kommt ein junger Mann daher und fackelt nicht lange. Er nimmt Oma Huckepack. Unkompliziert, ohne Scheu oder Scham ’springt‘ Oma auf seinen Rücken. Alle lachen und freuen sich über den gelungenen Streich. Oma strahlt ein zahnloses Lachen.
Sie ist wahrscheinlich froh, dass die Enkeltochter nicht Crocs kaufen geht.

Tiefenentspannt macht jeder das Beste aus den fast täglich statt findenden Überflutungen.

Santa Marta ist großartig.
Es ist lebendig, bunt und voller Freßbuden. Vielleicht noch mehr als in Mexiko.
Fleischspieße vom Holzkohlegrill, frittierte Sauereien, handgeschnitzte Pommes, Pizza, Emplenadas und was das Herz begehrt.
Überall stehen Verkäufer mit erfrischender Limonade. Die Köstlichkeit aus Limetten- oder Mandarinen-Saft, verdünnt mit Eiswasser gibt es für 30 Cent.
Hygienisch wahrscheinlich höchst bedenklich, aber wunderbar kalt rinnt uns die Limonade die Kehle runter. Eine göttliche Erfindung, diese Aquarien mit Limonade.

Dass wir in Südamerika sind erkennt man gleich: es wird gehupt, auch wenn kein Grund dafür besteht. Es dröhnt Musik aus allen Rohren.
Für eine mitteleuropäische Frau ist es schwierig hier. Man kann nur verlieren: jede dritte Einheimische sieht aus wie Jennifer Lopez. Lateinamerikanische Schönheiten wohin das Auge reicht.
Die Jungs sind auch nicht schlecht, aber die jungen Chicas…wow.

Unsere Pläne in Santa Marta

Do., 06.Jul.17, Kolumbien/Santa Marta, Tag 1132, 11.850 sm von HH

Sich Santa Marta von See zu nähern, darf als Enttäuschung bezeichnet werden.
Vor einer typisch Südamerikanischen Hochhaus-Kulisse liegen ein paar Frachter auf Reede. Rechts und Links ein paar begrünte Hügel, ein baumloser Strand. Die Hauptattraktion, die ‚Sierra Nevada de Santa Marta‘, fast 6.000 Meter hoch, ist in Regenwolken verborgen.

Im Slalom an den Frachtern vorbei suchen wir unseren Weg in die Marina. Die allerdings ist nagelneu und liegt mitten im Zentrum.
Eine echte Stadt-Marina. Auch mal schön nach den ganzen ruhigen Plätzen etwas Leben um sich herum zu haben. In fünf Minuten sind wir im ‚Centro historico‘.
Vom nahen Stadtstrand und der Straße schallt der Lärm herüber. Gerade so laut, dass er nicht stört. Lateinamerikanische Kläge oder auch mal ACDC oder Madonna sind zu hören. Lebendig.

In die sauberen, aber kalten Duschen der Marina kommt man per Fingerabdruck-Scan.
Sehr praktisch, steht man so nie wie der letzte Trottel ohne Zugangskarte vor verschlossener Tür. Jetzt nur aufpassen, dass man keinem Kolumbianer die Hand gibt. :lol:

Die Mitarbeiter sind super nett und hilfsbereit. Alle Gewerke sind vor Ort. Nix Kunde droht mit Auftrag, an Tag zwei war schon der Rigger da, ein Angebot ist in Arbeit. Morgen kommt der Persenning -Mann. Aber hallo.

Diese Marina wird für die nächsten Monate unser zu Hause sein.
Hier wollen wir übersommern und die Hurrikan-Saison verbringen. Kolumbien bietet sich gut dafür an. Hurrikane kommen hier nicht mehr an.

Ohne Visum dürfen wir 180 Tage im Kalenderjahr bleiben, alles sehr einfach. Die Kolumbianer gelten als freundlich, Lebenshaltungskosten sind moderat. Abgesehen von Liegegebühren.

Warum die Marina in Santa Marta und nicht das nahe gelegene Cartagena, dem Sahnetrüffel unter den Städten in der Karibik?
Hier ist die Marina preiswerter. Und das ist noch teuer. Ein Tages-Liegeplatz ist mit 65,00 EUR unbezahlbar. Ein Monat kostet auch noch 950 EUR. Bleibt man mindestens drei Monate, dann wird es interessant. Da ist durch 30% Rabatt der dritte Monat umsonst. :-)

Cartagena ist mit einer Million Einwohner doppelt so groß wie Cartagena. Uns reicht diese Größe.
Und mit Sicherheit ist Cartagena sehr touristisch. Jeder Kolumbien-Besucher will die Festung von Cartagena sehen.
Wir auch, vier Stunden Bus-Fahrt und wir sind da. So der Plan.

Von Santa Marta aus werden wir im August nach Hause fliegen und unsere geplanten Inlands-Touren unternehmen. Alles gut von hier aus zu organisieren.
Und es sind einige Arbeiten am Schiff fällig. Der Lack ist ab. Drei Jahre hinterlassen ihre Spuren.
Ende des Jahres ziehen wir dann weiter. Der Panama Kanal und der gigantische Pazifik warten.