Tag 2 ==> Gambier – Südseeträume/Südseepläne

Mi., 13.Mrz.19, Pazifik, Tag 1746, 17.181 sm von HH
Gambier? Gambier wo? Bis wir uns mit der Osterinsel-Pitcairn-Route beschäftig haben, hatten wir noch nie von den Gambier Inseln gehört. Jetzt sind sie der logische Weg auf unserem weiteren Weg in die Südsee. Das kleine Atoll (grad mal 30 km Durchmesser) gehört zu Französisch Polynesien und ist die östlichste Inselgruppe im Südpazifik. Polynesien, der Inbegriff für die Südsee. Sofort hat man die Bilder von Gaugouin vor Augen, leicht bekleidete Schönheiten mit melancholischem Blick. Französisch Polynesien besteht aus fünf Inselgruppen, die sich auf 4,5 Millionen Quadratkilometer Wasserfläche verteilen (die Größe von Westeuropa). Die Landfläche macht dabei grade mal acht Prozent aus. Das bekannteste Archipel sind wohl die Gesellschaftsinseln mit den Inseln Tahiti, Bora Bora und Moorea. 14 Inseln, geprägt durch schroffe Bergflanken, üppig bewachsen, bis zweitausend Meter hoch. Meistens von einem Ringatoll umschlossen, was die türkisfarbenen Lagunen bildet. Hier dürfte die Touristenhochburg der Südsee liegen.
Noch östlich davor liegen die Tuamotus. Auf eine Länge von fast zweitausend Kilometern verteilen sich 77 Atolle mit Inseln und Inselchen. Diese sind alle flach und ragen maximal drei Meter über den Meeresspiegel hinaus. Die Tuamotus sind bekannt für hervorragende Tauchspots und für eine Million verschiedener Türkistöne.
Die dritte Gruppe sind die Marquesas. Zwölf bergige Inseln ohne schützendes Ringatoll, aber von bestechender Pracht. „Die Luft ist wie Balsam mit einem zarten Hauch von Blütenduft, man fühlt es fast wie einen Schmerz, so vollkommen ist die Schönheit“, stellte Jack London fest. Die Inseln der Marquesas auseinander zu halten, ist eine Herausforderung: Nuku Hiva, Hiva Oa und Ua Huka, um nur drei Namen zu nennen.
Die kleinste Gruppe sind die Austral-Inseln, etwas abgeschlagen im Süden-Westen, nicht auf der klassischen Route, daher selten besucht.
Vor uns liegen nun die Gambier Inseln. Eng beieinander, wie in keinem anderen Archipel, werden 14 Inseln von einem Ringatoll eingeschlossen. Das verspricht ruhiges Wasser, weil der Pazifik-Schwell draußen bleibt.
Noch ist Zyklon-Saison im Pazifik. Zyklone sind das gleiche wie Hurrikane, haben hier nur einen anderen Namen. Sie können noch zerstörerische Stärken als im Atlantik entwickeln. Die Gambier Inseln gelten als Zyklon sicher. Das ist das Gute an dem Trick über die Osterinsel in die Südsee zu segeln. Man kann die Saison um zwei Monate verlängern. Ab Mai können wir uns dann frei bewegen. Leider nur bis November, dann müssen wir aus der Südsee wieder verschwunden sein oder uns ein Zyklon-Loch suchen, wo wir sicher vor den Wirbelstürmen sind. Wie unsere Route genau aussehen wird, wissen wir noch nicht. Die Möglichkeiten sind mannigfaltig, leider die Entfernungen riesig. Und hinter Französisch Polynesien liegt ja noch der Rest der Südsee: Fidji, Cook-Islands, Tonga und viele weitere Inselgruppen. :shock:
Als erste Schwierigkeit zeigt sich überhaupt die Gambier Inseln anzulaufen. Die letzte Nacht war toll. Dauerhaft 6 Windstärken, wir donnern durch die Dunkelheit. Zweifach gerefftes Groß und kleines Vorsegel bringen einen Schnitt von 6 Knoten auf die Straße. Der Wind kommt achterlich.Wir geben alles, aber vergeblich. Im Morgengrauen geht dann die Rechnerei los. Schnell ist klar, es fehlen uns zwei Stunden, damit wir noch bei Tageslicht ankommen. Unter keinen Umständen fahren wir im Dunkeln in ein Südseeatoll. Also Tempo raus und 15 Stunden Zeit schinden. Na, super, 55 Meilen vor dem Ziel – wegen 2 lächerlicher Stunden. Es ist jetzt das zweite Mal, dass wir super Streckenwind nicht nutzen können. Ärgerlich.
Zum Reffen haben wir nicht mehr viel. Damit bekommen wir nicht genug Speed aus dem Kahn. Auf und ab segeln klingt ebenfalls nicht verlockend bei 22 Knoten Wind. Also versuchen wir unseren neuen Lieblingstrick. Wir drehen bei. Klappt prima. Seit acht Stunden treiben wir mit 1,5 Knoten langsam dem Ziel entgegen (also halbwegs dem Ziel entgegen – Kurs 10 Grad, Ziel 340 Grad). Heute Nacht nehmen wir dann irgendwann wieder Kurs auf. Jetzt darf uns nur nicht in ein paar Stunden der Wind einschlafen. Soll er aber nicht, sagt die Vorhersage. Es dürfen noch Wetten abgegeben werden. :mrgreen:
Tagesmeilen: 109, noch 45 to go, direkter Weg.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.