Festival ‚Te Matapukurega‘

Mi., 10.Apr.19, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva/Rikitea, Tag 1774, 17.385 sm von HH

Langschläfer sind die Rikiteaner nicht. Bereits um 8:00 Uhr morgens läuft die Parade zum Festival auf. Wie bei den Olympischen Spielen tragen die teilnehmenden Gruppen die Namen ihrer Herkunfts-Insel auf Schildern vor sich her. Bunt gekleidet oder in traditionellen Kostümen. Und wieder Blumenkränze auf dem Kopf. Jetzt wird auch klar, warum die Truppe aus Hiva Oa mit kleinem Gepäck anreisen konnte. Sie haben sich heute Morgen ihre Klamotten frisch im Wald gepflückt. :mrgreen:

Parade von der Kirche zum Festplatz

Parade von der Kirche zum Festplatz

Frische Palmenwedel und Farn als erneuerbare Klamotten

Frische Palmenwedel und Farn als erneuerbare Klamotten


Ein Gesicht im Zug kommt uns bekannt vor. Das Schild gibt Aufklärung: eine kleine Delegation von Tänzern ist auch aus Rapa Nui, der Osterinsel, angereist.
Unter lauter Trommel-Begleitung zieht der Tross Richtung Festplatz. Der besteht aus einer Fußballfeld großen Fläche, abgestreut mit feinsten Korallensand. Unter kleinen Holzverschlägen wird Kunsthandwerk der teilnehmenden Atolle angeboten: Perlenschmuck, Flechtwerk und bedruckte Stoffe. Unter Zeltplanen wird schon am Aufbau des Buffets gearbeitet.

Zuschauer im Tross

Zuschauer im Tross

 

Die Reden vom Bürgermeister, vom Dorf-Sheriff und anderen wichtigen Persönlichkeiten ziehen sich. Geduldig warten die Gruppen auf ihre persönliche Vorstellung. Noch mehr Reden werden gesprochen. Merci und Maururu, ‚danke‘ auf tahitianisch, fällt häufig.

Die Rede vom Bürgermeister zieht sich, da kann man schon mal einschlafen

Die Rede vom Bürgermeister zieht sich, da kann man schon mal einschlafen

Die Atolle sprechen eine ähnliche Sprache, verstehen einander, nur die Repräsentantin der Osterinsel muss übersetzt werden. Das Ganze hat gewisse Längen, da einiges auch noch auf Französisch wiederholt wird.
Jedes Atoll gibt schon mal eine kleine Kostprobe seines Könnens und dann folgt auch schon das Essen.

Die wilden Kerle und Mädchen aus Hiva Oa

Die wilden Kerle und Mädchen aus Hiva Oa

Die dazugehörigen Trommler

Die dazugehörigen Trommler

Das halbe Dorf ist dabei mit seinen Kokosnuss-Tellern.
Mehrfach werden wir aufgefordert, uns ebenfalls zu bedienen. Ich mach es kurz: es ist besser als es aussieht. :-) Die schleimigen Breie sind Mango- und Banane-„Chutneys“. Die lila Würfel bestehen ebenfalls aus Banane. Dazu gibt es Maniok und Yucca mit Kokosmilch. Oder wahlweise Brotfrucht mit Kokosmilch. Oder Muschelsalat mit Kokosmilch. Es fehlt an allem: an Salz, an Schärfe und Gewürzen. Essbar, aber schon arg fad.

Skepsis am Buffet

Skepsis am Buffet

Abends geht es dann zur Sache. Jedes Atoll bringt seinen eigenen Stil mit. Brav im Chor gesungene ‚Aloha-Südseeklänge‘, wie man es sich vorstellt, stammen aus Tubuai. Lieblich und sanft. Die Damen der Austral-Inseln treten in züchtigen Baumwollkleidern auf.

Sängerinnen aus Tubuai

Sängerinnen aus Tubuai

Die Mädchen aus Hao dagegen, lassen die Hüften kreisen. Die Baströcke wippen, die Blicke versprechen alles und nichts. Achim versteht nicht, warum es nur auf der ‚Bounty‘ zur Meuterei kam. Er ist der Meinung, beim Anblick der Mädchen hätte eigentlich jeder Matrose seinen verwanzten Kahn verlassen müssen.

Hüfttanz im Baströckchen

Hüfttanz im Baströckchen

Nymphe beim Hüftschwung

Nymphe beim Hüftschwung

Die wilde Gang aus Hiva Oa lässt keinen Zweifel aufkommen, dass man früher in der Südsee auch im Kochtopf landen konnte. Mit Fackeln, viel Geschrei und Geheule liefern sie einen starken Auftritt. Das wilde Gebaren mit den angemalten Gesichtern und den rollenden Augen kommt auch beim heimischen Publikum großartig an. Hiva Oa kassiert den kräftigsten Applaus.

Gänsehaut-Auftritt mit Fackeln

Gänsehaut-Auftritt mit Fackeln

Drei Abende werden wir aufs köstlichste unterhalten. Während der gesungen Tänze oder dem getanzten Gesang werden auch immer wieder Geschichten erzählt: eine Liebesgeschichte, ein Mädchenraub, ein Überfall mit erfolgreicher Verteidigung des bösen Gegners. Die Geschichten berichten von der Vergangenheit der abgeschiedenen Inseln.

Immer werden Geschichten bei den Tänzen erzählt

Immer werden Geschichten bei den Tänzen erzählt

Das Fest ‚Te Matapukarega‘ auf Mangareva dient dem Flechten und Erhalten von Beziehungen über die weiten Entfernungen der Atolle hinaus, dem Erhalt der Bruderschaft der Polynesier. Erst das zweite Mal ist das kleine Gambier Atoll Gastgeber für solch eine Veranstaltung, die dieses Mal unter dem Motto ‚Te Tutakiraga‘ – ‚die Zusammenkunft‘ läuft. ‚Te Tutakiraga‘ ist ein heiliges Wort in der polynesischen Geschichte, das die Aussage bestätigt: Du bist ein Polynesier, egal wo du geboren wurdest, welchen Tanz du tanzt oder welchen Dialekt du spricht. Das Motto scheint gelungen, wenn man sich am letzten Vormittag die Darsteller anschaut. Alle zusammen tanzen begeistert den Tanz von Mangareva.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.