Pacific-Crossing 2 – ein Fazit

Mi., 10.Nov.21, Neuseeland/Opua, Tag 2719, 24.685 sm von HH

Ich nehme die Pointe gleich vorweg: aufs Sieger-Treppchen schafft dieser Törn es nicht! Wir werden in Erinnerung behalten, dass wir entweder 8 Knoten Wind oder 28 Knoten hatten. Die Tage dazwischen werden verblassen und vergessen.
Wir haben fast auf die Stunde genau drei Wochen gebraucht – macht somit einen Schnitt von 4,8 Knoten (2.423 Meilen). Die vier Flautentage (58 Motorstunden) haben den Schnitt etwas verdorben. An elf von einundzwanzig Tagen hatten wir 6, 7 und sogar 8 Windstärken – letzteres nennt sich „stürmischer Wind“. Das war okay für uns, machbar und nicht ängstigend, aber einen echten Sturm müssen wir definitiv nicht haben. Unser bestes etmal aller Zeiten (ohne Hilfe von Strömung – da hatten wir schon mal mehr) betrug 150 Meilen. Leider hatten wir auch viel Regen und einen tief grau verhangenen Himmel.

der Törn brachte entweder Flaute

oder Wind mit reichlich Schräglage

Following seas – von beachtlicher Höhe

Nachtwache bei eisiger Kälte

Tagwache bei der gleichen Kälte

echtes Schietwetter

Das bringt kalte Füße unterwegs – unsere Segelstiefel haben sich pulverisiert

Ich habe Achim gefragt, was er am besten fand. Spontan kam „die Küche“. Das freut mich natürlich. Hatten die Mahlzeiten eigentlich den Hauptzweck ohne Messer und Gabel essbar sein zu können. :lol: Am schlimmsten fand er die Flauten – das Schlagen der Segel, die Langsamkeit und nichts dagegen unternehmen zu können.
Mein persönliches Highlight war mein Ritt bei 30 Knoten ohne ein Reff in den Segeln und Achim schlafend in der Koje. Das war ein berauschendes Gefühl. Die hohen Wellen im Nacken, Adrenalin pur. Ist ja gut gegangen, also hat es Spaß gemacht. ;-) Das Schlechteste war die Müdigkeit nach zwei „verlorenen“ Nächten.

der Skipper kann sich kaum halten

Der Tanz vor der Spüle bei ruppigem Wetter

Ein herzliches Dankeschön an alle, die mit gefiebert haben und uns über viele Kanäle ihre Glückwünsche gesendet haben. Über Eure Kommentare haben wir uns sehr gefreut. Aufmerksam sind Euch sogar meine Fehler im Datum aufgefallen. Klasse. Ich werde es demnächst korrigieren. Danke an die Crews der Mari Sol, Akka und Taitonga – eure Wetteranalysen über Funk gesendet, waren sehr willkommen.
Met-Bob hat seinen Job gemacht, sich täglich gemeldet. Abgerechnet hat er 42 Euro. Ein fairer Preis. Ob wir noch einmal ein Wetter-Routing in Anspruch nehmen, bezweifeln wir im Augenblick. Es hat uns nicht wirklich nach vorne gebracht.
Atanga war toll. Aber unser altes Mädchen ist reif für Pflege. Das Deck ist nun doch Sieb artig. Alle Segel müssen zum Segelmacher. Hoffentlich ist unsere Fock noch zu retten. Die musste hart arbeiten, nachdem die Genua sich mit einem Riss verabschiedet hat. Das Bimimi war sowieso morsch und von Anfang an ein Fehlgriff vom Material. Es kommt Arbeit auf uns zu. Die Werft wartet – in den nächsten Tagen segeln wir nach Whangarei, wo wir uns einen Platz an Land bestellt haben.

Neuseeland – ein echter Meilenstein. Traumziel und Reise-Marke. Den Pazifik haben wir jetzt (fast) überquert. Den größten Ozean der Welt. Viele Crews beenden hier ihre Reise, Boote werden verkauft oder verschifft.
Wie es mit uns nach dem Refit weiter geht, ist total offen. Wie lange wir bleiben/bleiben dürfen, wie es mit dem Refit voran geht, alles offen.

Wir sind allerdings da, wo wir unbedingt hinwollten. Zum Jahreswechsel 2009/2010 haben wir einen Urlaub auf der Südinsel verbracht. Atanga hatten wir ein dreiviertel Jahr zuvor gekauft. Wir haben in Riverton – einem kleinen Nest an der Ostküste – im Hafen gestanden, aufs Meer geschaut und beschlossen, hier wollen wir eines Tages mit dem eigenen Schiff hin segeln.
Da man die wirklich wichtigen Dinge für so ein Unternehmen immer zuerst kaufen soll, bin ich sofort tätig geworden und habe schöne Geschirrhandtücher mit Neuseeland-Motiven für Atanga als Souvenir gekauft. Diese Tücher sind jetzt wieder da, wo sie her gekommen sind. :-)

Land in Sicht nach 2423 Meilen

Bay of Islands im Morgennebel

Champagner-Laune bei strahlendem Sonnenschein – alle Anstrengung ist vergessen

P.S. Bei Gesundheits-Gery hat der Schlendrian Einzug gehalten. Seinen 20-Fragen-Katalog – Fieber, Husten, Geschmacksverlust? – arbeitet er jetzt per Telefon ab. Den Lautsprecher auf lauf gestellt, brauchen wir am Ende der Fragen nur noch einmal mit ‚nein‘ antworten. Super, Garry!

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13 Gedanken zu „Pacific-Crossing 2 – ein Fazit

  1. Akka

    Sehr schön: Land in Sicht mit „Hole in the Rock“. Gut erwischt.
    Wir wünschen Euch viel Schwung bei den kommenden Aufgaben. Hier geht der Campingurlaub nach fast 3 Monaten zu Ende… No more „balancing the potty down the ladder“, no more doing the dishes in the bathroom sink, nee: Splash Ende der Woche. Hurra! Und drei Hurra für Euch!

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  2. Gorm

    Super klasse, euch in NZ zu sehen,
    Wie schön, dass es geklappt hat.
    Tolles Land, tolle Leute.
    Ich habe gute Erfahrungen mit BlueFix in Opua gemacht, falls ihr Bootsbau braucht.
    Genießt den Frühling und Sommer, hier hält der Winter mit Wind und regen Einzug.
    Alles Gute.

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  3. Andreas Buchner

    Guten Morgen,

    Seit 6 Monaten verfolge ich eure Reise und bin total fasziniert von eurem Leben.

    Seit 2 Jahren habe ich einen 44 Fuss Katamaran, Helia 44 e, und träume von Langfahrten.

    Träumen davon tue ich schon seit Kindesbeinen.

    Leider bin ich Handwerklich sehr schlecht und habe deshalb Sorge, den Traum zu verwirklichen.

    Ich hoffe, es gibt noch viele Einträge und ihr hört nicht auf.

    Fair Winds

    Gruss von Andreas aus München
    Cat STRUWWELPETER

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    1. AKKA

      … da gibt es a. immer hilfreiche Hände und Geister und b. wächst der Mensch an seinen Aufgaben, c. kann man das ja budgetär einplanen. Ich kennen einen „dyed in the wool“ Investmentbanker, der irgendwann anfing, MOtorarbeiten zu erledigen. Erfolgreich.
      Davon sollte frau/man sich keinesfalls abschrecken lassen. Machen, unbedingt! Es ist auch nicht pausenloses Basteln, auch wenn sich der Kleinkram nach 15 Jahren häuft.

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  4. ute schlott

    Wir haben mitgefiebert und freuen uns sehr über eure heile Ankunft! Chapeau übrigens zu 30 kn Wind ohne Reff…. mag ich mir gar nicht vorstellen. Ebenso wie die Crew ist Atanga echt tapfer!!!
    Nun wünsche ich Euch trotz Arbeit eine schöne Zeit in Aeteora :-)
    Ute
    SY Auriga

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