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Tierische Begegnungen (Stopp 5 und 6 – Gibb River Road)

16.-20.06.24, Australien/WA/Home Valley, Tag 198-203 Roadtrip, 14.825 km total, Tages km 195+112

Tag 8-9

Der Straßenzustand wird holpriger, je weiter wir nach Osten kommen. Die Bodenwellen schütteln uns kräftig durch. Achim versucht, die richtige Geschwindigkeit zu treffen. Das gelingt nicht immer. Zusätzlich liegt grober Schotter auf der Fahrbahn. Ein Reifen-Killer!
Auch die Flussquerungen werden länger.  Und tiefer. Toyota sagt, bis maximal 70 cm sei eine Durchfahrt mit unserem Prado möglich. Dabei gilt es unbedingt eine Welle zu vermeiden, die über die Motorhaube schwappt. Ohne Schnorchel für die Luft-Ansaugung beschert das den sofortigen Tod für den Motor. Auf ‚youtube‘ gibt es aussagekräftige Videos, wie man seinen Motor so umbringen kann. Bei schrägen Durchfahrten macht es sogar einen Unterschied, ob man mit oder gegen die Strömung fährt. Also, schön langsam durch, mit Schaltung im Kriechgang.

Die Flussquerungen werden länger und rauer – im Flussbett liegen fette Steine. Gezogene Wohnwagen wackeln wie ein Hundeschwanz.

Neben der Fahrbahn die Markierung für den Wasserstand. Eindeutig zu tief mit 80 cm, aber in der Mitte sind es nur 60 cm. Alles klappt reibungslos.

Die Straßen werden nach Osten deutlich schlechter.

Die Kimberley Region ist so groß wie Deutschland und Österreich zusammen. Grade 15.000 Menschen leben hier. Fast zur Hälfte sind es Aborigines. Das Gebiet ist allerdings keine Natur belassene Wildnis, sondern im Grunde eine riesige Rinderweide. Da Kühe Baumschösslinge kaum verbeißen, gaukelt lichter Buschbewuchs etwas anderes vor. Nur die Nationalparks werden mit Zäunen vor den Rindviechern geschützt.

Die Landschaft sieht unberührt aus. Aber tausende Rinder wieiden hinter Zäunen.

Die armen Rindviecher, die es auf die falsche Seite der durchgehenden Zäune schaffen, verdursten oder werden tot gefahren. Verdörrte Kadaver liegen am Straßenrand.

Wir stoppen erneut auf einer dieser Farmen – in Ellenbrae. Längst hat man entdeckt, dass mit Touristen leichter Geld als mit Rindern zu verdienen ist. Das Homestaed (das ist der Wohnort der Farm betreibenden Familie) bietet ein gemütliches Garten-Café und dank ‚Starlink‘, das erste Internet seit einer Woche. Aber nur, wenn man sich in einer Hütte einmietet. Der abseits liegende Campingplatz hat diesen Luxus nicht.

Wir verbringen unsere zwei kältesten Nächte im Zelt. Haarscharf reicht die Decken- und Schlafsack-Auswahl aus. Geschätzte fünf Grad. Noch weniger bitte nicht. Die schnell einfallende  Kälte macht unsere Abende etwas unerquicklich. Bereits um 17:30 Uhr ist es dunkel. In Doppel-Fluschi, mit Schal und Socken kochen wir uns ein Abendessen. Ein schneller Abwasch und ab 19:30 Uhr ins kuschelige Zelt. Noch bei einem Plausch draußen sitzen, liegt nicht drin. Wir denken über Glühwein nach. Leider mangelt es an ‚Schuss‘ und Orangen.
Andere Crews sitzen um ihre Fire-Pits herum. Wir haben keinen Platz im Auto für Feuerholz und um den Campingplatz herum ist alles weg gesammelt (in Nationalparks ist dies verboten).

Der Ellenbrae fließt gemächlich durch sein steiniges Bett.

Grevillea – Australische Silbereiche – Die Blüte geht gerade auf, noch liegen die Stängel mit den Stempeln in Schlaufen an der Knospe. Wunderschöne Blüten.

Buschdusche in Ellenbrae. Heißes Wasser wird entweder durch Solar (frühe Duschen ist in diesem Fall ein Quell der Freude) oder durch eine Gastherme erzeugt.

Beim Einpacken am letzten Morgen versucht ein blinder Passagier sich im Beutel vom Klapptisch Zugang ins Auto zu verschaffen. So blind ist der Kumpel nicht. Acht Augen hat er und acht Beine. Körpergröße sicher 4 cm und laaaange Beine. Pfui Spinne. ‚Huntsman Spider“ sind bekannt dafür, dass sie notorisch gerne in Autos klettern. Es gibt schlimme Geschichten über große Exemplare, die plötzlich hinter der Sonnenblende hervor kriechen. :mrgreen:

Huntsman – gerne wäre er mitgefahren.

Wir (also Achim) setzten den Huntsman (nicht sehr giftig) an einem Baum aus. Dort lebt er normaler Weise. Die Spinnen wohnen unter der Borke und warten dort auf unvorsichtige Opfer.
Das ermahnt mich, dass wir in der letzten Zeit etwas nachlässig mit der einzigen Schwachstelle unseres Zeltes umgegangen sind. Über die Scharniere  des Klapp-Mechanismus kann man Stofflappen ziehen, um eine Lücke nach Innen zu verschließen. Wird hier unordentlich gearbeitet, kann man von innen Licht durch das Loch scheinen sehen. Das Grauen-Loch nenne ich es.

Schwachstelle – wo der Kümmerer der Abdeckung ganz leicht seine Hand rein stecken kann, wird der Huntsman, der unter Baumrinde wohnt, ganz easy seinen dicken Körper quetschen können. Ich stopfe von innen immer Socken rein. Sicher ist besser. :lol:

Tag 10-12

Unser letzter Stopp  befindet sich ebenfalls auf einer Farm. Die Home Valley Station ist die fünft größte Rinderfarm Australiens.
Wunderschön gelegen direkt neben einer Gebirgskette, die prächtig vor uns liegt.

Die Aussichten sind phantastisch.

Am frühen Vormittag dann Aufregung im Camp. Ein Mitarbeiter vom Camp kommt auf uns zu: „Vorsicht Schlange!“ Wir springen auf.  Nur fünf Meter von uns entfernt, schlängelt sich eine schwarze, sehr dünne Schlange über die Betonfläche eines Sitzbereiches. Alle laufen zusammen. Eltern gebieten einen hohen Sicherheitsabstand für ihre Kinder. Ungerührt von der Aufmerksamkeit kriecht die Schlange weiter. Aber irgendjemand hat im Camp Bescheid gesagt. Zwei Fänger rücken an und zögern nicht lange. Ein beherzter Griff mit der Zange und schon verschwindet das Reptil in einem Beutel. „Es ist eine Black Whipsnake – eine schwarze Peitschennatter“, erfahren wir. Nur für Kinder richtig gefährlich. Das ausgewachsene Tier wird außerhalb vom Camp wieder in die Freiheit entlassen.

Eine schwarze Peitschennatter streunt durch das Camp.

Das Einfangen gefällt der Dame gar nicht.

Nach drei Tagen im Home Valley beschließen wir das Erlebnis  ‚Gibb River Road‘ zu beenden. Unsere frischen Vorräte sind fast aufgebraucht. Wir sind bei Hülsenfrüchten angekommen: Chili mit Chorizo, Mais und Kidney-Bohnen (Hochzeitstag-Essen – naja). Kartoffeleintopf mit Süßkartoffeln und roten Linsen. Thunfischsalat mit braunen Linsen. Alle Eier sind verbraucht und statt Brot muss es nun Wraps zum Frühstück geben.

„Ein Leben prägendes Abenteuer “, so wird die Tour beschrieben. Und es war in der Tat spannend und abwechslungsreich. Genau das richtige für uns Sonntags-Teufelskerle.
Aber ein wenig scheint die Gibb von den Legenden vergangener Zeiten zu leben. Damals, als nur eine Handvoll verwegener Draufgänger sich getraut haben 700 Kilometer auf Schotterpiste ohne Infrastruktur zu fahren. Damals, als auf der Gibb noch die Rindviecher getrieben wurden. Das ist seit den 50er Jahren vorbei. Heute werden sie auf Lkw verladen und mit drei Anhängern zum Schlachthaus oder in Häfen zum Lebendtransport nach Asien gekarrt.
Heute gibt es organisierte Touren. In 4×4 Bussen werden zahlungskräftige Kunden durch die Kimberley gefahren. In dauerhaft errichteten Zelten werden sie aus Feldküchen beköstigt und ihnen wird jede Verantwortung abgenommen: „Achtung an alle! Wasser, Sonnenhut und Sonnencreme nicht vergessen. Wir laufen jetzt zum Fluss.“

Zeltstadt für betreutes Camping. Sehr teure Vierrad-Touren im Bus kann man buchen.

Betreutes Camping. Die Gibb River Road für Jedermann. Bald wird es Hotels und überall Internet geben. Die Strecke wird komplett asphaltiert werden. Australien wird sich eine neue, „echte“ Abenteuerstrecke suchen müssen. Eine Strecke, die sich nur eine Handvoll verwegener Draufgänger trauen.

Die längste Flussdurchquerung am Ende der Gibb River Road. Der Pentecost ist während der Regenzeit nicht passierbar. Gerne steht das Wasser dann gerne auch drei Meter hoch.

Und dann ist es doch ein Abenteuer. ;-)

 

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Reifenplatzer (Stopp 4 – Gibb River Road)

13.-15.06.24,  Australien/WA/Manning, Tag 195-197 Roadtrip, 14.440 km total, Tages km 115

Tag 5-7

Wir fahren nur eine Etappe von gut hundert Kilometern. Unser Ziel ist das Manning Roadhouse auf halber Strecke der Gibb. Die Preise für Diesel (2.96 $ ungefähr 1,80 Euro) sind schwindelig hoch – über einen Dollar mehr als der niedrigste Preis für den wir bisher getankt haben. Auch der kleine Shop verlangt das Doppelte für Milch und Konserven.

Staubiges Roadhouse auf der Hälfte der Gibb.

Hier können wir erstmals unseren gesammelten Müll los werden. Im Outback herrschen klare Ansagen.

Wir buchen uns für zwei Nächte auf dem sieben Kilometer entfernten Campingplatz ein. Beim rückwärts fahren, passiert der Super-Gau. Peng! Es gibt einen lauten Knall, der noch fünfzig Meter weiter die Camper von den Stühlen reißt. Wir gucken uns im leicht schief stehenden Wagen entgeistert an. Die Gibb River Road ist ein Reifenfresser. Das liest man überall. Es wird sogar geraten, dass man zwei Reservereifen mitführen sollte.
Allerdings fahren echte Cowboys ihren Reifen auf den Schotterpisten platt. Doch nicht auf dem Campingplatz! An einem stehen gebliebenen Baumstumpen! :mrgreen:

Hinten links klafft seitlich ein großes Loch im Mantel. Ein irreparabler Schaden, soviel ist klar. Alles weitere läuft dann ganz gut. Terry von gegenüber hat Keile, um das Auto vor dem Wegrollen zu hindern. Die Radmuttern lassen sich problemlos lösen. Peter von nebenan borgt uns eine Platte, die Achim unter den Wagenheber legen kann. Der Wagenheber funktioniert tadellos. Der Reservereifen hat Luft und Profil und passt zum Reifen, der sich schon auf der Achse befindet. Peter kann sogar mit einem Drehmomentschlüssel dienen, um die Muttern genau richtig wieder anzuziehen.
Eine Stunde nach Knall steht der Bundy wieder waagerecht.

Der Reifen ist hin

Das Radkreuz an Bord ist keins. Die Muttern kommen aber freiwillig.

Sogar unser wichtig gekaufter Klappspaten bekommt endlich seinen ersten Einsatz. Es ist etwas uneben am Tatort.

 

Genau betrachtet haben wir viel Glück im Pech. Es gibt keinen besseren Ort für einen Reifenplatzer.  Bei weniger als drei Stundenkilometer Fahrt bestand keine Sekunde Gefahr für Leib oder Auto. Und auf dem Campingplatz wird man beim Reifenwechsel auch nicht alle fünfzehn Minuten in eine Staubwolke gehüllt.
Das Oberglück will, dass wir vor nur 35 Kilometern an dem einzigen Reifenhöker der Gibb vorbei gefahren sind.

So möchte man nicht eingestaubt werden beim Reifenwechsel. Dieseltransport auf der Gibb.

Da müssen wir Morgen wohl vorstellig werden. Beim abendlichen Lagerfeuer nicken alle zustimmend. „Ihr braucht einen neuen Reservereifen. Ohne weiter zu fahren, ist keine gute Idee“.

Schicksale verbinden – wir werden jeden Abend eingeladen am Fire Pit von Denise und Peter dabei zu sein. Die Feuer sind keine romantische Deko, sondern verhindern ernste Erfrierungen. Nach Sonnenuntergang wird es bitterkalt.

Am nächsten Vormittag fahren wir zu Nav. Einen gebrauchten Reifen hat er nicht für uns. „Alte Karre. Alte Maße. Ihr habt einen 16er Reifen. Üblich sind 18er“. War ja klar. Aber immerhin hat er einen Neuen, den er uns mit Dollarzeichen in den Augen anbietet. 420 Dollar! Haben wir eine Wahl? Nein.
„Er ist nur 70 Dollar teuer als in der nächsten Stadt“, versichert Nav.*** „Den bekommt ihr überall, um eine Achse mit dem gleichem Reifentyp zu bestücken“. Bargeld lacht. Seine Kreditkartenmaschine sei kaputt. Wir haben genug dabei, da die Campingplätze in den Nationalparks häufig nur Umschlag-Boxen haben.

Zufahrt zum einzigen Reifenhöker auf 700 Kilometer.

Bei Nav werden Sie geholfen.

Noch haben wir nichts von der nahe gelegenen Schlucht gesehen. Wir verlängern den Campingplatz um eine Nacht. Die Schlucht liegt unglücklicher Weise auf der anderen Flussseite. In Manning reicht es nicht bis zum Po nass zu werden. In Manning muss man schwimmen. Der Campingplatz bietet drei Fässer der Länge nach aufgeschnitten zum Transport von Rucksäcken und Wanderschuhen.
Es soll auch hier Freshies geben. Die Regel hier für Begegnungen mit Krokodilen sind einfach: „Nicht auf sie zu schwimmen!“  :mrgreen:

Ich habe leider keinen Bikini dabei. Mit dem Badeanzug ist es mir zu viel Getüttel. Also schwimme ich kurzentschlossen in Shorts und BH zur anderen Seite. Die Australier sind rustikal, die können das ab, bedenkt man, in was für Outfits sie morgens über den Campingplatz zur Toilette schlurfen.

Herrlich zum Schwimmen. Wenn man mal drin ist, geht es. Geschätzte 22 Grad.

Die Wanderung zum Wasserfall ist himmlisch. Bergauf, bergab führt es durch eine abwechslungsreiche Savanne. Am Ende wartet ein toller Wasserfall. Wer will – die meisten wollen – kann auch hier schwimmen und sich den Rücken vom Wasserfall massieren lassen.

Der Eindruck täuscht – wir sind nicht allein – es herrscht Hochsaison in der Kimberley. Die Campingplätze sind gut gebucht.

Nach der Regenzeit blüht es überall. Die Kimberley ist so anders als die rote Pilbara mit ihren Mienen.

Um zum Wasserfall zu kommen, muss man ganz schön kraxeln.

Picknick am Wasserfall

Ziel der Wanderung.

 

 

***Als wir Tage später wieder Internet haben, findet Achim heraus, dass der Reifen nicht sooo häufig ist, wie versprochen und eher hundert Dollar preiswerter. Was soll’s?

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Von Krokodilen und nassen Hintern (Stopp 1bis 3 Gibb River Road)

09.-12.06.24,  Australien/WA/Silent Grove, Tag 192-194 Roadtrip, 13.686 km total, Tages km 141,135,157

Tag 1

Die sagenumwobene Gibb River Road beginnt zahm. Kein Wunder, sind die ersten 120 Kilometer tatsächlich asphaltiert.
Da wir schon ein paar Meilen aus Broome hinter uns haben, legen wir an Kilometern dreißig unseren ersten Stopp auf einer noch aktiven Rinderfarm ein. Geboten werden endlose Stellplätze auf gemähter Wiese. Dazu gibt es abends ein Lagerfeuer und zum Frühstück geiern ein paar Hühner und Pfauen nach verlorenen Krümeln. Bauernhof-Idylle pur.
(38 Dollar inkl. heißer Duschen)

Campfire in Birdwood Down

Wo die Hühner ihre Eier legen-bleibt ihr Geheimnis

 

Tag 2 und 3

Am nächsten Vormittag biegen wir am Ende der Asphaltstrecke auf Schotter ab. Nach zwanzig Kilometern erreichen wir den Windjana Nationalpark. Grade als wir die Gebühren in einen Umschlag legen wollen, kommt der Ranger auf uns zu. Nach einem kurzen Plausch fragt er Achim, ob er bereits über 60 sei. Dann gäbe es einen Senior-Rabatt von fünf Dollar pro Nacht, auch ohne Australischen Rentnerausweis. ‚Alt ist alt‘, seine Devise. Ein Blick in mein Gesicht: „Du bekommst auch Rabatt.“ Ich bin nicht sicher, ob ich mich darüber freuen soll. :lol:

Windjana Gorge Campground mit toller Kulisse

Um den Campingplatz herum gibt es einen Wanderweg auf der Ebene. Die Savanne ist betörend bei Sonnenuntergang.

Wir haben einen stillen Beobachter

 

Wir sind früh dran und spazieren gleich am Nachmittag hinunter zur nahegelegenen Schlucht. Ein Traum, der jeden Designer von Landschaften neidisch macht. Um die Spannung noch zu erhöhen, soll es Krokodile  im Lennard River geben. Von den Australiern werden sie liebevoll ‚Freshies‘ genannt, da sie nur im Süßwasser vorkommen. Sie haben eine auffallend schmale Schnauze und werden maximal drei Meter lang (die Männchen).

Windjana Gorge

Stimmung nach Sonnenuntergang in der Schlucht

Früher Sonnenuntergang in der Schlucht

Windjana Gorge

Brolga-Kranich – bis 1,50 Meter hoch

Eifrig halten wir Ausschau. Und tatsächlich, auf einer Felseninsel im Fluss liegen ein paar träge Exemplare. Die Verhaltensregeln für Freshies sind einfach: „Halte dich fünf Meter entfernt und nicht ärgern, dann sind sie absolut harmlos“. So weit, so der Grundsatz. Schaut man ihre Zähne an, so könnten die auch Krawall bedeuten.

Unerreichbar auf einer Felseninsel die ersten Freshies

Am nächsten Morgen ist es noch frisch, als wir erneut in der Schlucht auftauchen. Das gegenüberliegende Flussufer ist gepflastert mit Krokodilen. Noch steif in den Knochen von der kalten Nacht versuchen sie sich dort aufzuwärmen.

Auf der anderen Seite stapeln sich die Freshies – da möchten wir näher ran

Genau-da-möchten-wir-hin!.

Wir rutschen die sandige Böschung am Ende der Schlucht hinunter und suchen uns eine seichte Stelle, um über den Lennard zu kommen. Nach einem größeren Bogen erreichen wir tatsächlich die andere Seite. Vorsichtig schreiten wir voran. Jetzt bitte kein Krokodil übersehen. Nicht, dass wir ihm den Fluchtweg ins Wasser abschneiden und die Theorie der Harmlosigkeit einer bissigen Realität weichen muss.
Leider hat unser Umweg etwas zu lange gedauert, die Sonne brennt schon heiß und die meisten Crocs sind bereits im Wasser verschwunden, als wir ihren Strand erreichen.

Am Ende der Schlucht suchen wir uns einen Weg auf die andere Uferseite.

Die Windjana Schlucht liegt vor uns

Kroko-Pfote

Wir folgen dem Fluss noch zwei Kilometer weiter

Normalerweise hat nicht jeder Stock im Wasser Augen – im Lennard River aber schon

Am Nachmittag beim dritten Besuch in der Schlucht ist es dann so einfach. Ich stolpere fast über ein Tier, was am Wanderweg-Ufer liegt. Ungerührt von unserer Anwesenheit hebt es nur träge ein Augenlid. Cool. Was für eine Begegnung.

Und dann stolpern wir fast über die harmlosen Tiere

 

Die lieben Kleinen lassen sich gar nicht stören

Sie lüpfen höchstens träge die Augenlider

Und der Kroko – der hat Zähne

Zwei Krokodile liegen wie gemalt vor der wunderschönen Windjana Gorge

(17$ Eintritt/35$ Übernachtung – erstes Camp im Nationalpark mit Duschen)

Tag  4

Nach zwei Tagen ziehen wir weiter. Ab jetzt ist die Gibb River Road unbefestigt.
Schon von weitem kann man die Staubwolken entgegenkommender Fahrzeuge sehen. Und es sind reichlich Wagen. Die phantastische Landschaft der Kimberley Region ist verlockend. Dass man dabei viel Staub schlucken muss, schreckt die Kolone der Rentner, die um Australien ziehen, nicht ab.

Nach zwei Stunden biegen wir ab zur nächsten Schlucht. Der Weg wird schlechter. Erste Flüsschen sind zu durchqueren. Zum Glück kommt uns am ersten Wasserlauf ein Auto ohne Schnorchel entgegen, so dass wir wissen, hier können wir durch ohne dass die arme Beifahrerin die Wassertiefe testen müsste. :mrgreen:

Mitstreiter machen es vor

Okay – Anlauf

Spannend

Nach ein paar Bach-Querungen erreichen wir die ‚Bell Gorge‘. Der schönste Bade-Pool mit Wasserfall in den Kimberleys, so heißt es. Nach zwei Kilometer Wanderung stehen wir vor einem malerischen Wasserlauf. Die Sache hat nur einen Haken: wer den mehrstufigen Wasserfall sehen will, muss über den Fluss.

Da wo die anderen laufen, wollen wir rüber und links runter zum Wasserfall

Barfuß treten wir zur Überquerung an. Achim vorweg. Flitsch! Schon ist es passiert. Der Chef rutscht weg und landet im Bach. Die Steine sind so dermaßen glitschig, dass es kein Halten gibt.
Wir treten den Rückzug an und beobachten die anderen Besucher. Nur wer echte Wasserlaufschuhe hat, kommt unbeschadet ans andere Ufer. Okay, haben wir nicht. Kurzentschlossen stiefeln wir mit unseren Wanderschuhen rüber, bevor es noch Knochenbrüche gibt.
Wir schaffen auch den Rückweg ohne Malheur und sind bereits fast wieder trocken als wir am Auto ankommen. Geht doch. ;-)

Mit so tiefen Wasser haben wir nicht gerechnet

geschafft

(Silent Grove Camp – 17$ Eintritt/40$ Übernachtung – kein Rabatt diesmal)

 

Wetter Talk

Der Wetterbericht in der Kimberley glänzt durch Abwesenheit von Ereignissen. Wetter findet praktisch nicht statt.
Keine einzige Wolke am Himmel. Natürlich kein Regen. Kein Morgentau und kein Wind. Vormittags mag es mal einen Windhauch geben, sonst herrscht absolute Windstille. Nachts ist es so leise, dass der Tinnitus piept wie am Spieß.

Nur die Temperaturschwankungen sind erwähnenswert. Tagsüber gute dreißig Grad, nachts fünfundzwanzig weniger. Und wie schnell es sich erwärmt. Um 6:00 Uhr wird es hell und ist eisig kalt, aber bereits um 7:30 Uhr fliegen die dicken Klamotten. Abends mit umgedrehten Vorzeichen das gleiche.

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100 Tage Roadtrip

09.03.24,  Australien/WA/Kalbarri, Tag 100 Roadtrip,  9.441 km total, 60 Tages-km

Ein Roadtrip ist durchaus mit Segeln zu vergleichen – irgendwas im Auto klappert immer.

Ich hatte es mir anstrengender vorgestellt. Aber schnell haben wir unseren Rhythmus gefunden: eine Nacht am gleichen Platz ist uns zu wenig, zwei Nächte sind ‚geht so‘, besser sind drei oder vier. Das liegt allerdings nicht am Auf- und Abbauen des Camping-Rerödels.
Reist man zu schnell, kommt die Seele nicht hinterher, sagt ein Sprichwort. Nicht nur die. Der Verstand setzt ebenfalls aus und morgens beim Aufwachen, weiß man nicht, auf welchem Campingplatz man steht.
Rechnerisch müssen wir gute 80 Kilometer täglich fahren, um die Strecke, die wir uns ausgesucht haben zu schaffen. Bleiben wir vier Nächte, gilt es die Trödelei mit einer längeren Fahrt aufzuholen. Die asphaltierten Straßen sind in einem so großartigen Zustand, dass locker 90 Kilometer pro Stunde drin liegen. Unser Bundy ist bequem und der Hintern fängt erst nach ein paar Stunden an zu schmerzen. Natürlich müssen wir dann schöne Ecken überspringen, aber das macht uns nichts aus – alles sehen, können wir sowieso nicht. Zum Glück und zur Ehegatten-Diskussionsvermeidung ticken wir da gleich.

100 Tage Roadtrip – 9500 Kilometer. Genau im Plan. Man könnte meinen, wir haben das im Griff.

Abwechselnd Plätze ohne Dusche und ohne Waschmaschine anzufahren, um dann wieder den Luxus eines Holiday Parks zu genießen, dieser Wechsel geht sich für uns gut aus. Die Campingplätze Australiens könnten unterschiedlicher nicht sein. Viele sind schon sehr alt – die Australier scheinen schon lange ein Camping-Volk zu sein. Damals wurden die Bäder noch gefliest und die Muster erinnern an Oma Erna. Alt hat manchmal Charme, manchmal kann es grausam sein, wenn nichts funktioniert und der Renovierungsrückstand vierzig Jahre beträgt. Teuer bedeutet nicht gleich gut und super preiswert kann großartig sein. Eine gute Lage rechnet sich auf gegen eine schlechte Dusche.
Klebt man in der Gemeinschaftsküche nicht fest, dann benutzen wir die gestellten Einrichtungen. Unser Ofen hat zwar ordentlich Power, aber der zweite (eine Reklamation haben wir schon erfolgreich hinter uns) macht auch schon komische Geräusche.

Hier kochen wir dann neben dem Auto

So was gibt es auch. Man kann hier operieren plus täglich neue Lappen und Schwämme.

Die Küchen sind natürlich auch Treffpunkt. Noch schlimmer als beim Segeln, nach nur einem Abend, und nette Leute sind wieder weg. Das ist schade, aber wir haben schon super nette Leute kennen gelernt. Bislang überwiegend Australier. Ein cooler Typ aus Broome will sich sogar um unser Auto kümmern, wenn wir in Deutschland sind. Daumen drücken, dass er Wort hält.

Das Chaos im Auto der ersten Wochen ist einer organisierten Unordnung gewichen. Beide wissen wir inzwischen, wo Dinge hin gehören und halten uns meistens sogar daran. Zu viele Lebensmittel, die ich nicht auf dem Schiff zurück lassen wollten, haben für zu viel Unordnung geführt. Sich zu proviantieren ist auch auf dem Land gar kein Problem. Selbst kleine Dorfläden führen ein gepflegtes Sortiment.

Jeder hat seine eigene Klamottenkiste. Die Idee hatten wir von Anfang an und es ist eine super Lösung. Nichts fliegt rum und der Wüstenstaub bleibt auch draußen. Schuhe kommen in einen Wurfeimer aus Silikon. Outdoor-Klamotten, wie Jacken, Regenzeug und Hüte ebenfalls. Die sind biegsam und passen gut in Lücken.

Abgeschnittene Wasserkanister sorgen für Ordnung – die passen genau zwischen Kühlschrank und Autotür. Am Anfang hatten wir Kartons. Das war nichts…

Auch der Aufbau von Zelt und Konsorten flutsch mittlerweile reibungslos. Die Aufgaben sind aufgeteilt, jeder macht, was er am besten kann. Der Aufbau ist nach zwanzig Minuten abgewickelt, zusammen packen dauert doppelt so lange.  Wobei das Dachzelt am meisten Zeit in Anspruch nimmt. Die Designer hätten nur ein anderes Scharnier zum Klappen der Bodens wählen müssen und den Deckel etwas höher – schon könnten Kissen und Decken in der Kiste bleiben. Haben sie aber leider nicht. Aber ein Dachzelt ist super!

Der Lange packt das Zelt

Deckel zuziehen mit Hilfs-Zügeln

Am längsten dauert es, die Überschüsse in den Koffer zu stopfen

Jeder macht, was er am besten kann. ;-) Abwasch in der Walachei.

Wir hocken den ganzen Tag aufeinander.  Auslauf vom anderen gibt es nicht. Nur Klo und Dusche bieten eine Pause vom Mitreisenden. Wir essen zusammen, kaufen zusammen ein, ja kochen sogar zusammen. Da sich Kochen im Freien wie Grillen anfühlt, denkt Achim, er sei jetzt auch ein Koch. :mrgreen:

Der neue Chef am Herd.

Schnippeln und Deko anschleppen darf ich noch.

Privatsphäre unterwegs mit Auto, Zelt und Klappstühlen gibt es nicht. Keinen Ort an dem man mal einen Augenblick die Füße hoch legen kann und beim Lesen einfach weg nickt. Im Zelt ist es tagsüber viel zu heiß.
Alles wird öffentlich. Die Hose wechseln – irgendjemand latscht bestimmt vorbei. Fußnägel schneiden – scharf unter Beobachtung vom Wohnwagen nebenan. Nase bohren, am Hintern kratzen, einen Pickel am Bauch betrachten. Der Dicke von gegenüber hat‘s gesehen.

Privatsphäre gleich null. Wenn kein Schatten da ist, muss man auch schon mal auf den Weg umziehen zum Frühstück.

Und dann ist da noch Achims Gitarre. Ein Quell der Freude. Ständig liegt sie im Weg. „Achtung, nicht einfach den Rucksack oben drauf werfen, die Gitarre!“  Dann kommt sie auf den Beifahrersitz und ist wieder im Weg. Bespielte Zeit und zur-Seite-räum-Zeit stehen in einem unguten Verhältnis – aus meiner Sicht.
Durch die Hitze im Auto hat es schon das Furnier auf der Rückseite abgelöst. „Die ist hin“, dachte ich noch so bei mir. Nein, Achim hat Leim gekauft. Vielleicht lässt er sie ja eines Tages aus Versehen am Baum gelehnt stehen. Im Rückspiegel werde ich ihr nachwinken. ;-)

Der Trip ist toll. Einzigartig. So schnuppert Freiheit. Dieser große, leere Kontinent. Die vielen Tiere, die wir bereits gesehen haben. Urgewaltige Landschaften. Diese Weite. Die Faszination der Wüste. Ja, auch der Hitze. Nie gesehen. Nie erlebt. Jedes neue Ziel ist spannend und manchmal wie nicht von dieser Welt.
Und ist das Wetter gut (letzter Regen vor über zwei Monaten), dann macht ein Roadtrip richtig Spaß. Und das ist dann auch genau so wie beim Segeln.

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Baumlos, wasserlos oder die Hölle? Drei Tage im Nullarbor!

7.-9.Feb.24,  Australien/SA+WA/Nullarbor, Tag 69-71 Roadtrip,  6.806 km total, 323+410+534 Tages-km

Die Aboriginalen nennen es
Oondiri – wasserlos.
Der erste weiße Landvermesser in der Region prägte den Namen
Nullarbor – baumlos.
Und AC/DC kam auf dieser Strecke im Tour-Bus die Idee zu
Highway to Hell.

Wer im Süden von Australien nach Westen will, muss diese 1.200 Kilometer auf sich nehmen. Es gibt auf der Strecke kein Internet und keine Orte, sondern nur Roadhouses. Die bieten kaltes Bier plus Fastfood. Ein Motel und Plätze zum Camping.
„Nimm bloß genug Kaffee mit. Langweilig. So schnell wie möglich durch. Öde Einöde“, sagen die einen. „Die Faszination von Nichts. Eine spannende Erfahrung“, die anderen.
Egal welche Erwartung man an den Nullarbor hat, alle treffen sich in Ceduna. Der letzte Ort in dem man noch woanders hin abbiegen kann als westwärts. Ein Nadelöhr. Ähnlich wie der Panama Kanal für Segler. Ähnlich ist auch die Stimmung auf dem Campingplatz. Gespannt lauscht man den Geschichten derer, die gerade aus Westen kommend die Strecke hinter sich gebracht haben. Zitronen und Zwiebeln wechseln den Besitzer, denn eine Lebensmittelkontrolle wird auf halber Strecke erfolgen. Die aktuellen Sprit-Preise haut man uns um die Ohren: locker 90 Cent Aufschlag! Haben wir genug zu essen? Wie viele Stopps werden wir brauchen?

1200 Kilometer mal mehr, mal weniger nah an der Küste lang. Parallel verläuft die Bahn.

Und dann fahren wir einfach los. Bereits nach 70 Kilometern der erste Stopp. In Penong sammelt jemand alte Windmühlen. Diese hübschen Räder, die in jedem Western dazu gehören, haben ausgedient. Heute stehen Solarpanele auf den Feldern, um Wasserpumpen anzutreiben. Modern, aber nicht halb so nett anzuschauen.

Das ist Bruce – die größte Comet-Windmühle Australiens – gebaut 1932 – 10 Meter Flügeldurchmesser – nur 35 seiner Art wurden hergestellt

Komplett anderes Prinzip

Verschiedenes Alter – verschiedene Hersteller

Ein paar hübsche Loris bei den Windmühlen

 

In Penong treffen wir auch die beiden Deutschen wieder, die bereits gestern los gefahren sind. Die beiden möchten den Nullarbor mit dem Fahrrad durchqueren. Wir haben ihre Beweggründe im Gespräch nicht vertieft. Ich tippe auf eine Art Buße. Eine moderne Version von Selbstgeißelung. ;-) Spaß kann das wenig bereiten. Denkt man allein an die Road Trains. Monströse Lkws mit drei Anhängern (es gibt noch längere Gespanne, aber nicht auf dem Nullarbor), die mit erlaubten 90 bzw. 100 km/h über den Highway donnern. Manchmal kommt auch noch eine Überbreite dazu. Ein Road Train darf eine Länge von 53 Metern haben und bis zu 132 Tonnen wiegen. Ich möchte nicht von so etwas auf dem Fahrrad überholt werden.

18 Tage kalkulieren die beiden für ihre Reise – wenn ich allein an die Roadtrains denke – die sind schon im Auto unangenehm

Nur noch 1121 Kilometer gerade aus – go Fahrrad go. Die Anzeigen in Maps me sind witzig.

Mit ihren Känguru-Abweisern – Roo Bars – putzen die Road Trains gnadenlos alles weg – was nicht rechtzeitig von der Straße ist

Roadtrain mit Überbreite – da macht man besser Platz – die kommen mit 90 Klamotten angebraust – ein Achtung-Auto fährt vorweg

Noch wachsen Bäume rechts und links. Diese werden vom längsten Zaun der Welt durchschnitten. Der Dingo Fence ist 5.600 Kilometer lang und trennt das Südöstliche Viertel von Australien vom Rest. In den 50er Jahren als Schafzucht immer größere Bedeutung bekam, entschied die Regierung, dass der Schutz der Schafe vor Dingos zur Chef-Sache gemacht wird. Man baute einen Zaun. Auf der Nordseite hat er einen Versorgungs-Weg und liegt 50 cm auf der Erde, um ein Untergraben durch die Dingos zu verhindern.

Dingo Zaun – Die meinen das total Ernst. Über die Gitter am Highway kommt kein einziges Tier.

Schilder nur für Touristen fragen wir uns – wir haben auf 1200 Kilometer weder ein Kamel noch einen Emu oder ein Känguru gesehen

Unseren ersten Übernachtungsstopp legen wir nach 323 Kilometern im Nullarbor Roadhouse ein. Ein kultiger Ort. Sogar das alte Roadhouse steht noch, was es schon gab, als die Strecke noch nicht asphaltiert gewesen ist. Bäume gibt es nun keine mehr. Dafür umso mehr Staub. Und total plattes Land bis zum Horizont. Wir stehen mitten in der Wüste und es ist kalt. Von See her bläst ein steifer Wind. Wir verkriechen uns in den Windschatten einer alten Cabin. Nach Sonnenuntergang muss ich Socken her kramen.

Der Bundy vor dem alten Roadhouse mit alter Zapfsäule

Campingplatz im Nichts – was der Zaun soll, ist unklar.

Ein staubiger Platz – Gäste nur für eine Nacht – da braucht man keine Stammgäste-Kult betreiben. Alles ist etwas ramponiert und ungepflegt – 21 Dollar – heiße Dusche extra.

 

Abends wird es ruhig an der überteuerten Tankstelle – die Road Trains tanken nicht – sie können durchfahren

Road Train – Überbreite – Überlänge – Übergewicht

Ungefähr alle 15 Minuten kommt einem ein Road Train entgegen

Am nächsten Morgen brechen wir früh auf. Parallel zum Highway verläuft die Bahnlinie, die Sydney mit Perth über 4000 Kilometer verbindet. Auf der Strecke gibt es alte Bahnstationen, die heute fast alle verlassen sind, seit Diesel-Lokomotiven die Züge ziehen. Stationen zur Wasseraufnahme für die Dampfloks werden nicht mehr benötigt.
Aber an einer Station – in Cook – wohnen noch zwei Leute. Hier hält der Zug freitags und montags. Die Passagiere dürfen aussteigen und Nostalgie schnuppern. Das wollen wir auch.
Trotz vieler Bemühungen haben wir den Zustand der unbefestigten Straße nach Cook nicht in Erfahrung bringen können. Sie ist hundert Kilometer lang und führt schnurgerade ins Nirgendwo. Die Fahrt soll zwei Stunden dauern. Okay, wir sind dazu bereit.
Die ersten 15 Kilometer läuft es gut. Aber dann tauchen heftige Löcher auf. Einige sind mit Bull Dust gefüllt. Das ist puderfeiner Sand, der Löcher bis zum Rand füllt und diese sau gefährlich macht. Uns kommen Bedenken. Die Straße ist so gut wie nie befahren. Keiner weiß, wo wir sind. Sollte „etwas“ sein, könnten wir lange warten. Unter einigen Seufzern der Enttäuschung drehen wir um. Nur eine kleine Tannenzapfen-Echse guckt doof, warum wir so schnell wieder zurück kommen.

Die Straße nach Cook – immer gerade aus. Verirren unmöglich.

Dingo-Spuren – kein Zweifel – hier wohnt niemand – Hunde können es nicht gewesen sein

Mit einem Buddy-Fahrzeug hätten wir uns getraut

Solche Löcher bewegen uns zur Umkehr

Woher der Name Tannenzapfen kommt – klar zu erkennen

Später am Tag führt der Highway näher an der Küste entlang. Wir machen ein paar Abstecher. Wahnsinn – was für eine Steilküste. Die heutige Ebene war mal Meeresgrund und besteht aus Kalkstein. Der ist total löchrig und wenn besonders hohe Wellen an die Küste treffen, kann man durch Röhren noch hundert Kilometer im Inland entströmende Luft hören und fühlen.

Abstecher zur Küste sind phantastisch – hier ist das Ende der Welt – ohne jede Frage

Nach der Steilküste wird es etwas flacher

Der ganze Nullarbor ist ein großer Kalkstein – durchlöchert und mit Höhlen jeder Größe gespickt

Nachmittags erreichen wir die Grenze zwischen Süd-und Westaustralien. Total verrückt ist die Kontrolle im Nichts. Es ist verboten (hohe Strafen drohen bei Missachtung) jegliche Art frischen Gemüses, Obst, Honig oder Kartoffeln über die Grenze zu bringen. Jedes Auto wird kontrolliert. Unsere letzten Tomaten verdauen wir gerade bei der Kontrolle. Fruchtfliegen und andere Schädlinge sind der Grund dafür.

Die zweite Nacht verbringen wir im Roadhouse Madura (25 Dollar) nach 410 Kilometer Fahrt. Inzwischen gibt es auch wieder Bäume. Herrlich stehen wir unter Eukalypten im Schatten. Es ist wieder heiß – so wie man es erwartet. Der kalte Wind hat sich gelegt.
Alle zweihundert Kilometer steht ein Roadhouse. Dazwischen gibt es ausgewiesene Stellen an denen man ebenfalls übernachten darf. Sie kosten nichts, aber sie bieten auch nichts – nicht einmal eine Toilette.

Neben der Ebene ab Küstensaum taucht an Tag drei eine Hochebene auf – herrliche Blicke bis zur Küste

Roadhouse Madura

Tag drei bietet die längste Geradeaus-Strecke Australiens: 146,6 Kilometer. Für Abwechslung sorgen reichlich Wellen in der Landschaft, so dass sich immer wieder tolle Fotomotive ergeben. Bequem kann man auch mal zehn Minuten auf der Straße stehen, ohne dass ein Auto kommt. Die Verkehrsdichte hält sich in Grenzen. Alle fahren mit gleichem Tempo, so dass wir in drei Tagen nur zweimal ein langsames Gespann überholen müssen.

147 Kilometer keine Lenkbewegung nötig – ideal für Fahranfänger

 

Blick nach Westen

Um 180 Grad gedreht – Blick nach Osten

Ein Überholmanöver – ein Überholmanöver – ein Überholmanöver! Der Tagesaufreger. ;-)

Inzwischen führt der Highway durch einen der größten Misch-Wälder der gemäßigten Klimazonen. Leider hat es vor vier Jahren auf der südlichen Seite des Highways einen schlimmen Buschbrandt gegeben. Viele Hektar wurden vernichtet. Zum Glück hat die Straße als Brandschneise ein Übergriff des Feuers auf die Nordseite verhindert.

Der Eukalyptus hat überlebt – Fast alle Bäume schlagen wieder aus – aber die Wuchshöhe nach vier Jahren ist nicht so doll.

Am Ende wird es bunt. Salzseen! Der Kontrast der Farben knallt auch in der Realität total rein

Fazit: Die 1200 Kilometer durch den Nullarbor haben Längen. Das muss man eingestehen. Und trotzdem war es für uns eine reizvolle Strecke. Viele Abstecher in die unbefestigten Seitenwege lohnen sich und bieten Abwechslung.
Faszinierend sei die Strecke, wie die Freunde vom Nullarbor sagen. Wir sind jetzt auch Freunde.

 

Leider ist unsere Drohne kaputt. Nicht abgestürzt, sondern sie hat einfach so den Geist aufgegeben.
Da der Nullarbor von oben so phantastisch ausschaut, habe ich Ben von thedroneway.com.au gefragt, ob ich drei Fotos von ihm verwenden darf. Er war so nett.
Daher hier bitteschön zum Genießen.

The-Treeless-Plains-Nullarbor

Bunda-Cliffs

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