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Da kommt etwas großes Rotes auf Sie zu

Freitag, 16.Januar 2026; Neukaledonien/Nouméa; Tag 4.248

Ein Tiefdruckgebiet rückt Neukaledonien auf die Pelle. Die europäischen und amerikanischen Wettermodelle sind sich einig: Neukaledonien wird direkt betroffen sein. Am Dienstag wird es uns erreichen. Das Tief ist kein Zyklon, es hat auch noch keinen Namen bekommen. Die Windvorhersagen sind einigermaßen moderat. Knapp fünfzig Knoten an der windigen Seite des Tiefs. Vierzig Knoten bei uns in der Marina.

Wir haben erste Maßnahmen getroffen. Unser Dinghy ist sturmfest verzurrt und die Vorsegel sind runter. Alles ohne Besorgnis, reine Vorsicht und, wenn wir im Februar Atanga alleine lassen, müssen wir das sowieso vorbereiten. Wir sind so cool wie unsere Nachbarschaft, die sich mit den Vorhersagen auskennt. Zumindest tun wir so. :lol:

Das Tief ist sehr groß und etwas zerfleddert. Die typische Zyklonspirale ist nicht stark ausgeprägt. Das ist gut. So wie ein Eiskunstläufer sich schneller dreht, wenn er seine Arme an den Körper legt, zieht auch ein kleines Tief Luftmassen auf engem Raum zusammen.
Nicht so gut ist die Hitzewelle, die Nouméa seit ein paar Tagen in Schweiß badet. Über 36 Grad warme Luft strömt aus Australien zu uns rüber.
Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit speichern als kühle. Diese feuchtwarme Luft steigt auf, kondensiert und setzt latente Wärme frei. Diese Wärme heizt die Umgebungsluft weiter auf, lässt sie noch schneller steigen. Wir merken die Feuchtigkeit am eigenen Leib, der Schweiß strömt. Leider füttert dies ein Tief wie ein Turbolader. Innerhalb kürzester Zeit kann sich eine harmlose Depression zu einem Wirbelsturm entwickeln. Allen schweren Zyklonen in Neukaledonien ging eine Hitzewelle voraus.

Keiner weiß genau, wie sich das Tief in den nächsten vier Tagen entwickeln wird. Gesichert sind heftige Regenfälle. Diverse Warnseiten vor Ort informieren die Bevölkerung seit Tagen. Die blumigen Übersetzungen aus dem Französischen sorgen bei uns eher für Heiterkeit: „Zyklonische Saison. Die Erinnerung. Die Wacht. Neukaledonien weiß, was Stürme wert sind. Heute, selten stimmen Wettermodelle zu einem glaubwürdigen Szenario zusammen, ohne Sensationalismus (welche KI denkt sich solche Wörter aus?), aber mit Klarheit.“
Aha!

GFS sieht den direkten Überflug über Neukaledonien. Die Europäer meinen, dass wir nur gestreift werden.
In vier Tagen wissen wir mehr. Hoffentlich bleibt das „Ding“ recht harmlos. Wir sind da, wo der weiße Punkt ist.(Foto credit: predict wind)

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