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Flucht aus den Bergen

18.-19.Feb.24,  Australien/WA/Stirling NP, Tag 80+81 Roadtrip,  8.158 km total, 280 Tages-km

Parallel zur Südpazifik-Küste ziehen wir weiter westwärts. Die öden Stoppelfelder bleiben uns erhalten. Als die Landschaft hügelig wird und am Horizont die Stirling Ranges erscheinen, sehen die Felder auf einmal prächtig aus. Unsere Wahl ist auf ein Busch-Camp gefallen, direkt an der Kante zum Stirling Nationalpark und nur über eine wellige Buckelpiste zu erreichen. Der Platz ist toll gelegen (40 Dollar – aber die Lage rechtfertig dies) und ein super Wanderweg führt direkt in den Nationalpark hinein.

Stoppelfelder nett in Szene gesetzt

Anfahrt zum Camp – Stirling Ranges im Hintergrund

Wunderschöner Weg – direkt vom Zelt losgelaufen

Am Nachmittag setzen wir uns in den tiefen Schatten des netten Gemeinschafts-Platzes.  Obwohl #Stirlingranges Erwähnung bei Instagram findet, ist der Campingplatz sehr leer. Das führt zu einer unglücklichen Verknüpfung von Hitze und dem Opi, der im Busch-Camp nach dem Rechten guckt. Mangels anderer Gäste schießt er sich auf uns ein. Er ist ja grundsätzlich ganz nett, aber ungefragt bombardiert er uns mit Ratschlägen. „Morgen wird es sehr heiß, da könnt ihr nicht wandern. Ihr solltet heute noch mal los fahren. Oder ihr Fahrt ans Meer. Ist nur zwei Stunden Fahrt. Wie lange wollt Ihr noch bleiben?“
Weder sanfte Seufzer, noch etwas deutlichere Genervtheit können ihn stoppen.

Wir schauen selber in den Wetterbericht. Und ja, es werden 45 Grad vorhergesagt. Für ein paar Stunden zieht eine Hitzewelle über Westaustralien und trifft mittags in Stirling ein. Da können wir unmöglich in den Bergen herum kraxeln. Wir überlegen,  den Tag im Camp zu „überbrücken“ mit süßem Nichtstun. Abends kann man Kängurus und Emus sehen.
Nein, da kommt schon wieder der Opa angelaufen und erzählt uns seine Stories. Er ist nur schwer bis gar nicht zu ertragen. Wir lassen uns tatsächlich vertreiben und bleiben nur zwei Nächte.

Emus auf der Farmweide neben dem Campingplatz

Im Frühjahr sollen hier Wildblumen und etliche Orchideen blühen – es kommen dann Gäste in das Camp, die für einen Bush Walk 40 Dollar bezahlen. Im Sommer ist der Weg kostenlos, aber ohne Blüten.

 

Feuer Talk

In Australien sind Buschfeuer im Sommer allgegenwärtig. Schon immer. Aktuell schafft es ein Feuer in der Nähe von Melbourne sogar in die Tagesschau.
Wer plant durch Buschland zu fahren, soll sich vor Antritt der Fahrt über Feuer auf der Strecke erkundigen. Gute Dienste leistet die App ‚Fire near me‘. Man wird über vier Farb-Eskalationen vor Feuern im Umkreis von 50 Kilometern vom eigenen Standort gewarnt. Ein komisches Gefühl, sich vor dem Start um Feuergefahr kümmern zu müssen.

Screenshot aus der ‚Fire near me App‘. So sieht es aktuell in der Nähe von Melbourne aus. Rot bedeutet: „Gegend umgehend verlassen“.

Die Hitzewelle, die jetzt über Westaustralien rollt, wird von starken bis stürmischen Winden begleitet. Das hat Konsequenzen im Alltag. Ein kompletter Fire Ban wird ausgerufen. Metallarbeiten, wie Schweißen und Flexen sind bei solch einer Kombination verboten. Off Road Aktivitäten (in Australien ist off-roaden ein normales Hobby – wie schwimmen gehen oder angeln) nicht erlaubt. Es sei denn für landwirtschaftliche Zwecke.
Die Behörden meinen das ernst. Die Strafen sind heftig. Es drohen 25.000 Dollar Belohnung oder ein Jahr Kittchen.

Etwas westlich von Stirling ist Holzwirtschaft seit über einhundert Jahren etabliert. Eine Eukalyptus-Art, der Karri,  wächst besonders grade und wird über 75 Meter hoch. In der 40er und 50er Jahren des letzten Jahrhunderts hat man auf drei besonders stattlichen Exemplaren Feuer-Wachposten errichtet. Spiralförming sind Eisenstangen in den Stamm getrieben worden. In der Krone wurde eine Plarrform gebaut.

Feuerbaum in Manjimup. Bis vor ein paar Jahren durfte jeder, der mutig genug war, den Baum bis in 53 Meter Höhe erklettern. Aber im unteren Bereich wurde Rott im Stamm festgestellt, so dass er nun für die Allgemeinheit gesperrt ist. Die Feuerwehr nutzt ihn aber noch immer als Feuer-Warnbaum.

Fast auf allen Campingplätzen gibt es sogenannte Fire Pits in denen man Lagerfeuer machen darf oder auch grillen kann. In den Genuss sind wir noch nicht gekommen. Im Sommer ist die Nutzung absolut verboten. Alle haben Angst vor Buschfeuer. Sie kosten Menschenleben, Vieh und Wildtiere verenden jämmerlich und tausende Hektar Wald oder Agrarflächen werden jährlich zerstört.

Fire Pits auf Campingplatzen – jeder Platz hat seinen eigenen Pit. Im Augenblick ist die Nutzung striktens verboten.

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