Di.,23. Mrz. 2021, Franz.Polynesien/Bora Bora/Piti Aau, Tag 2487, 21.377 sm von HH
Knapp zwei Wochen schwimmen wir bereits in der Lagune und können uns nicht satt sehen. Diesem Rausch an Türkis kann man sich kaum entziehen. Die Tage ziehen wie ein blaues Band an uns vorbei.
Große Sandflächen sind ja meistens etwas fischarm, anders als die übervölkerten Riffe. Aber regelmäßig ziehen Rochen unter Atanga oder unseren Kajaks durch und wühlen im Sand nach Fütter. Eine Gruppe Adlerrochen fliegt stationär an der Südspitze der Lagune ihre Runden. Und einem Millionen-Heer an kleinen Schwarmfischen dient die Lagune als Kindergartenplatz. Manchmal wird Atanga für die Kleinen zum schützenden Riff und sie umkreisen uns in großen Schwärmen. Gefräßige Hornhechte und Makrelen stöbern ihre Beute trotzdem auf. Wir hören es sofort, wenn die Jäger die Kleinen entdeckt haben. Im Fressrausch klatschen die Makrelen mit ihrem Schwanz an unsere Bordwand. Zeitweise brodelt das Wasser regelrecht. Die Hornhechte sind da besonnener. Sie picken sich mit langem Schnabel ihre, vom Schwarm abgesprengten, Opfer aus dem Wasser. Hunderte Hornhechte lungern an unserer Badeleiter. Als ich vorsichtig zu ihnen ins Wasser gleite, ist ihnen das allerdings nicht geheuer. Recht schnell suchen sie das Weite. Und wir haben unserem Schwarm für zwei Stunden das Leben gerettet.
In Deutschland ist Frühlingsanfang. Das freut mich, wenigstens ein Jahreszeiten-Hoffnungsschimmer am ewigen Lockdown-Horizont. Wir sprechen viel über die Lage in Deutschland, saugen uns Infos rein, so gut wie unser tägliches Daten-Volumen es zulässt. Zunehmend sind wir fassungsloser, ob der Einfallslosigkeit der Maßnahmen, der lähmenden Bürokratie und schlechten Organisation.
Bei uns ist Herbstanfang. Das freut mich auch. Die letzten Wochen ist es ganz schön heiß bei uns geworden. Das Meer hat seinen Wärme-Höhepunkt erreicht. Dauerhaft 28 bis 29 Grad. In der Lagune blühen die Algen und Atanga ist mit einem dicken Rasen bewachsen. Keine Pocken, nur weicher Bewuchs. Zwei Tauchflaschen-Füllungen verbraucht die Rasur. Zwei Tage später ist bereits ein neuer Flaum gewachsen. Unter Deck herrschen dauerhaft 31 bis 34 Grad. Die Tage in der Lagune waren windarm, was das Leben an Bord zum Kochen bringt. Besonders beim Kochen. Der Schweiß fließt in Strömen. Ich tippe auf vierzig Grad. Das einzige Thermometer an Bord, was nicht an die Wand geschraubt ist, binde ich mir vor die Stirn. Aha!, Kinderbad-Temperatur ist überschritten!

Über den Töpfen stehen 40 Grad zur Diskussion
Das bringt mich zum Drohnen-Info-Update. Unserem Gimbal ist es auch schlicht weg zu heiß. Achim hat die Idee, Atanga-Air vor dem Start eine Abkühlung im Kühlschrank zu verordnen. Und siehe da, seitdem funktioniert der Gimbal wieder prima. Auch die Landung auf meiner Hand bringt uns weniger erhöhten Blutdruck. Üben übt – alte Weisheit.
Wir teilen uns das Mooringfeld mit vier bis sechs anderen Booten. Ein Luxus-Zustand. Wir finden neue Segel-Freunde, leider nur für ein paar Tage, dann müssen Yvonne und Helmut nach Tahiti zurück. Das Hotel an der Südspitze vom Motu hat als eines der wenigen auf Bora Bora noch geöffnet. Ein bescheidener Gästeandrang herrscht nur am Wochenende. Wahrscheinlich Polynesier und Franzosen aus Tahiti. Die Grenzen sind nach wie vor geschlossen. Mit einer Öffnung ist nicht vor Mai zu rechnen.
Der Rest der Insel ist für uns tabu. Hinter dem Hotel stehen die Häuser der Einheimischen. Mit Schildern weist man uns darauf hin, dass die Grundstücke privat sind. Wir paddeln also vorbei und gehen nur dort an Land, wo niemand wohnt.
Seit heute ist das Wetter gekippt. Die Flauten-Tage sind vorbei. Ein strammer Passat aus Ost peitscht die Lagune auf. Wir sind inzwischen auch arm an frischen Vorräten – eine letzte Gurke liegt im Kühlschrank. Es ist Zeit, die Lagune loszulassen.