Light- und Soundshow an Neujahr

01.Januar 2026; Neukaledonien/Nouméa; Tag 4.233

Nouméa hat in der Vergangenheit auf den Klassiker zum Jahreswechsel gesetzt: Feuerwerk!
Für 2025/2026 hat man sich etwas Neues ausgedacht. Eine Light- und Soundshow. Um 20:00 Uhr soll es losgehen auf der anderen Seite der Stadt. Eine Dreiviertelstunde Fußmarsch für uns. Diesmal sind wir essens-technisch vorbereitet. Die Ankündigungen informieren, dass es keine Fressbuden geben wird. „Bringen Sie alles für ein Picknick mit.“

Die Örtlichkeit ist gut gewählt. An einer langgezogenen Bucht gibt es genug Rasenflächen, dass alle Besucher einen Platz für ihre Decken finden. Und Besucher sind zahlreich gekommen. Dieses neue Ereignis möchte sich keiner entgehen lassen. Vollmundige Ankündigungen locken tausende Gäste an. „Wenn die Nacht hereinbricht, verschmelzen Musik und Licht zu einer einzigen Sprache …“

Über der Bucht scheint der fast volle Mond. Toller Platz für das Spektakel.

Wir erreichen die Bucht noch bei Tageslicht. Mit Sandwich und hart gekochten Eiern im Gepäck. Das Wetter ist gut. Auf der gegenüberliegenden Insel sind große Traversen aufgebaut. Mit Scheinwerfern und Leinwänden bestückt. Erste Laser zucken in der zunehmenden Dämmerung.
Lautsprecher stehen im Wasser, ebenfalls auf imposanten Gestellen. Leider ist es etwas zu windig, der schmale Streifen Wasser zwischen Insel und Bucht erzeugt keine perfekte Spiegelung der Lichter.
Welche Art Musik uns erwartet, wissen wir nicht. Das wurde nicht verraten.

Alle haben ihr Picknick dabei. Als es dunkel ist, bekommt man keinen Platz mehr. Gut besuchte Show.

Laser strecken ihre Finger in den Himmel. Vorne im Wasser stehen die Gestelle mit den Lautsprechern. Alles recht aufwendig.

Pünktlich geht es los mit einer Ansprache der Frau Bürgermeisterin. Dann erscheint ein Countdown auf den Leinwänden. Die Leute zählen aufgeregt mit. Bäng, ein Knall, alles liegt im Dunkeln. Dann rote Lichter, Laser und Blitze. „The Show must go on“, schmettert Freddy Mercury über die Bucht. Der Sound ist glasklar. Keine Übersteuerung, kein Kratzen. Das fängt vielversprechend an.

Auf den Leinwänden erscheinen psychedelische Spiralen und Muster.

Leider ist die Vorstellung dann enttäuschend. Die Musik baut weder aufeinander auf, noch passt sie überhaupt zusammen. Statt dramatischer Steigerungen hören wir ein musikalisches Chaos: Auf Queen folgen französische Schlager, danach ein Chanson, plötzlich Abba und Eurodance. Zum Schluss David Guetta mit ‚Titanium‘. Die Mischung wirkt eher wie eine zufällig gewählte Playlist eines überforderten DJs als wie eine durchdachte Show.“
Keine Gänsehautmomente. Die Show ist flach. Hinter den Lautsprecherboxen stehen Nebelmaschinen. Die sind zu klein. Der Effekt verpufft, dass die Laser sich im Nebel verlieren. Es steigen nur ein paar müde Nebelwolken auf.

Die Palmen auf der Insel sorgen für Atmosphäre.

Müde erreichen die Laser die Nebelwolken. Manchmal schimmert auf, wie es gedacht war.

Nach einer knappen Stunde ist die Vorstellung zu Ende. Die Begeisterung der Menge hält sich in Grenzen. Statt Verzauberung bleibt nur das Zusammenfalten der Picknickdecken. Stumm zockeln die Zuschauer zu ihren Autos.
Im Internet finde ich dann die komplette Ernüchterung. Die Veranstaltung wird von den Einheimischen zerrissen. „Nul – wertlos“, ist die überwiegende Meinung.
Schade. Die Idee ist toll gewesen. Der Ort perfekt. Vielleicht klappt es ja nächstes Jahr besser.
Ohne uns.

Nul – Die Internetbewertungen fallen schlecht aus.

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Tschüss 2025 – willkommen 2026

01.Januar 2026; Neukaledonien/Nouméa; Tag 4.233

2025 hatte eigene Ideen mit uns. Zweimal wurden unsere Pläne kräftig durchgeschüttelt. Im Februar mein gebrochener Arm. Statt für Indonesien haben wir uns für Neukaledonien entschieden. Und dann ein Visum, das „nein“ sagte. Neuseeland war nun auch gestrichen.

Pläne? Neu sortiert.
Routen? Umgelegt.
Das Leben findet jeden Tag einen Grund dafür. Nicht nur auf See. Jobs, Termine, Familienplanung. Alles ist im Fluss. Kaum hat man sich auf einen Kurs geeinigt, kommt ein Schelm von hinten und verändert die Route. Uns hat 2025 nach Nouméa geführt. Ganz so schlimm war das Jahr also nicht. Nur total konsequent darin, uns umzulenken.

Für 2026 wünschen wir Euch Gelassenheit bei Veränderungen und genug Humor, wenn Pläne über Bord gehen. Ein glückliches neues Jahr für alle!

Unsere Pläne für 2026

Angesichts der erwiesenen Sinnlosigkeit von Plänen erscheint es verwegen, dass wir trotzdem welche haben.  :mrgreen: Einiges ist konkret, anderes noch schwammig.

Februar/März – Vier Wochen Wohnmobil auf der Südinsel waren geplant. Da wir Neuseeland nun ganz, ganz doof finden, verzichten wir auf weitere Annäherungsversuche. Eine Einreise per Flugzeug haben wir verworfen. Stattdessen haben wir uns etwas Spannenderes ausgedacht: Tasmanien! Der südliche Zipfel Australiens soll ähnlich wie die Südinsel Neuseelands sein. Nur wilder, mehr Tiere, weniger Regen und überhaupt: viel besser. Ätschi bätschi!

Unser Vehikel. Campervan und Flüge sind gebucht. Wir haben uns für einen 4×4 entschieden. Wissen wir doch, dass Australien für uns da am schönsten ist, wo man nur mit Vierrad-Antrieb hinkommt. :-) (foto credit: Autovermietung ‚AutoRent‘)

Spätestens Mitte Mai müssen wir Neukaledonien verlassen. Die zollfreie Schonfrist für Atanga läuft dann aus. Das passt gut, dann ist auch die Zyklonsaison zu Ende.
Bis zum Jahresende liegt eine ambitionierte Strecke vor uns.  Rund 5.000 (in Worten fünftausend) Meilen. Dafür haben wir knapp sieben Monate Zeit. Das ist ja genau das Richtige für die segelfaule Bande hier an Bord.

Von Neukaledonien nach Malaysia gibt es zwei grobe Routen. Nördlich oder südlich von Papua-Neuguinea entlang. Der Unterschied sind tatsächlich nur 50 Meilen in der Länge.
Alles westlich von der Grenze durch Guinea ist Indonesien. Der größte Inselstaat der Welt.

Unser erstes Ziel im Mai ist überschaubar. Bis Vanuatu sind es 250 Meilen. Easy. Aktive Vulkane und verrückte Turmspringer stehen auf der Liste. Für Vanuatu sind 30 Tage geplant. Visaverlängerungen darüber hinaus haben den Ruf, „schwierig“ zu sein.

Unser Jahresendziel heißt Malaysia. Zwischen Vanuatu und Malaysia liegt der Streckenverlauf noch im Dunkeln. Indonesien ist riesig, tausende Kilometer lang und mit aufwendigen Visa-Regelungen behaftet. Die Route glänzt durch die komplette Abwesenheit von Ausweichländern. Hat man erst mal den Fuß auf indonesischen Boden gesetzt, muss man weiter. Unglückliche Gegenwinde ab November (Stichwort: ‚durch den Monsun‘) erleichtern die Planung nicht.

Die grobe Strecke durch das Inselgewirr von 17.000 Inseln ist vorgegeben. Die Details werden von uns noch ergänzt, verworfen oder komplett ignoriert. Pläne sind gut, Umwege auch. Und meistens wird es genau da interessant, wo wir nicht hinwollten.
Fortsetzung folgt. Wie immer.

Wir freuen uns auf ein gemeinsames Jahr 2026 mit Euch. Vielen Dank, dass weiterhin so Viele tapfer mit uns durch die Lande reisen und unsere Planänderungen verfolgen. Herzchen-Emoji.

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Der Weihnachtsmann, kein Essen an Heiligabend und die Versöhnung in der Lagune

Heiligabend 2025; Neukaledonien/Nouméa; Tag 4.225

Laut Infoblatt wird die Ankunft des Weihnachtsmannes um 19:00 Uhr erwartet. Wir wollen vorher noch etwas essen und sind bereits um 18:00 Uhr auf dem Festplatz. Bei der Eröffnungsfeier des Lichterfestes hatten wir schon gesehen, dass genau zwei (!) Fressbuden für Hunderte von Besuchern bereitstehen. Eine Bude verkauft Pommes, die andere asiatisches Fingerfood. Lange Schlangen und ein schneller Abverkauf sind die logische Konsequenz. In den letzten Tagen haben wir uns vergewissert, dass wirklich jeden Abend diese Buden auf dem Festplatz aufgebaut sind. Es geht nichts über gewissenhafte Planung – Nouméa hat uns schon einmal geleimt.

 

Fingerfood-Köstlichkeiten – eine gute Idee vor der Parade, so unsere Idee.

Als wir uns an Heiligabend dem Platz nähern, ist die Stadt wie ausgestorben. Am Brunnen sind Gitter aufgebaut, die einen Parcours markieren. Dutzende ‚Sécurité-privée-Wachleute laufen herum. Sonst würden wir vermuten, wir haben uns im Tag geirrt. Außer den Besuchern fehlen zu unserem Entsetzen auch die Fressstände. „Das-darf-doch-wohl-nicht-wahr-sein“, wir schauen uns an und müssen lachen.

Hunger ist vorhanden. In einer Nebenstraße hat noch ein Imbiss geöffnet. Über den Anblick der Auslage schießen uns Tränen in die Augen: hartgekochte Eier, ein Salat in einer Plastikbox und drei Frühlingsrollen. Wir wählen die Rollen. Der asiatische Chef ist so nett und haut uns die Dinger in die Mikrowelle. Dass er die Rollen von heute Morgen noch los wird, scheint selbst ihn zu überraschen. Ein Weihnachtswunder der wenig schmackhaften Art. Trockene Biester, mit nichts gefüllt außer Glasnudeln.
Zum Nachtisch holen wir uns ein Eis am Stiel. Man gönnt sich ja sonst nichts. ;-)

Unsere Rettung. Heiligabend das erste Haus am Platz.

Kurz vor Ladenschluss ist das Angebot dünn.

Kulinarisches Highlight zu Weihnachten. :-)

Die Neukaledonier haben die Ruhe weg. Erst eine Viertelstunde vor dem Beginn der Veranstaltung füllt sich der Platz. Ein Animateur peitscht die Besucher ein, den Weihnachtsmann zu rufen. Im Chor sollen sie „Père Noël, Père Noël“ rufen. Dieser Aufforderung wird hundertfach gefolgt.

Alle Kinder sind weihnachtlich geschmückt …

… und warten gespannt.

Aufregung macht sich breit. Von wo wird der Weihnachtsmann kommen? Da plötzlich, an einer Seite, tauchen Lichter in einer Straße auf. Weiße Gestalten auf Stelzen und verkleidete Schneeflocken hüpfen umher. Dahinter eine mit Lichtern, Laternen und Leuchtern überladene Kutsche. Gezogen von einer nostalgischen Lokomotive. Alles blinkt und funkelt.

Die Lokomotive zieht den Schlitten

Zwei Glitzer-Rentiere ganz vorne.

Alles, was jemals für Weihnachten erfunden wurde, egal ob Märchen, Werbung oder Zeichentrick, findet auf dem überladenen Schlitten sein Plätzchen.

Die Sicherheitsleute haben alle Hände voll zu tun. Kinderarme sind zu kurz, aber Erwachsene reichen bis an die Deko heran. Inzwischen tummeln sich auch schon viele Leute auf der falschen Seite der Gitter.

Weiß-rote Figuren vorweg auf Stelzen: das ist aus französischen Paraden übernommen.

Der Baum schneit aus allen Rohren.

Der Weihnachtsmann steigt von seiner Kutsche. Folgt seinem Tross durch den abgegitterten Parcours. Eigene Sicherheitsleute sind bei ihm. Zwei Beleuchter setzten in in Szene. Arme recken sich ihm entgegen, nicht nur von Kindern. Er schüttelt Hände. Mütter halten ihm kleine Kinder zur Umarmung hin.
Dagegen verblasst jeder Superstar zu einem sinkenden Stern. Unglaubliche Szenen spielen sich ab. Über allem dröhnt der Animateur zusammen mit den Kindern: „Père Noël, Père Noël“. Es schneit aus allen Rohren Schaum-Schnee.

Wie sehr kann man übertreiben? Nouméa: Ja!

Wir sind stark beeindruckt. Das hatten wir nicht erwartet. Es ist eine Mischung aus Disney World und Slapstick-Komödie. Mehr Kitsch geht nicht!

Der Weihnachtsmann, wie Coca Cola ihn erfunden hat. Besser geht nicht.
Er hat seine eigenen Beleuchter dabei, die vor ihm herlaufen.

Frau Bürgermeisterin übergibt dem Weihnachtsmann den Schlüssel der Stadt. Symbolisch, dass er nun die Geschenke in den Häusern verteilen darf. Viele Häuser haben keinen Schornstein in Nouméa – da hat man sich diese Lösung für die Kinder überlegt.

Mit halb leerem Magen hat man kein Bauchdrücken. Entsprechend schlafen wir gut und fahren am ersten Weihnachtstag bereits um 7:00 Uhr morgens in die windlose Lagune.
Nichts schaukelt, wir liegen ruhig an der Mooring. Gute Bedingungen zum Kochen. Ohne Blinken und Glitzer schalten wir abends unseren persönlichen Weihnachts-Turbo an: Den Sauerbraten und die Klöße.

Warten aufs Essen. Jetzt schon seit 24 Stunden :mrgreen:

Entschädigung

Am zweiten Weihnachtstag wird beim Paddeln verdaut.

Ein schönes Weihnachtsfest 2025. Mehr Kontrast geht nicht.

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Joyeux Noël – Adventszeit in Nouméa

So., 21.12.25; Neukaledonien/Nouméa; Tag 4.222

Die Adventszeit beginnt verhalten in Nouméa. Von vorweihnachtlicher Betriebsamkeit ist nichts zu spüren. Keine Schokoweihnachtsmänner im Supermarkt, keine Lichterketten, kein Weihnachtsmarkt.

Die kleinste Weihnachts-Schokoladen-Abteilung, die wir je gesehen haben. Rechts, nicht mehr im Bild, stehen bereits Dosensuppen. Kein einziger Adventskalender. Aufbau vor zwei Wochen, nicht schon im September …

Unser „typisches“ Weihnachten ist tatsächlich eine rein deutsche Angelegenheit.
Adventskränze mit den vier Kerzen kennt man im Grunde nur im deutschsprachigen Raum. Es ist sogar überliefert, dass es den ersten Adventskranz 1839 gegeben hat. Folgerichtig von einem Deutschen erfunden.

Hinter dem gemütlichen Kerzenschein steckt die pädagogische Lösung für ein Problem, das wohl alle Eltern kennen: „Wann ist endlich Weihnachten?!“
Johann Hinrich Wichern war ein Theologe und Gründer des ‚Rauhen Hauses‘ in Hamburg. Ein Heim für Kinder aus armen Verhältnissen. In der Vorweihnachtszeit wurde er von den Kids so sehr mit der Frage gelöchert, dass er sich einen visuellen Countdown überlegte.

Der erste Adventskranz war kein zierliches Gesteck, sondern ein echter Brummer: ein massives, altes Wagenrad. Wichern bestückte das Rad mit insgesamt 24  Kerzen. Vier dicke weiße Kerzen markierten die Sonntage, während kleine, rote Kerzen für die Werktage dazwischen standen.

Der Wichern-Kranz war zwar eine tolle Idee, aber für die meisten Wohnzimmer schlichtweg zu riesig. Im Laufe der Zeit passierten zwei Dinge. Um 1860 kam das Tannengrün als Symbol für Hoffnung dazu und aus Platzgründen (und vermutlich auch aus Brandschutzgründen) schrumpfte die Kerzenzahl auf die vier Sonntage zusammen.
Es dauerte fast 100 Jahre, bis der evangelische Brauch dann auch in katholischen Gegenden populär wurde. Heute ist er aus keinem Wohnzimmer mehr wegzudenken.

Der Adventskalender ist ebenfalls eine deutsche Erfindung. Bevor es gedruckte Kalender gab, erfanden Eltern im 19. Jahrhundert kreative Zählhilfen, um die quengeligen Fragen der Kinder zu stoppen. Angefangen hat es mit Kreidestrichen an der Tür, wovon jeden Tag einer weggewischt werden durfte.

Der Verleger Gerhard Lang gilt als Vater des modernen Kalenders. Seine Inspiration: Als Kind nähte ihm seine Mutter 24 Plätzchen auf einen Karton. 1903 bringt er den ersten gedruckten Kalender raus. 1920 gibt es die ersten Türchen zum Öffnen. Erst 1958 kam Schokolade in den Kalender.

Kränze und Kalender sucht man in Nouméa vergebens. Sicherlich dem französischen Einfluss geschuldet. In Frankreich ist Religion Privatangelegenheit. Die zur Schaustellung religiöser Symbole in Schulen und Ämtern ist verboten. Christliche Weihnachtslieder werden in staatlichen Einrichtungen nicht gesungen. Ein Balanceakt in den Kitas, welches Lied gerade noch erlaubt ist.
Man wollte 1905 den Einfluss der Kirche auf die Politik beenden. Heute ist dem Franzosen die ‚ Laïcité‘ schon fast heilig – eine Art Grundgesetz der Freiheit.

In Nouméa findet der große ‚Bang‘ am 13. Dezember statt. Schon Wochen vorher hatten wir gesehen, dass in dem hübschesten Park der Stadt, der ‚Place des Cocotiers‘ große Torbögen, Traversen und Gestelle errichtet werden. Eine Hundertschaft an Helfern umwickelt jeden einzelnen Baum mit Lichtergirlanden. Hebebühnen und Krane fahren umher. Ein Pavillon ist geheimnisvoll mit einem Sichtschutz umwickelt.

Die Installation der Lichterketten. Wochenlanges Arbeiten.

Wir sind am Eröffnungsabend der „Fête de la Lumière“ pünktlich zur Stelle. Vor die große Lichtershow haben die Veranstalter eine Tanz-Gesang- und Geigenvorstellung gelegt. Der Andrang ist groß. Die Darsteller bestehen überwiegend aus Mädchen und Frauen. Ich kann nur vier Jungs entdecken. In den Ansprachen schwingt französisches Pathos mit. „Spectacle“ und „Magnifique“ fallen häufig.

Die Geigerei war zum Glück noch schöner als die Kostüme der jungen Damen. Es wurden keine Weihnachtslieder gespielt.

Das Motto der Weihnachtstage lautet jedes Jahr Feenwelt. Krippe und Jesuskind finden nicht statt.

Die großen Mädchen haben die Feen-Kleider.

Nach einer Stunde ist die Vorstellung zu Ende. Inzwischen ist es dunkel. Alle warten gespannt. Ein Countdown ertönt. Und ich bin mir sicher, dass ab heute Abend Nouméa aus dem Weltall zu erkennen ist.
‚Klotzen, nicht kleckern‘, die Devise der Stadtväter. Ein gelungenes Lichterfest.

 

Mit dem letzten Gong wird feierlich der Pavillon enthüllt. Eisig in Szene gesetzt: Eisbären und Pinguine tümmeln sich Seite an Seite.

Palmendekoration

Monströse Gerüste über dem Brunnen auf dem Platz. Der Brunnen ist so schon acht Meter hoch.

Das Herzstück ist der Torbogen, gleich neben dem Brunnen.

Zum Entzücken der Kinder schneit es neben dem Brunnen. Schnee dürfte für viele Kinder (noch) unbekannt sein. Daher merkt es auch keiner, dass es sich beim Schnee um Schaum handelt.

Die Flammenbäume stehen tagsüber in roten Flammen, da sie zur Zeit in voller Blüte sind – abends gut in Szene gesetzt.

Die Bäume sind riesig – hunderte Meter Lichterketten wurden verarbeitet.

Einen kleinen Weihnachtsmarkt gibt es ebenfalls auf der Festmeile: Kerzen, selbst gemachte Konfitüre und Seife. Der übliche Weihnachtsmarkt-Dreikampf. Keine Kränze, keine Gestecke, keine Krippen.

Nette, bunte Weihnachtsmeile bei sommerlichen Temperaturen.

Bis Heiligabend finden jeden Abend einstündige Vorstellungen im beleuchteten Park statt: Clowns, Zauberkünstler oder Gesangsvorstellungen. Die sind in erster Linie auf Kinder zugeschnitten und nicht so gut besucht, wie der Eröffnungstanz. Aber, wenn es dunkel wird, flaniert halb Nouméa durch die leuchtenden Torbögen.

Heiligabend soll das Lichterfest seinen Höhepunkt erfahren. Der Weihnachtsmann wird erwartet. Seine Ankunft soll jedes Jahr auf eine andere Weise erfolgen. Mal per Boot, mal seilt er sich ab. Wir planen dabei zu sein. Heiligabend unterwegs, das ist ungewöhnlich.
Unser Weihnachtsbraten wird also auf den 1. Weihnachtstag verschoben. Der liegt seit zwei Tagen in seinem Sud aus Rotwein und Essig. Achim hat sich Sauerbraten gewünscht. :roll: Bei 30 Grad. Plus Knödel und Rotkohl [Feed the beast, keep the peace].

Wir wünschen Euch, liebe Leser, ein wundervolles Weihnachtsfest. Vielleicht auch mal ganz anders als üblich? Die Dinge einfach auf den Kopf stellen?
Habt ein Fest voller Überraschungen. Genießt Eurer persönliches ‚spectacle‘. Seid ‚magnifique‘ und lasst es Euch gut gehen.
Frohe Weihnachten!

Frohe Weihnachten wünscht die Atanga Crew.

 

Mele ne halla Noël  ***  Ia ora na e te Noere  ***  Merre Kristmas

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Kiwis geben Fehler nicht zu? Mythos gebrochen!

Fr., 12.12.25; Neukaledonien/Nouméa; Tag 4.213

Die Neuseeländer haben den – tausendfach bestätigten – Ruf, Fehler nicht zugeben zu können. Das liegt nicht daran, dass sie sture Böcke sind, sondern an ihrer Höflichkeit. Ehrlichkeit, selbst die eigene, gilt als unfreundlich. „Ich habe Mist gebaut“, geht ihm nicht über die Lippen.
Missgeschicke werden höflich umschrieben, unter den Tisch gekehrt: No worries at all.

Befreundete Segler machen uns wenig Hoffnung: „Dass sie Fehler bei eurem Visums-Antrag gemacht haben, geben die niemals zu. Das Geld dürfte ebenfalls futsch sein.“ hier die Geschichte, was passiert war
Wir glauben das auch. Achim schreibt trotzdem einen Fünf-Punkte-Beschwerdebrief an Neuseeland Immigration. Das ist sechs Wochen her.

Der Bürokratie-Zermürbungsversuch

In der Zwischenzeit fanden ein paar Bürokraten-Tricks statt. Verschiedene Personen meldeten sich mit verschiedenen Ankündigungen: Wir antworten bis 15. Dezember oder auch, wir melden uns spätestens am 8. Dezember.
Eine Immigration-Frau forderte die erneute Zusendung einer Passkopie. Zu erledigen innerhalb von drei Tagen. Passiert in der Zeit nichts – Pustekuchen. Dann wird die Beschwerde gelöscht und ein neuer Antrag muss gestellt werden.

Die Kapitulation des Kiwi-Amtes

Die Antwort, die wir nun vor Ablauf der letzten Frist erhalten haben, verblüfft. Mehr Zugeständnis geht nicht. Sie entschuldigen sich aufrichtig bei uns und die vorausgezahlte Gebühr für das Visum wird erstattet (280 Euro).
Als ob das nicht schon Strafe genug für den Kiwi wäre, bekommen wir folgende Information: “ Die beteiligten Immigrationsbeamten wurden entsprechend informiert, und es wurden zusätzliche Schulungsmaßnahmen ergriffen, um ähnliche Probleme in Zukunft zu verhindern.“
Das Wochenende für unseren Employee 50.496 dürfte damit gestorben sein. Nachschulung steht an. :mrgreen:

Triumph. Erfolg. David gegen Goliath. Deutsche Beharrlichkeit gegen Kiwi-Freundlichkeit. ***

Der Kostenvoranschlag für entgangene Freude

Das gleitet wie Öl an uns herunter, ändert jedoch nichts daran, dass wir in Neukaledonien sitzen. Im teuren Nouméa. Während der Zyklonsaison. Etwas, das wir unbedingt vermeiden wollten. Dazu die entgangenen Urlaubsfreuden im gelobten Kiwi-Land. Vier Wochen mit dem Wohnmobil die Südinsel zu entdecken, stand fest auf dem Programm.
Wir rufen im Chor: „Das stellen wir einfach alles Neuseeland in Rechnung.“  :-)

 

 

*** Ein Punkt ist noch offen aus dem Beschwerdebrief: Achim wird weiterhin eine Einreise nach Neuseeland verwehrt, wenn er nicht vorher einen medizinischen Check über sich ergehen lassen würde. Er arbeitet daran, dass dieser Fehler und die Ungleichbehandlung zu mir noch aus seiner ‚Akte‘ gelöscht werden.

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