‚Ciudad Perdida‘ – Tag 2 – Die Hölle

Jessica von Yummytravel ist in einer Blog-Parade auf der Suche nach dem imperfekten Blogger-Gesicht.
Ich musste sofort an meine Bilder von unserer Wanderung zur ‚Verlorenen Stadt‘ denken.
Danke, Jessica, für diese schöne Idee.


Do., 20.Jul.17, Kolumbien/Sierra Nevada de Santa Marta, Tag 1146, 11.850 sm von HH

„Du willst aus Deiner Komfort-Zone raus?“, lautet der Werbeslogan unseres Touren-Veranstalters.

Ich bin raus.

Das erste Mal morgens um 5:30 Uhr.
Ich steige in meine nassen Klamotten vom Vortag. Das Shirt klebt kalt auf der Haut.
Meine Latzhose, die seit 20 Jahren alle Säuberungs-Aktionen des Kleiderschranks überlebt hat, erweist sich als Glücksgriff. Weit und blubberig hängt sie an mir runter, kaum Körperkontakt.

Allen anderen geht es nicht besser. Keiner hat frische Klamotten für jeden Tag dabei. Das Zeug muss am Körper trocknen.

Um 6:00 Uhr brechen wir auf.
Die meisten Teilnehmer dieser Tour sind kaum 25 Jahre alt. Studenten, Backpacker aus der ganzen Welt. Unsere Gruppe ist ebenso bunt gemischt: Engländer, Franzosen, ein Mädchen aus Guadeloupe, Australier und Kolumbianer.
Alles faltenfreie Gesichter. Nur eine Frau sieht älter aus als ich. Von mir bekommen sie und ihr Mann den Zusatz „Oma und Opa“. ;-)

Die Sonne geht grade auf. Der Nebel steht noch in den Bergen. Wunderschön.
Die steifen Knochen wärmen schnell auf, die Klamotten haben Körpertemperatur.
Meine kleine Blase am linken Hacken wurde von Ciser mit Tape behandelt, das Frühstück (Eier, Toast und Berge an Früchten) war gut. Hello world!

Die Freude über leichte Wege währt nicht lange.
Bald erreichen wir wieder Modder-Strecken. Am Rand vom knietiefen Matsch gibt es meistens eine kleine Spur auf der man laufen kann. Lianen und Wurzeln werden zum Festhalten genutzt. Ciser hatte uns gewarnt: „Viele Pflanzen haben gifte Stacheln, nässelnde Blätter, es gibt unangenehme Tiere. Achtet drauf, wo ihr hin fasst.“

Das macht schon längst keiner mehr. Alles wird gegriffen, was greifbar ist. Ob sich die Liane als Schlange entpuppt, egal, Hauptsache nicht in den Matsch rutschen. Niemand möchte die Schuhe voll Schlick haben.
Diese Art der Fortbewegung ist unfassbar mühsam. Ab 9:00 Uhr kann ich mein eigenes T-Shirt riechen. :mrgreen:

ohne Worte

ohne Worte

Nach zwei Stunden wird der Weg trockener. Mal bergauf, mal bergab.
Das erste Mal sind kleine Flüsse zu durchqueren. Was nach großem Abenteuer klingt oder zumindest romantisch, ist beim dritten Mal einfach nur lästig: Schuhe aus, durch den Fluss waten, wie bekommt man jetzt die Füße trocken und sandfrei?, und Schuhe wieder an.

Mein Tape von der Blase hat sich gelöst, Pflaster hält nicht, die Blase wächst und ist zunehmend spürbar.

Wir kommen an einem Kogi-Dorf vorbei.
Die Menschen leben in ihren traditionellen Hütten streng nach Geschlechter getrennt. Die Frauen mit den Töchtern in einer Hütte, die Männer mit den Söhnen daneben. Die Kinder sollen frei von Sexualität aufwachsen. Zum Sex geht ein Paar in den Wald.

Die Kogi tragen alle weiße Kleidung. Die wohl unpraktischste Farbe hier im Busch wo alles nass, matschig und vermoost ist. Die Kinder sind ein gutes Beispiel für die schlechte Farbwahl. :lol:

Jungs und Mädchen tragen das gleiche Kleid und die gleichen langen Haare. Sie sind nur an der Perlenkette und dem unvermeidlichen ‚Mochila‘, der Umhängetasche der Kogis zu unterscheiden.
Zartgliedrige, kleine Menschen sind die Kogis mit einem ganz besonderen Gesichts-Ausdruck. Wir werden weitestgehend von ihnen ignoriert. Nur die Kogis, die für den Treck arbeiten, grüßen uns, die anderen schweigen.

Nach fünfeinhalb Stunden erreichen wir um 11:30 Uhr das Camp fürs Mittagessen. Nach meinem Empfinden bin ich für heute genug gelaufen, könnte gut hier für den Rest des Tages verweilen.

Aber nach einer Stunde geht es bereits weiter, Ciser treibt zur Eile, er erwartet am Nachmittag wieder Regen. Er hetzt uns auf die Piste, nicht ohne uns vorher wissen zu lassen, dass der schlimmste Abschnitt der gesamten Strecke jetzt vor uns liegen würde.

Ich falle nun häufig zurück. Es geht brutal bergauf, steil, schlechte Wege, Geröll, Steine und hohe Stufen machen mir das Leben schwer.
Nur ‚Oma und Opa‘ sind noch hinter mir.

Achim, die alte Raucherlunge, hetzt mit den Jungen vorne weg.
Dann fällt ihm ein, dass er ja noch eine Frau hat, wartet auf mich, hilft zeitweise charmant :shock: über schwierige Stein-Kombinationen an Bächen.
„So langsam wie Du kann ich nicht“, und ist im Wald verschwunden.

Ich kämpfe mich vorwärts.
Mag schon längst nicht mehr: „Ich bin ein Star, holt mich hier raaaaauuuusss…“

Achim ist jetzt immer länger verschwunden, ich stapfe weiter.
Jetzt bloß aufpassen! Die Oma rückt näher.
Sie wird zu meinem Schrittmacher. Wäre ja noch schöner.
An Bächen und abwärts bin ich schneller als sie…bergauf holt sie regelmäßig auf.
Ich lege einen Zahn zu. Zeitweise kommt sie gefährlich nah, dann kann ich ‚Nase hoch ziehen‘ hören. Nervig. Ich leg ein Brikett nach.

Die Oma fällt zurück. :-)

Noch zwei Stunden

Noch zwei Stunden

zu laufen

zu laufen

 

Um 17:00 Uhr dann die Erlösung, das Camp taucht zwischen den Bäumen auf.

Ich bin total fertig, im Arsch, kaputt. Am Ende meiner Kraft.
Zur Dusche schaffe ich es nicht mehr. Die lange Unterhose ziehe ich einfach über meine Schlammbeine, wanke so zum Abendessen und sinke um 18:30 Uhr tot ins Bett.

 

‚Ciudad Perdida‘ – Tag 1 – Ein garstiger Anfang

Mi., 19.Jul.17, Kolumbien/Sierra Nevada de Santa Marta, Tag 1145, 11.850 sm von HH

Ich liege in meinem Bett-Stall und lausche auf die Geräusche.
Um 20:00 Uhr ist bereits Ruhe im Camp. Alle sind fertig. Hier noch ein paar französische Worte, dort noch ein spanisches Kichern.

In zwei Etagen liegen wir in einer Art Legebatterie dicht neben einander. Nur getrennt durch zwei Schichten Moskito-Netze. Das muss an Privatsphäre reichen.

Bett-Ställe

Bett-Ställe

 

Die Decken vor denen ich so viel Grausen hatte, entpuppen sich als ‚machbar‘. Matratze und Kopfkissen sind bezogen. Wirken allerdings benutzt. Die Decke ist ein bunter Mikrofaser-Lappen.
Meine Anti-Ekel-Strategie sind lange Unterhosen und ein Shirt mit langen Ärmeln. Das wird sowieso empfohlen wegen der Moskitos. Um das Kopfkissen wickel ich ein Tuch. Das habe ich vorsorglich eingepackt, da eine aufmerksame Segel-Freundin meinte: „Bett-Wanzen bevorzugen die weiche Haut am Hals.“ :mrgreen: Danke dafür.

Hätte ich man mehr Angst vor der Strecke gehabt als vor benutzter Bettwäsche. Der als harmlos geltende erste Tag ist, ich formuliere mit Bedacht, ist beschwerlich. :lol:

Vier Stunden für sieben Kilometer liegen vor uns. Wir sind eine Truppe von dreizehn Personen plus Ciser unserem Guide vorne weg, und Carlos, dem Guide, der hinten aufpasst, dass keiner verloren geht.

Es fängt leicht an. Meistens bergauf, etwas bergab, mal ebene Strecke, gute Wege. Mein Stock, den ich mir gegriffen habe (von Rückkehreren im Start-Camp zurück gelassen), wird von Achim milde belächelt: „Ist der nicht lästig?“

Nach drei Stunden sind wir auf 600 Höhenmetern angekommen. Durchgeschwitzt, aber noch fähig zu lächeln und zu atmen. Eine kleine Pause mit Wassermelone als Snack wird dankbar angenommen.

Sierra Nevada de Santa Marta

Sierra Nevada de Santa Marta

 

Es zieht dunkel auf. Noch eine Stunde zu laufen. Nur bergab. Wieder runter auf 400 Meter. Zehn Minuten später regnet es. Erst Landregen, dann Tropenregen.

Es gibt zwei Fraktionen in unserer Gruppe: die mit und die ohne Regenjacke. Am Ende macht es keinen Unterschied. Wer eine Regenjacke anhat, schwitzt so sehr, dass er genauso nass wird wie die ohne.
Wir gehören zu denen ohne Jacke. In den Rucksäcken ist alles wasserdicht verpackt, da kann nichts passieren.

Der Weg weicht schnell auf und wird glitschig.
Achim äugt neidisch auf meinen Stock.
Der Weg wird steiler.
Kleine Rinnsale machen aus dem Glitsch zentimeterdicken Modder.
Achim sucht in den Büschen nach einem Stock.

Der Weg weicht auf zu knöcheltiefen Morast. Jetzt bloß nicht ausrutschen. Wir kommen nur mühsam voran. Die Schuhe saugen sich im Matsch fest. Gut für den, der einen Stock hat.
Von oben der Regen, von unten der Schweiß. Wir schwitzen alle wie die Schweine, dampfen im Regen.

Achim findet einen Knüppel mit seitlichen Ästen dran, viel zu dick und ungeeignet. Egal, ohne Stock kommt man nicht mehr voran.

Der Weg wird noch steiler. Knietief ausgewaschene Rinnen.
Die ersten rutschen weg. :shock: Landen mit Hintern und Rucksack im Modder. die gesamte Kehrseite ist Lehm verschmiert.

Der rote Matsch droht von oben in die Schuhe zu quellen.
Eine gehbare Strecke zu finden, wird immer schwieriger. Ciser hilft wo er kann, zeigt bessere Wege.

Nach zwei mühsamen Stunden erreichen wir das Camp.
Nass bis auf die Unterwäsche. Kaputt und ausgepowert. Ein kräftiges Abendessen weckt die Lebensgeister, eine kalte Dusche erfrischt.

Das erste Mal, dass wir Zeit haben, die Mitglieder in der Gruppe näher kennen zu lernen.
Die lehmverschmierte Unterwäsche derer, die gerutscht sind, kennt man bereits. Die hängt zum Trocknen zwischen Esstisch und Bett.
Eine sinnlose Maßnahme. Dass hier nichts trocknen wird, erkennt jeder.

Um 20:00 Uhr ist Ruhe im Camp. Ich liege in meinem Stall und lausche dem Regen auf dem Wellblechdach.
Morgen erwartet uns der härteste Tag: fünfzehn Kilometer Marsch, geplant sind neun Stunden.

Hätte ich mir man Sorgen um die Strecke gemacht.

Trekking zur ‚Ciudad Perdida‘

Di., 18.Jul.17, Kolumbien/Santa Marta, Tag 1144, 11.850 sm von HH

Morgen geht es ans Eingemachte.
Unser ‚Backpacking‘ in Mexiko war eine Kindergarten-Vorstellung gegen das, was kommt.
Im Grunde haben wir ja nur unseren Rucksack vom Hotel zum Bus getragen.
Jetzt erwartet uns ein anderes Kaliber.

Wir wollen zur ‚Ciudad Perdida‘ – zur ‚Verlorenen Stadt‘.

Erst 1975 wieder entdeckt, ist sie eine der größten präkolumbischen Stätten Südamerikas.
Vor über tausend Jahren von den Tairona errichtet, ist die Stadt in Vergessenheit geraten bis Grabräuber sie überwuchert in der Sierra Nevada entdeckten und plünderten.

Vor ein paar Jahren konnte man als Tourist mit dem Hubschrauber dorthin gelangen.
Den Kogi ist die ‚verlorene Stadt‘ heilig und so wurden Hubschrauber-Landungen eingestellt.

Heute ist sie nur zu Fuß zu erreichen. Über einen knapp 25 km langen Treck (und das gleiche zurück) durch den kolumbianischen Utwald.
Der Weg führt über steile Dschungelpfade, es gilt mehrfach Flüsse zu durchqueren und sich auf 1.200 Höhenmeter vorwärts zu arbeiten.
Am Ende sind noch über tausend Stufen zur ‚verlorenen Stadt‘ zu überwinden.

Ohne Handy Empfang, kein Internet, kein Strom.

Der Track gilt als mittelschwer und die häufigsten Beschreibungen lauten: „Du willst aus deiner Komfort-Zone raus…? Nichts, wirklich nichts bleibt trocken. Unglaublich anstrengend. Es gibt Millionen Mücken und zeitweise Bettwanzen.“ :shock:

Wir haben die Wahl zwischen vier oder fünf Tage Wanderung.
Wir entscheiden uns für den fünf-Tage-Track. Vor dreizehn Jahren wurden hier noch Touristen entführt, heute gilt der Weg als sicher. Mit der Farc gibt es ein Friedens-Abkommen und der Coca-Anbau hat sich in den Westen Kolumbiens verlagert.

Übernachtet wird in Hängematten oder in Gemeinschafts-Unterkünften in Stockbetten.
Nachts wird es kühl in den Bergen, aber es soll ‚Decken‘ geben.
Noch angewärmt vom Vorschläfer oder wie muss ich mir das vorstellen? Ein Laken oder Leinen-Schlafsack wird empfohlen.

Um die Verpflegung brauchen wir uns keine Gedanken machen, die wird von Eseln in den Urwald getragen. Für den ersten (halben) Wander-Tag muss man sein Trinkwasser mitbringen. Alle weiteren Tage wird durch ‚Pillen‘ Regenwasser trinkbar gemacht.

Nur :lol: seine persönlichen Sachen muss man selber schleppen: Klamotten, Waschzeug, Handtuch, Toilettenpapier, Taschenlampe und Fotoapparat.

Wie viel kann eine durchschnittlich fitte Mittel-Europäerin tragen?
Bei 30 Grad Hitze und 98% Luftfeuchtigkeit?
Ohne nach zwei Stunden nach einem Sauerstoff-Zelt zu verlangen?

Empfohlen wird nicht mehr als 10 kg mitzunehmen.
Für mich ist das zu viel. Viel zu viel.
Mein erster Stapel, den ich zusammen stelle, wiegt 7 kg. :shock:
Zu viel!

Ich handel mit Achim aus, dass er unser Waschzeug (total albern: Zahnbürsten, Shampoo, Deo und eine Haarbürste), das Mückenspray, Pflaster und Durchfall-Pillen alleine trägt.
Dann mogel ich ihm noch ein Handtuch unter – das hat zur Folge, dass er neun Kilo, inklusive drei Kilo Wasser, tragen muss.
Und ich verzichte auf frische T-Shirts für jeden Tag. Es stinken wahrscheinlich sowieso alle ab Tag zwei.

Auf ein Betttuch muss ich ebenfalls verzichten. Das ist schlimm, ekel ich mich doch in Hotel-Zimmern schon vor den Tagesdecken zu Tode.
Am Ende schaffe ich es auf 5,5 kg inklusive anderthalb Liter Wasser.

Den Kogi-Indianern ist es traditionell noch erlaubt Coca Blätter zu kauen. Vielleicht kann ich einem der Jungs (nur die Männer dürfen kauen) ein paar abschwatzen.
Gilt Coca Blätter kauen doch als Leistung steigernd. Nicht umsonst kaut die indigene Berg-Welt Südamerikas das Kraut.

Vorsichtshalber habe ich mir die Wuchs- und Blattform von Erythroxylum coca – dem Coca-Strauch eingeprägt. Nicht, dass man an seinem Glück noch planlos vorbei läuft. :mrgreen:

Ich melde uns mal ab für die nächsten fünf Tage.

Santa Marta

Do., 13.Jul.17, Kolumbien/Santa Marta, Tag 1139, 11.850 sm von HH

Santa Marta ist wohl der quirligste Ort an dem wir bislang waren.

Die meisten Geschäfte werden auf der Straße gemacht.
Die Fußwege vor offiziellen Geschäften sind voll geparkt mit Fliegenden Händlern, Saftbuden oder Fress-Ständen.
Dadurch ist der Fußweg kaum mehr begehbar, was die Menschen auf die Straße zwingt.
Dadurch ist die Straße kaum mehr befahrbar, was die Autos zum Hupen zwingt.

Wer es eilig hat, umgeht besser die Einkaufsstraßen.

Touristen laufen fast gar keine umher. Der gemeine Touristen-Segler hasst ja auch nichts mehr als andere Touristen. :mrgreen:
Ein paar Backpacker, die in den angrenzenden Bergen wandern wollen. Das war’s.

Santa Marta gilt als die älteste Stadt Südamerikas. Gegründet 1525.
Schnell jedoch läuft Cartagena der Stadt den Rang ab. Santa Marta verliert an Bedeutung und an Glanz. Den holt sich der große Bruder Cartagena.

Heute ist nicht mehr viel aus der Kolonial-Zeit erhalten, nur ein paar Straßenzüge sind Zeitzeuge, dass vor 500 Jahren die Spanier hier landeten.

Kathedrale von Santa Marta

Kathedrale von Santa Marta

 

Ein zweihundert Jahre alter Friedhof liegt mitten im Altstadt-Centrum. Aufwendige Mausoleen mit Putten, Engeln und Inschriften wechseln mit Gräbern neueren Datums.
Hier wir in zwei Klassen beerdigt. In der ersten Reihe die Nobel-Gräber, dahinter, kaum zu erreichen und verdeckt, die ‚Favelas‘ unter den Gräbern. Grob gebaute Nischen für Urnen.

Die Preisliste steht gleich am Eingang: Vier Jahre ein „Gewölbe“ mieten, kostet 500 Euro.
Ein kleines „Beinhaus“ ist für den gleichen Zeitraum für 160 Euro zu haben.
Der Friedhof ist ein Treffpunkt für Jung und Alt, fröhlich schwatzend wird durch die Gänge flaniert oder die älteren Herrschaften hocken im Schatten der Bäume.

Die Versorgungslage in Santa Marta ist her-vor-ragend.
Es gibt Alles und alles für kleines Geld. Außer Milchprodukte und Schokolade, damit tun sich die Geschäfte schwer.
Obst und Gemüse ist von ausgezeichneter Qualität. Nie waren die Ananas saftiger, süßer und preiswerter. Weniger als ein Euro kostet eine große Frucht.
Auf dem offiziellen ‚Schwarzmarkt‘, mitten im Zentrum gibt es Zigaretten aus China (China Duty not paid :oops: ) und Rum aus Venezuela. Das Rauerherz freut sich, die Stange ist für 13 Euro zu haben.

Schwarzmarkt-Kunde incognito

Schwarzmarkt-Kunde incognito

Mittags können wir für 2,50 EUR pro Person essen gehen. Vorsuppe, Hauptgericht und köstlichen, verdünnten Fruchtsaft, soviel man möchte.
Abends kostet es ein wenig mehr…da muss man schon 4,00 EUR für ein Essen berappen. ;-)
Das Essen ist bodenständige Hausmanns-Kost. Die Suppe ein Reste-Mix, sämig aufgekocht mit Kartoffeln oder Bohnen. Herzhaft lecker.
Das Hauptgericht ist gegrillter Fisch oder Fleisch mit Salat, Reis und Kochbananen-Taler. Manchmal auch Pommes. Keine kulinarischen Höhenflüge, aber grundsolide.

Dafür kann man nicht selber kochen.
Was uns gut in den Kram passt, da die fortschreitenden Lackier-Arbeiten in der Pantry angekommen sind. Sperrzone.

Oder es gibt BBQ auf dem Marina-Gelände.
Organisiert von der kleinen Gemeinde der Langfahrtsegler (Finnen, Amerikaner, Engländer und ein paar Deutsche), die wir uns hier eingefunden haben.
Rinderfilet vom Markt kostet grad 11,00 EUR das Kilo. Da freut sich der Skipper, wenn sich die Grillstangen verbiegen. Fleisch satt.

Koom mi nich an de Farv!

Mi., 12.Jul.17, Kolumbien/Santa Marta, Tag 1138, 11.850 sm von HH

Dieser Hamburger Schnack als ernst gemeinter Hinweis hat eine Lebensdauer von 15 Minuten. Als mein Held von der Dusche zurück kommt, steht er mit dieser Pose im Salon. :shock:

Breitbeinig und gut aufgelegt.
Das ändert sich spontan als ich an anbölke: „Hand ab! Rechts ist doch frisch gepinselt!“

Szene nachgestellt

Szene nachgestellt

Dass es eine Herausforderung werden würde auf dem Schiff zu wohnen und gleichzeitig heikle Stellen zu lackieren, war zu erwarten. Aber das? Den Kopf nur zum Haare schneiden, oder wie? :mrgreen:

Ist man nur eine Minute abgelenkt, schon hat man Malheur.
Um die kritische Stelle herum liegt Papier, von der Decke hängen Bänder, um auch beim letzten Crew-Mitglied die Erinnerung wach zu halten: „Achtung, frisch gestrichen.“

Dabei sind die Grundvoraussetzungen gar nicht schlecht. Durch die Hitze ist der Lack  nach dreißig Minuten schon staubtrocken. Ich kann morgens den ersten Schlag drauf pinseln und nachmittags bereits anschleifen und die zweite Schicht lackieren.
Trocknung wie im Lackier-Raum. Cool.

Dazwischen gibt es diese schwierige Phase, wo Anfassen unerwünschte Fingerabdrücke hinterlässt.
Die Erkennungsdienstlichen Maßnahmen sind angeschlossen. Alle Fingerabdrücke in die Schiffs-eigene Datenbank übernommen. Ausreden ‚ich war’s nicht‘ sind ab sofort, für uns beide, zwecklos.

Wir kommen um das Pinseln nicht länger herum.
Der Lack ist ab. Weg. Einfach abgegrabbelt. Natürlich nur an Stellen, die tausend Mal am Tag angefasst werden. Scheuerleisten in Bad, Pantry und am Navitisch. Und alle Haltegriffe.

Um uns beiden das Leben zu erleichtern, lackiere ich zuerst die Steuerbordseite, dann kommt Backbord. „Vorsicht, Achtung, Bauch einziehen, nicht gegen lehnen. :shock: Koom mi nich an de Farv, Du Dösbaddel.“