Tag 3 – Mahi Mahi

Mo., 10. Apr.16, Atlantik, Tag 680, 6.145 sm von HH, etmal 142 sm Wie erwartet, ist die Stroemung querab zu Trinidad abgerissen und wir muessen nun aus eigener Kraft vorwaerts kommen. :-( Schluss mit Rauschefahrt. 142 sm ist aber auch noch ein guter Wert. Rechnerisch ist es noch immer zu schaffen, dass wir in vier Tagen Martinique erreichen. Die traumhaften Segelbedingungen halten an. Es ist ein klein wenig welliger geworden, trotzdem bleiben Tee-Becher noch stehen und wir schlafen wie zu Hause auf dem heimischen Sofa. Toll. Und heute, endlich, fangen wir unseren ersten Dolphin-Fisch, auch Goldmakrele oder Mahi Mahi genannt. Vormittags springt uns mal wieder einer kurz vorm Reinziehen vom Haken. Wie oft wir das schon hatten? Wir koennen es nicht mehr zaehlen. Der Biss vom Nachmittag ist zu doof oder wir lernen dazu. In jedem Fall liegt der Bursche filitiert im Kuehlschrank und wird gleich gebraten. Mit meiner ersten Filitierung bin ich zufrieden, koennte schlechter sein (das Messer ist grossartig, liebe Petra und Andreas :-) ). Da uns ja alle professionellen Koeder geklaut wurden, angeln wir noch immer mit meinen Eigen-Kreationen. Und worauf stehen Mahi Mahis? Auf babyrosa Schleifenband mit weißen Puenktchen….

Tag 2 – Wie gewonnen, so zerronnen

So., 09. Apr.16, Atlantik, Tag 679, 6.003 sm von HH, etmal 169 sm

Wir haben ja zur Zeit kein Internet und wissen nicht, wer 169 sm getippt hat, aber „herzlichen Glückwunsch“ an den unbekannten Tipper. Das kommt zwar nicht an den Spitzenwert von gestern ran (übrigens, es waren 180 sm :-) ), ist trotzdem ein super Wert.

Soweit so gut.

„Mit Verlaub, Herr Neptun, Sie sind ein Arschloch.“ Mit der einen Hand gibt er, um mit der anderen doppelt zu nehmen.
Erst beschert er uns die wohl schönsten 48 Segelstunden am Stück mit diesem göttlichen etmal. Lässt uns im Geschwindigkeits- und Glücksrausch taumeln, um dann voll hinzulangen.

Heute Morgen greift er nach dem Hilfsruder unserer Windsteueranlage.
Das liegt jetzt auf 3.624 Meter Tiefe. Mittlerweile sollte es unten angekommen sein. :mrgreen:

Auf einmal hält Atanga nicht mehr den Kurs zum Wind. Es gibt Situationen, da verschieben sich zwei Zahnräder, kommt schon mal vor.
Eine Kontrolle von Achim ergibt, nein, alles in Ordnung.
Mag sein, aber der Kahn läuft nicht auf Kurs.

Es dauert eine Weile und bedarf des Absteigens auf die Badeplattform bis er sieht, das Ruder fehlt. Tuti kompletti. Inklusive Befestigungs-Flansch. Alles weg. :cry:

Fassungsloses Staunen macht sich breit. Wie kann das sein?
Die Schrauben für das Ruder haben sich schon mal nicht losgejackelt, dann wäre der Flansch ja nicht ebenfalls weg. Ein Studium der Sprengzeichnung der Anlage bringt auch keine Erhellung.

Diverse Lager, Verlängerungsrohre, noch ein Lager, Dichtungen und Zeug sind noch da.
Zu sehr möchte Achim auch nicht an dem Restrohr wackeln, sonst verabschiedet sich der Inhalt dieses Rohres auch noch in die Fluten.

Ohne Ruder keine Windsteueranlage, also müssen der Autopilot oder die Menschen ran.
Ein neues Ruder zu besorgen, dürfte ein ziemlicher Aufriss werden. Das Teil ist wohl 1,20 Meter lang und wiegt 15 kg.

Was will man sagen? „Scheiße“, tritt es irgendwie ganz gut.
Oder, etwas poetischer: Wie gewonnen, so zerronnen. Unverhofft kommt oft.
Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Wo viel Licht, da auch viel Schatten. Ende.

Wieder unterwegs

Wir sind wieder unterwegs und auf dem Weg nach Martinique. Soweit laeuft alles guten und wir cruisen bei 4 Bft halbem Wind mit 7kn Richtung Karibik. Hoffentlich belibt das so….denn so ist Segeln schon ganz nett. Positionsmeldungen werde ich wie immer per Funk senden. Unter Positionn sind diese dann zu sehen.

Keine Turtles…

Do., 07. Apr.16, St.Laurent/Franz.Guyana, Tag 677, 5.699 sm von HH

…am Strand von Les Hattes.
Gelege-Löcher von der Vornacht sind zu sehen. Die Schildkröten bleiben aus.
Ein paar Schlammspringer, das war’s. Schade, vielleicht ein anderes Mal.

Somit verabschieden wir uns mit einem schönen Sonnenuntergang vom Naturstrand. :-)

Au revoir Französisch Guyana

Do., 07.Apr.16, St.Laurent/Franz.Guyana, Tag 677, 5.699 sm von HH

Für uns hat es sich in jedem Fall gelohnt, den Abstecher nach Südamerika zu machen. Untouristisch ist es hier und daher zeitweise etwas schwierig, Besichtigungen zu organisieren. Wer Französisch kann, hat es leichter.

Französisch Guyana gilt als das reichste Land Südamerikas. Der Standard sei hoch, verglichen mit den Nachbarn. Dieser Reichtum lockt Einwanderer aus Brasilien und Haiti hierher.
Arbeit gibt es aber so schon nicht genug.

Die Bevölkerung ist unglaublich jung. Man sieht nur Teenager auf der Straße.
Jede fünfte Frau ist offensichtlich schwanger. Die noch unsichtbare Dunkelziffer ist wahrscheinlich noch mal genauso hoch.

Die jungen Männer stehen auf der Straße im Schatten herum.
Cool sein ist wichtig. Die gleichen Status-Symbole, wie in Deutschland sind wichtig. Die Jeans und Shorts hängen auf halb acht, und die mit ‚CK‘ und ‚Nike‘ gebrandeten Unterbüxen schauen hervor.
Tattoos sind wichtig. Die Sinnhaftigkeit darf, je nach Pigmentierungs-Grad, allerdings in Frage gestellt werden (schwarzer Adler auf schwarzem Grund :mrgreen: ).

Von den Mädchen hat die Hälfte Perücken auf oder Extensions im Haar.
Aufgetürmt zu unglaublichen ‚Vogelnestern‘.
Die Frisur ist wichtig. Wichtig, dass kein Kraushaar mehr zu erkennen ist.
Unter den Perücken juckt es. Muss es jucken, bei 30 Grad und mehr.
Um die Frisur nicht zu gefährden, wird nicht mit dem Finger gekratzt, sondern die entsprechende Stelle wird leicht mit der flachen Hand beklopft.


Oder das Haar wird unter Tüchern und Turbanen versteckt.
Mit einer dicken Schleife, wie ein Propeller vor dem Kopf. Das sieht immer gut aus. Trüge unsereins so etwas, sähe man aus wie Witwe Bolte. ;-)

Leider sind viele der jungen Leute übergewichtig. Gute Nahrungsmittel sind teuer.
Also wird auf ungesunde Dickmacher zurück gegriffen.
Es gibt auch wahre Schönheiten unter den schwarzen Mädchen. Die wissen das nur allzu genau. Den langen Hals gereckt, wandeln sie mit Model-Attitüde, ja, Arroganz im schönen Gesicht durch die Straßen.

Allen gemein ist, dass, wer es sich leisten kann, mit einem Smartphone durch die Straßen läuft. Smombies. Überall Smombies, denen man ausweichen muss.

Der Einzelhandel ist komplett in chinesischer Hand. Außer den großen französischen Supermarktketten ‚Carrefour und Super U‘.
Die 1000 Töpfe-Läden, kleine Supermärkte, Klamotten-Läden und der Eisenwaren-Handel, werden nur von Chinesen betrieben. Bistros und Imbissbuden ebenfalls.

Bereits in Portugal sind uns die ersten China-Läden aufgefallen. Riesige Ramschläden mit Tausenden Artikeln. Es stinkt nach Plastik und die Sachen taugen nichts.
Diese Geschäfte haben die Kanaren überflutet, sind auf den Kap Verden allgegenwertig und in Französisch Guyana und Suriname ebenfalls zu finden.

Meistens hält sich die gesamte Groß-Familie im Laden auf.
Kinder werden gehütet, hinter der Kasse wird eine Suppe geschlürft. Kunden und Umsatz sind Mangelware.
Wir glauben schon länger, dass es sich um Geldwäsche handeln muss.
Man muss keine Buchhalterin sein, um zu sehen, dass da etwas nicht stimmen kann. Uns kommt es komisch vor.

Französisch Guyana ist Europa. Jedoch, nicht nur geografisch, meilenweit davon entfernt.