Puerto Morelos

Fr., 24.Mrz.17, Mexiko/Puerto Morelos, Tag 1027, 9.971 sm von HH

Puerto Morelos noch als ein „Fischerdorf“ zu bezeichnen, haben sich Marketing-Strategen ausgedacht. Touristen haben längst den kleinen Ort erobert.
Inklusive Souvenir-Shops, Restaurants, Happy Hour und Schnorchel-Touren.
Trotzdem kommt der Ort ganz gemütlich daher.

Vor 50 Jahren brachte ein Hurrikan den Leuchtturm in Schieflage. Der schiefe Turm wird liebevoll gehegt und gestrichen und ist längst zum Wahrzeichen des Dorfes geworden. Er symbolisiert prima die Schieflage zwischen Tradition und Moderne in Puerto Morelos.

Gerne hätten wir direkt vor dem Ort geankert. Zum Glück für die Korallen, zum Unglück für uns hat man das vorgelagerte Riff zur Marine Park erklärt. Wir dürfen somit nicht neben den alten Fischer-Stegen ankern. Moorings zu setzten, hat man leider vergessen.

Für uns Segler gibt es eine seelenlose Marina drei Kilometer entfernt. Die Anlage erinnert entfernt an moderne Marinas in Dänemark: Leihkarren für Proviant, akkurat gemähter Rasen und perfekte Schwimmstege mit Wasser und Strom.
Die Marina ist für das Preisgefüge in Mexiko viel zu teuer. Trotz 20% Rabatt kostet der Platz pro Tag 33 USD. Weniger als ein Drittel der Plätze sind belegt.

Zur Anlage gehört ein gut gebuchtes Resort. Pool mit und ohne Kinder-Verbot, Jacuzzi und Spa-Bereich. Etwas eng bebaut.
Wir dürfen alles mitbenutzen, sogar Handtücher können wir uns leihen. Die Duschen sind sauber und modern, es gibt Eis für kleines Geld und Waschmaschinen. T
rotzdem, wir hätten lieber im Dorf geankert.

Fünf Kilometer entfernt finden wir einen großen Supermarkt. Eine unattraktive Straße mit wenig Schatten führt uns dorthin. Es gibt, wie auf Isla Mujeres, alles zu sehr günstigen Preisen.
Auf grüne Bratwurst und ein Terrarium voller Schweinehaut können wir allerdings verzichten. ;-)

Geplant war nur ein kurzer Stop Over in Puerto Morelos. Nun hat es der Balou  auf der Fahrt hierher (Kaffee-Segeln übrigens, halber Wind, 15 Knoten, keine Gegenströmung, alles tutti) allerdings das Schothorn aus ihrem Großsegel gerissen.
Eine erste Recherche ergibt, dass eine Reparatur von hieraus wohl am einfachsten zu regeln ist: Somit werden wir wohl etwas länger bleiben.

Auf nach Puerto Morelos

Mi., 22.Mrz.17, Mexiko/Isla Mujeres, Tag 1025, 9.937 sm von HH

Morgen geht es weiter. Nicht weit. Nur 30 sm nach Puerto Morelos.
Bei Puerto Morelos handelt es sich um das „letzte“ Fischerdorf an der Riviera Maya.
Den Tourismus-Strategen in Mexiko waren auf der Suche nach einem Namen für die paradiesische Schönheit des vor uns liegenden Küstenabschnittes – Riviera Maya.
Derzeit gibt es über 250 Hotelanlagen und die Entwicklung der Fischerdörfer zu Mittelklasse-Urlaubs-Maschinerien verläuft rasant.
Angeblich soll es keine Hochhaus-Bettenburgen geben .wie in Cancún, Flächig gebaute Resorts sollen die Landschaft nicht verschandeln.

Wir sind gespannt, ob wir noch auf die vielgepriesene Pracht der Mexikanischen Küste stoßen werden. Die Topografie von Mexiko erleichtert die Suche nicht.
Die Strände sind vielfach ungeschützt. Seichte Buchten Fehlanzeige. Vorgelagerte Riffe sind flach und bieten bei Nordwind zu wenig Schutz.
Vor Puerto Morelos existiert ein Marine Park, somit ist Ankern verboten. Unser Ziel wird also erneut eine Marin sein.

Unsere neuen Nachbarn, die Balou, kommt mit.
Die alten Nachbarn bleiben hier. ;-)

Good bye

Good bye

Nachbarn

Nachbarn

Good bye Isla Mujeres

Good bye Isla Mujeres

 

Warte-Zeit gleich Wartungs-Zeit

So., 19.Mrz.17, Mexiko/Isla Mujeres, Tag 1022, 9.937 sm von HH

Wir wollen Richtung Süden weiter. Ins Herz von Quintana Roo. Den Bundesstaat in Mexico mit den besten Tauchgründen, den weißesten Stränden und dem türkisesten Wasser.

Vor die Weiter-Fahrt hat der liebe Gott die Geduld gesetzt.
Wir haben Nordwind oder gar keinen Wind. Nordwind wäre bei einem Südkurs grundsätzlich nicht verkehrt, allerdings sind dann die Ankerplätze ungeschützt. Dafür brauchen wir Ostwind. Der soll am Mittwoch wieder da sein. Also heißt es warten.

Ein Riss :shock: im Bimini ist bereits geflickt. Das gute Stück scheint tatsächlich morsch zu werden. Wie viele Stunden es der Sonne ausgesetzt war, können wir nicht sagen, da es vom Vorbesitzer stammt.
Die Risse über den Bügeln verheißen nichts Gutes. Ich ahne, dass dies eine Dauerbaustelle werden könnte.

 

Achim klettert in den Mast und kommt mit schlechten Nachrichten wieder runter.
Zwei Fallen (Bänder zum Hochziehen der Segel am Mast) haben üble Scheuerstellen.
Eine Reparatur ist möglich. Dafür muss das Fall um die beschädigte Stelle gekürzt und ein neues Auge in das Fall gespleißt werden.
Bei geflochtenem Tauwerk kein so leichter Job. Aber Achim hat es schon mal gemacht und es geht ihm gut von der Hand.


Das begleitende Gefluche hält sich in Grenzen. Der schwierigste Teil ist das Wieder-rüber-ziehen des Mantels über eine nun viel zu dicke Stelle.
Der Takling ist nicht zwingend erforderlich, deckt aber den wulstigen ‚Pfusch‘ an der dicksten Stelle etwas ab. ;-)

Fleisch ist ebenfalls eingekocht, doofe Schaps sind aufgeräumt und in den Ecken ist geputzt. Quintana Roo, wir sind bereit.

 

Beate

Do., 16.Mrz.17, Mexiko/Isla Mujeres, Tag 1019, 9.937 sm von HH

Beate ist Hebamme und Sozialpädagogin.
Sie ist witzig und hat eine dreckige Lache. Beate trinkt gerne Tequila und ist nett.
Beate liegt mit Rainer und ihrer Balou am Steg neben uns.
Beate ist noch vieles mehr, nur eins ist Beate nicht: Friseurin.

Aber aus der Nummer lass ich sie nicht raus. Irgendwas muss mit meinen Haaren passieren.

Beate hat Angst, aber ich verspreche ihr, sie weder zu beschimpfen noch im Hafen zu versenken.
Gemeinsam treiben wir drei Papierscheren in verschiedenen Größen auf. Und ein alter Kamm ist auch noch zu finden.

Ich habe keine Angst, schlimmer kann es nicht werden.
Einen Tequila zum Mut antrinken, lehnt Beate ab. Da bin ich dann doch ganz
froh drüber. :mrgreen:
Vorsichtig arbeitet sie sich nach vorne. Mutig, Millimeter für Millimeter. Kein Edgar mit den Scherenhänden, aber von Erfolg gekrönt.
Muss man sich auch erstmal trauen. :-)

 

 

 

Yacht-Reportage

Mi., 15.Mrz.17, Mexiko/Isla Mujeres, Tag 1018, 9.937 sm von HH

Ein wenig stolz bin ich ja schon…alles andere wäre gelogen.
In der ‚Yacht‘ (Europas größtes Segelmagazin – Eigenwerbung) Nr. 7 wird heute eine, von mir geschriebene, Reportage über unsere Teilnahme an der Nereid’s Rally erscheinen.
Zehn Seiten, eigene Bilder, großformatig, bunt, das volle Programm.

Was soll ich sagen? Wie es dazu gekommen ist?
Ich habe gefragt, ob sie am Thema ‚Nereid’s Rally‘ interessiert sind, und sie haben „ja“ gesagt. :-)

Interesse am Thema ja, verbindliche Zusage über eine Veröffentlichung, zunächst nein.
Erst abliefern, dann… „wir kennen Ihre Schreibe nicht, Frau Willner“.
Man gab mir ein paar Anweisungen mit auf den Weg, wie sich die Redaktion einen Artikel wünscht:
– 15.000 Zeichen inkl. Leerschritten
– 100 bis 150 hochauflösende Fotos sind mitzuliefern
– nicht chronologisch schreiben, nicht belehrend sein :shock: , Unwichtiges weg lassen, im Präsens schreiben, die ‚ich-Form‘ vermeiden und zig Schikanen mehr.

Puh, klare Ansagen, klare Herausforderung.

Also habe ich nach der Rally losgelegt und geschrieben und geschrieben.
Lieben Dank an meinen Kritiker und geduldigen Zuhörer, lieben Dank an Achim (ich weiß, am Schluss konntest Du die blöde Geschichte nicht mehr hören, hast aber immer noch geschafft auf inhaltliche oder sprachliche Fehler zu achten, danke! (Grammatik habe ich lieber selber gemacht ;-) ).

Nach zehn Tagen war alles geschrieben, die Bilder gefunden und beschriftet (mit Ortsangabe, wer und was zu sehen ist). Eine entsprechende Tabelle zu meinen 130 Fotos war fertigt und dann habe ich mich getraut. Getraut, mein Gesamtwerk zur Redaktion der Yacht zu senden.

„Ganz, ganz prima“, war dann die Wertung des verantwortlichen Redakteurs.
Kein „hervorragend, großartig, nie haben wir was besseres gelesen“, aber immerhin!
Besser als ‚ganz nett‘, den kleinen Bruder von ‚Scheiße‘ :mrgreen:

Nein, es muss ja gefallen haben, sonst hätten sie es nicht genommen.
Wer also über den Blog hinaus nicht genug von meinem Geschreibe bekommen kann: dann kaufe einfach die Yacht, erhältlich an jedem Kiosk.

Ein bisschen stolz bin ich ja schon…