Crocodile Hunting

Mi., 29.Mrz.17, Mexiko/Puerto Morelos, Tag 1032, 9.971 sm von HH

Wir sind angefixt.
Krokodile einfach so bei einer Fahrrad-Tour in Streichel-Reichweite zu sehen, das hat was.
Wir wollen mehr.

Achim und ich setzten uns aufs Rad und fahren parallel zur Küste weiter Richtung Süden.
Hier hört die Bebauung bald auf. Asphalt geht in Sandpiste über. Vereinzelt stehen noch einige Privathäuser direkt am Strand. Auch nicht schlecht. Wie ein karibischer Traum sieht das Meer allerdings nicht aus. Wellen peitschen an den Strand. Aufgewühltes Wasser. Seetang liegt in einer dicken Schicht auf dem Puderzucker-Sand.

Hinter dem Strand wuchert niedriger Trocken-Regenwald-Busch. Im Wechsel mit Wassertümpeln. Diese Tümpel sind unser Ziel.

Wir sind vorsichtiger geworden. Die Böschung wird nach Mäulern abgesucht. Jeder Stock im Wasser hat Augen. Jeder Stein ist ein Croco. Es raschelt im Gebüsch. Okay, Angst haben wir nicht, aber laufen können wir. :lol:

Außer Krokodil-Attrappen finden wir nur ein paar Wasservögel.

Allerdings ist Mommy mit ihrem Mini-Croco wieder da. An der gleichen Stelle wie beim ersten Mal.
Das Kleine paddelt heute neben der Mutter her. Klettert über die Schnauze auf ihren Rücken. Süß. Wie leicht kann man da gefressen werden. Fragt sich das Kleine gar nicht, wo seine Geschwister geblieben sind? :mrgreen:

wie süß

wie süß

 

wie Gollum

wie Gollum

 

mit Froschaugen

mit Froschaugen

Das mit den vielen Tieren gefällt uns hier. Morgen geht es trotzdem weiter.
Wir wollen nach Cozumel, der größten Insel Mexikos und nur eine Tages-Etappe entfernt. Berühmt ist die Insel durch Jacques Cousteau geworden.
Der tauchte bereits 1961 hier und erklärte die Riffe um Cozumel zu einem der schönsten Tauchreviere der Welt. Seitdem kommen Herrscharen an Tauchern und Kreuzfahr-Schiffen nach Cozumel. Mal sehen, ob wir dort eine kleine untouristische Nische wie auf Isla Mujeres und in Puerto Moreles entdecken können.

Tulum

Mo., 27.Mrz.17, Mexiko/Puerto Morelos, Tag 1030, 9.971 sm von HH

Tulum ist die einzige Maya-Stätte am Meer. Und die am meist besuchte in Mexiko, weil sie dicht an den Touristen-Zentren liegt.
Die Ruinen von Tulum gelten aus Archäologen-Sicht als unbedeutend.
Sie sind trotzdem das (!) Fotomotiv. Kein Reiseführer, kein Prospekt, der nicht vom malerischen Palast Tulums geziert wird.
Blauer Himmel, weißer Strand, türkis Wasser, ein Fotografen-Traum.

Beate und Reiner sind noch Maya-Tempel unbefleckt und machen den Vorschlag: „da wollen wir hin“.
Dass Tulum nicht mit den großartigen Anlagen im Hochland mithalten kann, liegt auf der Hand. Es gibt keine Pyramiden. Nur kleine Tempel, keine endlosen Treppen.
Wir wollen trotzdem gerne mit und los geht es mit dem Bus. Eine Stunde dreißig Fahrt Richtung Süden.

Wir warten an der Landstraße auf unseren Bus und spätestens jetzt hätte uns auffallen müssen, dass Hunderte Busse an uns vorbei fahren. Richtung Süden.
Im Süden kommt nicht mehr viel, was solche Massen an Touristen anziehen könnte, außer Tulum. :shock:

Beim Aussteigen merken wir es dann auch. Wir sind nicht allein.

Die Besichtigung ist eine große Enttäuschung.
Alle Tempel sind weiträumig abgesperrt. Das ist schade, hat aber Sinn. Aktiver Tempel-Schutz. Spätestens nach einer Saison hätten die Besucher-Massen die Ruinen nieder getrampelt.

Es bleiben schmale Wege, die sich durch die Anlage winden. Inklusive Stau.
An den schönsten Stellen spürt man schon mal die Ellenbogen von ungeduldigen Fotografen, die ebenfalls einen Platz ganz vorne wollen.
Selfie-Sticks geraten gefährlich in Augen Nähe.

Gruppenfotos vor der Ruine, vor dem Meer, mit Leguan, ohne Leguan, nur mit Mutti. Dazwischen Reisegruppen, die tatsächlich einen Lern-Auftrag haben. Sie umringen einen, lauthals Erklärung schwingenden, Reiseführer.

Achim und ich waren in den anderen Ruinen ganz ergriffen von der Schönheit der alten Städte. Ein wenig andächtig sind wir zwischen den Überresten der Pyramiden gewandelt. Die Stimme automatisch gedämpft, so wie man es in der Kirche macht.
Hier möchte man einfach nur noch weg.

Dieser Besuch ist wie in Disney-Land. Ein Tollhaus.
Es gibt sogar einige Badewillige. Als ob es rechts und links von Tulum keinen Strand gäbe.
Nein, genau hier muss gebadet werden. Gut, wer’s braucht.
Bereits zwischen den Ruinen wird in Badekleidung gelaufen. Große Bäuche und schlaffe Hintern an unpassender Stelle gezeigt.

Am Ausgang tummeln sich vom Rummel unbeeindruckt ein Nasenbär und eine Mexikanische Schlank-Natter. Das ist doch mal was. Somit hat sich der Ausflug tier-technisch gelohnt. :-)

Nasenbär

Nasenbär

 

 

 

Mexikanische Schlank-Natter

Mexikanische Schlank-Natter

Und ein Wunder findet sich am Ausgang. Der Massenansturm ist schlagartig vorbei. Keine Warteschlangen mehr an den Drehkreuzen.
Unser ultimative Besucher-Tipp für Tulum lautet: Komm nach 14:00 Uhr. Besser erst um 15:00 Uhr. Die Busladungen an Menschen sind dann bereits wieder in ihren Hotels oder auf ihren Segelschiffen. Du kannst dann in Ruhe eine, eigentlich schöne, Maya-Stätte besichtigen. Es ist die einzige am Meer. ;-)

 

Noch lachst Du,

So., 26.Mrz.17, Mexiko/Puerto Morelos, Tag 1029, 9.971 sm von HH

möchte man Achim am Straßen-Schild zurufen. Mach Dich ruhig lustig.
Das Schild steht hundert Meter hinter dem Hotel-Eingang. „Ein Touri-Gag“, winkt er ab. Nasenbären, Schlangen und Krokodile kreuzen den Weg!
„Hier doch nicht“.

Kein Touri-Gag!
Nur fünfhundert Meter weiter stoßen wir auf Mutter Krokodil. Fürsorgliche, liebevolle Mutter. Das Junge sitzt auf ihrem Rücken und heizt sich in der Sonne wohlig auf. Der schlechte Ruf der Krokodile kann von der Mutter-Fürsorge nicht her rühren.
Die beiden sitzen zwei Meter tiefer in den Mangroven. Ein Abstand von zehn Metern und etliche Bäume dazwischen wiegen uns in Sicherheit.

Kroko-Mutter mit Kind

Kroko-Mutter mit Kind

Kroko-Baby

Kroko-Baby

 

Wir sind mit Beate und Reiner auf Fahrrad-Tour.
Noch einmal durch Puerto Morelos schlendern. Im gemütlichen Dorf die Nebenstraßen abfahren. Durch ein nettes Wohn-Viertel bummeln und lecker Hausmanns-Kost vertilgen.
Die alte Mexiko Hochland-Regel greift auch hier: Je schlichter der Laden, desto besser das Essen.

Hinter Puerto Morelos geht bebautes Land wieder in Mangroven über. Erneut warnt ein Schild nachdrücklich vor dem Betreten des Waldes. Wir glauben es diesmal. Ein Nasenbär huscht über die Straße. Ein überfahrener liegt am Straßenrand.


Auf einmal ruft Reiner: „Krokodil-Alarm!“
Keine zwei Meter neben der Straße liegt ein Großer.
Direkt in Waden-Schnapp-Höhe radeln wir an ihm vorbei. Das Maul ist weit geöffnet.

Vollbremsung.

Durch Tierfilme mit gesundem Halbwissen ausgestattet, ist klar, dass das aufgerissene Maul ein gutes Zeichen ist. :lol: Der will sich nur aufwärmen. Das Gehirn wird durchs Öffnen des Mauls gekühlt.
Trotzdem, das Fahrrad bleibt zwischen uns und dem Tier. Grade rechtzeitig fällt uns ebenso ein, dass die Biester schnell sind. Verdammt schnell.

Beulen- oder Spitzkrokodil

Beulen- oder Spitzkrokodil

Wir kommen heil und mit allen Gliedmaßen zurück in die Marina.
Ein Blick ins Internet verrät, das hätte auch anders ausgehen können. :shock:
Die Berichte über Unfälle mit Krokodilen in Mexiko beherrschen das Netz. Die Süßwasser-Tiere sind auch im Brackwasser umtriebig.
Da bekommen geplante Schnorcheln-Ausflüge eine neue, sportliche Komponente. :mrgreen:

Die Faszination des Grauens

Sa., 25.Mrz.17, Mexiko/Puerto Morelos, Tag 1028, 9.971 sm von HH

Es ist wie bei schrecklichen Nachbarn im Restaurant, die mit offenem Mund kauend sich lauthals krähend unterhalten. Man muss immerzu hingucken.
So geht es mir mit dem ‚Schwimm-mit-Delphinen-Freiwasser-Becken‘ schräg gegenüber von Atanga.

Ich mag Delphinarien nicht, ob nun gekacheltes Becken oder Freiwasser.
Der Engel auf meiner Schulter lehnt jeden Besuch und eine Unterstützung von Delphinarien kategorisch ab.

Eine artgerechte Haltung ist in einem Becken kaum möglich. Delphine schwimmen bis zu 150 km am Tag und tauchen 300 Meter tief. Hier endet ihr Grund nach vier Metern.

Sie bekommen toten Fisch, den sie in freier Wildbahn verschmähen. Dieser muss mit Wasser aufgespritzt werden, da Delphine nur über Nahrung Wasser aufnehmen.

In gekachelten Becken verkümmert ihr Sonar, da die Beckenwände irreführende Signale geben. Künstliches, gechlortes Salzwasser reizt die Augen.
Im Freiwasser schwimmen sie häufig in ihrer eigenen Kloake. Hier in der Marina liegt ihr Becken genau an der Hafeneinfahrt. Vielleicht ist trotz Ufernähe ist ein regelmäßiger Wasseraustausch gewährleistet.

Ich kann sie vom Cockpit aus springen sehen.
Schon sitzt der Teufel auf meiner anderen Schulter und flüstert mir ins Ohr: „Komm, stell Dir vor, mit einem Delphin zu schwimmen. Ihn einmal anfassen. Muss das nicht ein Traum sein?“

Mit Beate, dem Engel und dem Teufel, machen wir uns auf den Weg, um die Sache aus der Nähe zu betrachten. Als Schaulustiger kann man ungestört dem Treiben in den Gehegen zuschauen. Das ist tricky, macht das doch Lust auf mehr.
Mein Teufel läuft zur Hochform auf: „Los, das willst Du auch. Schau, wie sie lächeln, das macht ihnen gar nichts aus. Alles freiwillig. Das ist auch für die Delphine ein großer Spaß.“

Im Zweistunden-Takt werden Gäste zu den Delphinen gelassen.
In jeder Ecke des Beckens hat ein Delphin seine Kunden. Die nicht gebuchten Tiere werden in der Zwischenzeit von Trainern mit Ballspielen unterhalten oder abgelenkt.

In Gruppen von 10 Personen darf man 30 Minuten einen Delphin streicheln und sich einmal an der Rücken-Flosse ein paar Meter ziehen lassen. Das kostet 120 USD.
Für 170 USD schrumpft die Gruppe auf vier Personen und neben dem Streicheln wird man von zwei Delphinen durchs Wasser geschoben. Dafür muss man sich flach aufs Wasser legen, die Delphine kommen von hinten und drücken einem mit der Schnauze an den Fußsohlen durchs Wasser. Kurz bevor man am Zaun zerschellt, lassen sie ab. :mrgreen:

Einen privaten Delphin bekommt man für 399 USD für zwei Personen. Den darf man dann tot streicheln. 45 Minuten lang. Bauch. Kopf. Rücken. Alles wird getäschelt. Die Krönung ist dann von zwei Delphinen gleichzeitig gezogen zu werden.

Ich habe Glück. Mein Teufel hält beim Betrachten der Schändung der Tiere relativ schnell die Schnauze. Mir vergeht die Lust auf Delphin-Schwimmen.

Die Kunden wirken allerdings glücklich und begeistert. Selbst kleine Mädchen haben keine Angst, sich von den zwei Meter langen Tieren ziehen zu lassen. Die kleinen Diven, die beim Pony-Reiten schon mal in Tränen ausbrechen, wenn sie endlich auf dem Tier sitzen, sind furchtlos.


Das wohl liebenswürdigste Tier der Welt verbreitet Vertrauen und Sympathie.
Katzen-Hasser, Hunde-Gegner, kennt man alle, aber es gibt wohl niemanden, der sagt: „Ihh, Delphine sind echt widerlich.“

Ich wünsche mir (und den Delphinen), dass sich das Delphin-Schwimmen nachhaltig ins Gedächtnis brennt. Zumindest bei einem Teilnehmer.
Vielleicht ist heute die Geburtsstunde von einem leidenschaftlichen Umweltschützer.
Leider habe ich gelesen, dass Zoos angeblich nicht den Lerneffekt haben sollen, den man ihnen häufig zuschreibt. Nur jeder zehnte Besucher erinnert sich knapp an die Namen der gesehenen Tiere.