Unsere Windsteueranlage

Di., 19. Apr.16, Martinique/Le Marin, Tag 689, 6.392 sm von HH

Unsere Windsteueranlage ist eine ‚Pacific Plus‘ aus dem Hause Windpilot in Hamburg.
Das ‚plus‘ steht für das Hilfsruder, welches die ohne-Plus-Anlagen nicht haben.
Schön wäre, wenn wir jetzt einfach behaupten können, pfeif auf das ‚plus‘.

Das Hilfsruder, hier Archivaufnahmen, wird mit sechs Schrauben an einem Flansch befestigt.

 

Im oberen und im unteren Teil des Flansches ist je eine Ringschraube angebracht.
Diese hat Achim hochwichtig erst vor ein paar Monaten mit einem Schäkel verbunden, um den Verlust des Ruders beim Verlust der Schrauben zu verhindern.
Gelächter. :mrgreen:
Hätte er gewusst, dass Alles verschwinden kann, hätte er es besser an der Badeplattform gesichert.

Denn eben dieser Flansch ist auch in den Fluten verschwunden. Die Ursache liegt im abgebrochenen Ruderschaft innerhalb des Trag-Rohres, was auf dem Foto zu erkennen ist. An dem Ruderschaft hing der Flansch, an dem Flansch das Ruder.

Diverse Lager stecken noch in dem verbliebenen Trag-Rohr. Somit sind von sieben Teilen aus denen der untere Teil unserer Pacific Plus besteht, zwei verschwunden und eins kaputt.
Zu früh gefreut. Die verbliebenen Teile sind leider nicht mehr zu gebrauchen.

Ein paar Mails und Telefonate mit Herrn Förthmann von Windpilot geben Aufklärung.
Die Windsteueranlage (vom Schiffs-Voreigner gekauft) ist 14 Jahre alt. Zu so einer Materialermüdung kann es kommen, wenn mit dem Schiff viel motort und die Kupplung nicht regelmäßig kontrolliert und nachgestellt wird. Das haben wir nicht getan. :shock:
Zu wissen, warum das passiert ist, gibt zwar Aufklärung, jedoch keinen Trost.

Das Unglück will es, dass in der Zwischenzeit das Ruder modifiziert wurde.
Somit können wir nicht einfach den Ruderschaft, den Flansch und das Ruder ersetzten.
Herr Förthmann empfiehlt den kompletten Satz zu tauschen. Der Ruderschaft darf nur minimal Spiel im Rohr haben, sonst träte der Schaden gleich wieder auf.
Neue Fertigung, DIN-Toleranzen, muss nicht passen….wir brauchen den gesamten Satz neu.

Gegen den Einwurf kleiner Münzen kein Problem. Wir sollen nur sagen, wo es hin soll.
Herr Förthmann ist bewandert im Schicken solcher Pakete. Er hat auch schon Preise für den Versand per Luftfracht: ca. 500 EUR in die Karibik. Lieferzeit 10 bis 14 Tage.

Da wir nicht auf Martinique darauf warten wollen, lassen wir uns das Teil nach Grenada senden. In Grenada endet unsere Karibik-Runde, da dann die Hurrikan-Saison beginnt.
Dort haben wir mehr Zeit, mein Heimaturlaub steht von dort aus an.

Das bedeutet, dass wir die Strecke von Martinique bis Grenada ohne Wind-Herta auskommen müssen. Da wir jetzt kurze Tages-Etappen von maximal 30 sm vor uns haben und sonst Buchten abklappern wollen, macht das nicht aus. Zum Glück haben wir ja noch den Autopiloten…
Der Einbau in Grenada wird ein toller Spaß.
Die Windsteueranlage muss abmontiert, das neue Ruder angeschraubt und alles komplett wieder an Atanga montiert werden.
Die Badeplattform ist dabei im Weg, muss also halb demontiert werden. Sozusagen der Ast auf dem man sitzt.
Dass alles zusammen ‚zwei Tonnen‘ wiegt, darf nicht unerwähnt bleiben. Direkt über drei bis fünf Meter tiefen Wasser.
Das kann in drei Monaten ja eine tolle Geschichte geben. :-)

Arbeitsdienst im Paradies

So., 17. Apr.16, Martinique/Le Marin, Tag 687, 6.392 sm von HH

Nix Planschen im glasklaren Wasser, keine kühlen Getränke in der Hängematte oder Relaxen am Strand. Arbeitsdienst ist angesagt.

Le Marin gilt als der Ausrüstungshafen für die weitere Fahrt in die karibische Karibik.
Sämtliche Gewerke sind vor Ort und ein maritimer Männer-Supermarkt ist an dem anderen.
Es gibt fast alles und das meiste davon ist günstiger als in Deutschland.

Wir nutzen das, um unsere Ankerkette um 45 Meter zu erweitern. Bislang hatten wir nur 50 Meter und dies erschien uns auf Dauer zu wenig. Zukünftig können wir auch bei 20 Meter Wassertiefe den Anker werfen.
Schwerer Einkauf so eine Kette.

Dazu lag noch ein Anker unter dem Weihnachtsbaum :-)
Mit nur zwei Ankern waren wir auch da etwas schwach ausgerüstet.
Der Platz dafür ist gefunden, es fehlt nur noch eine sinnhafte Befestigung am Heckkorb.

Eine Winsch hat auf der Überfahrt ihren Geist aufgegeben und nicht mehr gegriffen.
Tatsächlich ist mal nichts kaputt, sondern eine der Klinken war verklebt. Nach einer Reinigung schnurrt die Winde nun wieder.

Außerdem bedarf der Kahn mal wieder einer gründlichen Decks-Reinigung. Nach fast vier Monaten ohne Süßwasser aus dem Schlauch ist das bitter nötig.
Zwei Tage schruppen auf den Knien. Schweiß strömt.
Und nein, ich bin nicht bei der Arbeit eingeschlafen. In der prallen Mittagssonne kann man solche Arbeiten unmöglich fortsetzten. Man fängt besser um 7:30 Uhr mit solchen Sonnen-Arbeiten an. Gerne zur Freude der Nachbarlieger. :mrgreen:

Wir haben vom Ort und Insel noch nicht viel gesehen. Am Mittwoch wird sich das ändern, dann wollen wir mit der La Joya Crew ein Auto mieten.
Bis dahin, ist noch mehr Maloche angesagt: Grosseinkauf, Einkochen, Polieren, Waschen, Räumen und Besorgen.
Nix Paradies. ;-)

Ankunft in der Karibik

Do., 14. Apr.16, Martinique/Le Marin, Tag 684, 6.392 sm von HH

Bereits nach vier Tagen und 12 Stunden erreichen wir St. Anne. Das bedeutet eine sensationelle (für uns) Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 6,4 Knoten.
Diese Überfahrt geht in die Geschichte der besten, der besten Segeltörns ein. ;-)

 


St. Anne liegt im Süden von Martinique und ist eine große Bucht, vorgelagert vor Le Marin.
Einer der größten Häfen im Antillen-Bogen befindet sich hier.
Pünktlich zum Sonnenuntergang kommt Reinhard uns entgegen. Die Findus im großen Ankerfeld zu finden wäre sonst eine Art Stecknadel im Heuhaufen-Aktion.

Wir werden mit kühlen Getränken herzlichst in Empfang genommen. Die frische Goldmakrele brät Reinhard für uns. Köstlich. Eine gute Portion für vier Personen.

Am nächsten Morgen verholen wir uns in die Marina.
Die ist rappelvoll. So viele Schiffe und Menschen, eng an eng, sind wir gar nicht mehr gewöhnt. Nach fast vier Monaten nur am Anker, ist es schön, einfach von Bord gehen zu können, wann man will und außerdem gibt es Duschen.
Die sind zwar etwas dämlich gebaut, ohne einen Haken für Klamotten, ohne Licht und mit zunehmend zu heißer Einheits-Temperatur. Aber besser als nichts.

Die Findus liegt zufällig neben uns (Familie und Nachbarn kann man sich halt nicht aussuchen :mrgreen: ).
Die La Joya liegt noch draußen vor Anker und kommt innerhalb der nächsten Tage ebenfalls in die Marina. Bekannte Gesichter von den Kanaren und Mindelo sieht man hier wieder.
Jeder kennt jeden. Wo wollt ihr hin? Was habt ihr vor? Pläne schmieden, gemeinsam planen, lachen und es gibt diverse Drinks auf diversen Schiffen. Mit dem Dinghi gemeinsam zum Schiffsausrüster düsen oder zum Markt schlendern.
Jetzt sind wir wirklich zurück im gesellschaftlichen Leben.

Tag 4 – Mahi Mahi, number two

Di., 11. Apr.16, Atlantik, Tag 681, 6.276 sm von HH, etmal 131 sm

An der Ueberschrift unschwer zu erkennen, Achim hat noch einen Mahi Mahi gefangen.
Ein wenig groeßer, gute 80 cm, und beim zweiten Mal geht das Toeten auch schon leichter von der Hand. Wie vielfach gelesen ,handhaben wir es auch so: Die gelb-blaue Schoenheit bekommt einen Schluck 100%igen Alkohol in die Kiemen, verdreht kurz die Augen und dann gehen auch schon die Lichter aus. Um auf Nummer sicher zu gehen, bekommt der Gute noch einen Kiemenstich versetzt. Danach wird er mir uebergeben. Es ist traurig mit anzusehen, wie schnell die praechtige Faerbung verschwindet und graue Haut ueber bleibt.

Wir koennen Martinique schon sehen und werden kurz vor Sonnenuntergang anlanden. Zunaechst gehen wir in St. Anne vor Anker. Dort warten Karen und Reinhard von der Findus schon auf uns. Was fuer eine Freude. Das gibt ein Wiedersehen. Zuletzt haben wir uns vor drei Monaten in Mindelo gesehen. Und in ein paar Tagen wird auch noch die La Joya erwartet. Was fuer ein Fest. :-)

Tag vier unserer Ueberfahrt war nicht mehr ganz so toll. Der Wind kommt jetzt achterlich und zu schwach. Das beruehmte Rollen ist wieder da. Nicht allzu arg, aber die drei Tage vorher war noch schoener. Als Fazit ist zu sagen, dass dieser Toern in die Geschichte von Atanga eingeht. Wenn der Verlust des Ruders nicht gewesen waere (ein Bericht ueber den genauen Schaden und was wir eigentlich verloren haben, folgt in Kuerze), koennte man ihn perfekt nennen.
Das hat Freude bereitet.